PHEV oder Hybrid? Für jedermann?

PHEV oder Hybrid? Für jedermann?

Es ist erst zwei Wochen her, da haben wir uns hier auf mein-auto-blog Gedanken über die Gedankenlosigkeit bei der AutoBild gemacht. Dort wurde der Hybrid-Toyota RAV4 gegen den PHEV Outlander getestet. Das ist in etwa wie eine Weinprobe zwischen einem schweren Rot- und einem leichten Weißwein und man unterstellt dem einen das fehlende Aroma von roten Trauben und dem anderen die flüchtige Leichtigkeit von fruchtigen Aromen.  Nun denn. Wir haben daraufhin einige Kommentare erhalten und auch wieder neue eMails.

Welcher Hybrid, welches System, für welchen Autofahrer?

Eine eMail kommt von Leser Jürgen Zapf und er fragt uns, welche Empfehlungen wir haben. Ganz konkret fragt er sich, welches Hybrid- oder PHEV-Konzept für welchen Fahrertyp am besten passt. Leser Zapf konnte die Hybriden von Toyota / Lexus fahren und ist mit deren eCVT gut zurecht gekommen. Bei den Hybriden von VW und KIA wundert er sich über die Integration des e-Motors direkt in das Getriebe. Unseren Dauertester von Mitsubishi, den Outlander PHEV, versteht er als E-Auto mit Range Extender.

Aber welches Konzept empfehlen wir denn nun?

Lieber Hr. Zapf, liebe Leser,

der Mitsubishi Outlander PHEV ist KEIN E-Auto mit Range Extender. Das wollen wir einmal voraus schicken. Aufgrund seines technischen Layouts arbeitet der Mitsubishi Outlander PHEV sowohl als „Serieller Hybrid“, wie auch als „Paralleler Hybrid“ und als reines E-Fahrzeug, wenn die restlichen Parameter wie Temperatur, Batteriezustand und Anforderungen des Fahrers stimmen.

Zur Orientierung im Dschungel der neuen Antriebssysteme haben wir 4 Grundsätze zusammengefasst, die Ihnen hoffentlich bei der Wahl weiterhelfen.

Grundsatz 1:

Hybride und PHEV sind getrennt zu beurteilen. Ein Auto mit der Option zur Steckdosen-Ladung muss anders betrachtet werden als ein Hybrid. Daher auch unser Rant gegen die AutoBild von vor zwei Wochen.

Für den Mitsubishi Outlander PHEV gibt der Hersteller einen „Norm-Verbrauch“ von 1.9 Litern auf 100 km aus. Jetzt wissen wir aber so langsam alle: Der Normverbrauch ist eine theoretische Größe. Eine Messgröße, um Vergleichbarkeiten zu schaffen. Im Alltag meiner Frau verbraucht der Outlander PHEV 0.0 Liter Benzin auf 100 km. Stattdessen verzapfen wir täglich rund 14 kWh Strom. In meinem Alltag braucht der Outlander PHEV eher 8 Liter, denn ich fahre üblicherweise lange Strecken und das oftmals unter Zeitdruck.  Der Grundsatz Nummer 1 lautet daher: Einen PHEV kauft man nur dann, wenn man die Ladestation zuhause und im besten Fall auch im Büro nutzen kann. Wer nicht täglich laden kann, der lässt die Finger weg vom PHEV.

Grundsatz 2: 

Range Extender sind eine Option, aber nicht die effizienteste. Einziges derzeit erfolgreiches E-Auto mit Range Extender ist der BMW i3. Hier lässt sich optional ein Verbrennungsmotor hinzuordern. Dieser dient der reinen Energie-Erzeugung für die Batterien, um damit wiederum den E-Motor anzutreiben.

Die Thermodynamik in die Pflicht zu nehmen, um daraus elektrische Leistung zu gewinnen, ist eher suboptimal. Der Wirkungsgrad des Benziners ist bereits schlecht, der Prozess des Wandels in elektrische Energie addiert die Verluste. Der Range Extender an sich, ein Not-Behelf. Der Mitsubishi Outlander PHEV ist daher auch nicht als „Range Extender“ zu verstehen. Denn man hat bei Mitsubishi den Benzinermotor zum direkten Vortrieb in die Pflicht genommen. In einem Geschwindigkeitsbereich, in dem der Benziner effizient arbeiten kann. Ohne weitere Übersetzungeverhältnisse. Direkt auf die Vorderachse. Das funktioniert ab rund 65 km/h und damit wird aus dem „seriellen“ Hybriden ein „parallel“ arbeitender Hybrid.  Für den Alltag auf eine reine Range Extender Lösung zurückgreifen? Nur als „Notfall-Lösung“. NICHT für den Alltag.

Grundsatz 3:

Der Umstieg muss Ihnen leicht gemacht werden und Sie dürfen nicht das Gefühl haben, bewusst Einschränkungen in Kauf nehmen zu müssen. PHEV bieten derzeit eine hohe Attraktivität. Ganz abseits der Frage, ob man ein multifunktionales und technologisch ausgefuchstes System wie im Outlander PHEV kauft oder ob man die eher einfache Lösung aus dem VW-Konzern übernimmt. Die Integration des E-Motors in das DSG-Getriebe hat bei VW eine einfache Lösung zur Umsetzung von PHEV-Modellen ermöglicht. Der Outlander PHEV verfolgt eine andere Strategie: Hier sind die e-Motoren deutlich größer dimensioniert und zudem ist der Allradantrieb immer mit an Bord. Wichtig ist jedoch: Was bedeutet der PHEV-Umstieg für einen selbst?

Im Falle des Mitsubishi Outlander PHEV entscheidet man sich für einen SUV. Groß. Viel Platz. Mit Allradantrieb. Die Umgewöhnung beschränkt sich auf die Tatsache, einen Stromstecker anzuschließen, sobald man geparkt hat und diesen wieder abzustöpseln, bevor man losfährt. Der Rest ist ein Kinderspiel.

PHEV-Modelle beschränken weder den Radius für die kommende Urlaubsfahrt noch vermitteln sie einen Zwang zum „anders sein“, wie man ihn bei vielen E-Autos erlebt. Sie gestalten den Übergang vom Verbrenner zum E-Auto mit maximalen Komfort. Und ob man nun einen Wolfsburger PHEV fährt oder einen Mitsubishi – die Technik ist in beiden Fällen excellent. Einzig die Modellauswahl definiert das Mögliche. Einen PHEV-SUV gibt es in Wolfsburg noch nicht, dafür einen klassischen Kombi und einen VW Golf.  Nun kostet ein Golf GTE bereits 36.900 € in der Basis-Ausstattung. Ein SUV mit Allrad und PHEV-Antrieb startet bei Mitsubishi 39.900 €. Und hier ergibt sich Grundsatz 3: Sie bestimmen, welches Auto sie fahren wollen. Die einen setzen auf Premium und zahlen dafür gerne einen Aufpreis, die anderen fahren „fokussiert“ auf die wichtigen Dinge des Lebens.

Grundsatz 4:

Ein Hybrid ist grundsätzlich einmal eine Variante für einen effizienten Antrieb. Die Modelle von Toyota / Lexus machen das vor. Reine Hybride sind für Menschen, die wie gewohnt weiter tanken wollen – nur halt weniger- die richtige Wahl.

Ein PHEV-Modell macht nur Sinn, wenn man selbst elektrisch tanken kann. Und das auch will. Idealerweise in der Kombination mit einer eigenen PV-Anlage. Aber beachten Sie: Die elektrischen Reichweiten sind bei vielen Premium-Herstellern eher Augenwischerei. Und ob es wirklich sinnvoll ist, weniger als 20 km elektrisch fahren zu können, dafür aber Gewicht und Kaufpreis nach oben zu treiben? Vermutlich nicht. Wer sich zudem für einen SUV interessiert – nun – wir fahren im Dauertest die derzeit cleverste Wahl.

E-Fahrzeuge: Die Zukunft. Davon bin ich überzeugt. Fortschritte bei der Speicherung und der Aufladung werden die noch vorhandenen Minus-Punkte auflösen. Wer sich heute für ein E-Fahrzeug entscheidet, gehört zu den „early adoptern“ und muss sich der täglichen Fallstricken bewusst sein.

Fahrbericht 78 mitsubishi outlander phev

Zurück zur Frage von Hrn. Zapf:

E-Autos fährt man, wenn man wenig fährt. Einen PHEV, wenn man sich keine Gedanken machen will über die Reichweite und einen Hybriden, wenn man keine Steckdosen suchen will. Welchen Hersteller, welche Technik – das muss man am Ende vermutlich seinem persönlichen Geschmack überlassen. Es hilft ja nichts, einem „Golf-Käufer“ einen SUV aufschwatzen zu wollen – und andersherum … 

 

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2 Kommentare

  1. Harry
    6. März 2016 zu 18:52 Antworten

    Man sollte in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass der Outlander als PHEV immer noch bis zu 1,5t ziehen darf.
    Eine Anhängerkupplung in Verbindung mit dieser zugelassenen Zuglast ist äußerst selten im Plug-In Umfeld.

    Vielfach ist noch nicht mal eine Anhängerkupplung möglich.

    • Bjoern
      Bjoern
      7. März 2016 zu 07:53 Antworten

      Absolut. Wir werden im Sommer mal einen Wohnanhänger mit dem PHEV ziehen. Ich bin gespannt.