Reportage : Im Skoda Octavia Scout von Sibiu bis zum Schwarzen Meer

Reportage : Im Skoda Octavia Scout von Sibiu bis zum Schwarzen Meer

Leider sieht man so oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. Rumänien besteht nicht nur aus der sonnenverwöhnten Schwarzmeerküste. Nirgendwo sonst gibt es noch ein so großes zusammenhängendes Waldgebiet wie hier. Die Karpatenwälder sind das letzte Gebiet in Europa, das noch echte Urwälder zu bieten hat. Schotterpisten führen vorbei an unberührter Natur und an Dörfern, in denen Menschen noch so leben wie vor hundert Jahren. Ideales Terrain, um dem Schlechtwegepaket des Skoda Octavia Scout mit Allrad, Unterbodenschutz und größerem Böschungswinkel mal auf den Zahn zu fühlen.  

Apropos Zahn. Graf Dracula hätte an einem Geschmacksverstärker vermutlich keine Freude gefunden. Da wuseln doch tatsächlich potentielle Opfer für den blutsaugenden Vampir unterhalb seines Schlosses in den Karpaten umher. Aber alle haben Benzin, pardon, Diesel im Blut. Auch die Teilnehmer der zweiten Auflage des Skoda Euro Treks gehören zur Gruppe der Autoenthusiasten. Immerhin geht es in zweieinhalb Tagen etwa 800 Kilometer weit von der transsilvanischen Metropole Sibiu quer durch die Südkarpaten bis zum Donaudelta am Schwarzen Meer. Pausen für Mensch und Maschine resultieren meist aus natürlichen Bedürfnissen oder dem Wunsch, Eindrücke mit Smartphone oder richtiger Kamera festzuhalten. So wie jetzt. Kein anderer Bau in Transsilvanien passt so gut auf die Beschreibung des Dracula-Schlosses in Bram Stokers Roman wie Schloss Bran in der Ortschaft mit dem gleichen Namen. Es bietet mit seinen hohen Mauern und Türmchen eine eindrucksvolle Kulisse, die Fahrer und Beifahrer der beiden Kolonnen von insgesamt 21 speziell lackierten Skoda Octavia Scout mit metallisch glänzenden Bug – und Heckschürzen und bulligen Beplankungen jetzt für einen Fotostopp nutzen.

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Mit dem serienmäßigen Schlechtwegepaket und weiterem paktischen Zubehör kostet der Octavia Scout 30 550 Euro.

Mit dem zusätzlichen Reservereifen auf dem Dach wirkt der „Scout“ als Offroad-taugliche Version des „normalen“ tschechischen Mittelklasse Kombis einen Hauch verwegener. Die 31 Millimeter mehr Bodenfreiheit sieht man ihm dagegen nicht auf den ersten Blick an. Da kommt uns eine vom Regen der letzten Tage gefüllte Wasserpfütze doch ganz gelegen, durch die wir unseren „Scout“ jagen und der hingebungsvoll gepflegten Patina noch einige dicke Schlammspritzer zusätzlich verpassen. Den Fluss unterhalb des Schlosses überqueren wir aber lieber klassisch über eine Brücke, der „Scout“ ist mangels ausreichender Wattiefe doch nicht ganz der richtige Partner für eine Durchfahrt. Doch auf den Schotterwegen und glitschigen Bergstrecken hat er sich bis jetzt wacker geschlagen. Die Tschechen haben vorgesorgt und alle Fahrzeuge nicht nur mit Autan, sondern auch mit automatisch zuschaltbarem Allrad ausgerüstet. Das System basiert auf einer elektronisch geregelten Lamellenkupplung, die je nach Situation die Kraft an die vier Räder verteilt. Per Knopfdruck lässt sich neben den üblichen Fahrmodi zwischen „Eco“ und „Sport“ auch ein Offroad-Modus einstellen.

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Einundzwanzig Octavia Scout auf dem Weg zum Donaudelta am Schwarzen Meer.

Rumänische Straßen bieten viel Abwechslung. Auf der Fahrt über die frisch asphaltierte Landstraße entlang dem Fãgãraș-Gebirge bis nach Bran rauben einem die Aussichten auf die immer noch schneebedeckten und über 2500 Meter hohen Gipfel vor dem knallblauen Himmel fast den Atem. Zwischendurch lässt dann der Blick an den zahllosen Lastwagen vorbei immer wieder ein Überholen zu, aber bitte mit Schmackes. Kein Problem für den 2,0 Liter Diesel mit dem maximalen Drehmoment von 380 Nm und 6-Gang-DSG. Doch Vorsicht, denn gerne setzen die Einheimischen auch schon mal aus der dritten oder vierten Reihe zum Spurt an. Jeden noch so kleinen Ort kündigt die glänzende gold- oder kupferfarbene Kuppel einer orthodoxen Kirche an. Meist sorgt eine Herde Schafe, Ziegen, Esel oder ein Pferdefuhrwerk auf natürlichem Weg dafür, dass man die Geschwindigkeit vorher schon drosselt. Schlaglöcher sind entweder nicht zu übersehen oder so versteckt, dass sich Fahrten in der Dämmerung oder gar im Dunkeln schon fast von selbst verbieten. Dutzende von Straßenhunden, die meisten von ihnen dösen glücklicherweise nur, liegen reglos in der warmen Sonne am Straßenrand.

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Der Höchstgeschwindigkeit von 219 km/h bedarf es natürlich nicht, um die zwei PS des Pferdegespanns zu überholen.

Für den zweiten Tag ruft das Roadbook 499 Kilometer in neun Stunden auf. Doch bevor wir das Donaudelta erreichen, wartet noch ein Abenteuer der besonderen Art. Die Überquerung von schwankenden Hängebrücken über schwer einschätzbare Tiefen ist schon auf den eigenen Beinen nicht gerade jedermanns Sache. Aber in einem knapp 1,6 Tonnen schweren Auto? Einfache Holzbretter beplanken die 289 Meter lange Brücke, die die beiden Ortschaften Ursoaia und Viperesti über den Fluss Buzau hinweg verbindet. Dem sonst so hilfreichen Parkassistenten in unserem „Scout“ verbieten wir jetzt mal den Mund, denn die Brücke ist so schmal, dass das ständige Piepsen dann doch genervt hätte. Mit eingeklapptem Seitenspiegeln wagen wir uns auf die schmalen Bretter, die hier die Welt bedeuten. Am anderen Ende der Brücke wartet geduldig der Gegenverkehr : ein paar alte Dacias, ein Pferdefuhrwerk und ein Hirte, der die Kühe vom anderen Ufer zurück holen wird.

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Die Holzplanken knirschen verdächtig, aber der „Scout“ schafft seinen Weg bei vorsichtigem Gasfuß zuverlässig.

Aus dem Infotainment-System tönt jetzt ein lokaler Sender mit volkstümlicher Musik. Uns ist nach Cold Play oder Bruce Springsteen zu Mute. Geeinigt haben wir uns dann ausnahmsweise mal auf Peter Maffay, nicht nur, weil er aus der Gegend stammt, sondern wegen seiner Interpretation des Songs “ Über sieben Brücken musst du gehen“, problemlos abrufbar über Apple CarPlay. Beschwingt geht es durch weite Ebenen und sanfte Hügel vorbei an der im 14. Jahrhundert von Kaufleuten aus Genua gebauten und später von den Osmanen als Militärbastion genutzten Festung Enisala in Richtung Osten bis ins weitläufige Donaudelta, der weltweit größten von Schilfrohr bedeckten Fläche.

Das Ende der Euro Trek Tour 2016 naht. Ein letztes Mal ziehen die Staubfahnen hinter den Fahrzeugen in den blauen Himmel, eine letzte Schotterstrecke, bevor der Flieger wieder in Richtung Deutschland startet.

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