Vorgestellt: Mercedes-Benz GLA 200 CDI

Vorgestellt: Mercedes-Benz GLA 200 CDI

Malaga/Spanien  Ich muss nicht erst unter das Blech schauen, um die Familienzugehörigkeit zu erkennen. Mercedes-Benz GLA und Mercedes-Benz A-Klasse ähneln sich aus jedem Blickwinkel. Der GLA wirkt wie eine A-Klasse, die mit Wanderstiefeln aus dem Fitness-Studio kommt. Gerade so viel Bodenfreiheit, dass man nicht in die Verlegenheit kommt, den GLA als G-Ersatz zu missbrauchen, aber doch ein wenig mehr Platz zwischen Unterboden und Asphalt, als man in der Kompaktwagenklasse erwartet. Während die A-Klasse sportlich flach auf dem Asphalt kauert, will der jüngste Spross der Familie ein Aufsteiger sein. 

Modischer Chic in Wanderstiefeln?

Vorstellung des kompakten SUV aus Stuttgart. 

Das Design des GLA hält sich vornehm vom Image der Raufbolden und Schmuddelkinder fern. Für einen SUV wirkt der GLA betont elegant und distanziert. Spielt aber dennoch die Spielkarte „Emotionen“ deutlicher aus als seine Mitbewerber.

Mehr Bodenfreiheit, mehr Sitzhöhe und mehr Platz im Innenraum als in der A-Klasse. Das sind die richtigen Zutaten, um aus einem Kompakten einen kompakten SUV zu formen. Doch halt! Hat der GLA wirklich mehr Platz im Innenraum als die Mercedes-Benz A-Klasse?

Der Testwagen:

  • Modellbezeichnung: GLA 200 CDI 6-Gang Manuell
  • Fahrzeugklasse: Kompakt-SUV
  • Auslieferung: Juli 2014
  • Leistung: 136 PS, 300 Nm, 205 km/h
 

Basispreis:

32.1 k €

Mercedes GLA Vorstellung

Bevor wir einsteigen, ein kurzer „walk around“: Der Kühlergrill bekam zwei große Lamellen verpasst, der Mercedes-Stern landete mittig darin. Die Nase trägt er vielleicht ein wenig hoch. Der große Lufteinlass in der unteren Hälfte der Stoßstange wurde verchromt eingepasst und lässt die Front nun wuchtig und maskulin erscheinen. Den seitlichen Abschluss der Stoßstange bilden zwei angedeutete Lufteinlässe. So viel Frischluft brauchen die Motoren des GLA dann doch nicht, denn die Kunststoffgitter sind nur angedeutet. Oder doch? Vermutlich spätestens, wenn die 45 am Heck prangt, wird der Luftbedarf der Motoren gewaltig. Doch vor mir steht der GLA 200 CDI, die aktuelle Basis im neuen GLA-Programm.

Am Heck fällt der massive silberne Abschluss der Stoßstange auf. Und die zwei Endrohre, die dort eingepasst wurden. Dezent ist anders. Zudem wirkt vor allem von hinten die breite Schulter über den Radhäusern. Zusammen mit den großen Rückleuchten bildet dies die gewünschte Differenzierung zum Heck der A-Klasse. Der GLA wirkt breit und flach.

Die Sitzposition im GLA ist perfekt – er wirkt wie ein sportlicher Turnschuh. Dass man in einem SUV sitzt, merkt man  nicht. Eher ein Laufschuh, denn ein Wanderstiefel! Beim Einsteigen geht aber dennoch alles leichter als bei der sportlicheren A-Klasse. Das verdankt man der angehobenen Bodenfreiheit. Und das das sind nur wenige Zentimeter Unterschied. Aber den spürt man.

Ist der GLA am Ende der echte Erbe der alten A-Klasse?

CrossHatch

HotHatch, Hatchback, Crossover und SUV. Klassische Fahrzeugklassen verschwinden und jede Nische wird besetzt. Und manchmal erfinden Hersteller eine Nische, die zuvor noch nicht vorhanden war. Das viertürige Coupé mit dem Namen CLS war so eine Erfindung von Mercedes-Benz. Am Anfang waren die Mitbewerber noch verwirrt, heute kopieren sie eifrig. Den CLS Shooting Brake, die „irgendwie so eine Art Kombi-Version“ des viertürigen Coupés, wird das gleiche Schicksal ereilen. Erfunden, für genial befunden und auf dem Weg zur Kopiervorlage.

Jetzt bei der neuen GLA-Baureihe tun es die Mercedes-Mannen wieder. Doch dieses Mal unbewusst. Denn der GLA ist kein Kompakt-SUV im Sinne der bisher geltenden Beschreibung. Der GLA verkörpert viel eher eine Klasse von kompakten SUVs mit extremer Offroad-Unlust.

Dennoch praktisch?

Der Kofferraum bietet dank längerem Heckabschluss mehr Platz. Und dank einer „Cargo-Stellung“ der Rücksitzlehne lässt sich der Raum noch einmal vergrößern. In dieser Cargo-Stellung ist die Lehne extrem steil gestellt und der Kofferraum wird größer. Doch viel wichtiger ist der Platz im Fahrgastraum. Einen kompakten SUV will man doch auch wegen des Plus an Platz im Innenraum.

Mehr Sitzhöhe für die erste Reihe? Mehr Kopffreiheit auf der Rücksitzbank? Das haben sich bisherige A-Klasse Kunden gewünscht. Die neue A-Klasse ist doch arg sportlich geworden.

Doch Mercedes-Benz verspielt diese Chance.

Während auf der Rücksitzbank der Platz zwischen Sitzfläche und Dachhimmel um beachtliche 1,9 Zentimeter anwuchs, reduzierte er sich in der ersten Reihe. Allerdings um zu vernachlässigende 0.2 Zentimeter. Dennoch: Ein „besseres Raumgefühl“ sieht anders aus.

Oben: der GLA, darunter die A-Klasse

Abmessungen mercedes GLA Abmessungen mercedes A-Klasse

So kann der GLA vor allem im Bereich des Kofferraums punkten. Der Rest ist genauso knapp geschnitten wie in der A-Klasse.

Kompakt-SUV?

Wer den Mercedes-Benz GLA nicht als CrossHatch nutzen will, sondern den SUV im GLA sucht, der wird warten müssen, bis das optionale Offroad-Fahrwerk lieferbar ist. Dann kommen 3 Zentimeter Bodenfreiheit hinzu und der GLA traut sich auch ins Gelände. Sachte jedoch. Zuvor – und vor allem mit dem optionalen AMG-Line-Fahrwerk (-15mm) ist der GLA der Gründer neuen „CrossHatch“ -Klasse. Und in der Tat – der GLA ist wirklich besser auf der Straße als abseits der Straße aufgehoben.

Also alles völlig verständlich? Werden die Käufer des neuen GLA wirklich alle zu 99.9 % fernab aller Offroad-Fahrten bleiben?  Dann wäre es ein geschickter Schachzug von Mercedes. Während sich die Mitbewerber mit dem „Offroad-Design“ und gebremstem Offroad-Talent herumschlagen und den Autos ein Outfit verpassen, das so viel aussagt wie: „Ich könnte ja, wenn ich wollte“ – setzt Mercedes eine Version der A-Klasse um, die vor allem eines ist: „Cool, hipp und trendy“.

So fährt er sich:

Bereits der Basis-Diesel im GLA 200 CDI ist mit 136 PS und 300 Nm eine sinnvolle Motorisierung. Im Alltag stören auch die sechs von Hand geschalteten Gänge nicht. Natürlich sind deren sieben des Doppelkupplungsgetriebes eine Wohltat, die Abstimmung der sechs Gänge ist jedoch gut gewählt. Der aktuelle Basis-Diesel hat – anders als der Name 200 cdi meinen lässt – 2.2 Liter Hubraum. Er zieht ab 1.200 Umdrehungen ruhig und gelassen durch das Drehzahlband und bleibt im Alltag sparsam im Umgang mit der edlen Kraftstoff-Suppe. (Die Fahrt von Granada nach Malaga wurde beispielsweise mit 5.9 Litern auf 100 Kilometer abgehakt. Trotz eines letzten Ausflugs in die Berge rund um Malaga.)

Die Geräusch-Dämmung des GLA wirkt insgesamt noch ein wenig besser als in der A-Klasse. Doch das kann mich täuschen. Weder getäuscht noch enttäuscht: Die Lenkung. Sie vermittelt genug Gefühl für die Straße und dank dem „marginalen“ Plus an Bodenfreiheit wurden die Dämpfer softer, aber auch progressiver als im Kompaktklassen-Bruder A200 cdi abgestimmt.  Der GLA 200 CDI fährt sich wie die A-Klasse fahren sollte, nicht zu dynamisch, dafür komfortabler in der Federung. Nicht zu tief über dem Asphalt, dennoch vom SUV-typischen Wanken weit entfernt.

Es ist ein gelungener Kompromiss und auch, wenn der Basis-Diesel und das Plus an Fahrkomfort nach Langeweile klingen, der GLA 200 CDI wird zumindest in unseren Breitengraden zu den Bestsellern im Programm der Baureihen-Brüder gehören. Wetten?

Mercedes-Benz GLA 04 Vorstellung

Das kann er nicht

Der GLA wird erst mit dem optionalen Offroad-Paket zum echten Kompakt-SUV. Doch wer will mit dem neuen GLA wirklich ins Gelände? Der GLA ist der Style-Held(th)  unter den Kompakten, die so aussehen,  als ob sie es wild mögen. Denn auch wenn die Anbauteile nach Offroad aussehen, die emotionalen Formen des GLA will man nicht über Schotter-Pfade treiben.

Das kann er besser als andere

Der GLA lebt den Lifestyle-Gedanken in purer Form. Er tut so, als wäre er der Offroader unter den Brüdern der A-Baureihen, dabei ist er nur die legitime Entschuldigung für Menschen, die keine Lust auf falsche Dynamik und sportliche Schießscharten-Automobile haben. Ein SUV als Argument für die Rückkehr zum praktischen Automobil. Und der GLA ist unter A-, B- und CLA-Klasse der Praktiker mit den hochgekrempelten Ärmeln und dem festen Schuhwerk, ohne dabei die Lifestyle-Befreiung der B-Klasse zu verkörpern.

Fazit & Empfehlung

Die klügste Entscheidung für den GLA trifft, wer auf den 4matic Antrieb verzichtet, den Handschalter wählt und sich damit die beste A-Klasse gönnt, die man als vernünftiger Mensch kaufen kann.

Allen anderen sei der 170 PS starke 220 CDI mit Offroad-Paket ans Herz gelegt. Mit einem Basispreis von 39.252,15 Euro steigt man hier knapp unter der 40.000 € Grenze ein, bekommt aber einen GLA, der dann auch das Versprechen des „Lifestyle-SUV“ einlöst.

 

Weitere Fahrberichte und Vorstellungen zum neuen CrossHatch, dem Mercedes-Benz GLA: MB-Blog, Mercedes-Benz Passion Blog

 

Galerie:

 

 Fotos: Galerie: Mercedes-Benz / Artikel: Bjoern Habegger

Aktuelle Suchanfragen::

Ein Kommentar

  1. Erste Fahrt: Mercedes-Benz CLA Shooting Brake › Mein Auto Blog
    14. März 2015 zu 14:54 Antworten

    […] Jetzt also der Shooting-Brake. Nach A, B, GLA und CLA die fünfte Baureihe auf der Daimlerischen Frontantriebs-Plattform. War der CLA bereits eher dem wertigen Lifestyle-Segment zuzuordnen, muss man sich auch bei angedachter, fliehender Kombikarosse nicht auf einen Nutzwertriesen einstellen. Der Shooting Brake CLA ist vielmehr die praktischste A-Klasse von allen. Noch immer kompakt. Noch immer stylisch gelungen – aber nun mit einem Alibi-Kofferraum, in dem mehr als nur die Prada-Handtasche unterkommt. Und der dank dem nicht so steil auslaufenden Dach sogar mit mehr Kopffreiheit gesegnet als der Cross-Hatch GLA. […]