Neue S-Klasse – Fahrbericht

Der Gedanke, sich bei 30° Außentemperatur eine Hot-Stone-Massage auf dem Fahrersitz der neuen S-Klasse zu gönnen, ist in der Tat ausgefallen.  Dabei spielen die 30° Außentemperatur in der Welt der wohl umsorgten Passagiere der neuen S-Klasse sowieso keine Rolle mehr. Also rein in das Menü, Sitzkomfort, Massage, Hotstone — während ich mich eigentlich um meinen Rücken kümmern wollte, fällt mir im Augenwinkel das besorgniserregende schaukeln das vorausfahrenden Fahrzeugs auf. Ein Kleinwagen rumpelt gerade über die bedrohlich wirkenden Verwerfungen eines Bahnüberganges, nur wenige Meter vor uns. Kurzer Blick auf den Tacho: Bremsen? Nein – denn wer bei dieser Geschwindigkeit nun bremst, der lässt den Wagen vorne eintauchen und der Federweg für diese fiese Stolperfalle wäre nochmals verkürzt. Also innerlich auf den heftigen Rumpler einstellen – Kopf zwischen die Schultern packen – Augen zugekniffen.

Aber   – nichts passiert.  Die neue S-Klasse bügelt diese fiese Form der Asphalt-Verwerfungen einfach weg.  Was uns die Ingenieure später auf einer speziell präparierten Teststrecke zeigen wollten, konnte ich ungewollt, selbst erfahren.

Vorstellung Mercedes-Benz S500

Arbeitsplatz oder Wellness-Oase?

S-Klasse Testfahrt Hofeinfahrt

Magic Body Control haben die Schwaben dieses Wunderwerk der Fahrwerkstechnik genannt. Vermutlich ist die exzessive Nutzung der Anglizismen („Magic Body Control“ ist nur eine von vielen feschen englischen Wortschöpfungen in der Aufpreisliste) das kleinere Übel, ich mag mir nicht vorstellen, wie das „magische Karosserie-Steuerungssystem“ wohl auf schwäbisch klingen würde. Magic Body Control sorgt also dafür, dass man von den übelsten Straßen dieser Welt, kaum mehr mitbekommt, als die heftigen Karosseriebewegungen der Fahrzeuge um einen herum.

S-Klasse neu in fahrt von schräg hinten

Die Straße mit anderen Augen sehen

Mercedes-Benz hat dem Fahrwerk Augen mit auf den Weg gegeben. Nun  können die Dämpfer-Elemente etwas, was bislang einzigartig ist. Nicht nur in der Luxusklasse. Sondern im Fahrzeugbau ganz generell. Oberhalb des Innenspiegels sitzt eine Stereokamera die ständig die nächsten 15 Meter vor dem Fahrzeug im Blick hat und ganz genau erkennt, was an Schlaglöchern und Bodenwellen auf das Fahrzeug zukommt. Und aus dem was diese Kamera sieht, den aktuellen Daten über Fahrzustand, Beladung, ect., errechnet das System die optimale Taktik für die Feder-Dämpfer-Elemente. So kann es bewusst ein Rad belasten oder entlasten oder für den Bruchteil einer Sekunde die Dämpfung extrem weich einstellen, so dass die folgenden Asphaltverwerfungen einfach geschluckt werden. Das Ergebnis dieser Technik ist schlicht sensationell.

S-Klasse am See

Hot-Stone – Massage für die Prinzessin auf der Erbse

Nachdem sich meine erste Faszination für das Fahrwerk gelegt hatte, war klar – jetzt muss ich diese Hot-Stone Massage ausprobieren. Meine Erfahrung mit Massage-Systemen im Auto war bisher eher durchwachsen. Frei nach dem Motto: „Da bewegt sich etwas am Rücken, aber eine Massage ist etwas anderes“.  Insgesamt vierzehn (14!) einzeln gesteuerte Luftkissen und eine speziell ausgelegte Sitzheizung sorgen für eine Massage, wie ich diese nie zuvor in einem Auto erleben durfte. Und überhaupt diese Sitze. Während man gutes Sitzgestühl in vielen Autos findet, ist das, was Mercedes-Benz in der neuen S-Klasse anbietet, einfach nur die Krönung im Automobilbau. Zusammen mit dem gegen Aufpreis (und diese Aufpreisliste ist lang!) erhältlichen Sitzkomfort-Paket für Fahrer und Beifahrer wird aus der S-Klasse eine rollende Oase die selbst verwöhnten Zeitgenossen ein fürstliches Angebot zuteil werden lässt.

S-Klasse Chaffeurssitze

Der Testwagen:

Modellbezeichnung: Mercedes-Benz S500
Fahrzeugklasse: Luxus-Limousine
Verkaufsstart: Ab 20.Juli
Leistung: 455 PS

Basispreis:

107k € 

 

S-Klasse Rücksitze Chaffeurssitze

Auf dem Weg zum autonomen fahren

Schmerzlich aber fakt: Der deutsche Markt ist für die neue S-Klasse nicht der wichtigste. Auch wenn das Flaggschiff der Stuttgarter mit dem Herzen deutscher Ingenieurskunst gezeichnet wird, gekauft wird die neue S-Klasse vor allem in Nord-Amerika und Asien.

S-Klasse Rückansicht

Selbst fahren – oder fahren lassen? 

Die S-Klasse kann nicht nur diese zwei, sondern drei (!) Disziplinen. Aktives selbst fahren, gerne auch über lange Strecken – dabei ermüdungsfrei durch die Unterstützung von vielen Helferlein. Entspanntes „fahren lassen“ auf dem optionalen Chaffeurs-Sitz hinten rechts mit einer fast waagrechten Sitzposition und ausgestreckten Beinen. Oder das teil autonome fahren im Umfeld urbaner Ballungsräume.

Neu in der S-Klasse ist zum Beispiel die „Distronic Plus mit Lenk-Assistent und Stop&Go Pilot„. Im Stau orientiert sich dieses System am Vordermann und ermöglicht ein Teil-Autonomes fahren. So dass man auch als Freund des selbst fahren in diesen nervigen Situationen von einem Assistenten entlastet wird. Was sich erst einmal geisterhaft anhört und nach Entmündigung riecht, stellt sich schnell als echter Gewinn im Bereich Komfort und Sicherheit heraus.

S-Klasse Rücksitzbank beide Plätze

Assistenzsysteme und passive Sicherheit

Überhaupt ist diese neue S-Klasse vollgestopft mit elektronischen Helfern und Insassen-Schutzsystemen. Einige der Assistenz-Systeme hatte ich vor einiger Zeit bereits vorgestellt. [klick]

Besonders gespannt war ich auf den Gurt-Airbag für die zweite Reihe. Ein Gurt der sich aufbläst und so mit mehr Kraft auf den Oberkörper einwirken kann, oder – andersherum gesagt: Je breiter der Gurt, desto geringer sind die Kräfte die auf die Stellen des Körpers einwirken, sobald es zu einem Unfall kommt. Also zum Beispiel die Rippen und der Thorax. Der „Beltbag“ bläst sich auf die bis zu dreifache Breite des herkömmlichen Gurts auf und vermindert dadurch die Risiken von schweren Verletzungen. Damit der Gurt perfekt sitzt und man das anschnallen auch in der zweiten Reihe nicht „vergisst“ – fahren zudem die Gurtschlösser ein paar Zentimeter heraus und sobald der Gurt darin steckt, wieder zurück.

S-Klasse S500 V8 Motor

Man sitzt perfekt – man wird perfekt umhütet und im Falle eines Knalles, sorgen clevere Lösungen für den maximalen Schutz.

Was fehlt? Ganz klar – der Sound.  Der gefahrene S500 mit seinem 455 PS starken V8-Motor ist akustisch nicht als Verbrennungsmotor wahr zu nehmen. So lange man nicht brachial die gesamte Leistung vom Start weg abruft, säuselt der 4.7 Liter große Achtender einfach nur dezent und für die Passagieren unhörbar vor sich hin.

S-Klasse Fahrer dürften aus dem gröbsten heraus sein und üblicherweise wird die große Limousine sowie so geleast, so spielt die Anschaffung der teuersten Option in der Aufpreisliste auch nur eine untergeordnete Rolle:

S-Klasse burmester Lautsprecher Türe vorn

7.497 € extra,  für den reisenden Konzertsaal

Vergleicht man zudem die Anschaffungskosten der Burmester High-End 3D-Soundanlage mit dem Portfolio des Herstellers für den Einsatz zu Hause, so entspricht das aus 24 Lautsprechern, 24-Verstärkerkanälen und einer gesamt Leistung von 1.540 Watt antretende System eh einem Super-Schnapper. Und auch wenn ich kein audiophiler Freund mit besonderen Talenten bin, was da an Klang heraus kommt, wenn Alicia Keys schreit: „This Girl is on Fire“. Das ist pures Gänsehaut-Feeling.  Oder wenn Satchmo sein „I’m in Heaven“ kehlig durch die 24 Lautsprecher jagt, dann ist Konzert-Feeling pur angesagt.

„Man, if you still have to ask, what #sclass means, shame on you!“

Konzertfeeling, Sitzkomfort weit oberhalb jeder Business-Class die man sonst so findet. Ein säuselnder Motor der sich, gestützt durch die Kraft die er in jeder Lebenslage bietet, charmant zurück hält.  Und ein Fahrkomfort der seines gleichen sucht.

Die Ingenieure bei Mercedes-Benz hatten es nicht leicht. Der Markel-Claim vom „Besten oder nichts“ dürfte die Verantwortlichen noch einmal unter mehr Druck gesetzt haben, als dies bei der Entwicklung einer neuen S-Klasse von Anfang an üblich ist. Doch, nur unter Einsatz von Druck und Hitze entstehen Diamanten.

 

Technische Daten & Detailfotos

Mehr zu den effizienten S-Klasse-Modellen, in Form der S-Klasse Hybrid, dann in den kommenden Tagen!

S 500 Plugin Hybrid Zukunftsmusik

 

 

 

 

* = folgt in kürze  -  Text & Foto: Bjoern Habegger 2013

 

 

 

Aktuelle Suchanfragen::

6 Kommentare

  1. Premium-Galerie: Mercedes-Benz S-Klasse Cabriolet › Mein Auto Blog
    19. September 2015 zu 21:08 Antworten

    […] „normale“ S-Klasse Cabriolet startet mit dem „S 500“. Sein Triebwerk ist ein V8 Bi-Turbo mit 455 PS. Für ein […]

  2. Erste Ausfahrt – Das neue S-Klasse Coupé › Mein Auto Blog
    13. September 2015 zu 00:02 Antworten

    […] der von ihm geformte “Body”, die Statue des David, wurde weltberühmt. Als Mercedes die neue S-Klasse vorstellte war schnell klar: Die ästhetische Krönung würde der Verzicht von zwei Türen […]

  3. Meine Top 5 des Salon in Genf 2014 › Mein Auto Blog
    29. April 2015 zu 14:30 Antworten

    […] wie am Schnürchen. Der Stern produziert im Augenblick einen Erfolg nach dem anderen. Nach der neuen S-Klasse im letzten Jahr, feierte jetzt auch die wichtigste Baureihe des Daimlers ihre Premiere in Europa: […]

  4. Andi
    11. Juli 2013 zu 17:38 Antworten

    Danke für diesen (wie immer) gut geschrieben Fahrbericht (
    inzwischen lese ich Beiträge von Autobloggern übrigens wesenlich lieber als von sog. „Fachzeitschriften“ – besonders diesen hier und von den Kollegen von rad-ab)

    Eine Frage habe ich aber, die ich bisher noch nirgendwo wirklich genau erwähnt fand: Ist „S“ wirklich so leise, wie Mercedes bewirbt?

    • Bjoern
      Bjoern
      13. Juli 2013 zu 00:13 Antworten

      Danke! So ein Feedback freut einen natürlich sehr!

    • Bjoern
      Bjoern
      13. Juli 2013 zu 00:13 Antworten

      Achso :) – Die neue S-Klasse ist wirklich so „richtig“ leise! ;)