Porsche Boxster 981 im Fahrbericht

Porsche gab mir die Gelegenheit den neuen Boxster, der erst vor ein paar Tagen auf dem Genfer Autosalon debütierte, auf einer wirklich exclusiven Streckenwahl zwischen Französischer Mittelmeerküste, Provence und Seealpen zu “er-fahren”.

2 Varianten meines Fahrberichtes habe ich bereits veröffentlicht, darunter den bewusst sachlichen Versuch eines ersten Eindruckes auf der “Autofahrer-Zeitung.de” und den etwas emotionaleren auf meinem persönlichen Auto-Blog.

Ich will diesen Blog nutzen um ein wenig die Details des neuen Boxster zu beleuchten und auch um die Fragen rund um den Testverbrauch zu beantworten, denn hier sind doch wohl bei einigen Lesern die Fragezeichen im Kopf aufgetaucht.

Porsche Boxster S

Details, Emotionen, Technik

Als man 1993 die erste Version des Boxster auf dem damals ganz klar wichtigsten Markt präsentierte, auf der Detroit Motorshow in den USA, da war der Boxster mit 204PS und rundlichem Pausbackengesicht sofort in die Schublade “Hausfrauen-Porsche” einsortiert.  Das änderte sich auch 2004 nicht wirklich als man die 2.te Fassung des 987er in Genf präsentierte. Gott sei Dank waren damals die Spiegeleier Augen des Ur-Modells bereits Geschichte.

Der Boxster hatte es aus zweierlei Gründen schwer bei den Fans der “echten Porsche”, dem 911er, zu punkten. Da war zum einen die Wahl des richtigen Einbauortes für den Motor, hinter den Passagieren, anstatt hinter der Antriebsachse und zum anderen diese “Wasserkühlung”. Ein Jahr nachdem Porsche mit dem Boxster in Deutschland die Wasserkühlung für den Boxermotor im Boxster einführte, kam 1997 auch der erste 911er mit Wassergekühltem Motor auf den Deutschen Markt.

Man mag es rückblickend für einen unfassbaren Anachronismus halten – Motorkühlung per Luft bis kurz vor die Jahrtausendwende. Für Porsche-Fans war der 993 doch tatsächlich einer der letzten “echten 911er” – wählt man den Blickwinkel etwas größer, so stellt man aber fest – dieses “der letzte Echte” Gejammer ertönt bei jedem Modellwechsel und immer wieder aufs Neue.

Es ist vermutlich auch mit diesem in der Fangemeinde arg eng fokussiertem Blick schwer, eine neue Baureihe sofort zu akzeptieren. Das ging auch dem 944er so, das ging dem 928 so und natürlich auch der aktuellen Familie von Panamera bis Cayenne. Rückblickend verklärt sich dann der Blick jedoch gerne und sowohl 944er als auch 928er sind heute gesuchte Klassiker und Youngtimer mit großer Zukunft.

Der als “Hausfrauen-Schleuder” zu unrecht schlecht geredete Boxster macht da keine Ausnahme.

Mit der nun dritten Generation präsentiert Porsche einen Boxster, der sich – und so scheint es derzeit, von seinem großen Leitbild 911 emanzipieren darf. 

Galt Jahrzehntelang eine klare Rangfolge für die Performance, zeigte bereits die Blechdach-Variante des letzten Boxster, der Cayman in seinen sportlichen Ausbaustufen S und R, mit welchen fahrdynamischen Talenten der “kleine” Zuffenhausener gesegnet war.  Bei der ersten Ausfahrt mit dem neuen Boxster (ich fuhr die S-Version) wurde deutlich, die Zügel an denen die ersten Boxster gehalten wurden, sind lockerer geworden und noch nie war eine Baureihe näher an der Leistungsfähigkeit der aktuellen Elfer-Generation.

Bei Porsche hat man hierfür aber auch tief in die Trickkiste der Ingenieurs-Leistungen gegriffen, ein paar Beispiele die ich nun näher beleuchten will:

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  • PTV
  • Dynamische Motorlager
  • Gewicht
  • Motorleistung
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PTV – Porsche Torque Vectoring

Im Boxster bietet Porsche eine aktive Drehomentverteilung auf der angetriebenen Hinterachse an. Anders als bei anderen Herstellern hat man sich bei Porsche dazu entschlossen eine Lösung die auf einem Bremsimpuls basiert zu verwenden, anstelle eines aktiven Differentials.

Wirkung des Porsche Torque Vectoring Systems

Das PTV arbeitet zusammen mit den Sensoren des PSM, dem Porsche Stability Management und erzeugt durch den Bremseneingriff am Kurveninneren Rad einen Moment-Überschuss am Kurvenäußeren Rad und damit verbunden ein  “in die Kurve eindrehen” des Fahrzeuges.  Das PTV-System arbeitet zusammen mit einer mechanischen Hinterachssperre die im Zugbetrieb 22% und im Schub eine 27%ige Sperrwirkung aufbaut.  Wichtig: Das Torque Vectoring System arbeitet auch, wenn das PSM abgeschaltet wurde.

Porsche spricht beim PTV von der “intelligenteren Lösung” da durch das weglassen eines aktiven Differentials eine weitere Gewichtseinsparung erzielt werden konnte, zugleich der Bremsimpuls für die gleiche Wirkung sorgt und keine negative Wirkung auf die thermische Gesundheit der Hinterachsbremse ausübt.

Porsche Torque Vectoring kostet inklusive der mechanischen Hinterachssperre 1.309€ Aufpreis.

 

Dynamische Motorlager

Die Verbindung zwischen Motor- und Getriebeeinheit übernehmen so genannte Motor- und Getriebelager deren Aufgabe die Entkopplung zwischen Karosserie und Antriebseinheit ist, damit die Schwingungen und Vibrationen von Fahrer und Beifahrer ferngehalten werden. Diese Lager übernehmen somit eine gewisse Komfortfunktion. Zugleich sorgen Lastwechsel der Antriebseinheit und die Möglichkeit der Momentenverwindung für Einbußen in der Performance. Rennfahrzeuge besitzen daher üblicherweise eine extrem steife Lagerung der Antriebseinheiten. Um den Spagat zwischen Komfort und extremer Leistungsfähigkeit zu leisten, hat man bei Porsche “dynamische Motorlager” entwickelt.

Dynamische Motorlager Schnittzeichnung

Über ein Magnetfeld das wiederum auf die magnetische Dämpferflüssigkeit wirkt, kann man die Motor-Getriebelager versteifen oder komfortbetont weich einstellen.  Der neue Boxster lässt sich mit diesen Motorlagern sowohl betont sportlich und mit besser fahrbarem Grenzbereich sehr aktiv, oder komfortabel auf langen Strecken entspannt bewegen.

Eine typische Porsche-Lösung. Die dynamischen Motorlager sind Teil des “Sport Chrono” Pakets,  der Aufpreis für das gesamte Paket richtet sich nach weiteren Ausstattungsdetails und bewegt sich zwischen 1.594,60 € und 2.023,00 €.

 

Gewicht

Der neue Boxster wiegt in der S-Version 1.320kg, mit dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe 1.350kg. In der Basisvariante sind es jeweils 10kg weniger.  Gewicht einzusparen ist gleich in mehreren Punkten der Schlüssel zum Erfolg.   Und obwohl der neue Boxster alles besser kann als sein Vorgänger, wurde er im Schnitt 35kg leichter.  Mit dieser Gewichtseinsparung ist es möglich sowohl effizienter mit dem Kraftstoff umzugehen, als auch mit mehr Performance auf der Strecke zu überzeugen.

46% der Boxster Karosserie besteht aus Aluminium, um trotzdem eine erneute Steigerung der Verwindungssteifigkeit zu erreichen, wird der Boxster aus einem Materialmix von hochfesten Stählen, Aluminium-Druckguss und Magnesium hergestellt.  Die Überrollbügel bestehen natürlich auch hochfesten Stählen und bilden zusammen mit der Fahrgastwanne die Basis für eine extrem verwindungssteife Karosse. Die Sicherheitseinrichtungen habe ich während meiner Test-Fahrt glücklicherweise nicht testen müssen – einen Eindruck über die extrem stabile Zelle konnte ich jedoch auf den teilweise an Offroadstrecken erinnernde Straßen quer durch kleine Ortschaften Südfrankreichs erhalten.

 

Motorleistung

Von nichts, kommt nichts. Bei Porsche war man trotz der Hubraumreduzierung beim Basis Triebwerk von 2,9 Litern auf 2,7 Liter erfolgreich und hat dem “kleinen” Motor 10PS mehr Leistung bei einer Verbrauchsreduzierung von 12% bis 15%  spendiert.  Das Drehmoment sank um 10Nm, steht dafür in einem deutlich breiterem Drehzahlbereich zur Verfügung.  Besonderen Respekt verdient der Euro-NEFZ Verbrauch des 265PS 6 Zylinder Boxermotors von nur 7,7 Liter auf 100km. Damit kann sich Porsche zu Recht als Vorreiter von besonders effizienten Sportmotoren feiern lassen.

6 Zylinder Boxermotor

Das Triebwerk des Modells blieb mit 3.436ccm³ so groß wie beim Vorgänger. Trotzdem wurde auch hier die Effizienz des wassergekühlten Boxers weiter gesteigert. Ein Plus von 5 PS auf 315PS bei 6.700 Umdrehungen und weiterhin 360Nm im Bereich von 4.500 bis 5.800 U/min sind in Verbindung mit einer Verbrauchsreduzierung von 10% beim Schaltgetriebe und knapp 15% beim PDK ein klarer Beweis für die Porsche Effizienz im Motorenbau.

Aber warum dann der extreme Verbrauch im Fahrbericht?

Bei der Testfahrt in den Seealpen, auf den Spuren des Rallye-Gott Walter Röhrl wurden fast 26 Liter Superplus auf 100km verbrannt. Hierzu muss man anmerken: Porsche war mit dem Panamera Diesel der erste Hersteller der einen Testwagen zur Verfügung stellte, der den eigentlich völlig realitätsfremden Euro-NFZ Verbrauch unterbot. Bei der ersten Ausfahrt des Boxsters stand für mich persönlich jedoch keine Minimal-Verbrauchsmessung im Vordergrund, sondern die Frage ob der neue Boxster nun von der Leine gelassen wurde und die Perfomancevorteile seiner Grundkonstruktion als Mittelmotorsportwagen ausfahren darf.

Die extrem griffigen Pirelli P-Zero, das affengeile Porsche Doppelkupplungsgetriebe und die gigantische und sehr selektive Streckenwahl mit einem Höhenunterschied von fast 1.000m brachte einen “Maximal-Verbrauch” hervor, der eigentlich nur von Herrenfahrern auf der Nordschleife erreicht werden kann.  Ich bin absolut davon überzeugt, wenn ich den Boxster für einen Economy-Verbrauch ausführe die NEFZ Angaben erreichen zu können.

Schadenfreude über “trinkfreudige” Porsche-Motoren wäre an dieser Stelle also nicht nur unangebracht, sondern würde einfach nur eine mangelnde Übersicht der Test-Situation zeigen. 

 

Lies die Meinung von Sebastian über den Porsche Boxster 981 S

Testfahrer Sebastian über den Porsche Boxster 981 S

Testfahrer Tom Schwede über den Boxer S 981

Testfahrer Tom Schwede über den Boxer S 981


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5 Kommentare

  1. Ralf Menger
    3. Mai 2013 zu 21:24

    10 l/100 km sind bei normaler Fahrweise problemlos möglich !
    Ich habe heute 240 km Landstr./BAB-Mix gefahren, 10,2 l rechnerisch,
    durch nachtanken ermittelt

  2. Bjoern
    31. März 2013 zu 10:55

    Bei der Präsentation letzten Jahres, ging das noch nicht – da bin ich ziemlich sicher. Werde die Presse-Unterlagen vom letzten Jahr mal suchen. Jetzt geht es – hab ich auch eben erst im Konfigurator gefunden. Danke für den Hinweis!!

  3. Frank
    31. März 2013 zu 03:06

    Lieber Bjoern, gute Vorstellung jedoch mit einem Fehler: PTV und PASM haben nicht miteinander zu tun. Daher kann der Boxster 981 auch mit PTV und PASM zusammen geordert werden.

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