N24h – CarCollection wechselt von Michelin zu Dunlop

N24h – CarCollection wechselt von Michelin zu Dunlop

Der Zauber, die Magie, oder auch schwarzes Gold. Hört man Motorsportlern bei der Beschreibung eines guten Rennreifens zu, dann scheint ganz plötzlich aus schnöden, runden, schwarzen Gummis eine Faszination auszugehen, die man so als Otto-Normalfahrer nicht nachvollziehen kann.

Bei der Jagd nach Zehntelsekunden spielt der Reifen jedoch eine eminent wichtige Rolle. Anders als bei Straßenautos geht es dabei gar nicht primär um die Reifenbreite, sondern um die Mischung, um den Aufbau und die Konstruktion des Reifens. Man kann daher durchaus von „Magie“ sprechen. Bei Rennfahrzeugen kommt es zudem darauf an, ob ein Reifen auch zum Fahrzeug passt. Also findet man das richtige Setup? Können das Auto, der Reifen und der Fahrer miteinander „warm“ werden?

Einen Reifenhersteller wechselt man nicht so zwischendurch

Während man bei Straßenreifen recht problemlos von Marke A zu Marke wechseln kann, ist es im Motorsport ein wenig anders. Den richtigen Reifen zu finden, das ist ein Prozess. Das ist viel Zusammenarbeit zwischen dem Team und den Experten der Reifenhersteller. Und während eines Rennwochenendes wechselt man nicht „mal eben so“ den Hersteller des schwarzen Goldes.

Car Collection hat genau das nun getan. Der Mercedes-Benz AMG SLS GT3 fuhr bis heute früh, bis zum zweiten Qualifying, auf Michelin Rennreifen – pünktlich zum zweiten Qualifying wechselte das Team aus Walluf auf Rennslicks der Marke Dunlop. Die in Hanau gefertigten Reifen passen ideal zum privat eingesetzten SLS, erklärte Teamchef Andreas Herbst in einem Interview.

Mit den Reifen aus Hanau können wir unsere Rundenzeiten massiv verbessern.

Im Gespräch mit mein-auto-blog.de wurde auch deutlich weswegen. Der französische Reifenhersteller bietet nur zwei Reifenmischungen für privat eingesetzte GT3-Fahrzeuge an. Und selbst der weichere davon wurde im gestrigen Training nicht vernünftig warm. Damit ein solcher Sportreifen jedoch seine optimale Leistungsfähigkeit erreicht, sind durchaus Temperaturen von rund 90° notwendig.

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Michelin bietet Privat-Teams nicht die gleiche Qualität, wie den Werksteams

Nun kann man dem Reifenhersteller aus Frankreich nicht vorschreiben mit welcher Taktik er den Wettbewerb auf der Strecke beeinflusst und wie man die geschätzten Werks-Teams bevorteilt. Aber der Einsatz eines Mercedes-AMG SLS GT3 zur Teilnahme am N24h kostet durchaus gut 200.000 € – da will kein Team aufgrund der Reifen mit Nachteilen an den Start gehen.

Der Wechsel von Michelin auf Dunlop Reifen kostet das Team Car Collection locker drei zusätzliche Arbeitsstunden in der Box. Das Fahrwerks-Setup muss auf die neuen Reifen eingestellt werden, eine Arbeit die für Teamchef Andreas Herbst jedoch gerechtfertigt ist. So haben die ersten Runden auf dem Dunlop bereits eine klare Zeitenverbesserung gebracht.

Und was sagt Dunlop dazu?

Der Reifen-Hersteller aus Hanau hat erst vor kurzem die komplette Produktion für die aufwendigen GT-Sportreifen von England nach Süd-Hessen umgezogen und war, nachdem man bereits den ebenso privat eingesetzten Premio-SLS mit Reifen ausrüstet, über den Wechsel des Teams erfreut. Nach dem Ausfall von einem der beiden Glickenhaus SCG003c hatte man auch glücklicherweise die personellen Kapazitäten frei. Denn mit den Reifen alleine hat es sich noch nicht erledigt. Ein Dunlop-Reifen-Ingenieur steht dem Team Car Collection nun unterstützend zur Seite.

Und an Reifen soll es ebenso wenig hapern. So hat Dunlop über 2.800 Reifen mit in die Eifel gebracht. Mit 25 Mitarbeitern steht man den Teams zur Seite.

Mit zwei SLS, einem BMW Z4 und einem Glickenhaus SCG 003 C steigen nun die Chancen auf einen Erfolg der Hanauer Reifenmarke. Es wäre der 18 Sieg in der Eifel.

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

N24h2017: Der Renngott lief Amok!

Gibt es irgendeinen Superlativ, mit dem man die letzten 90 Minuten des 24-Stunden Rennens 2017 trefflich beschreiben kann? Unfassbar. Unbegreiflich. Purer Wahnsinn. Amoklauf des Renngottes? Wie auch immer, die letzten 90 Minuten des 24h-Rennens waren nicht für Menschen mit schwachen Herzen. 

Amoklauf des Renngott

Die wahnsinnigen N24-Stunden 2017

Es waren noch genau 91 Minuten und 40 Sekunden bis zum Rennende, als das Drama seinen Lauf nahm. Ein Elektronikdefekt nach dem vorletzten geplanten Boxenstopp liess das bereits dramatische Rennen vollends „explodieren“ – der Land-Audi mit der Startnummer #29 musste langsam über die GrandPrix-Strecke rollen, war ohne Leistung unterwegs. Und auch wenn der notwendig gewordene Boxenstopp nur Sekunden dauerte – aus einem Vorsprung von knapp 2 Minuten wurde ein Rückstand von gut 90 Sekunden. Und ausgerechnet der Teamchef vom dann führenden WRT-Audi R8 LMS GT3 sprach eine alte Rennfahrer-Weisheit gelassen aus: „Noch fast 1.5 Stunden Rennzeit und alles kann passieren“. Es ist die alte Weisheit: „To finish first, you have to finish first“.

Doch der Renngott fing gerade erst an, verrückt zu spielen

Während man bereits versuchte, das Drama des Land-Motorsport Audi R8 in Worte zu fassen, hatte der Renngott noch eine Menge vor. Es sollte das 24h-Rennen am Nürburgring werden, bei dem nur die Sonne schien. Ein neuer Rundenrekord schien am Horizont aufzutauchen. Und dann kamen doch noch die ganz dunklen Wolken. Und die Eifel zeigte in den letzten 30 Minuten, was „Motorsport“ in der Eifel wirklich bedeutet. Man muss immer auf das Verrückteste vorbereitet sein. Immer. Auch wenn man bereits seit Tagen einen Sonnenbrand kassierte, man Probleme hatte, weil es so heiß war, dass man keine Erfahrungen mit den Reifen besaß. 28 Minuten vor Rennende überschlugen sich die Ereignisse. Regen in Adenau. Regen in Breidscheid. Trockene Strecke auf der GrandPrix-Strecke.

„Land geht all-in“

20 Minuten vor Schluss entschied sich die führende Startnummer 9, der WRT-R8, für Slick-Reifen. Eine fatale Entscheidung, wie man Sekunden später feststellte. Und nein, eigentlich hatte die Land-Mannschaft nicht geplant, Regenreifen beim letzten Stopp zu montieren. Bis auch dieser Boxenstopp in die Hose ging. Eine zu frühe Freigabe des R8-Renners, zurückschieben, weiter tanken. Und das war der Augenblick, in dem die Land-Truppe alles auf eine Karte setzte: REGEN-REIFEN, wobei andere nur Sekunden früher, den letzten Stopp mit Slick-Reifen durchführten – RENNGOTT ohne Gnade.

Und diese Regenreifen waren genau richtig! In den letzten 17 Minuten pflügte der der grün-weiße R8 durch die Gischt, die mittlerweile große Teile der Strecke erreicht hatten. In den letzten 15 Minuten war das Regendrama auch für den Vorjahres-Sieger der Schlusspunkt. Der Mercedes-AMG GT3 mit der Startnummer 1 flog im Bereich Metzgesfeld ab.

15 Minuten, in denen Helden geboren werden

Es waren die letzten zwei Runden, gute 15 Minuten, in denen Kelvin van der Linde den Land-Motorsport Audi R8 GT3 wieder in die Führung fuhr. Vom Adenauer-Forst bis zum Kesselchen hat der Land-R8 dem bis dahin führenden WRT-R8 über 2 Minuten abgenommen. 11 Minuten vor Ende rutschte der Führende im Bereich Brünnchen von der Strecke und auch der Zweitplatzierte ROWE-BMW hatte zu kämpfen und 10 Minuten vor Ende zog der Land-R8 am ROWE-BMW vorbei. Eine Runde vor Schluss kommt der WRT-Audi in die Boxengasse und Land übernimmt die Führung.

Damit hatte der DUNLOP bereifte Land-Motorsport Audi R8 LMS GT3 die Führung inne – und dem Renngott ging endlich der Wahnsinn aus. Was ein Drama. Adrenalin bei allen Beteiligten. Und ein mehr als verdienter Sieg für die Mannschaft von Wolfgang Land! 

„Es ist un-fucking-fassbar. Sorry für das Wort, aber ich kann es nicht beschreiben. Eben noch in der Box gestanden mit zwei Minuten Rückstand, und die Jungs haben nicht aufgegeben, weiter gemacht, den Fehler gefunden, behoben. Vielen Dank an Land, an Audi, an meine Teamkollegen. Wahnsinns-Leistung, ich bin megastolz auf unsere Truppe!“

Christopher Mies (Land-Audi #29, Platz 1) auf dem Siegerpodest

Die anderen 23-Stunden waren aber auch nicht langweilig!

Hatte sich der Glickenhaus im Qualifying noch von der schnellsten Seite gezeigt und auch in den ersten 60 Minuten ein echtes Feuerwerk abgebrannt – so ließ der durstige Honda V6-Turbo die Gesamtperformance des SCG003 nicht in Richtung Gesamtsieg abdriften. Eigentlich schade, denn gerade die Truppe von Traum-Motorsport rund um den Ideengeber Jim Glickenhaus, sie hätten mehr als eine Pole-Position verdient gehabt.

AMG feierte 50-Jahre Historie

Auf der Rennstrecke war jedoch schnell klar: In diesem Jahr wird das AMG-Feststpiel nicht fortgesetzt. Die Dominanz der Audi R8 war zu heftig. Während der ROWE-M6 sich zwar am Ende den zweiten Platz sichern konnte, war dennoch sichtbar: Die Performance der R8 konnte man dort nicht mitgehen.

Die BMW haderten vor allem mit ihren Michelin-Reifen. Das bestätigte auch der einzige M6, der nicht mit Michelin bereift ausrückte: Der Falken BMW M6. Bei den Franzosen hatte das Verbot von „Entwicklungs-Reifen“ eine besonders schmerzliche Performance-Lücke hinterlassen. Ähnlich erging es wohl auch den Mercedes-AMG und den Porsche-Werksfahrzeugen.

Es war ein Drama. Es war geil. Es war die beste Werbung für das kommende Jahr! 

Die letzten 3.5 Stunden des Rennens:

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24h-Rennen am Nürburgring 2017: Die Top 10 im Überblick

Rang Fahrer Team-Auto Runden Differenz
1. Mies / De Phillippi / Winkelhock / Van Der Linde Land-Audi #29 158
2. Palttala / Catsburg / Sims / Westbrook ROWE-BMW #98 29.418
3. Müller / Fässler / Frijns / Rast WRT-Audi #9 50.622
4. Wittmann / Blomqvist / Tomczyk / Farfus Schnitzer-BMW #42 6:54.159
5. Engel / Christodoulou / Buurman / Metzger Black-Falcon-Mercedes #1 7:10.835
6. Christensen / Bachler / Siedler / Luhr Frikadelli-Porsche #31 157
7. Weiss / Kainz / Keilwitz / Krumbach WTM-Ferrari #22 1:35.339
8. Dumbreck / Imperatori / Dusseldorp / Seefried Falken-BMW #33 1:58.634
9. Alzen / Arnold / Götz / Van Der Zande Haribo-Mercedes #8 2:31.898
10. Eng / Sims / Martin / Basseng ROWE-BMW #99 3:28.817