Wie die AutoBild den Leser verarscht!

Wie die AutoBild den Leser verarscht!

Erste Fahrt, Ausfahrt, Fahrbericht, Test oder so ähnlich – so nennen wir auf mein-auto-blog.de die Artikel, bei denen wir unseren Lesern ein neues Auto vorstellen, nachdem wir es gefahren sind. Eine Vorstellung ist ein Artikel über ein Fahrzeug, das wir nicht selbst gefahren sind – was wir aber niemals machen würden, ist: Einen Artikel zu „fälschen“. So zu tun, als wären wir ein Auto gefahren und dann darüber zu berichten, wie sich das Auto fährt. Ehrensache, oder? Einfach nur „Journalisten-Basics“, oder? So arbeiten aber doch alle Auto-Journalisten, oder? Leider nein.

So führt die AutoBild den Leser an der Nase herum

„Die Lenkung arbeitet direkt und präzise“

AUTO BILD fährt in Sunny California das Coupé der C-Klasse von Mercedes. Aber: pssst, streng geheim!

Es ist völlig normal, dass die Automobil-Hersteller den großen Auto-Zeitschriften besondere Bonbons anbieten, die an uns kleinen Online-Publishern unsichtbar vorbeisurren. Dinge unter dem Radar der allgemeinen Motor-Journaille. Hammer-Geschichten, exclusiv für die Papierwerke der Verlagshäuser. Immerhin subventioniert man die großen Verlage mit sagenhaften Werbe-Deals. Da will man auch kontrolliert die Vorfreude der Leser auf die neuen Modelle anfeuern.

Aber geschenkt. Nach 5 Jahren in dieser Branche akzeptiert man das.

Was ich eher merkwürdig finde, ist die Geschichte, die man in der letzten Woche in der Papier-Variante der AutoBild lesen konnte und nun seit gestern auch online

Das neue C-Klasse Coupé feiert auf der IAA in Frankfurt in ein paar Wochen seine Premiere – da kann man als Automobil-Hersteller schon einmal in der Redaktion in Hamburg anrufen und fragen: Hey, wollt ihr nicht eine Geschichte zum neuen C-Coupé machen?

Wie AutoBild Mercedes-Benz an der Nase herumgeführt hat

Natürlich will man – exclusiv, vorab, ein gänzlich neues Modell fahren? Klar. Und was kommt dabei heraus?

da war es noch die mitfahrt

Aber dann muss in der Redaktion der AutoBild die Klimaanlage ausgefallen sein und in Hamburg drehte man durch

Die „Mitfahrt“ in einem Prototypen. Übliche Kost. Der Hersteller bietet sowas dem Auto-Verlag an, der greift zu. Aber dann muss in der Redaktion der AutoBild die Klimaanlage ausgefallen sein und in Hamburg drehte man durch (so meine Spekulation!).

Und aus der Mitfahrt wurde ein Vergleichstest und dem getarnten Erlkönig wurden per Computerretusche die Tarnhüllen entfernt – fertig war ein „typisches“ Bild-Produkt. Ein Aufmacher, der sich nur um den Effekt kümmert, nicht um den Wahrheitsgehalt. Und den Leser, wo informiert man ihn über die Retuschen am Foto? Nirgendwo!

C-Coupé vs. Ford Mustang

Den journalistischen Mehrwert des Vergleiches von C-Coupé und Ford Mustang muss man suchen, am Ende bedienen beide völlig anders sortierte Zielgruppen. Aber gut, der Mustang war in den USA gerade verfügbar (Spekulation) und außerdem ist das Interesse in Deutschland an dem neuen Pony von Ford riesengroß.

jetzt ist es ein Vergleich

Peng, so macht man „Geschichten“.  

Nur, dass man den Leser damit an der Nase herumführt, das scheint der Redaktion in Hamburg nicht so wichtig zu sein. Mein Gott, wer will schon wissen, ob unser Redakteur wirklich selbst gefahren ist? Und hier kann mein-auto-blog die Bestätigung geben: Nein, der AutoBild Redakteur ist das neue C-Klasse Coupé nicht selbst gefahren. (Der Redakteur selbst war leider zu keinem Kommentar bereit..vermutlich hat ihm Hamburg einen Maulkorb verpasst..wieder Spekulation) Wie man dann allerdings zur Aussage kommt, dass die Lenkung direkt und präzise arbeitet? Oder wie man die Überzeugung erfahren konnte:  „Je schärfer das Mercedes Coupé gefordert wird, desto mehr nimmt es den Charakter eines Sportwagens an.“ – es bleibt mir ein Rätsel.

Oder, wie man überhaupt nur diesen Artikel online stellen kann. Fotos, die am Computer retuschiert wurden, ohne den Leser darauf hinzuweisen – so zu tun, als hätte man einen „ersten Vergleich“ erfahren können. Liest man die Kommentare unter dem entsprechenden Online-Artikel, dann wird klar: Der AutoBild Leser hat die Story genau so verstanden, wie man das in Hamburg kalkuliert hatte. Oder anders, man hat den Leser des eigenen Blattes mit Vorsatz an der Nase herumgeführt.

Ob das mit Mercedes-Benz so abgesprochen war?

Inoffiziell dementiert Mercedes-Benz dies. Ja – eine erste „Mitfahrt“ hatte man angeboten. Dass am Ende so getan wird, als ob die AutoBild das neue C-Coupé gegen einen „Mitbewerber“ testen konnte, bevor das Fahrzeug der Öffentlichkeit präsentiert wird, nein, das war nicht abgesprochen. Und da kann man nur sagen: Schämt Euch in Hamburg.

Den Leser belogen, den Hersteller an der Nase herumgeführt. 

Nun ist der Hersteller selbst schuld. Jeder weiß, die Verlage stecken in der Krise. Papierauflagen sinken, die Werbe-Einnahmen schmelzen schneller dahin als der „Respekt vor dem Leser“. Da ist jedes Mittel recht. Auflage. Klicks. Rettungsringe und Leistungsschutzrecht. Und eben unsauberer Journalismus.

Gerade die AutoBild

Es ist noch nicht lange her, da fragte die AutoBild in einer Doppel-Seite: „Sollen Auto-Blogger Autos testen dürfen?“ Was folgte, war eine wirre Ausführung über die Probleme der Verlage mit den freien Onlinern. Vorwürfe, Anschuldigungen und Herabsetzungen komprimiert und initiiert von „Journalisten“ mit Zukunftsängsten.

Heute – nach dieser Leser-Verasche in der AutoBild, sollte die Frage neu gestellt werden:

„Sollen Leser dem Journalismus der Auto-Bild Redakteure weiter Glauben schenken?“

Vermutlich nicht.

Aber Sie als Leser von mein-auto-blog dürfen mir vertrauen, dafür stehe ich persönlich ein, wir werden auch in der Zukunft nur dann einen Vergleich anstellen, wenn wir beide Autos selbst gefahren sind. Wir werden Ihnen keine Bilder unterjubeln, die wir am PC retuschiert haben, nur um Sie hinters Licht zu führen! 

 

 

Linktipp: Jens Stratmann zur „AutoBild“ Lügenstory

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3 Kommentare

  1. officialmethomas
    19. Juli 2015 zu 16:52 Antworten

    Erstaunlich wie sehr negative Presse aus dem Springer Verlag noch immer überraschen kann. Man sollte mittlerweile daran gewöhnt sein.

  2. Jens Stratmann
    18. Juli 2015 zu 18:34 Antworten

    Danke für den Link-Tipp!