Veni, Vidi, Vici: GT Academy in Silverstone

Autorennen kannte ich bis dato nur aus dem Fernsehen. Die Formel Eins ist spannend, aber wirklich Fan war ich bisher noch nicht. Das könnte sich nun ändern. Am vergangenen Wochenende durfte ich bei der GT Academy in Silverstone ein wenig Renn-Atmosphäre erleben. Ein wahrlich geschichtsträchtiger Ort, denn die erste Formel Eins überhaupt wurde in den 1950er Jahren hier ausgetragen. Zusammen mit dem typischen englischen Wetter ging es mit Nissan zu einer der vier Circuits von Silverstone, dessen Gebäude als Basis für das diesjährige Nissan Racecamp der GT Academy genutzt wird.

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Playstationspieler wissen, worum es geht. Das innovative GT Academy Rennfahrerprogramm begeistert bereits seit knapp fünf Jahren die Rennsimulations-Fans weltweit. Zum diesjährigen Start im Juli lockten Nissan und PlayStation® mehr als 600.000 Teilnehmer aus 18 Ländern an die Konsolen, um sich beim Spielen vom Game Gran Turismo® einen Platz in einem echten Nissan Rennwagen zu sichern. Allein 100.000 Teilnehmer kamen aus Deutschland. Die 16 schnellsten Gamer erhielten eine Einladung zum nationalen Finale der GT Academy Deutschland, wo sie auf weitere 8 Wildcard-Gewinner der Live-Events treffen, gegen die sie erneut ihre Künste an der Konsole unter Beweis stellen mussten. Am Ende bleiben 12 Teilnehmer übrig und durften zum Finale ins Race Camp nach Silverstone. Dabei winkt mit etwas Glück eine glorreiche Karriere als Rennfahrer.

Als Pressevertreterin konnte ich mir die ganze Daddelei ersparen und durfte so in die geheiligten Hallen von Silverstone. Zum Glück, denn ich bin zwar nicht schlecht an der Konsole, aber mit den Jungs hätte ich bestimmt nicht mithalten können. Nach einer kleinen Einweisung ging es direkt mit dem Nissan GT-R auf die Piste. 550 PS unterm Hintern sind schon Respekt einflößend. Wenn die Strecke dazu noch schön vor Pfützen glitzert, geht einem schon ein wenig die Muffe. Zum Glück hatten wir immer einen gut ausgebildeten Instruktor neben dran sitzen, der uns genau erklärte, was wir zu tun hatten. Meine spärlichen Rennstrecken-Erfahrungen haben so definitiv noch einiges dazugelernt. So konnte ich sogar einen kleinen Etappen-Sieg für mich verbuchen, als ich meinen lieben Kollegen Jens Gleitsmann auf die hinteren Plätze verwies. Das Rennfieber hatte mich gepackt.

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Die Teilnehmer der GT Academy schockten solche Straßenverhältnisse natürlich recht wenig. Immer in Begleitung eines RTL-Kamerateams und ihrer Juroren Nick Heidfeld, Sıla Şahin und Jean Pierre Kraemer, zeigten die Jungs auf der Piste, was sie drauf hatten. Neben dem GT-R ging es auch mit dem 370Z (350 PS) und dem Juke Nismo (200 PS) auf die Strecke. Beim 370Z gab’s den obligatorischen Rechtslenker. Diesen kannte ich zum Glück schon aus meinem Abenteuer in Namibia. Dennoch war es eine Umstellung, die mich an einer der legendären Kurven schon recht ins Schleudern brachte. Typisch Engländer, müssen immer alles anders machen. Glücklicherweise hatte ich bereits einigermaßen Gefühl für Strecke als auch Fahrzeug entwickelt und konnte das gute Stück wieder in geregelte Bahnen lenken. Später zeigte mir noch der GT Academy Gewinner aus Russland 2012, Mark Shulzhitskiy, wie man es richtig macht, und fuhr die Strecke mit mir auf dem Beifahrersitz nochmals ab. Drift-Einlagen inklusive. Bei meinen Drift-Versuchen im 350Z konnte ich allerdings keinesfalls mithalten.

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Die zwei Nissan 350Z, die für diese Übungen hingestellt worden waren, waren schon ziemlich abgerotzt. Die Jungs kannten aber auch wirklich keine Gnade und die Karren knirschten und knarzten aus allen Rohren. Kein Wunder, bei den Drift-Einlagen, die so mancher zur Schau stellte. Bisher war ich immer nur Beifahrer bei solchen Aktionen. Dieses Mal durfte ich selbst ran und das nicht zu knapp. Leider schaffte ich es nicht, den Wagen am Laufen zu halten und bei jedem Spin würgte ich ihn einfach ab. Das Spiel zwischen Gas und rechtzeitig Kupplung schalten ward meinen Füßen in dem Moment einfach nicht gegeben. Zumal der Begriff ‚Clutch’, den mir der Instruktor immer mal wieder hinwarf, mir bis dato immer nur als kleines Abendtäschchen geläufig war, das ich zu meinem Abendoutfit trage. Dafür ging der Adrenalinspiegel in ungeahnte Höhen. Spaßfaktor hoch drei. Im Anschluss zeigte mir einer der Instruktoren noch, wie man es richtig macht und brauste mit mir als Beifahrerin im Donut-Modus um die Pylonen. Der arme 350Z.

Der Wagen war aber nicht das Einzige, was ziemlich durch den Wind war. Die einzelnen Teilnehmer durften bei dem herrlich nieseligen Wetter draußen weitere Aufgaben bestreiten. Dabei wurden sie auf kürzester Zeit gut herangenommen, während sie auf einem Hovercraft, Fahrrad, zu Fuß oder im Buggy ihre Rennen absolvierten. Wer nicht gut genug war oder Fehler machte, bekam Strafpunkte. Von der Spielkonsole im eigenen Wohnzimmer zum Bootcamp nach England. Da soll mal einer sagen, dass Gamer nicht fit sein können. Wer zukünftiger Rennfahrer werden will, muss da die Zähne zusammenbeißen und durch. Immerhin wurde den diesjährigen Teilnehmern die Schlammstrecke erspart. Nichtsdestotrotz waren die Aufgaben nicht ohne und so mancher war abends froh, als er ins warme, trockene Bettchen hüpfen konnte. Die Freude währte allerdings nicht lang, denn am nächsten morgen wurden sie von Drill-Seargents mit lautem Gebrüll wieder wach geschrien. Mann, bin ich froh zur Presse zu gehören. ☺

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Unsere Aufgaben waren dahin gehend recht entspannt. Im ‚Nismo Lab’ wurde unsere Konzentrationsfähigkeit anhand unserer Gehirnströme und Reaktionszeit über eine Art Senso-Spiel erfasst. Darin war ich ziemlich gut. Zudem wurden unsere Fitnessdaten gemessen und am Fahrsimulator konnten wir die Silverstone Strecke vom Vortag noch mal abfahren. Hat es einen hier aufs Gras gehauen, war der Schaden schließlich unerheblich, weil nicht vorhanden. Zum Glück ist uns das auf der Piste mit den ‚echten’ Fahrzeugen nicht passiert. Die Prüfungen der Teilnehmer nahmen im Laufe des Nachmittags größere Ausmaße an. Auf einem alten Militärstützpunkt in Upper Heyford, der im Zweiten Weltkrieg von den Amerikanern als Basis eingenommen wurde, durften die 8 verbliebenen Jungs, die alle vorherigen Prüfungen bestanden hatten, noch mal richtig Gas geben.

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Es ging mit einem 370Z durch drei alte, mit Wasserballons, Lasern, Feuerwerk, Styropor-Wänden und Paintball-Attacken,präparierte, Hangars. Dabei sollten sie die Ballons beim Donut-Drift zum Platzen bringen, sich nicht von Lasern und Feuerwerk ablenken lassen und durch die Styropor-Wand durchfahren, ohne vorher zu wissen, was sie wirklich erwartete. Natürlich alles auf Zeit. Leider konnten wir die bunte Action nicht mehr miterleben, da wir uns schon wieder Richtung Heimat begeben mussten. Das hole ich jedoch im November nach, wenn das Racecamp auf RTL übertragen wird. Dann erfahre ich auch, wer der glückliche Gewinner ist und in die Fußstapfen von Peter Pyzera, dem deutschen Gewinner von 2012 tritt. Dieser hat es mittlerweile zum festen Teammitglied geschafft und gute Chancen, im letzten Rennen am Nürburgring den Sieg zu holen.

Wer es nicht erwarten kann, findet auf Flickr die ersten Eindrücke der GT Academy 2013. Dank der GT Academy hat die Motorsportwelt einige großartige neue Rennfahrer dazu gewonnen und in mir einen neuen Fan.

Bilder: Simone Amores / Nissan

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