PHEV oder Hybrid? Ist der Autobild doch egal

PHEV oder Hybrid? Ist der Autobild doch egal

In der vergangenen Woche hat die AutoBild den Toyota RAV4 gegen den Mitsubishi Outlander PHEV gestestet. Der Test gehörte zu einem Hybrid-Sonderteil in der AutoBild und man möchte damit nichts anderes tun, als „mitschwimmen“. Denn nach dem Dieselgate schwenkt die Automobil-Industrie nun massiv in Richtung Hybride und Plug-In Hybride um. Da darf Deutschlands „selbst ernanntes“ Automagazin Nummer 1 nicht nachstehen. Und eigentlich wäre der merkwürdige Test von Hybrid vs. PHEV für mich keine weitere Meldung wert gewesen. Zumal ich erst vor kurzem die merkwürdigen Test-Methoden der „auto, motor und sport“ kritisiert hatte.

Wie kann man einen PHEV mit einem Hybriden vergleichen?

Man kann es gar nicht. Denn die Einsatzszenarien sind völlig unterschiedliche. Sicher, man kann auch einen Diesel mit einem Benziner vergleichen, aber jeder Leser weiß am Ende, worauf diese Form des Tests hinausläuft. Beim Vergleich PHEV vs. Hybrid ist es ein wenig anders gelagert. Die Unterschiede sind subtiler. Der Auftrag eines Auto-Magazins ist, sollte man diesen denn ernstnehmen, den Leser über die Unterschiede aufzuklären. Stattdessen fährt man einen 08/15-Test und kürt einen Sieger nach Punkten.

Leser Florian Franz wollte nun von uns wissen, wieso die AutoBild auf ein gänzlich anderes Test-Ergebnis kommt, als wir auf mein-auto-blog. Und ohne seine eMail wäre dieses Thema bei uns vermutlich nicht wieder auf den Tisch gekommen.

TOYOTA RAV 4 vs. Mitsubishi Outlander PHEV

Wir würden auf mein-auto-blog keinen Vergleichstest der beiden Fahrzeuge durchführen. Hybrid muss man gegen Hybrid testen, PHEV gegen PHEV. Wir sind den RAV 4 bereits gefahren und unser Autor Mario hat eine Meinung dazu. Aber – vergleichen kann man die Modelle deswegen nicht. Und wäre wichtiger, auf die technische Lösung des RAV 4 und des PHEV einzugehen, auf die Vorzüge auf der jeweiligen Seite. Einen Sieger kann man daraus nicht küren, den müssen Sie – als Leser, als Käufer – ausmachen. Je nachdem, welches Antriebskonzept zu ihrem Alltag passt.

Leser Florian Franz hat ein paar Zitate aus dem Test in seine eMail gepackt, wir wollen hier kurz mit unserer Wertung antworten.

„In der Aufwärmphase schaltet der Benziner ruppig zu und knurrt unwillig.“ und „Speziell aus dem Stand fehlt dem PHEV Gelassenheit“
Ist der PHEV in den Aufwärmphasen, die ja recht häufig sein könen auf Kurzstrecken?

Er knurrt also unwillig. Ich würde dann gerne das „willige knurren“ noch einmal hören. Fakt ist: Natürlich hört man einen Motor, wenn er anspringt, aber nur im Stand. Bei Tempo 100 ist das nicht zu hören.

Dem PHEV fehlt es an Gelassenheit?  Interessant, denn bereits im nächsten Zitat bewertet man das wieder anders?

Bis sich Fahrregelung, Elektromaschine und eine brauchbare Tourenzahl des Verbrenners vollständig aufgereiht haben, sind die Ampelnachbarn bereits weggehuscht“
Mangelt es dem PHEV an Ampelstartqualitäten (nicht die Stärke eines Ökomobils, aber trotzdem auf deutschen Straßen gern gesehen)?

Das ist jetzt der größte Bullshit den ich bislang zum Antriebsstrang des PHEV gelesen habe. Zum einen: Wer sich auf Ampelsprint-Duelle versteift, der sollte sich einen Sportwagen kaufen, keinen 2.0 Tonnen SUV. Zweitens: Der E-Motor besitzt sofort sein gesamtes Drehmoment und beide Motoren werfen dieses „vom Start weg“ in die Wagschale. Wer hier mehr Leistung abfordert, als die Batterie leisten kann (60 kW) der sorgt für den Start des Benzinmotors, dieser ist ebenso sofort auf Drehzahl und leistet, aus dem Stand heraus, Kraft für den Generator. Ab Tempo 64 etwa schaltet sich der Benziner dann direkt auf die Vorderachse zu und zieht das SUV an.

Mangelt es dem PHEV an Ampelstart-Qualitäten? Ja sicher, wenn Sie damit Pupertierende Halbstarke in Hot Hatches abseifen wollen, dann ist es das falsche Auto. Aber dann ist jeder SUV, jenseits eines GLE 63 AMG der falsche SUV. Wer sich jedoch für Hybrid- oder PHEV-SUV entscheidet, der besitzt vermutlich die geistige Reife um den Ampelstart anders zu beurteilen, als ein AutoBild-Redakteur.

„..das spröde Ansprechen des Fahrwerks…“ und „…Unruhig läuft der Mitsubishi geradeaus...“

Für mein-auto-blog bin ich im vergangenen Jahr über 120 unterschiedliche Autos gefahren. 120 verschiedene. Viele davon nur weniger als 300 Kilometer. Den Outlander PHEV fahren wir jetzt seit 14 Monaten – und weder ist das Fahrwerk spröde, noch der Geradeauslauf unruhig. Unruhig wäre ich als Autobild-Redakteur nur, wenn ich die Auflagezahlen des eigenen Mediums sehe – denn dann würde mir Angst um die Zukunft werden.

Eventuell ist es diese Angst, die bei „Deutschlands Automagazin Nummer 1“ für solche sinnlose, aber polemisch und Stammtisch-relevante Tests sorgt.

 

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3 Kommentare

  1. David
    11. März 2016 zu 14:32 Antworten

    Der Ampel-Kickstart im Outlander PHEV fühlt sich wirklich komisch an, aber einzig weil der Motor plötzlich so laut aufheult, dass man vor Schreck sofort vom Gas geht. Wer Musk hört, dem fällt das aber kaum noch auf. Ohne Motor ist es nunmal einfach extrem leise im Mitsubishi. Und gerade darum sollte der Motor auch unbedingt noch besser gedämmt werden, keine Frage. Das ist nicht schön.

    Mein Tipp: Nicht vom Motor abschrecken lassen und einfach weiter durchdrücken. Dann ist man auch sehr gut unterwegs für einen zwei-Tonnen-SUV. Aber auch ohne Kickdown-Vollgas und rein elektrisch kann man mit etwas Gefühl im Fuß zumindst im Vergleich mit Nicht-Sportwagen an der Ampel im Normalverkehr so gut wie immer einer der schnellsten sein:

    Dazu bedarf es aber etwas Übung, das Rundinstrument im Cockpit hilft am Anfang. Einfach immer im Maximum des grünen Bereichs bleiben. Also nicht sofort ganz durchdrücken sondern nur bis zum Ende der grünen Skala. Dann langsam weiter mehr Strom geben, so dass die Nadel immer im oberen grünen Bereich bleibt. Dann zieht das ordenlich. Übrigens nicht nur in Sachen Beschleunigung sondern auch in Sachen Stromverbrauch.

    Aber das ist alles recht pubertär. Wirklich beeindruckend empfinde ich, wie der Outlander PHEV zieht, wenn er einmal rollt. Der Kurzsprint zum Überholen von 50 auf 70 kommt ohne Verzögerung. In der Stadt kenne ich das in der Form bislang von so großen Autos in dieser Preisklasse nicht.

  2. PHEV oder Hybrid? Für jedermann? › Mein Auto Blog
    6. März 2016 zu 11:38 Antworten

    […] der Option zur Steckdosen-Ladung muss anders betrachtet werden, als ein Hybrid. Daher auch unser Rant gegen die AutoBild von vor zwei […]

  3. Mathias
    4. März 2016 zu 11:49 Antworten

    Hi „mein-auto-blog“ Team ,
    schön , dass das mal jemand klarstellt dass in dem vorangeganenem
    Test von Autobild Äpfel mit Birnen verglichen wurden !
    Es schein Autobild kann eben nur in Schachtelform denken (ist ja nicht das erste mal)
    und so landen eben selbst die vom Konzept unterschiedlichsten Fahrzeuge
    (un)sinnigerweise nach Autobild in der gleichen „Box“.

    Danke für eure Klarstellung und ENDLICH macht mal jemand bisschen
    Gegenwind an die Autobild-Front !!!

    MfG

    Mathias

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