Sinn und Unsinn von Tieferlegungen

Neulich hatte ich wieder so einen Experten vor mir. Stereotyp und wie aus meiner Lieblingsschublade:  Ein BMW E36 der bereits bessere Zeiten erlebt hatte und nun seine letzten Kilometer unter der Nutzung eines Tuning-Experten drehen musste. Man erkennt diese Art von Tuning-Profis relativ schnell: Mit einer schräg aufgesetzten Baseball-Cap liegen sie schief im Cockpit zwischen Fahrer und Beifahrer-Sitz, der linke Arm ruht lässig ausgestreckt in der Mitte des oberen Lenkradkranzes.

Üblicherweise scheppert das Nummernschild-Blech im Takt der Gangsta-Style Musik. Die Rücklichter wurden im Rahmen maximaler Kosten-Nutzen Relation per Spray schwarz getönt – oftmals so dunkel, dass man auch das Rücklicht nicht mehr erkennt.  Egal. Hauptsache man sieht cool aus.  So wie es sich gehört war dieser BMW natürlich auch in der unvermeidlichen Keilform tiefer gelegt. Also richtig tief. So tief das die Reifen in den Radhäusern schleifen und der gesamte Wagen nur noch vor sich hin hoppelt.

Ich dachte immer, wenn man sein Auto tiefer legt, dann tut man das, um schneller um die Kurven zu fahren. Aber diese Spezies von Tuning-Experten hoppelt üblicherweise den Verkehr behindernd vor mir her. So auch in diesem Fall.

Hoppeln schadet dem Verkehr!

Dämpferfertigung Bilstein

Immer wieder versuche ich meinen „Tuning-Freunden“ zu erklären, dass man ein Fahrzeug, das nur noch „hoppelt“ nicht schnell bewegen kann. Das interessiert leider nur wenige. Aber heute – heute konnte ich wieder ein paar neue Argumente sammeln. Ein Besuch bei den Fahrwerks-Experten von „Bilstein“ in Ennepetal stand auf dem Programm. Im Rahmen eines ersten „Blogger-Treffs“ gab es einige Fakten zum Thema Fahrwerks-Technik im allgemeinen und Stoßdämpfertechnik im speziellen zu lernen.

BILSTEIN. Ein Namen mit besonders gutem Ruf im Motorsport.  Für mich persönlich war die Technik von BILSTEIN jedoch nicht nur aus dem Motorsport bekannt, nein – ich habe selbst schon zweimal Fahrzeuge mit Dämpfern aus dem Haus von BILSTEIN gefahren. Was ich aber noch nie konnte, war ein Blick hinter die Kulissen von BILSTEIN zu werfen.

Und was noch viel wichtiger war: Das direkte Gespräch mit den Experten der Fahrwerkstechnik. In Ennepetal fertigt BILSTEIN vor allem Prototypen und Kleinserien für Motorsport und die Fahrzeug-Entwicklung der Automobil-Hersteller. Denn – und dass war mir wiederum nicht bekannt: BILSTEIN gehört zu den wichtigsten Erstausrüstern in der Automobil-Industrie und hier zählen nicht nur die beiden Premium-Marken Mercedes-Benz und Porsche zu den Kunden!

Während wir einen Blick in das Herz der BILSTEIN-Technik werfen durften, blieb auch immer Zeit für kurze Gespräche mit den Fahrwerks-Profis und wir waren uns alle sehr schnell einig: „Einfach nur tiefer legen – macht ein Auto nicht schneller“.

Es kommt auf die richtige Abstimmung an und hier spielen Restfederweg, Ausfederweg und die Abstimmung in Druck- und Zugstufe des Dämpfers die wichtigen Hauptrollen.  Wer sein Fahrzeug so tief legt, dass der Dämpfer keinen Federweg mehr hat, der kann dann zwar durch die Gegend hoppeln und das sogar besonders effektvoll, aber die Räder fangen an, den Straßenkontakt zu verlieren. Und hier liegt das Problem: Ein Reifen der den Boden nicht berührt, der lenkt nicht, der bremst nicht und beschleunigen kann er das Auto auch nicht mehr.  Also: „hoppeln“ macht nicht schnell, „hoppeln“ macht langsam!

Es mag „nett“ aussehen wenn ein Fahrzeug besonders tief liegt. Besonderen Sinn macht es jedoch nicht – und wenn das Fahrzeug so tief ist, dass der Federweg verschwunden ist, dann besitzt man im Prinzip ein Auto das den Verkehr nur noch behindert.

Wer sein Fahrzeug schneller machen will, der sollte zwar in gute Fahrwerkstechnik investieren, sich aber bewusst sein, dass man hier nicht unbedingt der  Optik wegen  tuned. Der Vorteil von Sportfahrwerken liegt in der angepassten Abstimmung zwischen Dämpfern und Federn. Und wie viel High-Tech in einem aktuellen Sportfahrwerk steckt, konnte ich  in der „Test-Abteilung“ von BILSTEIN sehen. Es ist eine kleine Kunst, aus einer Stahl-Röhre, ein wenig Öl, ein wenig Gas und Metallplättchen einen Sport-Dämpfer herzustellen.

Und wenn man sich die Entwicklung in Ennepetal anschaut, dann versteht man auch – was für ein Nonsens ein Billig-Fahwerk sein muss. Denn es ist einfach ein wenig komplizierter, als einfach nur die Federn zu verkürzen.

Also – Hand aufs Herz, wer von Euch hoppelt mit schlechten Dämpfern durch die Weltgeschichte? Wie man erkennen kann, ob die eigenen Dämpfer noch in Ordnung sind, kann man im übrigen bei Jens nachlesen – denn der war heute auch mit vor Ort bei BILSTEIN.

 

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