Wachkoma einer Diva – Vorstellung neuer Alfa Romeo Giulia

Wachkoma einer Diva – Vorstellung neuer Alfa Romeo Giulia

Ein Kommentar

Die letzten Jahre, um nicht zu sagen Jahrzehnte, waren für die Fans italienischer Autos nicht einfach. Fiat konzentriert sich nur noch auf Kleinstwagen wie den 500 und bietet hiervon mittlerweile unzählige Derivate an. Dazu gesellt sich der erfolgreiche Panda – ebenso bunt gemischt in seinem Angebot. Panda und 500, 500 und Panda.

Lancia ist klinisch tot und die wohl emotionalste Marke, Alfa Romeo, liegt mit nur zwei Modellen seit Jahren im Wachkoma. Den Alfa Romeo 4C kann man als Exoten – kaum Auslieferungen in Deutschland – nicht wirklich zählen und die letzte, mehr oder weniger versteckte, Preissteigerung können selbst Fans nicht nachvollziehen. Mito und Giulietta sind seit Jahren fast unverändert am Markt und werden nur noch in homöopathischen Einheiten von den deutschen Alfa Romeo Händlern verkauft. Der Vorteil des Alfa Romeo-Kunden? Er ist niemand „unter vielen“, Alfa-Händler und Kunden dürften eine große Familie sein.

Oft schon wurde darüber geredet, dass die schöne italienische Diva aus dem Wachkoma geholt werden soll. Schon lange war der 24. Juni 2015 als Tag der italienischen Renaissance angekündigt. Theatralisch wie sonst nur vom „italienischen Fußball bekannt“ – hier geht der gemeine Azzuri im Strafraum des Gegners ja bekanntlich bei leichtester Berührung bereits dramatisch zu Boden – wurde die Enthüllung der Alfa Romeo Zukunft im frisch renovierten „Museo Storico“ vollzogen.

Als erstes Modell der neuen Generation, sogar mit modifiziertem Alfa-Logo, soll eine komplett neu konzipierte Mittelklasse-Limousine mit dem schönen Namen „Giulia“ die Marke beleben. Weniger Avantgarde im Design als der früh verstorbene 159, weniger dramatisch als der 155. Dafür mit viel BMW- und Infiniti-Style im italienisch-amerikanischen Blech.

Zu schön, um wahr zu werden?

Mit einem Leistungsgewicht von nur drei Kilogramm pro PS will Alfa wieder als sportliche Premiummarke wahrgenommen werden. Das Topmodell soll sogar einen von Ferrari mitentwickelten 6-Zylinder Turbomotor mit 510 PS besitzen, Beschleunigungswerte von 3,9 Sekunden für den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h beeindrucken schon auf dem Papier.

Gut, wenn man die Standfestigkeit und Zuverlässigkeit gewöhnlicher Alfa-Modelle (Re-badged Fiat) der letzten Jahre betrachtet, wird man schauen müssen, ob Alfa Romeo noch einige Arbeit in eine Qualitätssteigerung investieren muss – oder ob man diesen Zustand einfach als Beitrag zur Erhaltung der familiären Atmosphäre zwischen Händler (Werkstatt) und Kunden beibehalten wird.

Auch die Vorstellung, dass man mit der neuen Giulia auf die etablierte deutsche Premium Konkurrenz von 3er BMW, Audi A4 und Mercedes-Benz C-Klasse zielt, mahnt zur Vorsicht bei der Zukunftsvorhersage. In diesem Segment, vor allem durch Flotten-Zulassungen bestimmt, haben sich schon ganz andere Marken mehr als nur Kratzer im Lack geholt.

Finanz-Fiasko-Fiat

Keine Autos verkaufen, aber Sport-Sponsoring betrieben. Auch eine Taktik. Das Sport-Sponsoring von Eintracht Frankfurt lassen sich die dt. Alfisti stolze 20 Millionen Euro in drei Jahren kosten – legt man das auf die in diesem Zeitraum verkauften Alfa Romeo-Modelle um, dann wären das – ohne Logo auf dem Trikot der Eintracht – 1.500 € zusätzlicher Deckungsbeitrag gewesen, je Fahrzeug. Wem dieses Engagement bei der Eintracht am Ende geholfen hat? Vermutlich nicht den Alfa Romeo Händlern, aber gut, wer braucht schon Kunden, wenn er Fußball-Vereine refinanzieren kann?

Angeblich stehen rund 5 Milliarden Euro für die Renovierung der fast ausgestorbenen Traditionsmarke zur Verfügung. Für die Neuausrichtung soll auch das Händlernetz von aktuell 140 Händlern überdacht werden. Auch eine Zusammenlegung der Marken Jeep und Alfa Romeo als Premium-Marken des Fiat Konzerns ist nicht ausgeschlossen. Allerdings, der in drei Jahren geplante Absatz von 400.000 Alfa Romeo Einheiten, rund achtmal so viele Fahrzeuge wie aktuell, dass ist ein sportliches Ziel. Und die Zweifel sind berechtigt. Ob man die Marke Alfa Romeo so gut auf Touren bringt wie den angedachten 510 PS Ferrari-Motor oder ob es am Ende nur Träume waren, die in der Sonne platzen wie Seifenblasen, man wird es sehen. Aber wie auch immer es sein wird, man wird ja noch vom Erfolg träumen dürfen – so wie italophile Autofans wohl seit heute von der neuen Giulia träumen.

 

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3 Kommentare

  1. News: Alfa Romeo – Hoffnungsträger › Mein Auto Blog
    17. September 2015 zu 13:44 Antworten

    […] Alfa Romeo hat ein Problem. Die Marke hat ihren einstigen Glanz schon vor einiger Zeit eingebüßt und dümpelt inzwischen bei nur rund 70.000 verkauften Fahrzeugen pro Jahr. Es fehlen attraktive Modelle, die Kunden anlocken und Geld in die Kasse spülen. Zwar haben die Italiener mit dem 4C 2013 einen emotional aufgeladenen Sportler präsentiert, doch sorgt der in homöopathischen Dosen gefertigte Leichtbauflitzer nicht für große Umsätze. Volumenmodelle wie der Giulietta oder der Mito sind mindestens fünf Jahre alt. […]

  2. Bjoern Habegger
    25. Juni 2015 zu 06:20 Antworten

    Alfa Romeo, der italienische Patient. Anstatt Fußballer zu bezahlen, hätte man das Geld lieber in die Händler gesteckt … aber gut. Was weiß ich schon?