Erste Fahrt: BMW X6 M50d

Erste Fahrt: BMW X6 M50d

Provokation als Prinzip

Der eigene Blick wandert von der Windschutzscheibe in Richtung Armaturenbrettmitte. Vom wolkenlosen blauen Himmel abgesehen, gibt es durch die Windschutzscheibe nichts mehr zu sehen. Die “Frontview Camera” schickt dafür ein gestochen scharfes Bild auf das neue 9.6 Zoll große Display. Also auf dieses Bild konzentriert und mit leichten Korrekturen am Lenkrad, Standgas im ersten der acht Gänge und mit aktivierter Hill-Descendcontrol über das künstliche Hindernis gekrabbelt. Die Front-View Kamera zeigt es bereits, gleich geht es wieder bergab. Es folgt eine Wasserdurchfahrt von 38 Zentimetern Tiefe. Eigentlich braucht man sie jetzt nicht, die Frontview-Camera, aber die Bilder sind spektakulär: Watend wie ein Nilpferd teilt der neue X6 die Fluten.

Ob die Käufer des neuen X6 jemals die Asphaltbahnen der Promenaden dieser Welt verlassen werden? Egal. Ein SUV, pardon, ein SAC, muss auch Gelände können. Wofür wären die großen Räder, die erhöhte Bodenfreiheit und der aktive Allradantrieb sonst gut? Sie provozieren diesen Ausritt in den Geländeparcours. Grenzen sind gemacht, um sie zu überschreiten.

In Sichtweite befindet sich die Geburtsstätte des neuen BMW X6, das BMW-Werk in Spartanburg, South Carolina, USA. Wenn BMW mit dem 1 Milliarde US-Dollar Investitionsprogramm fertig ist, dann wird dieses Werk mehr BMW – Fahrzeuge am Band produzieren, als jedes andere BMW-Werk. Von 300.000 auf 450.000 Fahrzeuge pro Jahr wird man die Stückzahl steigern. Made in Germany ist dann mehr eine Meta-Ebene. Die Produktion folgt dem Markt und der wichtigste Markt für die wachsende Klasse der SUV sind die USA. Seit 20 Jahren produziert BMW in den USA und auch der neue BMW X6 wird hier vom Band laufen.

BMWs X-Modelle sind eine Erfolgsgeschichte. Und das liegt nicht an deren Geländegängigkeit. Oder an den 3.5 Tonnen, die man damit ziehen dürfte. Der Bauch schlägt das Hirn. Es sind die Emotionen der Autokäufer. Würde die Kaufentscheidung für ein Automobil rein rational fallen, wir würden alle Kombis mit Dieselmotor oder Hybrid-Benziner fahren. Stattdessen macht der X6 mit seiner bewusst provozierenden Form an. Ein großer SUV mit dem Platzangebot eines viertürigen Coupès? Ein viertüriges Coupè ? BMW bricht gleich doppelt mit den Konventionen und bietet eine Fahrzeugklasse an, deren Nutzwert weit unterhalb eines klassischen, aber dafür eben biederen Kombis liegt.

SAC statt SUV? SAC klingt nicht emotionaler als SUV, aber anders. SUV klingt behäbig, tröge, und natürlich unsportlich. Der Begriff Sports Activity Coupè soll da deutlich mehr versprechen. Und BMW liefert ab!

Das BMW Performance Center in Sichtweite des Werks bietet neben einer Offroad-Passage natürlich auch die klassischen Bitumen-Bahnen. Unterhaltsame Kurvenradien laden zum schnellen Richtungswechsel ein und dennoch räubert man mit dem X6 auch gerne mal über den Grünstreifen. Und eine Kreisbahn mit der Möglichkeit zur Bewässerung soll den kontrollierten Drift ermöglichen. Wer es bei der kürzesten Strecke zwischen A und B übertreibt, bekommt die freundliche Stimme aus dem Walkie-Talkie zu hören. Nur Asphalt, keine Grünstrecken. Aber eben waren wir doch auch „Off-Road“. Also gut. Dann eben im Galopp. Das Nilpferd wird zum Warmblüter.

Premiere der „Provokation durch Design – Teil 2

Zur internationalen Fahrvorstellung stehen den Journalisten in Spartanburg zwei Motorisierungen zur Auswahl: Der 50i mit seinem 4.4 Liter großen Bi-Turbo Achtzylinder in klassischer V-Form und der M50d mit klassischen 3 Litern Hubraum bei ebenso klassischen sechs Zylindern in Reihe. Weniger provozierende Motoren, wie man sie bei uns in den Leasing-Fuhrpark ordern würde, so etwas hat BMW erst einmal nicht mitgebracht. Hier in den USA leistet man sich eben noch die richtigen Motoren. Keine kleinkalibrigen Luftpumpen. Der M50d ist zudem der einzige Tri-Turbo-Diesel der Welt und steht mit 381 PS und 740 Nm beneidenswert gut im Futter.  Damit lässt sich ordentlich was bewegen. Auch ein 2.2 Tonnen schwerer X6.

Einladung zum Tanz. Der BMW X6 kann driften, darf driften, wird driften.

Einfahren in den Kreis, kurzer Lenkimpuls, Vollgas im fixierten zweiten Gang und dann driftet auch ein 2.2 Tonnen SAC. Der Sechser grummelt sich unter der wuchtigen Haube in Richtung Drehzahlgrenze, das xDrive-System arbeitet dabei gegen den Fahrerwunsch nach Lust durch Grip-Verlust. Stabilisierend will es mit aktiver Momementenverteilung das Quertreiben unterbinden, die Kraft wandert von der auskeilenden Hinterachse nach vorne. Hinten verschiebt  das aktive Differential die Kraft zum kurveninneren Rad. Da hilft nur: Mehr Gas. Hart am Pin bleiben. Den Diesel ohne Rücksicht auf Effizienz durch die Düsen pumpen, dann zieht der X6 M50d im Drift seine Runden. Einmal. Zweimal. Dreimal.

Genug gedriftet. Genug Slalom gefahren. Hart am Limit und provoziert auch darüber hinaus. So wird kaum ein Kunde mit dem X6 über abgesperrte Flächen hämmern. Was schade ist.

 Fahrbericht11 BMW X6 m50d

Ein wenig Alltag schnuppern. Im X6 50i.

Der klassische V8-Benziner macht für deutsche Verhältnisse keinen Sinn im X6. Hier in den USA, wo die Gallone Sprit noch immer 3.29 $ kostet, lässt sich aber auch mit dem dicken Benziner leben. Er soll ja auch sparsamer geworden sein. 22% weniger Konsum als zuvor verspricht BMW. Zeit für eine Ausfahrt.

Von den achtspurigen Highways geht es ab in den Nantahala National Forest Park. Kurvige Straßen, unübersichtlich, Herbstlaub und Indian-Summer Feeling. Der V8-Benziner fällt lässig in den Drehzahlkeller. Hier draußen, wo die Empfehlungen für die nächste Kurve mit 25 mph angegeben wird, braucht man die 450 PS des Benziners nicht. Regelrecht unterfordert und mit kaum wahrnehmbaren V8-Timbre cruist man im Sightseeing-Mode über Land. Das iDrive bietet ein wenig Ablenkung und unterhält, wo der Motor keine Chance bekommt. Liebevoll animierte Grafiken, tolle Auflösung, aber noch immer ein wenig umständlich in der Bedienung.

Zeit, sich noch einmal Gedanken über das “Prinzip der Provokation” zu machen.

BMW hat es sich erfolgreich zu eigen gemacht, dass der Premium-Kunde ein Auto nicht aus Gründen der Vernunft kauft, sondern aus emotionalen Gründen. Mehr Geld auszugeben, damit man weniger Platz hat? Eigentlich unsinnig. 260.000 verkaufte X6 sprechen aber eine andere Sprache. Bodenfreiheit und dennoch eine satte Straßenlage? Ausufernder Luxus und Querdynamik? Dieses Delta der Wünsche zu erfüllen, provoziert Entwickler. Bietet den Ingenieuren aber auch einen großen Spielplatz, um sich auszutoben. Und es treibt sie an. Und im Falle des X6 wird die ganze Fähigkeit von wirklich guten Technikern demonstriert. Eine absurde Fahrzeugklasse, ein 2.2 Tonnen Koloss, ein SUV mit weniger Platz als Opa Rudolfs Passat und dennoch bügelt es über Landstraßen, durchhämmert neutral beliebige Kurvenradien. Das muss man erst einmal geregelt bekommen. Aktive Fahrwerkssysteme sind also ein Muss für den X6. Comfort, Dynamic oder Professional nennen sich die angebotenen Fahrwerks-Lösungen. Der Aufwand ist enorm. Das Ergebnis beeindruckt. Wer sich vom Comfort-Fahrwerk mit der Luftfederung an der Hinterachse verabschiedet und gleich das Professional-Angebot wahr nimmt, erhält eine Wankstabilisierung und adaptive Dämpfer zusätzlich. Zusammen mit dem aktiven Allradantrieb ergibt dies die fahrdynamische Quadratur des Kreises. Und auch, wenn man bei BMW stolz über die 2 Kilogramm referiert, die man alleine an der Vorderachse eingespart hat  –  als X6 50i kommen mindestens 2.17 Tonnen an Leergewicht an den Start. Stellt man die Fahrdynamik-Regelung auf Sport, verschwinden die Pfunde gefühlt im Nichts. Auf den winkligen Straßen im Nantahala National-Forest wuchtet man den X6 mit faszinierender Leichtigkeit um jeden Kurvenradius. Und im Sport+ Modus gesteht das DSC (BMW-Sprache für ESP) dem Agenteur Provokateur sogar leichte Ausbruchsversuche mit dem Hinterteil zu.

Fazit zum neuen BMW X6 M50d:

Der neue X6, so unsinnig wie sein Vorgänger, so faszinierend wie sein Vorgänger. Aber nicht mehr so derb provokant, denn die Idee, ein SUV mit einem Coupé zu kreuzen, war nur beim ersten Mal ungewöhnlich.

Ab dem 6. Dezember steht der neue BMW X6 bei seinen Händlern. Wer sich auf die Basis-Variante beschränkt, unterschreibt einen Leasingvertrag für eine mindestens 65.650 € teure zum Automobil gewordene Provokation. Der 50i fängt bei 82.500 € an und wer den M50d wählt, steigt bei 87.300 € ein.

[tabgroup] [tab title=“Technische Daten:„]

BMW X6 M50d

Verkaufsstart:  06.12.2014
Basispreis:  87.300 €
Motorleistung:  6-Zylinder Tri-Turbo Diesel, 381 PS / 740 Nm
Antrieb und Getriebe:  8-Gang Automatikgetriebe, xDrive Allrad
Beschleunigung:  5.2 Sekunden von 0-100 km/h
Normverbrauch:  6.6 Liter auf 100 km
Höchstgeschwindigkeit:  250 km/h
Länge, Breite, Höhe, Radstand  4.909 / 1.989 / 1.702 / 2.933 mm

[/tab] [tab title=“Gut zu wissen„]

M Sportpaket für den neuen BMW X6

Unmittelbar zur Markteinführung des neuen BMW X6 ist auch ein modellspezifisches M Sportpaket verfügbar. Der dynamische Charakter des Sports Activity Coupé wird dabei durch aerodynamisch optimierte Karosserieelemente mit großen Lufteinlässen an der Front, markant ausgestellten Seitenschwellerverkleidungen und einem Diffusor-Einsatz für die Heckschürze sowie durch eine spezifische Gestaltung der BMW Niere mit Stäben in Aluminium matt (BMW X6 xDrive30d: schwarz) und Endrohrblenden im Stil des Achtzylinder-Modells unterstrichen. Die unteren Einfassungen der Radhäuser sind ebenso wie die Seitenschweller in Wagenfarbe lackiert. Das M Sportpaket umfasst außerdem die BMW Individual Hochglanz Shadow Line, 19 Zoll große M Leichtmetallräder im Doppelspeichendesign und ein Adaptives M Fahrwerk mit spezifisch abgestimmter Dynamischer Dämpfer Control und Hinterachsluftfederung einschließlich automatischer Niveauregulierung.

Neben Aluminium-Einstiegsleisten, die das M Logo tragen, und dem anthrazitfarbenen BMW Individual Dachhimmel sorgen unter anderem elektrisch einstellbare Sportsitze für Fahrer und Beifahrer in Leder-Alcantara- Ausführung, Interieurleisten in der Variante Aluminium Hexagon, das M Lederlenkrad und eine M Fahrerfußstütze für ein intensiv auf sportlich- aktives Fahren ausgerichtetes Flair im Innenraum des neuen BMW X6.

Außerdem ist ein spezifisch gestalteter Fahrzeugschlüssel Bestandteil des M Sportpakets.

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Wie die anderen den neuen Nissan Pulsar erlebten:

  1. Artikel 2 auf Motor-Talk
  2. Thomas Geiger auf spon
  3. Peter Schwerdtmann ampnet

Galerien:

  • BMW X6 50i / folgt

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Alle Fotos: Hersteller

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Wenn es für den BMW X6  in 1 zu 1 noch nicht reicht:
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Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

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