Gefahren: Audi A4 Avant 2.0TDI quattro

Gefahren: Audi A4 Avant 2.0TDI quattro

Audi A4 600

Der Audi A4 Avant ist so etwas wie der Wunschkandidat für Angestellte mit der Möglichkeit zu einem Dienstwagen. Der Traum aller Außendienst-Vertreter und ein ständiger Begleiter des Alltags auf deutschen Autobahnen.

Die Gründe hierfür findet man schnell, nimmt man erst einmal den Platz des Fahrers ein. Mein Testfahrzeug war ein silberner Audi A4 Avant mit dem 177PS starken zwei Liter großen Vierzylinder-Diesel. Mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe und dem „quattro“ getauftem Allradantrieb kostete der Testwagen in der Ambition-Ausstattung 40.050,–€.  Ein feines Auto für Menschen die sich einen Firmenwagen aussuchen können.

Auf der Kurzstrecke

Der Audi A4 Avant 2.0TDI quattro

Kurzstrecke? Der Wagen ist doch bestens für die lange Tour geeignet – oder? Richtig. „Kurzstrecke“ ist die Bezeichnung für diesen Fahrbericht. 

In den 7 Tagen meines „Kurzstrecken-Tests“ konnte ich über:  20:36 Stunden im Fahrzeug sitzen und bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 99 km/h über 2039 Kilometer zurück legen (sagt der Bordcomputer!) – Und in diesem Fall will ich den Schwerpunkt des Kurzberichts etwas anderes als bei den üblichen Fahrberichten legen:

Großartige Handwerks-Kunst

Es ist viel geschrieben worden über den mittlerweile erreichten Grad an Perfektion in den Ingolstädter Fahrzeugen und es wäre vergebene Mühe, würde ich an dieser Stelle bei einem – eigentlich so simplen – Fahrzeug wie dem A4 Avant über diese wunderbare Welt der Handwerkskunst philosophieren. Audi hat den Dreh im Bereich Haptik und Funktions-Erfüllung einfach heraus. Da kneift nix, da scheppert nix. An einem Tag 900 km abzuspulen ist keine Arbeit, sondern eine Wellness-Erfahrung. Ich kenne wirklich keinen anderen Hersteller der mit diesem pedantischem Nachdruck am Finish seiner Fahrzeuge arbeitet.

Doch gute Arbeit will bezahlt sein!

Wenns um Geld geht, gibt’s nur ein Schlagwort: „Mehr!“

André Kostolany

Audi A4 Avant Linie kleiner

Raffinierte Preislisten

Mit dem Listenpreis von 40.050,– € ist der Audi A4 Avant noch ein Fahrzeug, dass man sich nicht nur innerhalb der 1%-Regelung gut und gerne als Firmenwagen leisten kann, sondern auch als privater automobiler Wunschkandidat in Frage kommt.  Der Testwagen war jedoch nicht als „Basis-Version“ zu seinem Kurzbesuch gekommen, sondern wurde nach allen Regeln der Kunst durch den Einsatz von „Mehr-Ausstattung“ zu einem besonderen Kleinod der Dienstwagen-Welt aufgerüstet und ich denke es ist einmal ganz sinnvoll zu beleuchten – was man eigentlich bekommt, wenn der Testwagen 30.000 Euro über dem Listenpreis liegt.

71.477, 34€ – Der Testwagen

Folgende Ausstattung war kostenpflichtig verbaut: Eissilber-Metallic, Alcanatara-Leder-Kombination, Fahrerinformationssystem mit Farbdisplay, MMI Navigation plus, Aluräder 8×18 mit 245/40-18 (Winter- und Sommerräder!), Vordersitze elektrisch einstellbar, Xenon plus inkl. Scheinwerfer-Reinigungsanlage, Ablagepaket, Lichtpaket, DAB-Empfang, Audi Music Interface, Anhängevorrichtung, Multifunktions-Sportlenkrad im 3-Speichen Design, Audi drive select, Laderaum-Schienenset mit Fixierset, Durchladeinrichtung mit Ski-Tasche, Sitzheizung vorne, Gepäckraumklappe elektrisch öffnend und schliesend, Innenspiegel automatisch abblendend, Seitenairbags hinten, Glanzpaket, Sonnenblenden ausziehbar, Mittelarmlehne vorne, Außenspiegel beheizbar, Belederte Armauflage in den Türverkleidungen, Einparkhilfe plus mit Rückfahrkamera, Audi side assist, Fernlichtassistent, adaptive light, adaptive cruise control, 3-Zonen Komfortklimaautomatik, Bank & Olufsen Sound System, Bluetooth-Autotelefon online.

Man kann den Testwagen durchaus als „besonders luxuriös“ bezeichnen – als First-Class oder wenigstens eine besonders gute Business-Klasse. Jeden einzelnen der über 2.000 km habe ich genossen und ich bin völlig überzeugt davon, dass man auch in der Basisversion vorzüglich vorwärts kommt – so richtig geil – wird der Avant aber erst durch die richtigen Extras.

Ohne Zweifel – der kraftvolle Dieselmotor, das knackig zu schaltende 6-Ganggetriebe und diesen perfekten Allradantrieb bekommt jeder Käufer des A4 Avant 2.0 TDI quattro. Aber diesen ultimativen Langstrecken-Komfort, diese abgehobene Vorstellung von Komfort auf der Ebene einer erste Klasse Bahnfahrt, eines Business-Class Fluges, den bekommt man erst nach ein paar „wichtigen“ Haken in der Sonderausstattung.

Audi-Einkaufsliste

Meine Top 5 der Sonderausstattungen, die auf keinem Fall „an Bord“ eines Audi A4 fehlen dürfen:

Platz 5: Adaptive Cruise Control.  Hinter diesem englisch bezeichneten Begriff versteckt sich der Tempomat mit Abstandsradar. Im Falle des Audi A4 und für Menschen die extrem viel Autobahn fahren, ein  Assistent mit echtem Mehrwert.  Zusammen mit dem eher weniger nützlichen „audi drive select“ arbeitet der Tempo- und Abstandsassistent sogar mit unterschiedlichem Grad an Aktionismus. Besonders gut gefällt mir die Tatsache, dass der Tempomat die voreingestellte Geschwindigkeit sehr schnell wieder aufnimmt, sobald man hinter einem langsamer fahrenden Fahrzeug heraus schert. Bereits im Moment in dem man den Blinker betätigt, beschleunigt der Audi. Gerade auf deutschen Autobahnen wird aus dem oftmals eher Praxisfremden „adaptivem Tempomaten“ eine echte Hilfe auf langen Strecken.

Audi A6 Avant

Platz 4: Innenspiegel automatisch abblendend. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich mich bereits über Autos hinter mir geärgert haben, deren Scheinwerfer nicht richtig eingestellt sind, oder deren Fahrer den Unterschied zwischen Abblend- und Fernlicht nicht kennen. Gerade auf langen Strecken über Land und auf der Autobahn ist der selbst abblendende Innenspiegel nicht einfach nur eine komfortable Spielerei, sondern eine gute Hilfe um die Augen nicht zu schnell ermüden zu lassen.

Innenspiegel abblendend

Platz 3: Xenon plus Scheinwerfer. Es geht nichts über gute Scheinwerfer in der Nacht und wer häufig und viel unterwegs ist – der braucht das helle Xenonlicht um Gefahren frühzeitig erkennen zu können. Neben dem reinen Gewinn an Lichtausbeute in der Nacht, passt Audi auch die Optik der Tagfahrleuchten und die Rücklichter an die Technik der Hauptscheinwerfer an. Ich persönlich packe Autos mit „schlechtem“ Licht in eine klare Schublade: Billig. Nicht wertig. Nicht nützlich. Nicht schön. Und so ist der Aufpreis für das Xenonlicht und die veränderte Optik der Scheinwerfer zwar erst einmal „schmerzlich“ – aber am Ende sinnvoll angelegt.

Xenon Scheinwerfer

Platz 2: Alcantara Leder Kombination. Audi bietet bereits im Innenraum eine wunderbare Haptik-Welt an. Die Finger gleiten über sehr gut verarbeitete Oberflächen und jeder Schalter und Taster fühlt sich sensationell an. Damit die Optik zum Gefühl passt, muss die Lederausstattung in das Fahrzeug. Aber nicht einfach nur Leder – nein, Leder-Alcantara. Neben dem Handschmeichler-Effekt des Alcantara kommt die praktische Seite von Alcantara hinzu. Anders als Voll-Ledersitze muss man im Sommer keine Brandblasen und im Winter keine Frostbeulen beim ersten Kontakt mit der Oberfläche fürchten. Also ganz klar: Ein Extra das in das Fahrzeug „muss“!

>>kein Bild<<

Platz 1: Bang & Olufsen Sound System. Der Zweiliter Dieselmotor macht zwar kaum Lärm, im Gegenteil – der A4 ist perfekt gedämmt und im täglichen Routine-Umfeld überhört man beinahe alle Geräusche vom Motor – aber gerade weil hier keine Faszination zu erwarten ist, sollte wenigstens die musikalische Untermalung stimmen.   Wer 10 Stunden am Tag alleine im Fahrzeug auf Dienstreise sitzt, der wird die klanglichen Qualitäten der Bang & Olufsen Anlage zu schätzen wissen.

Bank-Olufsen Audi

Geile Details.

So kombiniert bliebe der Audi A4 noch knapp unter der 50.000€ Grenze. Noch immer viel Geld – aber doch deutlich entfernt von den extremen 70.000,–€ des gefahrenen Fahrzeuges – wobei ich ganz klar sagen muss:  Ich habe jeden Kilometer im A4 genossen (oh ich wiederhole mich!) und natürlich würde ich mich nicht nur auf meine Top 5 Ausstattungs-Extras beschränken wollen  – nein, auch eine elektrische Heckklappe und eine Einparkhilfe mit Kamera wären auf jeden Fall auf der Bestellliste.

Es ist wirklich raffiniert, wie gut dieses System der „individuellen“ Sonderwünsche funktioniert – aber nur bei den deutschen Premium-Herstellern.

Für mich persönlich war der gefahrene A4 ein wunderbarer Reisebegleiter. Komfortabel und flink, auch bei schnellen Etappen noch immer sparsam. Mit einem narrensicher Fahrverhalten auch jenseits der 240 km/h.

 Fazit:

Ich kann verstehen, warum der Audi A4 Avant zu den meist georderten Firmenwagen gehört – ich kann es gut verstehen!

[toggle title=“Hinweis: „] Leider konnte ich den A4 Avant nur 7 Tage testen und nicht wie üblich 14 Tage.  Da mein Terminkalender zudem ziemlich voll war, bin ich auch nicht dazu gekommen, mehr als zwei schnelle Fotos vom Testwagen zu machen. Ich musste daher – zum ersten Mal bei einem Fahrbericht – auf Detail-Fotos vom Hersteller zurück greifen. 🙁 [/toggle]

 

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

3 Comments

  1. Alles super beschrieben – dem kann ich nur zustimmen. Ich bin mit meinem A4 Avant auch sehr zufrieden, allerdings musste ich die Start-Stopp-Automatik etwas „erweitern“. 🙂

Test: Nissan X-Trail

Seit 2014 fährt der Nissan X-Trail in der 3. Generation für den japanischen Autohersteller und dies als meistverkauftes Fahrzeug der Marke überhaupt. Zur Modellpflege 2017 bietet Nissan einen neuen Powerdiesel mit 2 Liter Hubraum zur Ergänzung des 1.6 Liter Diesel. Als zusätzliches Kaufargument soll darüber hinaus die Ausstattungslinie „N-Connecta“ dienen, um den SUV weiter auf Dauerbrennerkurs zu halten. Der X-Trail passt sich damit den Wünschen seiner Kunden an. Diese wollen außer einem geländefähigen SUV ein umfangreiches Sicherheitspaket und Komfortausstattung. Bestehen bleibt der seit 2014 auf den Markt gebrachte Mainstream Look, der die Ecken und Kanten der 2. Generation abgelöst hatte. Mit seinem Lifestyle-Charme und drei Motorisierungen startet er ins Modelljahr 2018 durch. Den Einstieg findet der X-Trail bei einem Preis von 24.990 Euro.

Testbericht: Nissan X-Trail 2.0 dCi N-Connecta Xtronic

On- und Off-Road-Mix aus Japan
Nissan X-Trail 2.0-Liter Diesel.

Die Front des sportlichen Kompakt SUVs prägen Stilelemente der aktuellen Murano und Qashqai Modelle. Damit findet Nissan eine Konzernsprache, die zumindest die Crossover Familie einheitlich auftreten lässt. Breit zu den Seiten hochgezogene Schürzen fassen den chrombesetzten Kühlergrill ein, der wiederum das Markenlogo prominent zur Schau trägt. Die seitlichen Enden der Frontscheinwerfer setzten sich in einer geschwungenen Sicke über die gesamte Fahrzeuglänge fort, bevor sie bogenförmig bei den Heckleuchten wieder aufsteigen. Am Heck sorgen die Scheinwerfer für einen dynamischen Auftritt. Die Dachreling ist fest mit dem Dach verbunden. Das verbessert die Aerodynamik. Der Wagen ist zudem mit knapp 1,82 Meter Breite und 1,73 Meter Höhe größer dimensioniert im Vergleich zu seinen Mitbewerbern. Die optimierte Windschlüpfrigkeit macht sich beim Kraftstoffverbrauch (5,8 Liter im Normtest mit 19’’ Rädern) und Abgasemission (152 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer) trotz seines Xtronic-CVT-Automatikgetriebes positiv bemerkbar. Wir erreichen die angegebenen Werte nicht ganz, dafür haben wir gerade durch das Automatikgetriebe viel Spaß an der Performance des X-Trail. Selbst im Gelände macht das frontangetriebene Fahrzeug eine erstaunlich gute Figur und meistert den einen oder anderen unbefestigten Weg. Der ausschließlich als Fünf- und Siebensitzer erhältliche X-Trail ist in der Stadt gleichermaßen bequem unterwegs, obwohl sein Wendekreis sich manchmal als hinderlich erweist. Auf längeren Autobahnstrecken bietet der Japaner zwar einen guten Sitzkomfort, jedoch fallen uns die Innenraumgeräusche unangenehm auf.

Kann auch zur Jagd ausgeführt werden.

Cockpit einfach strukturiert

Das sich selbst erklärende Cockpit gefällt bereits beim ersten Einsteigen. Alle Instrumente, die das Fahrzeug betreffen, sowie das in der Mitte des Armaturenbretts sitzende Navigationssystem mit Smartphone-Anbindung bieten nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Information. Zudem leistet das Nissan Connect System Zugriff auf die Applikationen des jeweiligen benutzten Smartphones. Die sehr gut zugeschnittenen Vordersitze wirken nicht nur ergonomisch durchgestylt, sondern geben Halt in jeder Fahrsituation. In Sachen Flexibilität liegt der X-Trail deutlich über dem Trend seiner Mitbewerber. Durch den Klappmechanismus für die Rücksitzbank wächst das Laderaumvolumen von 565 Liter auf angemessene 1.996 Liter.

Schlicht, einfach und doch voller Informationen.

Kleiner Diesel mit viel Drehmoment

Eine gehörige Portion Fahrspaß vermittelt der von uns getestete neue 177-PS-Diesel. Denn mit einem maximalen Drehmoment von 380 Newtonmetern bei 2.000 Umdrehungen agiert das Aggregat durchzugsstark. Bei einer Beschleunigung ab 100 km/h indessen wirkt der X-Trail ein wenig schwerfällig. Kombiniert mit dem komfortabel abgestuften Xtronic-CVT-Automatikgetriebe lässt sich der SUV aus Japan effizient durch den Stadt- und urbanen Verkehr steuern. Seine Lenkung ist spursicher ausgelegt, so dass in der Stadt ein sehr entspanntes Einparken in Verbindung mit seiner Rückfahr- und 360-Grad-Kamera möglich ist.

2.0 Liter Diesel mal ganz überzeugend.

N-Connecta steht für Konnektivität

Die Fahrerassistenzsysteme, die wir bereits aus dem neuen Qashqai kennen, finden wir auch im X-Trail wieder. Die japanischen Ingenieure konfigurierten bereits ab dem Basismodell  „VISIA“ ein stark verbessertes ESP-System mit Berganfahrhilfe, das Fahrerassistenz-Paket bestehend aus autonomen Notbrems-Assistent, Spurhalte-Assistent und Verkehrszeichenerkennung, LED-Tagfahrlicht, einer elektronischen Parkbremse und Einparkhilfe vorn und hinten. Zum Einsatz kommen in der von Grund auf neu aufgelegten Version „N-CONNECTA“ unter anderem das NissanConnect System inkl. Round View Monitor für 360 Grad Rundumsicht. Lieferumfang ist hier das Navigationssystem mit Sieben-Zoll-Touch-Farbdisplay inkl. 3 Jahre kostenloser Kartenaktualisierung, USB-Schnittstelle, Rückfahrkamera und Smartphone Integration. Zusätzlich schnürt Nissan für die neue Ausstattungsline das Style-Paket, tertiär aus 19-Zoll-Leichtmetallfelgen und Bereifung, einer elektrisch öffnend und schliessenden Heckklappe und dem Intelligent Key mit Start-/Stopp-Knopf.

Dick bereift mit 19 Zoll Rädern.

SUV zu kleinen Preisen

Der X-Trail, den es sowohl als Fronttriebler als auch mit 4 x 4 Allradantrieb gibt, ist ab einem Preis von 24.990 Euro zu haben. Dafür bietet Nissan einen 1.6-Liter Benziner mit 163 PS. Die Dieselmotorisierung hingegen wartet mit dem 1.6 dCi sowohl als frontgetriebenes als auch 4 x 4 angetriebenes Aggregat mit der Leistungsstufe 96 kW (130 PS) und einem Sechsgang-Schaltgetriebe auf. Der Basispreis beträgt hier 32.630 Euro. Die Preisunterschiede zwischen den fünf Ausstattungslinien VISIA, ACENTA, N-CONNECTA, N-VISION und TEKNA sind moderat gehalten, dabei verführen sie in erster Linie immer zur nächst höheren Ausstattungslinie.

SUV mit viel Potential.

Fazit: Alles in allem trifft den X-Trail eher die Bezeichnung „geländegängiger SUV“, als „Kompakt-SUV“. Zusätzlich sind die Synergien zwischen Raumangebot, Fahrdynamik und nettem Lifestyle Look sehr gut gelungen.

Motor und Getriebe

Nissan

X-Trail 2.0 dCi N-Connecta

Motor Diesel
Hubraum 1.995 ccm³
Leistung 177 PS @ 3.750 U/min
Kraft 380 Nm @ 2.000 U/min
Getriebe Xtronic-CVT-Automatikgetriebe
Antriebsachse Frontantrieb

Abmessungen und Fahrleistungen

Länge, Breite, Höhe 4.690, 1.830, 1.730   mm
Radstand 2.705 mm
Leergewicht 1.823 kg
Wendekreis 11,2 m
Höchstgeschwindigkeit 199 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 9,6 sec
Normverbrauch 5.8 l/100 km

Verbrauch im Test

Alltagsfahrer 6.2 l / 100 km
Öko-Experte 5.9 l / 100 km
Außendienst-Modus 6.8 l / 100km

Text: Stefan Beckmann, Bild: Stefan Beckmann und Hersteller (NISSAN CENTER EUROPE GmbH) – Beitragsbild: Hersteller (NISSAN CENTER EUROPE GmbH)

Renault Kadjar – SUV à la francaise

SUV und Crossover sind zurzeit total angesagt: Kein Hersteller, der es schafft, ohne diese Fahrzeuge am Markt zu überleben. Selbst reine Sportwagen- und Luxus-Marken haben sie im Programm oder planen sie. Konkrete Beispiele? Gern! Bentley warf zuletzt mit dem Bentayga ein Luxus-SUV auf den Markt, Rolls Royce plant eines und selbst Lamborghini und Ferrari wollen ein solches in Planung haben. Von diesen Fahrzeugkategorien ist der Renault Kadjar zwar weit entfernt, macht aber vieles besser, als sein wenig beliebter Vorgänger, der Renault Koleos. Was der Franzose auf dem Kerbholz hat, haben wir uns genauer angesehen.

Design – Smokey Eyes für den nachhaltigen Eindruck

Aggressiv dreinschauende Voll-LED-Scheinwerfer mit selbstbewusst großem Markenlogo.

Bereits auf den ersten Blick bemerkt man den Renault Kadjar. Grund dafür ist sein ausdrucksstarker Blick aus den beiden optionalen Voll-LED Scheinwerfern. Serienmäßig kommt der Franzose allerdings bereits mit einem LED-Tagfahrlicht vorgefahren und sorgt auch im Basis-Trimm dafür, dass man ihm hinterherschaut. Und so erzeugt das SUV einen grimmig dynamischen Auftritt, der vom prominent gesetzten Markenzeichen (Rhombe) eine angenehme Spur Selbstbewusstsein eingeimpft bekommt. Gut so, wirkte der Vorgänger – der Renault Koleos – doch etwas buckelig und fand vermutlich aus diesem Grund wenig Abnehmer.

Den Kadjar hingegen lässt man sich gern gefallen: Mit seinen 4,45 m Außenlänge wirkt er stattlich, liegt aber auf Augenhöhe mit der Konkurrenz vom Schlage eines Kia Sportage oder Volkswagen Tiguan. Diese Stattlichkeit rührt von den wohlgeformten Rundungen her, wie sie etwa an den vorderen Kotflügeln oder am hinteren Hüftschwung zu finden sind. Die geschwungene, untere Fensterlinie, das sanft nach hinten abfallende Dach und die hübschen 19-Zoll-Räder sorgen für einen Spritzer Dynamik im SUV-Design-Cocktail. Das Heck wirkt hingegen unaufgeregt. Kein Wunder, war gerade diese Partie jene, die beim Koleos die Geister schied. Hier haben sich die Designer wohl bewusst zurückgenommen. Der Name „Renault Koleos“ besteht übrigens weiter, wurde aber an ein größeres SUV vergeben. Auch dieser ist sehr ansehnlich und lässt die Vergangenheit schnell vergessen.

Interieur – Der Renault Kadjar wirkt aufgeräumt

Übersichtliches Cockpit im Renault Kadjar. Einzig über die digitalen Instrumente lässt sich diskutieren.

Im Innenraum macht der Renault Kadjar fast schon einen nüchternen Eindruck. Eine Tastenflut sucht man ebenso vergeblich wie effektheischende Elemente. OK, die digitale Tachoeinheit ist nicht jedermanns Sache und lässt sich bei direkter Sonneneinstrahlung nicht optimal ablesen. Diese Kritik müssen sich aber auch andere Hersteller, die gar „virtuelle Instrumente“ anbieten, auch gefallen lassen. Funktional gibt es ansonsten an der Instrumentierung nichts auszusetzen. Die farbliche Anpassbarkeit ist eine Spielerei, die man allerdings kaum benötigt.

Gefallen hat das Infotainment des französischen SUV, das mit seiner einfachen Bedienung überzeugen konnte. Per Wisch- und Touchgeste scrollt man durch Menüs. Angenehm auch, dass man sich Bildschirme nach eigenen Präferenzen zusammenstellen kann. Und noch etwas: Renault hat sich zwar auf das Weglassen konzentriert was die Bedienung anbelangt, doch eines ist geblieben: Der Drehregler für die Lautstärke. Danke! Mancher Hersteller hat sich vollends von diesem Element verabschiedet – schade. Schließlich greift man hier blind hin und kann so die Augen auf der Straße lassen. Gleiches lässt sich über den Bedienungssatelliten hinter dem Lenkrad sagen, der für die Infotainmentsteuerung verantwortlich ist. Als alter Renault-Fahrer ist dieses Element natürlich in Fleisch und Blut übergegangen. Für Novizen wirkt er zunächst befremdlich, lässt sich aber schnell verstehen und verinnerlichen.

Fragwürdige Unterbringung der Tasten für die Sitzheizung.

Eine Schrulligkeit – und das ist bei Renault schon lange ein Thema – ist die Unterbringung der Tasten für die Sitzheizung. Sie befinden sich in der Mittelkonsole unter der Armlehne. Warum sie nicht mit der Klimaautomatik gruppiert werden? Ein Rätsel. Kommen wir aber zurück zum positiven Teil: Dem Platzangebot. Vier Erwachsene reisen entspannt im Renault Kadjar. Die Vordersitze bieten dabei jeder Statur eine angenehme Sitzposition, wenn auch nicht mit viel Seitenhalt. Gut nutzbar und mit einem cleveren Gimmick ausgerüstet zeigt sich auch der Laderaum des SUVs. Zwar bieten seine Konkurrenten mehr Basisvolumen als die 472 Liter des Renault Kadjar. Dennoch ist das Volumen alltagstauglich und verkraftet das Reisegepäck einer vierköpfigen Familie. Reist man mit kleinem Gepäck – und hier kommt das Gimmick im Kofferraum zum Tragen – lässt sich der Ladeboden aufstellen und teilt das Gepäckabteil in zwei Bereiche. Verrutschen oder Herumfliegen von Ladegut gehört der Vergangenheit an.

Fahreindrücke – Zurück zu alten Tugenden

Der Renault Kadjar mag grimmig aussehen, fährt aber angenehm komfortabel. Eine Wohltat im Alltag.

Französische Autos? In der Vergangenheit verband man mit diesen vor allem weiche Reisemobile, die an Omas Sofa erinnerten. Zwar ist der Renault Kadjar weit entfernt von diesem „Schiffsschaukel“-Fahrverhalten, doch macht er einen großen Bogen um steife und vermeintlich sportliche Federn und Dämpfer. Stöße und Unzulänglichkeiten im Straßenbau absorbiert das SUV gekonnt, was vor allem auf langen Strecken besonders wohltuend wirkt. Bei niedrigen Tempi spürt man zwar den verhältnismäßig geringen Querschnitt der 19-Zoll-Bereifung, allerdings nicht in einem sonderlich störenden Rahmen.

Ein weiteres, entscheidendes Element, das für die lange Reise prädestiniert, ist der kräftige Motor des Renault Kadjar. Ausgerüstet mit dem 1.6 dCi und 130 PS wirkt der Franzose angenehm druckvoll. Reisetempi von 170 km/h stellen sich von selbst ein und wirken angenehm. Dabei liegt der Verbrauch bei rund acht Litern auf 100 km, was angesichts der Größe, dem  cW-Wert und der gebotenen Leistung als gut bewertet werden kann. Lässt man es gemütlicher angehen, liegen gut sechs Liter an.

Der 1.6 dCi gibt sich kräftig, sparsam und ist zudem ein kultivierter Zeitgenosse.

Ein Gebiet, das dem Renault Kadjar wenig liegt, ist die wilde Hatz über Landstraßen. Überraschung? Keineswegs. Die komfortable Ausrichtung des SUVs wirkt im Allgemeinen eher angenehm als störend und wird durch den Allradantrieb mit hoher Fahrsicherheit verbunden. Dennoch sollte man vor stärkeren Kurven wissen, dass sich der Kadjar etwas behäbig zur Seite neigt. Unterstützt wird dieser Eindruck von seiner leichtgängigen, etwas taub wirkenden Lenkung. Dafür gibt er sich in der Stadt recht wenig auffällig.

Fazit – Der Alltag ist stressig genug

Termine, die Kinder von der Schule abholen, die Wochenendeinkäufe erledigen und noch schnell zum Baumarkt. Bei diesem Stress braucht man kaum ein Fahrzeug, das mit Straffheit und übertriebener Sportlichkeit nervt. Ganz im Gegenteil, man sucht eher nach einem Kandidaten, der einen unbehelligt jeglicher Widrigkeiten unterstützt. Dieser Kandidat könnte der Renault Kadjar sein. Sein komfortabler Gesamteindruck ist sehr angenehm, der Antrieb druckvoll und effizient. Zwar hat das SUV seine Eigenheiten, wie etwa die Bedienung mancher Elemente. An diese gewöhnt man sich aber schnell. Vor allem, wenn man die geheimnisvolle Ausstrahlung des Renault Kadjar betrachtet, mit der man sich überall sehen lassen kann.