News: Porsche 911 R – Das Relikt

News: Porsche 911 R – Das Relikt

Was ist es, das einen puristischen Sportwagen klassischer Machart auszeichnet. Wahrscheinlich die Reinheit, der unverwässerte Fahrgenuss. Kein Schnickschnack, kein überflüssiger Komfort, nur eine Symbiose aus Fahrer und Material. So haben es wohl auch die Ingenieure aus Zuffenhausen gesehen und eine auf 991 Exemplare limitierte Ausgabe des letzten frei atmenden Porsche 911 aufgelegt. Was kann der neue Porsche 911 R?

Was gab es für einen Aufschrei, als mit dem Modellwechsel vom 993 zum 996 die Luftkühlung der Wasserkühlung wich? Noch heute sind eingeschworene Porsche-Fans fest davon überzeugt, dass der letzte Lufti – also der 993 – der letzte wahre Porsche sei. Zum Modellwechsel vom 991 I zum 991 II atmen die Boxer-Sechszylinder nun nicht mehr frei, sondern werden allesamt mit mindestens einem Turbolader zwangsbeatmet. So verliert der 911 Turbo also eigentlich die Berechtigung, den legendären „Turbo-Schriftzug“ für sich allein in Anspruch zu nehmen – schließlich sind nun alle 911er auch Turbos.

Wirklich alle Elfer? Nun, das streng limitierte Sondermodell Porsche 911 R pfeift im wahrsten Wortsinn auf den Turbo und holt 500 saugende PS aus einem Vierliter-Boxer-Motor. Er folgt dem Vorbild von 1967 und kann dementsprechend nur auf eine klassische Handschaltung zurückgreifen. Oder hatte der Urahn aus den 1960ern etwa ein Doppelkupplungsgetriebe? Sicher nicht. Allerdings zeigte schon der 76er 911 den Leichtbau, den nun auch der aktuelle R vollführt. 1.370 Kilogramm Leergewicht sind aller Ehren wert und unterbieten damit sogar den 911 GT3 und RS um 50 KG.

Porsche-911-R-Genf-2016-Mein-Auto-Blog (2)

So soll der Hochdrehzahl-Sechszylinder den Schulterschluss zum 911 GT3 und GT3 RS schaffen. Mit 500 PS bei 8.400 U/min und 460 Nm bei 4.250 Touren muss er sich kaum hinter den beiden einreihen. Mit 3,8 Sekunden auf 100 km/h und einer Höchstgeschwindigkeit von 323 Stundenkilometern macht dem Porsche 911 R zudem so schnell kein anderer Sportwagen etwas vor. Der Durchschnittsverbrauch soll bei 13,3 Liter /100 km liegen, wird auf dem bevorzugen Terrain – kurvige Landstraßen – aber kaum zu halten sein.

Dafür bietet der 911 R eine speziell abgestimmte Hinterachslenkung serienmäßig, die ein direktes Einlenkverhalten, ein präzises Handling und gleichzeitig eine hohe Fahrstabilität ermöglicht. Die mechanische Hinterachssperre sorgt für maximale Traktion, während die Porsche Ceramic Composite Brake (PCCB) mit ihren Scheiben vom Maß 410 mm  vorn und 390 mm hinten für schnelle Stopps sorgt. Sollten die 20 Zöller mit 245er Reifen vorn und 305ern hinten einmal den Halt verlieren, bügelt das angepasste PSM kritische Situationen wieder gerade.

Perfekte Gangwechsel des knackigen Sechsgang-Getriebes soll die aktivierbare Zwischengasfunktion ermöglichen, wie wir es beispielsweise aus dem Nissan 370 Z kennen. Das Einmassenschwungrad verbesserte die Spontaneität und Hochdrehdynamik des Aggregats und das aus dem Porsche 911 GT3 stammende Fahrwerk verknüpft den letzen saugenden 911er satt mit der Straße. Im Alltag besonders praktisch: das Liftsystem, das ein Anheben um 30 mm ermöglicht, um die hübschen Schürzen unangetastet zu lassen. Auch diese stammen vom GT3. Die Frontspoilerlippe, die zentralen Doppelendrohre der Abgasanlage aus Titan sowie der R-spezifische Unterbodenheckdiffusor bleiben hingegen dem Porsche 911 R vorbehalten. Er kommt zudem ohne den festen Heckspoiler der Renngeräte aus. Dafür trägt der R Porsche-Schriftzüge an den Seiten sowie farbige Streifen in rot oder grün – was vielleicht etwas dick aufgetragen wirkt. Innen warten Carbon-Vollschalen auf die Insassen und sind mit Stoffmittelbahnen im Karomuster Pepita ausgeschlagen, um die Anlehnung an die 1960er Jahre zu betonen. Hinzu gesellen sich ein GT-Sportlenkrad mit 360 mm Durchmesser, Carbon Zierleisten und eine Alu-Plakette auf der Beifahrerseite, die die Exklusivität des Zuffenhauseners besiegelt. Bekannt, aber immer wieder ein schöner Gag, sind die Schlaufen als Türöffner, die natürlich auch zur Gewichtsreduktion beitragen.

Porsche-911-R-Genf-2016-Mein-Auto-Blog (3)

Diesem Zweck dienen auch die Haube und Kotflügel aus Carbon und das Dach aus Magnesium. Die hinteren Scheiben aus Kunststoff sowie der Verzicht auf etwas Dämmung und vor allem die ungenutzte Rückbank sparen nochmals Gewicht. Wer es ganz ernst meint, kann außerdem das Radio und die Klimaanlage einsparen. Sparen ist ohnehin ein gutes Stichwort: 189.544 € sollten mindestens auf der hohen Kante liegen, um den Porsche 911 R sein Eigen zu nennen – vorausgesetzt, man bekommt noch einen. Stimmt die Legende, dass Porsche-PS immer doppelt zählen, wäre das ein mehr als fairer Deal.

 

Aktuelle Suchanfragen::