Toyota Verso 2013 – Überzeugender Kompaktvan für Pragmatiker

Vier Wochen Wartezeit noch, dann steht der neue Toyota Verso bei den Händlern und soll es seinen Wettbewerbern VW Touran, Opel Zafira und Ford C-MAX zeigen. Dem Kompakt-Van hat man bei Toyota nicht nur ein frisches Aussehen spendiert, sondern auch neue Technik und ein „Mehr“ an Ausstattung.
Reicht das, um den sonst so schnörkellosen Verso begehrenswert zu machen?

Thomas Gigold ist Vater von drei Kindern, zu seinem Haushalt zählen außerdem zwei Hunde. Der Blogger war zur europäischen Präsentation des überarbeiteten Toyota Verso eingeladen. Sein Bericht einer ersten Probefahrt:

Toyota Verso 01 Testfahrer 2013

Kompaktvan. Eigentlich ist schon der Gattungsbegriff des Toyota Verso etwas seltsam. Ein Auto, das auf der Größe eines VW Golfs bequem Platz für fünf bis sieben Passagiere bieten soll. Die Herausforderung, die sich diese Fahrzeuge stellen, könnte nicht größer sein.
Jedoch: Kompakte Vans fahren auf der Überholspur. Von 2010 bis 2012 erhöhte sich ihre Verkaufszahl in Deutschland um satte 20 Prozent auf 360.000 Stück.

Sportliche Anleihen sollen begehrenswert machen

Mittlerweile in der dritten Generation baut Toyota den Verso. Nach drei Jahren nun erfährt die aktuelle Generation eine gründliche Überarbeitung. Optisch auffälligste Änderung am Modell für 2013 ist der „keen look“ – jenes mit dem Auris eingeführte Familiengesicht. Das zeichnet sich durch einen schmalen Grill mit Chromleiste und selbstbewusstem Markenlogo sowie großen trapezförmigen Lufteinlässen darunter aus. Zusammen mit dem leicht geänderten Heck samt kleinem Dachkantenspoiler und Diffusor-Andeutung soll der neue Familienlaster etwas sportlicher wirken. Väter sind eben auch nur Racer mit Kindern.
Das Problem ist nur: So ganz zum frischen, sportlichen Look will die Leistung des von uns getesteten Versos nicht passen.

Denn beim Motorenprogramm bleibt alles beim Alten im Neuen. Einzig dem Zweiliter-Diesel hat man bei Toyota eine ausführliche Kur gegönnt. Mit der sank der Normverbrauch des Aggregats um 0,7 Liter, liegt nun unter der für das Marketing so wichtigen Fünf-Liter-Grenze. Nur mehr 4,9 Liter Diesel Verbrauch (129 g CO2 pro Kilometer statt bisher 146 g) weist das Datenblatt auf 100 km aus. Verzichten muss der Fahrer im Vergleich zum Vorgänger jedoch nicht – außer auf zwei PS, die aber wohl nicht wahrnehmbar ins Gewicht fallen dürften.

Toyota Verso 08 Testfahrer 2013

Erstkontakt mit dem neuen Toyota Verso

Beim ersten Kennenlernen in Südfrankreich konnte der so stolz von Toyota präsentierte Diesel auf unserer kurzen Strecke leider nicht wirklich überzeugen. Zwar liefert er selbst bei niedrigen Drehzahlen konstanten Zug, für 91 kW (124 PS) und zwei Liter Hubraum jedoch lässt es der Verso an Dynamik fehlen. Gerade jene preist das Toyota-Marketing in den Presseunterlagen allerdings an. Statt dessen schwimmt man relativ emotionslos im Verkehr mit, dazu nagelt der Diesel unerfreulich laut vor sich hin. Positiv im doppelten Sinn ist da der geringe Rollwiderstand des Kompakten – der gönnt dem Diesel und den Ohren auf ebenen Landstraßen lange Pausen.

Ein Blick in den Motorraum offenbart, wieso der Japaner so laut vor sich hin rumpelt. Zwar hat man für das Facelift bei Toyota an Türholmen und Scheibenansätzen sowie der Aerodynamik gearbeitet, um Windgeräusche stark zu reduzieren. Im gleichen Moment jedoch hat man im vorderen Bereich schlichtweg Dämmung für den Motor „vergessen“.

Natürlich stellt sich die Frage, wie dynamisch ein Kompaktvan überhaupt sein kann – oder besser: sein muss. Denn allein schon seine Bauweise und das potentielle Gewicht mit sieben Personen an Bord schränken die Möglichkeiten doch deutlich ein. Der Diesel macht seinen Job deshalb nicht schlecht und zieht den Verso durch das Land – mehr aber auch nicht.
Auffällig zumindest: Auf der Autobahn wird der Verso selbst bei hohen Geschwindigkeiten nicht lauter, als er es auf der Landstraße mit 80 km/h ist.

Doch wie bei kaum einer anderen Fahrzeugklasse kommt es bei einem Kompaktvan sowieso eher auf die inneren als äußeren Werte an. Hier will der Verso mit neuen, aufgewerteten Materialien und seiner unheimlich großen Flexibilität bei den Sitzen punkten.

Toyota Verso 09 Testfahrer 2013

Toyota Verso: Eher Fünf- als Siebensitzer

Unser Testwagen ist ein 5+2 Sitzer. Man kennt das aus dem Segment mittlerweile: Fünf Einzelsitze, die ausreichend Platz bieten. Optional lassen sich dann noch zwei „Notsitze“ im Kofferraum bestellen, die vollständig versenkbar sind und sich bei Bedarf ausklappen lassen. Will man Platz auf ihnen nehmen, sollten die Gelenke allerdings nicht zu eingerostet sein. Denn im Gegensatz zum Wettbewerb streckt Toyota die Karosserie beim Siebensitzer nicht um eine Handbreit. So braucht man schon ein wenig Übung und Sportlichkeit, um auf den beiden Sitze hinten Platz zu nehmen. Bequem sitzt man auf den zwei Plätzen schließlich auch nicht. Aber das hat der Verso mit allen anderen Marktteilnehmern in diesem Segment gemein – ihn dafür zu kritisieren wäre mehr als unfair. Bei genutzter dritter Sitzreihe fällt der Kofferraum allerdings weg – und zwar nahezu vollständig. Gerade einmal 178 Liter bis zur Fensterkante bleiben übrig, wenn man den Verso als Siebensitzer nutzt. Klappt man hingegen alle Sitze um, ist der Laderaum übig. Der Beifahrersitz lässt sich hingegen nicht umlegen. Gut ist, dass sich die beiden hinteren Sitzreihen fast eben hinlegen lassen – so ist der nächste Großeinkauf im Möbelhaus kein Problem.

Toyota Verso 11 Testfahrer 2013

Die fünf „Stammsitze“ sind mehr als in Ordnung: Sie bieten einen guten Seitenhalt, sind strapazierfähig und einzeln verstellbar – die beiden Vordersitze auch in der Höhe. Bei der ersten Sitzprobe im neuen Verso wirkten die Sitze zu hart, nach rund 200 Kilometern (mit Pausen) allerdings sitzt man immer noch einigermaßen bequem und ohne Beschwerden hinter dem Lenkrad.

Von den drei hinteren Einzelsitzen bieten die zwei äußeren eine Isofix-Halterung, zwei Kindersitze lassen sich hier also direkt einklinken. Die Gurtführung des mittleren Sitzes ist zudem gut genug, um auch hier recht bequem einen Kindersitz ganz ohne Isofix anzubringen oder ein größeres Kind sich selbst anschnallen zu lassen.

Woran hingegen in der hinteren Sitzreihe mangelt: Lüftungsschlitze für die Klimaanlage. Die sind nicht vorhanden. Ob die drei kleinen Lüfter auf dem Armaturenbrett an Hochsommertagen dann ausreichend Wirkung entfalten?

Toyota Verso 05 Testfahrer 2013

Haptik könnte besser sein

Beim Einsteigen fallen als erstes die Armaturen auf. Die sind, ganz französisch eigentlich, in der Mitte des Armaturenbretts angebracht. Das mag schick aussehen, erschwert den Blick auf den Tacho jedoch ungemein, da sich dieser nicht mehr in der konzentrierten Blickrichtung befindet. Man muss den Blick so immer nach rechts unten senken – sicherlich nur eine Gewohnheit, während des Probetages jedoch wollte die sich nicht einstellen.

Auch die Beleuchtung der Armaturen lies in der frühlingshaften Mittelmeersonne etwas zu wünschen übrig. In blassem Orange schimmern diese, die Positionierung der Schaltpunktanzeige ist zudem so schlecht gewählt, dass man sie auch getrost hätte weg lassen können.

Weniger in der Handhabung, sondern vor allem optisch irritierend ist der mittlere Lüftungsschlitz im Armaturenbrett. Der fällt zur Mitte hin ab und wirkt somit schief. Aussergewöhnlich.

Ablageflächen hat der Verso ausreichend. Auch wenn etwas unverständlich ist, wieso man den durch die Zentralisierung der Armaturen geschaffenen Platz vor dem Fahrer überhaupt nicht nutzt – auf Ablagen wie in den Citroën-Familienmodellen auf dem Armaturenbrett verzichtet man. Dafür gibt es zwei große Becherhalter in der Mitte, die Mittelkonsole schluckt ebenfalls jede Menge Krimskrams und in den Türen gibt es riesige Fächer, die auch Zwei-Liter-Flaschen aufnehmen. Zudem lässt sich das Handschuhfach über die Klimaanlage kühlen.

Toyota Verso 12 Testfahrer 2013

Technik und Optionenliste überschaubar

Der Verso ist ein Sparmeister. Und als solchen positioniert ihn Toyota in Vollendung. Abgesehen von der Rückfahrkamera im Rahmen des Multimediasystems werden selbst gegen Aufpreis so gut wie keine Assistenzsysteme angeboten.

Natürlich erfreut die kurze Liste an optionalen, aufpreispflichtigen Erweiterungen Kunden und Geldbörse. Wo andere Hersteller selbst den Heckscheibenwischer aufpreispflichtig machen, gibt sich Toyota übersichtlich: Neben der Basis-Version gibt es drei Ausstattungslinien mit nur wenigen Erweiterungsmöglichkeiten.

Auf der anderen Seite führt die kurze Liste dann auch zu seltsamen Dingen: Dass das bessere Navigationssystem „Touch Pro“ zum Beispiel nur in der höchsten Ausstattungslinie erhältlich ist, führt quasi zu einem Aufpreis von 7.500 Euro, wenn man sich eigentlich nur das System zulegen will.

Auch auf der Motorseite hält Toyota den neuen Verso an der kurzen Leine. Weil man mit dem Prius+ bereits einen Hybrid-Siebensitzer im Angebot hat, bleibt die Technik dem Verso verwehrt. Während man es bei der Hybrid-Technologie noch nachvollziehen kann, ist eine andere Entscheidung nicht wirklich verständlich: Ein Start-Stopp-System ist für den Verso nämlich nicht vorgesehen. Weder serienmäßig noch gegen Aufpreis erhält man den Familien-Van mit der Spritspar-Technologie. Einen „am Markt nicht kommunizierbarer Aufpreis“ nennt Toyota als Grund.

Toyota Verso 10 Testfahrer 2013

Fazit Toyota Verso 2013

Der neue Toyota Verso rollt am 13. April 2013 zu den Händlern. Dort präsentiert er sich als günstiges und überschaubares Einstiegs-Familienauto für Pragmatiker. Das Basismodell ist für 21.150 Euro erhältlich – um einiges günstiger als etliche Wettbewerber.

Für den Preis bekommt man ein Auto, das trotz kleinerer Mängel überzeugt und sich extrem flexibel zeigt. Leider stand uns kein Benziner für eine Testfahrt zur Verfügung – den überarbeiteten Diesel fanden wir jedoch zu laut. Dass eine Start-Stopp-Automatik nicht mal gegen Aufpreis erhältlich ist, ist im Jahr 2013 eigentlich verwunderlich. Im Test überzeugte der Verso grundsätzlich aber mit geringem Rollwiderstand, einer präzisen Lenkung und einem gut abgestimmten Fahrwerk, das selbst größere Unebenheiten schluckt.

Pluspunkte gibt es im Innenraum für die guten, strapazierfähigen Sitze sowie die einzeln verstellbaren Rücksitze. Selbst für den 1,90 Meter großen Mitfahrer war so in der zweiten Sitzreihe noch ausreichend Beinfreiheit vorhanden.
Zudem gibt es unter dem Rückspiegel einen ausklappbaren Innenspiegel, um Passagiere im Fonds im Auge zu behalten und genügend Stauraum im gesamten Fahrzeug.

Der Toyota Verso ist ein Vernunftauto. Auch, wenn das Marketing ihn als dynamischen Siebensitzer sieht, ist er mehr der Kopftyp – ein Auto mit sieben Sitzen, dass sich selbst pragmatisch gibt und damit bestens geeignet ist für Familien, die viel Platz, Übersichtlichkeit und Strapazierfähigkeit über Sportlichkeit und Luxus stellen.

Aktuelle Suchanfragen::

Gerne gelesen

Hinterlasse ein Kommentar

Du musst eingeloggt sein um ein Kommentar zu hinterlassen.