Realistische Verbrauchswerte – Die „drei Typen Methode“

Es geht um eine simple Frage: Was verbraucht mein Auto? Wer sich für einen Neuwagen interessiert, der stellt sich üblicherweise auch die Frage: Was wird mein Auto verbrauchen? Welches Auto ist sparsam und welches Auto mutiert im Alltag zum Säufer? 

Der NEFZ taugt nicht zur Beurteilung!

Damit man die Fahrzeuge in ihrer Effizienz vergleichen kann, muss ein Messverfahren her.  Seit dem 1. Januar 1996 gibt es in Europa den NEFZ.  Und seitdem basieren die Hersteller-Verbrauchsangaben für Neuwagen auf der Europäischen Vorschrift: RL 70/220/EWG – einer Fahrzyklus-Messung die allerdings deutlich älter als der NEFZ selbst ist. Schon seit 1970 gibt es diese Richtlinie nach denen das Kraftfahrt-Bundesamt die verbindlichen Kraftstoff-Verbrauchswerte zertifiziert.

NEDCDer Wikipedia-Artikel über den NEFZ beleuchtet ganz gut, weswegen der NEFZ problematisch ist. Sicher, er ist eine Basis auf der man Fahrzeuge miteinander vergleichen kann, aber der Fahrzyklus ist zu weit von der Realität entfernt. Innerhalb von knapp 20 Minuten werden nur wenige Situation des automobilen Alltags abgehandelt. Und schneller als 120 km/h zu fahren, ist im NEFZ erst gar nicht vorgesehen. Statt dessen häufige Ampelstopps und einige Sekunden gleichmäßige Fahrt zwischen 60 und 80 km/h.

Die Automobil-Industrie hat sich längst darauf verständigt, Autos auf genau diesen Messzyklus hin zu optimieren. Start-Stopp Systeme wirken Wunder und auch die Abstufung der Getriebe, angepasst auf die Bedürfnisse des NEFZ, helfen die gemessenen Verbrauchswerte zu minimieren. Prospekt-Angaben-Politur ist das Ergebnisse.

Nicht erst seitdem der Benzinpreis stetig nach oben klettert, haben einzelne Automobil-Publikationen das Thema für sich entdeckt. Mal mit mehr, mal mit weniger Pathos wird dem „Problem NEFZ“ auf den Grund gegangen.

Der ADAC hatte in eigenen Tests herausgefunden, der Alltagsverbrauch und die NEFZ-Normwerte klaffen zum Teil um 25% auseinander. Der Kunde sollte also gegenüber dem im Prospekt angegeben Verbrauch, ein Viertel mehr einkalkulieren.

Doch – HALT – gibt es überhaupt „den Alltagsverbrauch“?

Abgesehen von der Tatsache, dass es einer Methode bedarf, die Effizienz von Fahrzeugen miteinander vergleichen zu können – bin ich überzeugt, dass man viel tiefer auf die Bedürfnisse einzelner Autofahrergruppen eingehen muss.

In meinen Fahrzeug-Fahrberichten gibt es deswegen seit dem Verbrauchstest (Juni ’13) mit dem Honda Civic 1.6 DTEC eine „Drei Typen Methode“.

Drei ist mehr als Eins

Mir ist weiterhin bewusst, dass es den pauschalen „Durchschnittsverbrauch“ nicht gibt. Um aber im Dschungel zwischen unrealistischem Normverbrauch und persönlichem Fahrstil ein wenig für Klarheit zu sorgen, habe ich die häufigsten Fahrprofile in „Drei Typen“ zusammengefasst:

  • Der Alltagsfahrer ohne Sparfuß  
  • Der Öko-Experte mit dem grünen Zeh 
  • Der Außendienstler mit Vollgas-Lust

Für alle drei Profile habe ich passende Verbrauchsrunden zusammengestellt und fahre diese mit den Testwagen (nur Fahrzeuge die 14-Tage zur Verfügung stehen) ab.

Alltagsfahrer ohne Sparfuß

In diesem Profil fasse ich die Autofahrer zusammen, die ihr Auto vor allem für die täglichen kurzen Touren, für Ausflüge am Wochenende und zum Einkaufen nutzen. Autofahrer die sich keine Gedanken um Einsparpotentiale beim Auto fahren machen und das Auto schlicht als Transportmittel nutzen.  Die Runde umfasst 6 Runden über 10 Kilometer (Stadt/Land, mind 2x Kaltstart)). Eine 10 Kilometer lange Strecke durch die Stadt und 45 Kilometer über Land. Alles gefahren ohne sportliche Ansprüche und easy im Verkehr mit geschwommen.  Gesamtstrecke: 115 Kilometer

Öko-Experte mit dem grünen Zeh

Der Öko-Experte fährt bewusst weniger Kurzstrecken und vermeidet den Stadtverkehr, er sucht sich zu dem die optimale Route für einen sparsamen Gesamtverbrauch aus und lässt den Motor betont nieder tourig laufen. In diesem Profil werden 90 Kilometer über Land gefahren. 30 Kilometer auf der Autobahn mit Geschwindigkeiten zwischen 100 und 120 km/h und 2 Runden über je 10 Kilometer (Stadt/Land, mind. 1x Kaltstart). Gesamtstrecke: 140 Kilometer

Außendienstler mit Vollgas-Lust

In diesem Profil gehe ich davon aus, dass der Wagen vor allem im strengen Einsatz über die Autobahnen und Bundesstraßen fliegt. Zudem sind alle gefahrenen Strecken mit einem nervösen Gasfuß verbunden.  200 Kilometer Autobahnen mit maximalem Einsatz, dazu eine 45 Kilometer lange Strecke über Land die engagiert gefahren wird. Dazu kommen 2 Runden über je 10 Kilometer (mind. 1 Kaltstart). Gesamtstrecke: 265 Kilometer

Gesamt stehen so mindestens 520 Kilometer Testfahrten auf dem Programm. 

Die ersten Testfahrten nach dieser „Drei-Typen-Methode“ zeigen, der NEFZ wird im Typus „Öko-Experte“ durchaus erreicht, die anderen Fahrprofile liegen jedoch gerne mal mehr als 200% darüber.

Ab 2017 wird es in Europa einen neuen „Fahrzyklus“ geben, ich bin gespannt auf die Ergebnisse! Bis dahin fahre ich die Angaben für meine Leser nach der „Drei-Typen-Methode“ heraus! 

 

 

 

 

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5 Kommentare

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