Gebrauchtwagen kaufen – Ratgeber für Privatkäufer

Gebrauchtwagen kaufen – Ratgeber für Privatkäufer

Gebrauchte Fahrzeuge erfreuen sich großer Popularität. In den vergangenen Jahren ist eine regelrechte Gebrauchtwagenkultur entstanden. Viele Verbraucher greifen aufgrund des massiven Wertverlustes bei Neuwagen gerne zu Gebrauchten, um von den Preisvorteilen zu profitieren. Beim Kauf sind allerdings einige Faktoren zu beachten. Schließlich könnte ein Fehlkauf unangenehme finanzielle Folgen haben. Dieser Ratgeber informiert über einige der wichtigsten Punkte, die beim Vergleichen und Begutachten von Gebrauchtwagen entscheidend sind.

Zustand sorgfältig prüfen

Wer von Autos wenig Ahnung hat, sollte sich zur Besichtigung eine fachkundige Begleitung organisieren, die den Zustand des potenziellen Kaufobjektes besser einschätzen kann. Ist dies aufgrund fehlender Kontakte nicht möglich, sollten sich Verbraucher vor der Besichtigung über wesentliche Merkmale informieren, die es erleichtern, das Fahrzeug zu prüfen. In erster Linie sollte für eine Fahrzeugbesichtigung reichlich Zeit eingeplant werden, um sich einen guten Eindruck über den Allgemeinzustand zu machen. Erste Indikatoren sind Lack, Innenraum und Karosserie. Kratzer und Beulen am Lack können auf einen Unfall oder Schäden hinweisen. Ein gutes Beispiel liefern die Spaltmaße am Kofferraum. Sind diese ungleichmäßig breit und passt sogar ein ganzer Finger in den Spalt, ist die Wahrscheinlichkeit für einen früheren Fahrzeugschaden groß. Außerdem kann ein kleiner Magnet (natürlich mit Beschichtung, um das fremde Fahrzeug nicht zu beschädigen) dabei helfen, Ausbesserungsmaßnahmen aufzudecken. Sobald der Magnet an der Karosserie an Stellen nicht haften bleibt, deutet dies auf dickere Schichten Spachtelmasse und damit auf ausgebesserte Schäden hin, die sich unter dem Lack befinden und für das Auge zunächst unsichtbar sind.

Ein Griff in den Innenraum verrät, ob das Fahrzeug innen feucht und somit undicht ist. Auch die Bremsen sollten kritisch begutachtet werden. Befinden sich auf der Bremsscheibe tiefe Riefen, ist der Verschleiß der Bremse hoch. Derartige Feststellungen können zusätzlich Verhandlungsspielraum einräumen und eine Chance bieten, den Preis herunterzuhandeln. Bezüglich der Reifen ist der gleiche sorgfältige Blick anzuwenden. Die Profiltiefe sollte immer kontrolliert werden und auch das Reifenalter ist ausschlaggebend. Es lässt sich anhand einer vierstelligen Zahl auf dem Reifen erkennen, das die Woche und das Jahr angibt.

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Empfehlenswert ist es, dem Verkäufer Fragen zu stellen, um möglichst viel über das Auto zu erfahren. Folgende Fragen sind wichtig:

  • Wie viele Besitzer hatte das Fahrzeug?
  • Gibt es Unfall- oder Vorschäden?
  • Wann wurde das Auto gebaut und wann erfolgte die Erstzulassung?
  • Ist das Scheckheft geprüft und lückenlos? (Vorlegen lassen!)

Außerdem sollte der Wagen vor der Probefahrt angelassen werden, um eventuelle Nebengeräusche der Motorisierung festzustellen. Ein Check des Innenraums hinsichtlich Geruch, Pedalzustand und Sitze sollte gleichermaßen selbstverständlich sein. Tipps zur Probefahrt haben wir in diesem Beitrag separat aufgeführt.

Bereits für unter 100 Euro lässt sich bei Dienstleistern wie dem ADAC, aber auch einigen anderen Unternehmen ein sogenannter Gebrauchtwagencheck durchführen. Ist der Verkäufer einverstanden, kann der potenzielle Käufer das Fahrzeug zur Prüfstelle bringen, wo es anhand einer umfangreichen Checkliste rundum auf Mängel überprüft wird. Besteht das Auto den Check, können es Interessenten beruhigt kaufen.

Dokumente zum Fahrzeug studieren

Leider lässt sich nie zu 100 Prozent ausschließen, dass Faktoren wie Kilometerstand oder Fahrzeugzustand, die vom Verkäufer bestätigt werden, tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Viele Gebrauchte wechseln erst durch Manipulation den Besitzer. Um das Risiko getäuscht zu werden, zu minimieren, sollten sich potenzielle Käufer sämtliche HU-Berichte und Rechnungen von Werkstätten zum Fahrzeug vorlegen lassen. Diese Dokumente am besten in aller Ruhe durchlesen. Sie sind ein wertvoller Hinweis zum Pkw-Zustand. Verdächtig macht sich jeder Verkäufer, der keinerlei derartige Papiere vorzuweisen hat. Zumindest, wenn das Fahrzeug mehrere Jahre in seinem Besitz war.

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Die Gewährleistung

Da beim Autokauf von Privatleuten eine Gewährleistung meist vollständig ausgeschlossen wird, muss der Fahrzeugzustand besonders gut geprüft werden. Sollte der Wagen stattdessen bei einem Gebrauchtwagen-Händler gekauft werden, gelten in Bezug auf die Gewährleistung andere Regeln. Das unabhängige Verbraucherportal Verivox bietet online nicht nur eine Gebrauchtwagensuche, sondern weist in einem Fahrzeug-Ratgeber auch auf folgendes hin: „Gewerbliche Verkäufer, also Händler, aber auch Unternehmen, Gewerbetreibende und Freiberufler beim Verkauf des Firmenwagens, sind zu einer 2-jährigen Gewährleistung gesetzlich verpflichtet. Diese darf für Gebrauchtwagen jedoch vertraglich auf ein Jahr verkürzt werden.“ Im Vergleich zur Neuwagengarantie handelt es sich aber lediglich um eine Sachmängelhaftung. Sollten beispielsweise Schäden am Fahrzeug aufgrund von Verschleißerscheinungen entstehen, die auf den Vorbesitzer zurückzuführen sind, werden diese nicht übernommen.

Oft werden potenziellen Fahrzeuginteressenten von dubiosen Autohändlern Mängellisten vorgelegt, die als vertraglicher Bestandteil gelten sollen und zahlreiche pauschale Mängel enthalten. Solche Händler möchten damit meist ihrer Gewährleistungspflicht entgehen und sollten gemieden werden.

Stimmt der Preis?

Egal ob der Gebrauchte von einer Privatperson oder einem Autohändler gekauft wird: Der Preis sollte nicht kommentarlos akzeptiert, sondern eingehend geprüft werden. Häufig entspricht dieser nämlich nicht dem Fahrzeugwert. Sollte der Verkaufspreis übertrieben erscheinen, können sowohl die Schwacke-Liste als Bewertungsorientierung herangezogen werden als auch Bewertungsdienste wie DAT (Deutsche Automobil Treuhand GmbH). Besonders schnell und unkompliziert erfahren Interessenten mehr zum Fahrzeugwert über die aktuelle Gebrauchtwagenpreisliste des ADAC. In der verlinkten Preisübersicht sind über 4.200 Fahrzeuge gelistet. Die Preise sollten allerdings nur als Orientierung betrachtet werden. Der endgültige Preis hängt mit dem Zustand des Kaufobjektes zusammen. Ein unabhängiger Gutachter kann darüber hinaus ein individuelles Wertgutachten zum Gebrauchtwagen erstellen, sollte der Besitzer damit einverstanden sein.

Der Gebrauchtwagencheck der Sendung Abenteuer Auto zeigt, auf was ein Gutachter bei der Kontrolle von Gebrauchten außerdem achtet, was das Beurteilen von Fahrzeugen erleichtern kann:

Der Verkäufer-Check

Sollte ein Verkäufer zum Kauf drängen oder in irgendeiner Hinsicht Druck ausüben, sollte Abstand von seinem Angebot genommen werden. Nicht selten sind versteckte Mängel der Auslöser für das Verhalten. Außerdem ist es ratsam, die Daten auf dem Personalausweis des privaten Verkäufers mit den Daten auf dem Fahrzeugbrief zu vergleichen, um herauszufinden, ob die Person tatsächlich der Besitzer des Fahrzeugs ist. Sollten die Angaben Abweichungen aufweisen, ist eine andere Person im Besitz des Gebrauchten. Auch hier ist Vorsicht geboten.