Kommentar zum Seat Ateca: Pflicht erfüllt. Mehr nicht.

Kommentar zum Seat Ateca: Pflicht erfüllt. Mehr nicht.

Jeder kennt das aus der Kindheit. Man hat sich zu Weihnachten etwas besonderes gewünscht. Und ist beim Geschenkauspacken dann doch enttäuscht. So ähnlich geht es einigen Seat-Fans wohl heute.

Es muss irgendwann beim Streichholzziehen passiert sein. Bei der lustigen Spielrunde eines Freitags abends in der Wolfsburger Konzernzentrale hat der Vertreter aus Spanien leider den Kürzeren gezogen.

Die Konsequenz: Als erstes parkte man Designer Walter de Silva in Barcelona, damit er seine Rubensphase durchleben kann. Auf den ersten, knackigen Leon – noch heute in meinen Augen der optisch legitime Nachfolger des Alfasud – folgte ein Modelltrio, dass trotz seiner geschwungenen Formen nie richtig rund lief. Kurz nachdem man die „Auto Emocion“ ausgerufen hatte und Seat im Volkswagen-Konzern als sportliche Volumenmarke, in Augen mancher gar als Alfa Romeo – Gegner, positionierte, folgte…ein Kompaktvan! 2003 stand der Altea als Studie auf der IAA, ab 2004 wurde er verkauft. Ein paar bunte Pillen später bastelte man ihm in der Designabteilung noch eine kleine Stufe nebst Panoramascheibe ans Heck. Die gerade in Südeuropa populäre Stufenhecklimousine Toledo bekam damit einen Nachfolger, der sowohl optisch wie auch konzeptionell als Themaverfehlung gelten durfte. Der Leon wurde auch abgelöst, in dem man das Altea-Tonmodell in die Presse steckte. Der einst dynamische Kompaktwagen stand plötzlich mit der Kontur einer Qualle im Showroom. Einzig als FR- oder Cupra-Version machte der Leon dem selbstgesteckten Markenversprechen halbwegs Ehre. Weiterhin musste es der Kleinwagen Ibiza regeln, Seat vor dem Untergang zu bewahren.

Während die Schwestermarke Skoda nach dem Paukenschlag-Comeback mit dem ersten Octavia von einem Rekordjahr zum nächsten eilte, stand sich die Seat-Mannschaft in Spanien selbst auf den Füßen. Zumindest eines hatte man mit dem ausgesuchten Gegner Alfa Romeo gemeinsam: Eine an den Kundenerwartungen vorbeigezielte Modellpalette.

2012 dann endlich die Kehrtwende mit der aktuellen Leon-Baureihe. Die günstigere Alternative zum teutonisch-perfekten Audi A3 zeigt auch optisch wieder die jugendliche Dynamik, die man bei Seat gerne lebt. Endlich gibt es auch einen Kombi für die junge Familie und mit dem Cupra auch einen amtlichen Feierabend-Renner.

Auch vom Profil des Ateca gibts ein Photoshop-Bildchen.

Auch vom Profil des Ateca gibts ein Photoshop-Bildchen.

Und weil man jetzt eben auch Autos bringen kann, will oder darf, die der Markt verlangt, bekommt nun auch Seat sein SUV. Endlich ein Modell mehr im Konzerneinheitsbrei! Um den Altea-Fahrern, da haben sich auch bei und in Deutschland über elf Jahre durchaus ein paar angesammelt, den Umstieg leicht zu machen, heißt das neue Modell ähnlich: Ateca. Wie fast jeder Seat ist der Name der spanischen Geografie entliehen und bitte nicht mit dem Pontiac Aztec zu verwechseln.

Den Kürzeren zieht man jetzt bei Seat erneut: Mit 4,36 Metern Länge ist der Seat Ateca kleiner als der Technikspender VW Tiguan (4,49 Meter) und entspricht in den Abmessungen dem Skoda Yeti. Bei aller Euphorie, endlich auch ein Auto im Wachstumssegment zu haben, blieb aber bei Seat wohl die Kreativität auf der Strecke. Was wurde denn die vielen Jahre gemacht, in denen das Publikum mit Ankündigungen des SUV-Modells vertröstet wurde.

Das Design erinnert extrem an den Ford Kuga, vor allem der Bereich zwischen A- und D-Säule nebst Dachverlauf sollte nach einem Unfall auch mit Ford-Teilen instand zu setzen sein. Vorne lag der Leon unter dem Transparentpapier und das Heck ist halt das Standard-Konzernheck. Langsam kann man es nicht mehr sehen. Die kantige Kennzeichenmulde, die spätestens seit dem letzten Audi A4 sämtliche Modelle haben, die Rückleuchten, die verdammt nach Skoda Superb aussehen und die scharfe Kante im Profil, mit der sämtliche Konzernmarken seit einiger Zeit ihre ach so präzise Karosseriepresse feiern. Auch innen weder Experimente noch viel Hirnschmalz. Es gibt ein fades Cockpit im Leon-Stil, konzeptgemäß etwas höher gebaut aber mit zu vielen Gleichteilen.

Machen wir uns die Mühe, das Motorenprogramm abzuhandeln, auch auf die Gefahr hin, dass dies Sie, lieber Leser, ermüdet. Denn egal, welche MQB-Neuheit (ich ging einfach nicht anders, der Modulare Querbaukasten musste erwähnt werden!) gezeigt wird, die Auswahl ist stets die gleiche: 1.0 TSI Dreizylinder mit 115 PS und der 1.4 TSI mit 150 PS tanken Super. Den Dieselauftrag erfüllen der 1.6 TDI mit 115 PS und der Zweiliter mit 150 oder 190 Pferdchen. Natürlich darf entweder handgeschaltet oder bei den Motoren ab 150 PS doppelgekuppelt werden.

Interessant wird es bei einem Zitat von Luca De Meo, im letzten Herbst vom Audi Marketing zu Seat abgeschobener CEO der Marke: „..der Start des SUV ist wesentlicher Beitrag zur Steigerung unseres Markenimages. Und das ist unsere Kernaufgabe“.

Fällt des Designern am Heck nichts mehr ein? Immerhin: Der Schriftzug in der Mitte ist typisch Seat

Fällt des Designern am Heck nichts mehr ein? Immerhin: Der Schriftzug in der Mitte ist typisch Seat

Aha? Die Kernaufgabe ist also keine Steigerung der Absatzzahlen, Gewinn statt Umsatz? Fakt ist: Die Marke Seat passt mit der aktuellen Ausrichtung nicht so richtig in den Volkswagenkonzern. Das Kostenniveau in Spanien verbietet die Positionierung als Billigmarke, im Mainstream kämpft man mit Skoda oftmals um die gleichen Kunden. Schließen wird man das Werk nebst Marke aufgrund umfangreicher Subventionen auch nicht so einfach können. Die Fabrik in Martorell fertigt aktuell den Audi Q3 und ab 2018 den Audi A1, dient also als Werkbank im Konzerngeflecht. Viele Seat-Modelle laufen nicht mehr in Spanien vom Band: Toledo und Ateca bei Skoda in Tschechien, der Mii zusammen mit VW Up und Skoda Citigo in Bratislava und der Alhambra zusammen mit seinem Zwilling VW Sharan in Portugal.

Was kann also der Plan von VW sein? Man behält die Fertigungskapazitäten im Süden und päppelt die Marke Seat wieder auf. Ja, richtig: Die Marke. Hier kommt Herrn De Meos Aussage zum Image ins Spiel. Denn nur mit einer Fangemeinde wird Seat als Labels für einen Übernahmekandidaten interessant. Die Chinesen dürften erst einmal abwinken, hat doch dort die Markteinführung von Seat kürzlich nicht funktioniert. Also werfen wir mal die Inder in den Ring. Wie man es richtig macht, zeigt das Beispiel Jaguar Land Rover unter dem Deckmantel von Tata. Auch Mahindra ist finanzstark.

Blicken wir einfach mal in die Glaskugel. In ein paar Jahren könnte Seat also verkauft sein und ein penetranter Kopfschüttler ist abgetreten. Wenn Sergio Marchionne nicht mehr Vorstand bei Fiat Chrysler Automobiles und damit oberster Gralshüter von Alfa Romeo ist, braucht Volkswagen keinen sportlichen Gegner für die Italiener mehr. Dieselgate hin, Milliardenstrafen her – der Kauf der italienischen Marke wird sicherlich noch drin sein. Die haben ja dann auch ein SUV im Programm.

Das Ateca-Inteurieur sieht dem Leon sehr ähnlich. Zu ähnlich?

Das Ateca-Inteurieur sieht dem Leon sehr ähnlich. Zu ähnlich?

 

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8 Kommentare

  1. Autokenne
    19. August 2016 zu 15:27 Antworten

    von Anfang bis Ende merkt man die Unsachlichkeit des Artikels – subjektive Eindrücke ist milde ausgedrückt

  2. Lisa
    13. Juni 2016 zu 11:31 Antworten

    Diesen Bericht finde ich sehr schwierig. Auf die positiven Aspekte wird in diesem Bericht gar nicht eingegangen. Es gibt sehr viele Menschen, die nichts über Seat kommen lassen und ganz hinter dieser Marke steht. Mein Freund fährt zum Beispiel schon seit Jahren SEAT und ist mehr als begeistert.

  3. MBRG
    22. Mai 2016 zu 14:05 Antworten

    Nun ja. Sich über etwas dermaßen aufregen, was schon immer gegeben war in der Autombilindustrie, finde ich komisch, vor allem, wenn man sich als Autoliebhaber und Experte positioniert. Wiederverwendung von Autoteilen ist das, was jeder Hersteller schon immer macht und anstrebt. Ob Intereur, Motor oder anderes. Ich bin Mercedes Fahrer seit Jahren und selbst Mercedes verwendet etliche Schalter und Designvorlagen durch viele Modellreihen (C, E, S, SLK, ML, GL,…) durch. Und jetzt kommt Infinitiv und verwertet Mercedes wieder. So what? Und wer regt sich darüber auf? Keiner! Aber hier wird Seat rund gemacht für Designparallelen zwischen eigenen Modellen. Aja. Ich finde den Leon 5F richtig genial, bin auch schon Probe gefahren. Doch ich brauche ein Offroad-Mobil, da ich viel im Ausland reise und mir mein derzeitiges Stadtauto auf den vielen Baustellen und Schlaglöchern echt mächtig leid tut. Und…tada…da ist er, der Leon für Offroad! VW Tiguan 2016 ist absolut nicht mein Fall geschmacklich, dann echt lieber Kia/Hyundai. Seat schon. Audi und Co sehen mir zu ausgelutscht und brav aus. War zwar kurz vorm Kauf einer SQ5, aber bis auf die Fahrleistung aufm Stand von 2008 halt. Kuga und Rest, selbst GLC und X3 reizen mich aktuell nicht. Also wieso nicht Seat Ateca? Für mich erfüllt sich ein Wunsch! @Autor: failed.

  4. Eric
    18. Mai 2016 zu 16:38 Antworten

    Hallo,
    was für ein Blödsinn..was da oben zum teil geschrieben wird…..was ist daran schlimm das vieles dem Leon ähnlich sieht…das kann sogar ein vorteil sein…da der ein oder andere Leonfahrer sich dadurch doch direkt wohlfühlt wenn es einsteigt und im alles ganz einfach fällt da er es ja so kennt…der Neukunde der gerne den ateca kaufen und fahren will wird zum einen dieses ähnlich sehen nicht intressieren und zum anderen kennt er es ja nicht…also wie erwähnt kann man so sttt nur neuer Kunden auch bereits den bestandfahrer von seat oder speziel leonfahrer begeistern…also ich fahre seit 3 Jahren den Ibiza St und freue mich das entlich der SUV von seat kommt…hab ihn bereits bestellt…und rein im vergleich zu VW….sieht der Ateca deutlich schöner aus, schon alleine das er viel kanticker und markanter aussieht….und wenn man mal den preis vergleicht bei gleicher ausstattung zum VW tiguan und der Grundaufbau´usw.. doch von VW stammt ist es doch schon fast Dummheit noch einen deutlich teueren Tiguan zu kaufen…wegen 13 cm länge die dieser mehr hat…..also mein Fazit:: mit dem Ateca mach VW sich auf der einen seite selbst konkurenz…aber auf der anderen seite aber auch eine erweiterung unter einen anderen Verkaufsnamen…..ich persöhnlich kann nur sagen warum deutlich mehr bezahlen für den Namen VW wenn ich bei seat für weniger das gleiche bekomme….ausser wie gesagt der längenunterschied. gruss eric

    • Bjoern
      Bjoern
      18. Mai 2016 zu 19:56 Antworten

      Wenn ich wüsste wo der eine Satz aufhört und ein neuer anfängt, hätte ich das ja gelesen, aber so …

  5. Markus
    7. Mai 2016 zu 11:05 Antworten

    Ein schöner SUV von Seat bei dem das Preis-Leistungsverhältnis auch stimmt. Ich freue mich schon auf eine Probefahrt mit diesem seat.

  6. Michael
    30. März 2016 zu 09:55 Antworten

    Pflicht erfüllt! Tolles Auto geworden. Gekauft.

  7. Steve
    13. März 2016 zu 10:40 Antworten

    Also rein optisch find ich den für einen Seat gar nicht mal so schlecht, erinnert etwas an die BMW Q-Reihe. Als preiswerte Familien-Kutsche sicher mal eine Probefahrt wert, danke für die Vorstellung :)