Reifentest: Pirelli P-Zero – Aus eins mach drei

Reifentest: Pirelli P-Zero – Aus eins mach drei

P-Zero stellt sich nach drei Jahrzehnten noch breiter auf

Den denkbar ungünstigsten Part in der Entwicklung der Autoindustrie und ihren Zulieferern haben unumstritten Reifenhersteller. Die begehrten Plätze der Erstausrüster werden für ein Fahrzeug nur zweimal vergeben. Zu jedem Start und jedem Facelift eines Fahrzeuges ist das Gerangel groß, denn danach ist mit einer gültigen Homologation der Verkauf des entwickelten Reifens nur über den Handel bzw. Zubehörhandel möglich. Dass Pirelli in vielen Segmenten immer wieder als Marktführer brilliert, ist zu großen Teilen natürlich der guten Arbeit seiner Ingenieure geschuldet. Aber auch das nun jahrelang anhaltende Engagement als alleiniger Ausrüster in der Königsklasse des Motorsports, der Formel 1, sperrt den Italienern so manche Tür eines weltweit agierenden  Automobilherstellers auf. Im Frühjahr diesen Jahres präsentierte Pirelli sein neu überarbeitetes Flaggschiff, den P-Zero. Den steigenden Ansprüchen der Automobilhersteller in den Kategorien Performance, Zuverlässigkeit und Sicherheit möchte Pirelli mit seiner Perfekt Fit-Strategie entgegen wirken.

Gummi für schnelle Fahrzeuge

Gummi für schnelle Fahrzeuge.

30 Jahre Entwicklungserfahrung

In der Vergangenheit konnten die italienischen Ingenieure die Bedürfnisse der Automobilhersteller mit einem einzigen Reifen abdecken. Mit dem Einzug der Digitalisierung und Vernetzung stiegen natürlich auch die Anforderungen an die wichtigste Verbindung eines jeden Fahrzeuges mit der Straße, dem Reifen. Mit seiner Perfekt Fit-Strategie verbindet Pirelli nun nach mehr als drei Dekaden der kontinuierlichen Entwicklung drei unterschiedliche Reifentypen. Zum einen fordern immer mehr moderne Sportwagen einen geringeren Rollwiderstand und besseres Handling sowohl auf trockener als auch auf nasser Fahrbahn. Mit neuartigen chemisch/mechanischen Mischungen sowie einem neuen Laufflächen-Profil mit tieferen Längsrillen der Aufstandsfläche ist dies den im Odenwald ansässigen Ingenieuren gelungen. Tiefere und breitere Längskanäle steigern die Leistung bis zu 10 Prozent gerade bei Aquaplaning. Hier ist auch eine verbesserte Bremsleistung bei Nässe möglich. Um diese Performance auch bei höherer Geschwindigkeit zu gewährleisten, bedient sich Pirelli seiner Eigenentwicklung aus der Formel 1. Im Bereich der Wulst wird eine besonders feste und unbiegsame Mischung genutzt, die eine schnelle und präzise Lenkaktion ermöglicht. Darüber hinaus soll die Leistungsgrenze schrittweise erreicht werden, was den Fahrspaß bei maximaler Sicherheit erhöhen soll. Eine flachere Aufstandsfläche des P-Zero erhöht nicht nur die Langlebigkeit des Reifens, sondern behält die konstant hohe Leistung bis zum Ende seines Zyklus.

Reifen für jedes Fahrzeug

Reifen für jedes Fahrzeug.

Mit der zweit.en Variante des P-Zero bedienen die Italiener das Profilmuster einer Limousine. Die Unebenheiten der Fahrbahn und somit unangenehme Schläge für alle Fahrzeuginsassen fängt der P-Zero mit tiefen Rillen der externen Schulter auf. Der Fahrkomfort soll um ein Vielfaches gesteigert werden.

....auch für super schnelle Autos

….auch für super schnelle Autos.

Der Kunde mit einem High-end Sportwagen wird sicherlich die Verbindung zur Straße mit der dritten Ausfertigung des P-Zero eingehen. Das Profil-Design wurde von Pirelli sehr aggressiv entwickelt und kommt dem eines Slicks aus dem Motorsport sehr nahe.

Auf der Rennstrecke getestet

Die in der Theorie vorgestellten Eigenschaften des neuen P-Zero dufte eine kleine Gruppe eingeladener Journalisten im Audi Driving Experience Center in Neuburg a.d. Donau vor einigen Tagen in aller Ruhe testen. Auf gewässerter Fläche konnten wir uns im A4 Avant und TTS davon überzeugen, wie nahe Theorie und Praxis beieinander liegen. Mit beiden Fahrzeugen wurden verschiedene Übungen simuliert, in denen der Reifen seine ganze Leistung entfalten konnte und wir die Fahrzeuge immer wieder auf den Punkt abbremsen und sich die Autos um Gegenstände bequem manövrieren ließen. Auf dem dritten Fahrzeug, dem R8 V10 Plus mit 610 PS mit dem P-Zero und seinem Slick-Charakter hatten wir nie das Gefühl, das Fahrzeug und uns zu überfordern. Das Auto hielt sich dank dem Pirelli Runde um Runde auf der Strecke und nutzte sich erst zum Ende der Trainingssession, bedingt durch eine hohe Anzahl an Kilometern mit unterschiedlichen Fahrern ab.

Nicht ausschließlich Rennstreckentests, auch auf nasser Fahrbahn

Nicht ausschließlich Rennstreckentests, auch auf nasser Fahrbahn.

Fazit:

Unumstritten wird Pirelli seine Vormachtstellung der Erstausrüster sowohl in der Formel 1 als auch bei Fahrzeugen der gehobeneren Klassen ausbauen. Nicht jedermann wird sich sowohl diese Fahrzeuge, als auch den dazugehörenden Reifen leisten können. Bliebe das nächste Geschäftsfeld für die Reifenentwickler aus Italien offen.

 

Test bestanden, mit viel Abrieb

Test bestanden, mit viel Abrieb.

 

Test und Bild: Stefan Beckmann

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