Was macht eigentlich Infiniti? Interview mit Francois Goupil de Bouillé

Was macht eigentlich Infiniti? Interview mit Francois Goupil de Bouillé

Infiniti ist auf anderen Märkten eine echte Größe. Nur in Europa und speziell in Deutschland spielt der Premium-Ableger von Nissan nur eine untergeordnete Rolle. In Europa findet man sich mit 0.4% Marktanteil unter „ferner liefen“ wieder. Die Problemstellen sind klar: Mangelnde Flächenabdeckung durch Händler und in den vergangenen Jahren auch eine unstete Führungspolitik. Ob Fintan Knight oder Christian Blank, die Direktoren der Marke für Europa hielten sich oftmals nicht lange genug – um die gegebenen Interviews noch in der gleichen Position zu lesen. Hinzu kommt ein Portfolio an Fahrzeugen, dessen Akzeptanz auf Märkten wie den USA oder Fernost ausgeprägt ist, nicht aber in Europa! Baustellen über Baustellen. Das will François Goupil de Bouillé, seines Zeichen Vice President Infiniti EMEA-Region, nun ändern. Oder bereits zum Teil geändert haben.

Neue Modelle, mehr Händler und eine Zeitenwende

Interview mit François Goupil de Bouillé

Eine der Stärken von Infiniti ist die Kooperation mit Mercedes-Benz. Ein erstes Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen der Renault-Nissan Allianz und dem Deutschen Premium-Hersteller Mercedes-Benz ist der Infiniti Q30. Ein Kompaktmodell mit Wurzeln in Stuttgart und Paris, dennoch eigenständig und entwickelt für den Premium-Markt in Europa. Neben dem Q30 der bereits jetzt ein Großteil der Infiniti-Verkäufe ausmacht, steht noch die Kompakte Crossover-Variante QX30 in den Startlöchern. Gemeinsam mit der etablierten Limousine Q50, dessen Turbo-Benziner und Dieseltriebwerke, sowie das Automatikgetriebe, ebenfalls aus Mercedes-Entwicklung stammt, warten weitere spannende Fahrzeuge auf den Premium-Kunden. Das Q60-Coupé wartet nur noch auf die Markteinführung und wird ein sportlich-eleganter Gegner für den 4er von BMW sein und mit einem SUV-Concept (QX Sport) hat man im April in Peking einen Ausblick auf die nahe SUV-Zukunft bei Infiniti gegeben.

Test Fahrbericht025 Infiniti Q30s Fotos Axel Griesinger

Q30 und QX30 läuten bei Infiniti die Zeitenwende ein.

mein-auto-blog hat den Vice President für die EMEA-Region von Infiniti, François Goupil de Bouillé, in Frankfurt getroffen und über die Zukunft von Infiniti in Europa im allgemeinen und Deutschland im speziellen, gesprochen.

m-a-b: Was unterscheidet einen Infiniti Q30 von einer A-Klasse, mit der er sich so viele Komponenten teilt? 

François Goupil de Bouillé: Als erstes Mal ist es gut zu wissen, dass wir innerhalb der Renault-Nissan Allianz eine starke Basis für moderne Entwicklungen haben. Die Zusammenarbeit mit Herstellern wie Mercedes-Benz erlaubt unseren Entwicklern die Umsetzung von fantastischen Modellen. Ein Q30 lebt vor allem von seinem emotionalen Design und der besonderen Atmosphäre im Innenraum. Aber natürlich ist gerade die Kooperation mit Mercedes-Benz ein spannendes Instrument um den Kunden zu erklären, auf welchem Level sich eine Marke wie Infiniti befindet, aber dennoch möchten wir ein Automobil anbieten, für Menschen die sich vom Mainstream differenzieren wollen.

Mit dem Q30 scheint uns das auch sehr gut zu gelingen. Über 4.000 verkaufte Einheiten im ersten Quartal in Europa. 500 Q30 wurden in Deutschland verkauft. Der März war für Infiniti ein Rekordmonat.

m-a-b: Das größte Problem scheint jedoch die mangelhafte Flächenabdeckung an Händlern zu sein. Fährt man einen Q30 oder Q50 wird man oftmals auf das Fahrzeug angesprochen, doch die Menschen können mit dem Begriff Infiniti noch immer nichts anfangen. Und es gibt zu wenige Händler. 

François Goupil de Bouillé: Wir verfolgen einen eindeutigen Plan und der bedeutet auch, es wird keine Gemischwaren-Verkaufsräume geben. Es gibt eine Vielzahl an Anfragen von etablierten Autohäusern, die sich dafür interessieren, einen Infiniti-Store zu eröffnen. Mit dem Q30 sehen wir nun aber auch eine neue Zeitrechnung für uns. Der Q30 ermöglicht uns einen völlig neuen Zugang, gerade zum Deutschen Markt. Aktuell haben wir 9 Infiniti-Center in Deutschland, wir sehen ein Wachstum auf 20-30 in der nahen Zukunft (binnen 12-19 Monate) als umsetzbar an. Wobei es uns besonders wichtig ist, eine durchgehende Service- und Premium-Dienstleistung zu bieten. Infiniti steht noch immer für eine besondere Exclusivität, bei allen Wünschen nach Wachstum, müssen wir uns diese Exclusivität bewahren. Es wird daher keine gemischten Marken-Erlebnisse geben. Ein Infiniti-Verkaufsraum ist ein Infiniti-Verkaufsraum und auch bei Service & Wartung legen wir viel Wert auf das Infiniti-Erlebnis. In den nächsten 2 bis 4 Wochen soll sich die Anzahl der Service-Werkstätten auf 20 erhöht haben. Die Verträge hierfür sind unterzeichnet. Das Ziel sind rund 20 Händler und 30 Service-Center in der nahen, sehr nahen, Zukunft.

Wir differenzieren zwischen „Stores“ und „Service-Center“ und verfolgen auch einen Plan von so genannten Pop-Up-Stores. Infiniti-Verkaufsräume die in urbanen Gegenden öffnen und den besonderen Infiniti-Stil gekonnt umsetzen.

m-a-b: Manch ein „Herausforderer“ für Deutsche Premiumfahrzeuge will eigentlich nur auf dem Deutschen Markt vertreten sein. Wenn der Erfolg ausbleibt, bleibt er aus und manch dieser „Herausforderer“ akzeptieren dies. Ist das auch die Premium-Strategie von Infiniti?

François Goupil de Bouillé: Niemand hat auf Infiniti gewartet. Der Premium-Markt wird geradezu überrannt. Jeder will jetzt „Premium“ sein. Die Deutschen sind es, die Engländer und Franzosen wollen es sein. Wir sind die Herausforderer, wir müssen unser ganz eigenes Kapitel schreiben.

m-a-b: Ein ganz eigenes Kapitel war auch die Werbung mit der F1-Ikone Sebastian Vettel. Als er noch bei RedBull war, fuhr er dort ein Infiniti-Triebwerk. Was ist ihre Marketing-Strategie in diesem Bereich für die Zukunft? 

François Goupil de Bouillé: In der Formel 1 sind wir auch weiterhin der Hybrid-Experte. Wir bringen die Erfahrungswerte zum Thema Hybrid und entwickeln für die Renault-Triebwerke die Hybrid-Komponenten. Unser Q50 Hybrid ist unter den Hybrid-Fahrzeugen am Markt auch weiterhin der Hybrid mit der stärksten Performance. Wir fokussieren uns hier auf die Technik.  Um diesen Fokus zu kommunizieren und die eigene Wettbewerbsposition zu stärken, haben wir die Engineer Academy ins Leben gerufen. Es ist wie eine „Rennfahrer-Schule“, nur für Hochqualifizierte Techniker und Ingenieure.

Studenten aus Europa und Russland wird die Möglichkeit einer beispiellosen Karriere innerhalb der Formel Eins und im Bereich der Fahrzeugtechnik durch das F1-Werksteam und dem Premium-Automobilhersteller Infiniti geboten.

Über François Goupil de Bouillé:

Der gebürtige Franzose ist seit über 25 Jahren in der Automobilbranche tätig und seit 2014 Infiniti Vice President für Europa, den nahen Osten und Africa.

Vielen Dank François Goupil de Bouillé für das Gespräch