Nr. 7 lebt: Der MINI JCW Paceman

Paceman heißt die siebte MINI-Baureihe und ist damit das erste Modell, das namentlich keine Anleihen in der Historie des bis 2000 produzierten Classic Mini nimmt. Wie auch? 1959 sprach noch niemand von SUVs und erst recht nicht von SACs. Dieses Kürzel steht für Sports Activity Coupé und ist der Oberbegriff für einen Trend, den der Mutterkonzern mit dem BMW X6 ins Rollen gebracht hat. Geländewagen-Coupés.

Verstehen muss man diese Fahrzeuggattung nicht, aber wenigstens sollte man sie mal gefahren haben, um sich ein Bild von dieser skurrilen Idee zu machen. Da mit der Markteinführung Mitte März auch sofort das 218 PS starke Topmodell zur Verfügung steht, haben die Testfahrer den MINI John Cooper Works Paceman erklommen und eine flotte Runde durch den Odenwald gedreht.

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Langer Name für einen nicht wirklich kurzen MINI und die Front verrät auch, warum: Die Basis für den Dreitürer ist sein fünftüriger Bruder Countryman, dem man einfach seine zwei hinteren Türen operativ entfernt hat und zusätzlich die Dachlinie etwas straffer und flacher über die vier Sitzplätze gezogen hat. Zusätzlich hat man statt den stehenden Rückleuchten des Landmans, die im Entfernten noch an das Original von 1959 erinnern, dieser Baureihe waagerechte und basedowartig herausglubschende Rückleuchten in die üppig betonten Hüften gezimmert. Das wirkt durchaus frisch, ist aber weit entfernt von coupéhafter Eleganz.

Dieser Viermeter-MINI ist also weder Fisch noch Fleisch und leider gibt auch das Fahrverhalten keinen Aufschluss, was speziell das sportliche Topmodell eigentlich sein will. Das fühlt sich zwar alles durchaus knackig an und der 1,6-Liter-Turbomotor leistet auch ordentliche 300 Newtonmeter an die serienmäßig vier angetriebenen Rädern und verhilft dem Paceman so zu ordentlichen Fahrleistungen (6,9 s auf 100 km/h und 226 km/h Spitze), doch für den richtigen JCW-Kick fehlen dem 1,5-Tonner mindestens weitere 30 Pferde.

Und selbst das Raumkonzept ist zwittrig, denn hat man erst einmal den loungeartigen Fond erklommen, fühlen sich auch großgewachsene Menschen durchaus wohl auf den hinteren Einzelsitzen, doch Lounge bedeutet immer auch ein wenig gediegene Eleganz. Diese will der MINI mit seinem durchschnittlichen Hartplastik-Ambiente trotz geschmeidiger Ledersitze im Pfeifendesign mit farbigen Kedern nicht so ganz gerecht werden

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Für welche Käufergruppe ist das mindestens 35.950 Euro teure Topmodell der verflixten siebten Baureihe also gedacht? Für den cosmopoliten Lifestyler trägt das serienmäßige Aerodynamikpaket zu sehr auf, für die dynamische Familienmutter ist er trotz ordentlichem Kofferraumvolumen zu unpraktisch und für den ambitionierten Kurvenräuber bietet der Paceman selbst mit dem optionalen 19“-Radsatz zu wenig des vielgepriesenen Go-Kart-Feelings.

Es bleibt also abzuwarten, wie sich der MINI mit dem Entwicklungscode R61 am Markt behaupten wird. Konkurrenz hat der Paceman aktuell nur wenig zu befürchten. Allein der dreitürige Range Rover Evoque kann in die Kategorie der kompakten SUV-Coupés eingestuft werden, ist jedoch deutlich undynamischer und teurer.

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