Corvette Cabrio C6 – Short-Drive

Corvette Cabrio C6 – Short-Drive

Über Autos schreibe ich ja nicht erst seit gestern. Nein, diesen Fahrbericht zum Beispiel habe ich vor 5 Jahren geschrieben:

300km V8 Gebrabbel in der C6

[Ich entschuldige mich vorab, 300km sind eigentlich nicht fair gegenüber einem Außenseiter wie der Corvette, aber mehr war damals nicht möglich.]
Zum Fahrzeug:
Corvette C6 Cabrio, Automatik,  2005er Modell.
6l V8 – 404PS und eine Menge Gadgets on Board.

Nun das schlimmste vorneweg:  Dieses Automatikgetriebe. Eine US-Amerikanische Katastrophe. Im normal Modus war es vermutlich Gewerkschaftsmitglied und im Sportmodus komplett auf LSD. Mr. Jekyll und Mr. Hyde in Getriebeform und mit ambivalenter Persönlichkeitsstörung.

Ich hoffe es lag nur daran, daß es noch das alte Modell war.
Die 2006er Modelle  werden jetzt mit einer 6-Gang Automatik ausgeliefert, daß von mir gefahrene Modell hatte jedoch noch eine völlig unbrauchbare 4-Gang Automatik.

Und das, obwohl ich wirklich ein Fan von Automatikgetrieben bin, aber was diese 4-Gang Box praktiziert hat war einfach gruselig. Die Schaltvorgänge unter Last viel zu hart und zu nervös. Ist man einigermassen flott unterwegs, dann stresst der Getriebeautomat mit ständigem  Hoch- und Runterschalten und das auch in den unpassendsten Augenblicken So versaute diese alte 4-Gang Automatik den Charakter des ganzen Autos.

Innenraum:
Noch mehr Kritik: Was man hier an billigem Plastik geboten bekommt muss echt erwähnt werden. (Wurde eigentlich Lada von Chevrolet gekauft?) Und dann auch noch schlecht verarbeitet. (Oder sind die Daewoo-Mechaniker im Austausch am US-Fließband?)
Links in der Tür klappert das Lautsprechergitter, in der Mitte die gesamte Mittelkonsole und rechts das Handschuhfach. (Und nein, das Testfahrzeug war kein Gebrauchtwagen, sondern ein Ausstellungsfahrzeug mit 680km auf dem Tacho.)

Verabeitung allgemein:
Spaltmaß-Fetischisten sollten sich ein anderes Spielzeug suchen.
(Manche Spaltmaße sind so groß, darin kann man die gesamte Russische U-Boot-Flotte verstecken!)

Spielzeug ist dann auch das Thema:
Der Motor. Geil.
Super Elastizität. Drehfreude. Drehmoment. Schöner satter Klang.
Perfekt.

Die Faszination Corvette C6 geht eindeutig vom Motor aus.
6l auf 8 Zylinder verteilt  sind defintiv eine feine Sache und belegen den Spaß am Hubraum. (Damals war Downsizing übrigens noch ein Begriff mit dem sich Schulpflichtige Schlümpfe gemobbt haben und kein Modewort der Automobil-Industrie.)

Dieser wunderbare simple Motor versöhnt mit allem was man sonst an der Vette aussetzen könnte.  Die ersten Kilometer freut man sich auf jede Stop-and-Go-Phase, nur damit das brabbeln des Motors ungestört die Gehörgänge verwöhnen kann.

Super nervig:
*Piep* Egal was man im Bordcomputer oder in der Mittelkonsole drückt, jeder Schalter wird mit einem *piep* bestätigt.
(Es könnte natürlich sein, dass die Bedienelemte ständig am fluchen sind weil sie in so übles Plastik gezwängt wurden. Und da Amerika zwar ein freies Land tapferer Männer ist, aber nicht öffentlich geflucht werden darf, wurde das „F*ck überpiepst?)

Mehr spielen:
Staus können nicht nur wegen dem schönen sonoren Leerlaufklang des Achtzylinders Spass machen, nein – auch der Spieltrieb erwachsener Männer wird perfekt befriedigt. Egal ob Head-Up-Display einstellen, Reifendruck abrufen oder das Verdeck auf- und zu machen. Es gibt eine Menge Knöpfe und es gibt viel zu entdecken.

Fahrverhalten:
Für eine Kombination aus Starrachse und Blattfedern:  Schlicht beeindruckend!
Die Corvette baut sehr viel Vertrauen auf und bleibt stets klar in ihren Reaktionen. Die Vette steht natürlich auch nicht auf Mofa-Reifen, sondern hat die Gummis von der Breite eines wohlgenährten Elefanten Arsches. Damit ist die rote Vette naturgemäß auf holprigen Straßen etwas nervös, aber dafür umso ruhiger und stabiler je glatter die Teerbahn ist.
Die Bremsen sind absolut ausreichend, nur ein leichtes quieken ist zeitweise zu vernehmen. Ob das davon kam, daß die Vette länger stand – oder ich zu zimperlich war, das kann ich so heute nicht feststellen.

Kommen wir zu den wichtigesten Alltagstest’s für ein US-Car:
Die Durchfahrt im McDrive gelingt auf Anhieb, die Corvette ist breit, aber übersichtlich. Die Lenkung im Stand auch für 16-jährige zu bedienen.
Negativ: Die Cupholder fassen maximal “eine große Cola” – keine Supersize-Becher. Aber eventuell gibt es in Amiland andere Cupholder.
Stellt man das Fahrwerk anschliesend auf Komfort, sollte man jedoch keine Burger während der Fahrt essen. Das Geschaukel treibt auch den letzten Ketchup-Rest auf die Hose.
(Die verstellbaren Dämpfer kann man sich also getrost sparen!) Auch als Cabrio ist und bleibt die Corvette eher ein Cruiser – übertriebene Sänfte erwartet deswegen trotzdem niemand.

Die BOSE-Soundanlage überzeugt mit fetten Bässen und kräftigen Höhen, auch Lieder die nicht von Elvis Presley oder den FatBoys stammen werden anstandslos vom CD-Player abgespielt.

Kofferaum:
Angeblich vorhanden. Ich hab nur eine Ablage für Jacken gefunden.

Mein Fazit:
Geiler Motor.
Gruselige Verarbeitung.
Übles 4-Gang Getriebe.
70.000€ – nicht wert … leider…

Hinweis: Ursprünglich habe ich den Bericht im BMW-Drivers.de Form veröffentlicht, später dann auf www.die-Testfahrer.de. Das Fahrzeug und der Fahrbericht sind 5 Jahre alt.
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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

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