Sehtest: Das Auge fährt mit

Sehtest: Das Auge fährt mit

Zwei von drei Deutschen besaßen 2015 einen Führerschein. Das macht 55 Millionen Autofahrer. Viele von ihnen können jedoch nicht mehr scharf genug sehen, um sicher am Straßenverkehr teilzunehmen. Dabei ist das Auge einer der wichtigsten Sinne beim Autofahren.

Rund 33 Prozent der über 50-Jährigen haben zu schlechte Augen fürs Autofahren. Gerade diese Gruppe hat allerdings die größte durchschnittliche Fahrleistung auf unseren Straßen – und ist damit ein sehr großes Gefahrenpotenzial. Nach Schätzungen des Bundesverbands der Deutschen Augenärzte passieren etwa 300.000 Unfälle aufgrund von Sehschwächen. Man geht davon aus, dass jeder fünfte Autofahrer Nachtsehstörungen hat. Auch bei herbst- und winterlichen Lichtverhältnissen ist das Auge stark gefordert. 90 Prozent aller Sinneswahrnehmungen im Straßenverkehr werden über das Auge geregelt. Der „TÜV“ beim Augenarzt ist deshalb ratsam.

Freiwillig den Sehtest machen

In Deutschland gibt es keine gesetzlichen Vorgaben für den Sehtest. Er muss lediglich vor der Führerscheinprüfung gemacht werden. In der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) steht, dass ein Fahrer eine Sehkraft von mindestens 70 Prozent besitzen muss. Da das Nachlassen der Sehkraft mit zunehmendem Alter unumgänglich wird, sollte jeder Autofahrer regelmäßig, das heißt, alle zwei Jahre, einen Sehtest machen. Damit schützt er nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer vor Unfällen. Einen Sehtest zu machen, ist nicht aufwendig. Die meisten Optiker bieten in ihren Filialen Überprüfungen an. Teilweise sind diese sogar gebührenfrei. Der Test selbst dauert nur wenige Minuten. Wird aufgrund der Ergebnisse klar, dass die Sehstärke nicht mehr zum Autofahren ausreicht, bedeutet das nicht, dass man kein Auto mehr fahren darf. Mithilfe von Kontaktlinsen oder einer Brille lassen sich die meisten Schwächen mühelos korrigieren. Wer das nicht tut, muss bei einem Unfall, der aufgrund der Sehschwäche passiert ist, damit rechnen, dass die Vollkaskoschutz nicht greift und dass die KFZ-Haftpflicht-Versicherung Regressansprüche stellt.

Was macht die passende Brille aus?

Um die passende Brille zu finden, sollte man sich bei einem Optiker beraten lassen. Ein Fachmann weiß genau, wann die Brille richtig sitzt und welche Besonderheiten sie für das Autofahren aufweisen muss. So sollte sie zum Beispiel große Gläser mit Polarisationsfilter haben, die helles Licht absorbieren und vor Blendungen schützen. Entspiegelte Gläser helfen vor allem in der Nacht, die Augen zu entlasten. Vorsicht ist bei getönten Gläsern geboten, wie sie zum Beispiel Sonnenbrillen haben. Sie sind für Nachtfahrten ungeeignet. Allgemein darf der Farbfilter maximal 82 Prozent des Lichts absorbieren, damit Kontraste gut erkennbar und die Farben der Umgebung realistisch wiedergegeben werden. Mehr Informationen dazu findet man auf der Ratgeberseite von blickcheck.de.

Anzeichen für schlechteres Sehen

Vor allem sehr erfahrene Autofahrer merken oft nicht, dass ihre Sehkraft nachgelassen hat. Sie manövrieren das Auto ohne Probleme in die Parklücke und auch während der Fahrt gibt es keine großen Sehschwierigkeiten. Das liegt daran, dass das Gehirn Schwächen beim Sehen hervorragend ausgleichen kann. Das Problem dabei ist allerdings die erhöhte Denkleistung, die einerseits zu Stress beim Fahren führt und andererseits die Aufmerksamkeit anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber reduziert. Es gibt allerdings zahlreiche Anzeichen, die dem Autofahrer signalisieren, dass die Sehkraft schlechter geworden und eine Sehhilfe nötig ist:

  • Spätes Erkennen von Verkehrszeichen
  • Häufiger die Situation, dass plötzlich andere Verkehrsteilnehmer auftauchen, die man fast übersehen hätte
  • Schlechteres Erkennen der Kontraste bei Dämmerung und in der Nacht
  • Höhere Empfindlichkeit bei Blendlicht
  • Schlechtere Einschätzung von Entfernungen
  • Erhöhtes Stressniveau während der Fahrt


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