Volkswagen: Die Bremse verschleißt auch im Stand!

Volkswagen: Die Bremse verschleißt auch im Stand!

Es gibt Dinge, die gibt es eigentlich nicht. Zum Beispiel Verschleißteile, die auch dann verschleißen, wenn sie gar nicht im Betrieb sind. So wie die Bremse von mein-auto-blog Leser Jens Maurer. Was er uns schrieb, konnten wir zuerst nicht glauben, wir dachten an einen klaren Fall von „DAU*“ – aber nach zig Mails und Nachfragen bei Volkswagen scheint es jetzt so zu sein – die Bremse am Touran von Jens Maurer verschleißt auch dann über Gebühr, wenn man sie gar nicht benutzt. Oder wenig. Oder nur pfleglich. 

20 Mails sind es inzwischen geworden – und fest steht, so hat es uns VW bestätigt:

Korrosion an den Bremsscheiben und die Verschmutzung von Bremsbelägen wird durch lange Standzeiten, geringe Laufleistung und geringe Beanspruchung begünstigt. Aus diesem Grunde wird empfohlen, bei keiner oder geringer Beanspruchung der Bremsbeläge sowie bei vorhandener Korrosion durch mehrmaliges starkes Bremsen aus höherer Geschwindigkeit die Bremsscheiben und Bremsbeläge zu reinigen. Zur Durchführung der Bremsungen empfehlen wir, hierfür einen adäquaten Streckenabschnitt zu wählen, damit weder für Sie noch für andere Verkehrsteilnehmer eine Gefährdung besteht.

30.000 km in 3 Jahren – zu wenig für die Hinterachsbremsen bei Volkswagen?

Leser Maurer besitzt einen VW Touran aus dem Baujahr 2012. Nach 3 Jahren und 30.000 km wird beim Service in der VW-Werkstatt der Austausch der Bremsscheiben und Beläge an der Hinterachse fällig.  Die Begründung hierfür klingt wie Hohn: Sie fahren zu „vorausschauend“ – und damit wohl nicht hart genug für die Bremsen an seinem VW.

Wir haben uns mit Leser Maurer lange über seine Fahrgewohnheiten unterhalten. Er fährt „normal“, er pflegt sein Auto, er fährt – so würden wir es sagen – einfach ganz normal. Nun könnten lange Standpausen, wie man es bei abgemeldeten Fahrzeugen erlebt, zu dieser Form des Verschleißes passen. Bei 10.000 km im Jahr scheint dies jedoch auch nicht der Fall zu sein. Leser Maurer bestätigt, die längste Zeit, die der Touran parkte, waren 14 Tagen während des Urlaubs. Ansonsten werde der Van jeden Tag gefahren.

Muss ein Volkswagen hart gefahren, hart gebremst werden? Bestraft man bei Volkswagen die VW-Besitzer, die umsichtig mit ihren Fahrzeugen umgehen?

Wenn man die Antworten des VW-Autohauses und der Service-Abteilung von VW liest und sich die Antwort von der VW-Presseabteilung vornimmt, dann müssten zigtausend von VW-Fahrern mit den gleichen Problemen kämpfen:

…sowohl die Intensität des Verschleißes der Bremsanlage als auch die Art der Abnutzung ist von den Einsatzbedingungen abhängig. Auch Korrosion führt bedingt durch Schmutz, Flugsand, Standzeit, Streusalz und Ähnlichem zu einem Verschleiß an Bremsscheibe und -belägen – im Extremfall sogar zur Riefenbildung an den Bremsscheiben. Eine besonders schonende Fahrweise kann beispielsweise zu einem sog. Festsitzen von Flugrost oder von in der Luft mitgeführten Teilchen führen. Korrosion und Verschleiß sind unter den beschriebenen Fahrbedingungen unvermeidbar, wenn nicht gelegentlich durch sporadisch durchgeführte Bremsvorgänge mit mittleren bis starken Verzögerungen vorgebeugt wird. Dies gilt besonders nach längeren Standzeiten und im Winter mit Streusalzeinfluss…

Doch das ist nicht der Fall. Es ist vielmehr die „schonende“ Fahrweise.

Wie kann es also sein, dass ein Neuwagen-Besitzer, der mit seinem Fahrzeug pfleglich umgeht, von der Service-Abteilung von VW bestraft wird? Ein VW Touran ist kein kleines und leichtes Auto. Dass Herr Maurer den Wagen immer nur alleine fährt und ihn ohne die Bremse zu nutzen ausrollen lässt – das glauben wir nicht. Nein, die Probleme, die VW hier mit der Bremse des Kunden Maurer hatte, klingen zu ungewöhnlich, als dass diese normal wären. Wir bei mein-auto-blog fahren derzeit einen Plug-In Hybrid Outlander von Mitsubishi, der braucht dank starker Rekuperations-Leistung in der Tat kaum noch den Einsatz seiner Bremse. Aber trotz Winter, trotz geringer Fahrleistungen, solche Probleme sind uns völlig unbekannt.

Als gelernter KFZ-Mechaniker ist dem Autor auch die Benutzung einer Bremsanlage sowie Pflege und Wartung derselbigen nicht unbekannt – wir können uns daher wie Leser Maurer nur über das Verhalten von Volkswagen wundern.

Dass sich Leser Maurer zudem von der Hotline, seinem VW-Partner vor Ort und der Service-Abteilung von Volkswagen weder ernst genommen fühlt noch gut aufgehoben – passt in das Bild dieses Falles.

Da man bei VW den Fall bereits „abgeschlossen“ hat, scheint das Problem einfach im Geldbeutel von Leser Maurer liegen zu bleiben. Und dafür ging er schonend mit seinem Touran um.

 

 

Haben Sie auch Probleme mit einem Automobil-Hersteller? Ärgert Sie Ihre Werkstatt? Haben Sie eine Panne, wo es keine Panne geben sollte? Schreiben Sie uns! info@mein-auto-blog.de

*DAU = Dümmster anzunehmender User

 

 

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6 Kommentare

  1. News: VW Touran – Evolutionär verbessert › Mein Auto Blog
    29. Juni 2015 zu 09:58 Antworten

    […] unangefochtener Bestseller unter den Kompaktvans ist sich der VW Touran in seiner Neuauflage natürlich treu geblieben. Geräumiger, leichter und minimal verteuert […]

  2. News: VW T6 – Zwischen Nostalgie und Nutzwert › Mein Auto Blog
    28. Juni 2015 zu 16:54 Antworten

    […] eher ein Modellwechsel oder doch nur ein großes Facelift? Nach 13 Jahren hat der T5 ausgedient und Volkswagen präsentiert die nunmehr sechste Generation des erfolgreichen Lastentiers und Urlaubsbeförderers […]

  3. Stephan
    19. Juni 2015 zu 11:55 Antworten

    Ich muss da Herrn Dr. Meier schon recht geben. Diese Problematik haben eigentlich alle Hersteller gleichermaßen. Diese Art von Verschleiß an den hinteren Bremsscheiben ist nun wirklich keine Seltenheit und wie VW schon erklärt hat, oftmals hervorgerufen durch längere Standzeiten, parken im Freien und/oder zu behutsames Fahren ohne dass ab und an mal etwas schärfer gebremst wird.
    Häufiger tritt dieses Phänomen allerdings bei Kleinwagen auf, die hinten eine Scheibenbremse besitzen. Hier spielt neben der Intensität der Benutzung wohl auch das fehlende Fahrzeuggewicht eine Rolle. Darum verstehe ich auch nicht warum in kleineren Fahrzeugklassen mit wenig Gewicht und Leistung einfach Trommelbremsen eingesetzt werden, wie sie es vor ein paar Jahren noch hatten. Diese sind für dieser Problematik wesentlich unanfälliger.

    Mit freundlichen Grüßen
    Stephan

    • Bjoern
      Bjoern
      19. Juni 2015 zu 15:35 Antworten

      In dem Fall gehe ich persönlich eher von einem Materialfehler aus. Ansonsten müssten tausende Touran (und alles andere) davon ebenso betroffen sein. Ich kenne diese Probleme durchaus, habe aber lange mit dem Leser darüber gesprochen – für mich sieht das in diesem Fall anders aus. Zudem ist die Antwort des VW-Kundendienst ein „Hohn“ – jeder Neuwagen-Käufer müsste sich veräppelt fühlen.

  4. Dr. W. Meier
    17. Juni 2015 zu 11:04 Antworten

    Bremsscheiben werden vorrangig aus Grauguss hergestellt. Und Grauguss unterliegt der Korrosion – vor allem dann, wenn es Sauerstoff und Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Das hat nichts mit irgendeinem Autohersteller zu tun, sondern ist naturgegeben.
    Eine hohe relative Luftfeuchtigkeit (>50%) und hohe Temperaturen (>15C) verdoppeln mitunter die Reaktionzeit der chemischen Oxidation.
    Wenn also Herr Maurer sein Fahrzeug durchschnittlich nur 28 Kilometer pro Tag bewegt, möglicherweise sehr vorausschauend Auto fährt, wenig bremst und Freien parkt, dann ist der von Ihnen beschriebene Verschleiss als durchaus „normal“ einzustufen und würde so auch bei einem BMW oder Mercedes eintreten.

    Mit freundlichen Grüssen

    • Bjoern
      Bjoern
      17. Juni 2015 zu 11:17 Antworten

      Und warum tritt es dann nicht bei allen Fahrzeugen auf, die so gefahren werden? Das ist ein Einzelfall. Der Schaden an sich nicht groß, die Probleme völlig normal – wie geschrieben – aber dann müsste es ja ständig passieren. Aber nein, hier sind nach 3 Jahren und 30.000 km die Bremsen so hinüber, dass diese getauscht werden müssen. Das ist Problem 1. Das der VW-Kundendienst dem Kunden die Schuld zuweist, weil er „zu pfleglich“ fährt, ist Problem Nummer 2.