Fahrbericht: Mitsubishi Pajero 3.2 DI-D

Fahrbericht: Mitsubishi Pajero 3.2 DI-D

200 PS im Geländewagen-Urgestein

Der große kantige Fünftürer gehört zu den Klassikern der Geländewagen-Welt. Im Prinzip gibt es den Pajero nun seit über 30 Jahren. Und bei Mitsubishi hat man viel dafür getan, um dieses Modell jung zu halten. Trotz der vielen Einsätze in den Wüsten dieser Welt.

Fahrbericht des 200 PS starken Ur-Gesteins mit Automatik.

Vier Generationen Pajero

Vier Generationen Zuverlässigkeit und der Willen, auch wildes Gelände ohne Probleme zu durchqueren. Wer die Wüste besiegen will, der langt gerne zum großen Mitsubishi. Von 2001 bis 2007 gab es auf der Wüsten-Rallye von Paris nach Dakar nur einen Gewinner, den Mitsubishi Pajero.  Auch wenn es so langsam in Vergessenheit gerät, Mitsubishi ist – mit  insgesamt 12 Siegen – die erfolgreichste Automobilmarke auf dieser geschichtsträchtigen Rallye. Und auch wenn Mitsubishi in den letzten 30 Jahren mit vier Generationen des Pajero um die Gunst der Offroad-Kundschaft buhlte, einen Pajero erkennt man sofort wieder. Das Design wurde über die Jahre nur sanft weiter entwickelt.

Mitsubishi Pajero - hoch das Rad

Der gefahrene Testwagen stellt die Oberklasse des Mitsubishi Modell-Programms dar. Als Pajero 5-Türer mit 200 PS Diesel und Automatik gibt es ihn derzeit in der Edition 30 zum Listenpreis von 49.990 ,– €

Grönland-Weiß

Weder der Perleffekt-Lack in Grönland-Weiß noch das  dunkle Leder-Interieur können jedoch darüber hinweg täuschen, der Pajero ist als Arbeitstier geboren. Flanieren und vor der Eisdiele einen guten Eindruck machen – das überlässt er den Boulevard-SUVs. Für den großen Allradler von Mitsubishi gibt es wichtigere Aufgaben. Ein Ausflug an die Westküste von Grönland wäre da nur der Anfang. Die groben Formen, die klaren Linien, die großen Fensterflächen und die steilen Kanten verhöhnen den Fahrtwind. Aerodynamik-Wunder? Dafür sind andere verantwortlich. Der Pajero bietet seinem Fahrer dafür etwas, was man heute fast vergessen hat: Übersichtlichkeit ohne 360° Kameras. Sicher – hippe Lifestyle-SUV aus dem Süden Deutschlands können in Punkto Sitzposition, Gefühl und Seitenhalt alles besser. Aber der Pajero will keine falsche Gemütlichkeit aufkommen lassen. Er ist für die ernsten Dinge des Offroad-Lebens gerüstet. Und das lässt er seinen Fahrer spüren. Lifestyle-Attitüden überlässt er denen, die im Gelände bei der ersten Bodenwelle verschreckt mit der Ölwanne aufsetzen.

Mitsubishi Pajero einsteigen und los fahren

Fahrbericht Mitsubishi Pajero – Arbeiter und Kumpel

Im Cockpit des Pajero stehen alle Zeichen auf Konzentration. Ein paar silberne Kunststoff-Applikationen und das Leder auf Sitzen und den Türverkleidungen wollen vom Alltag ablenken, aber Nutzen und Funktion des Pajero dringen immer wieder in das Bewusstsein des Fahrers. Massive Haltegriffe an den Säulen erinnern an den möglichen Neigungswinkel von bis zu 45°. Zwei Wählhebel für die Kraftübertragung manifestieren die Möglichkeiten des Allradantriebes und das prägnante Wummern des Diesels lassen keine Zweifel an der vorhandenen Kraft aufkommen.

Mitsubishi Pajero Fahrbericht cockpit

Ein authentischer Bulle für den Offroad-Einsatz

Der Pajero bietet einen aufwändigen Allradantrieb an. Theoretisch lässt er sich über einen kleinen Knauf neben dem massiven Schalthebel auch im reinen 2WD (Heckantrieb) fahren. Wer den Knauf von 2H auf 4H stellt, fährt mit einem variablen Allradantrieb.  Dabei gelangen im Normalfall 33 % der Kraft an die Vorderachse. Die variable Kraftverteilung kann die Kraft  im 4H-Betrieb aber auch zu 50% auf beide Achsen verteilen. Vollvariabel – gerade so, wie es benötigt wird. Anstelle der Variabilität lässt sich der Allradantrieb auch in den Modus „4HLc“ stellen. Jetzt wird das Mittendifferential gesperrt und die Kraft gelangt zu gleichen Teilen auf die Vorder- wie die Hinterachse.  Was den Pajero von den SUVs der Neuzeit unterscheidet, ist die Möglichkeit, nun auch noch die Untersetzung einzuschalten. Im Fahrmodus „4LLc“ werden die Gangübersetzungen im Gesamten kürzer. Im Falle des Pajero lässt sich dann auch noch das Hinterachsdifferential sperren. 4LLc und Hinterachsdifferential gesperrt? Der Pajero kriecht nun über Stock und Stein und lässt sich auch von steilsten Bergfahrten nicht abschrecken. Dank einer Anhängelast von bis zu 3.5 Tonnen ist der Pajero jedoch nicht nur für die grobe Geländefahrt ideal, sondern auch für den Alltag als Zugfahrzeug. Und wenn es mit dem Pferde-Anhänger über eine morastige Wiese oder mit dem Boots-Anhänger über eine geschotterte Rampe zum kühlen Nass geht, dann zeigt sich der Vorteil eines echten Allradantriebes.

Mitsubishi Pajero im Fahrbericht Kühlergrill

Diesel-Bulle mit Hang zur Lautmalerei

Wer den Pajero – ausnahmsweise – nicht von Paris nach Dakar lenkt, wer mal ohne Pferde-Hänger oder Boots-Trailer und auf einer simplen trockenen Autobahn unterwegs ist – der kann den Allradantrieb deaktivieren (von 4H auf 2H) und den 3.2 Liter Vierzylinderdiesel auf eine Spritspar-Runde einladen. Doch mit einem Leergewicht von knapp 2.4 Tonnen, dem massiven Aufbau und der träge agierenden Fünfgang-Automatik lassen sich bei dieser Tour keine neue Rekorde vermelden. Gute 9 Liter sind der Alltag und 11 Liter auf 100 km auch kein Problem. Nur vier Kolben arbeiten unter der Motorhaube, dafür sind diese aber mehr als faustgroß. Der 200 PS Vierzylinder Turbodiesel wurde über die Jahre kräftig überarbeitet und war nie stärker als heute. 441 Nm bei 2.000 Umdrehungen sorgen für Kraft in allen Lebenslagen. Nur die Umstände (Größe und Gewicht des Pajero) sorgen für eine eher gemütliche Gangart. Wobei der 16-Ventil Diesel vor allem beim Kaltstart sein ungeschöntes – und lautes – Lied der Selbstzündung brummt. Kernig und mit ordentlich Druck geht der große Diesel an die Arbeit, aber weit jenseits eines ausufernden Temperaments. Der Dieselmotor und die Fünfgang-Automatik spielen vor allem dann gut zusammen, wenn man den Pajero „rollen“ lässt. Ohne Hektik. Gerne mit etwas Überzeugung auch bei üblen Pisten – aber bitte ohne gesteigerte Ambitionen bei der Kurvenhatz.
[one_half] [notification type=“notification_mark“ ]Die Basics:[/notification]
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  • Vierzylinder Turbodiesel
  • 200 PS und 441 Nm 
  • 3.5 Tonnen Anhängelast
  • Testwagenpreis: 49.990 €

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[one_half last=last] [notification type=“notification_mark“ ]Der Testverbrauch:[/notification]
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Mitsubishi Pajero LAderaum

Der steckt was weg

Der lange Pajero mit seinen 5-Türen lässt sich zu einem Siebensitzer umrüsten. Im Boden versenkt, versteckt sich die dritte Sitzreihe. Mit ein paar Handgriffen wird aus dem riesigen Kofferraum ein Platz für fünf Passagiere. Die letzte Sitzreihe ist natürlich nicht so bequem wie die mittlere – aber für den Notfall oder eine kurze Etappe reichen die sonst vollständig versenkten Sitzplätze allemal. Der riesengroße Gepäckraum gehört zu den Talenten des langen Pajero. Ein Ladevolumen von bis zu 1.789 Litern bieten nur wenige.  Im Falle des Pajero lässt sich dieser Raum auch ordentlich nutzen – eine Zuladung von bis zu 645 Kilogramm gilt als ordentlich. Auch unter den Arbeitstieren.

Fahrbericht-Fazit:

Der Mitsubishi Pajero ist Mehrwert auf Rädern.

Ja – 49.990 € sind eine stolze Summe. Aber der Pajero bietet, was andere Siebensitzer nicht bieten:  Die Aura eines Dakar-Gewinners. Zudem den Platz, die sieben Sitzplätze auch wirklich zu nutzen und die Möglichkeit, 3.5 Tonnen anzuhängen

So ein Pajero mag auf den ersten Blick nach einem Geländewagen für Abenteurer aussehen – aber er ist vor allem auch ein echtes Talent für die vielen Aufgaben, die man als Familienvater zu meistern hat. Vor allem, wenn aufwändige Hobbys den Alltag bereichern.  Oder der nächste Urlaub nicht zum Camping an den Lido führt, sondern in die Wüste.

 Zum Mitsubishi Konfigurator  | Download: Testfahrzeug-Bewertung Mitsubishi Pajero

Galerie:

Technische Daten:
Markteinführung am: Modell seit 2006 / Markteinführung 1983
Motortyp: Vierzylinder-Reihenmotor, Gusseisen-legiert, 16 Ventil-Kopf, Turboaufladung mit variabler Turbinen-Geometrie
Hubraum in ccm³: 3.200
max. Leistung bei min-1: 147 kW / 200 PS bei 3.800 U/min
max. Drehmoment bei min-1: 441 Nm bei 2.000 U/min
Länge, Breite, Höhe, Radstand in mm: 4.900 x 1.875 x 1.860 x 2.780
Leergewicht: 2.385 kg
Vorderer Böschungswinkel: 34.5°
Hinterer Böschungswinkel: 24.5°
Bodenfreiheit unbeladen: 210 mm
Watt-Tiefe in mm: 500 (maximal 700)
Wendekreis: 11.4 m
Bremsen: VA: –, HA: —
Allradantrieb / System: Variabler Allradantrieb, zuschaltbar, mit Mitten-Diff-Sperre, Hi.-Achse Sperre und Untersetzung.
Getriebe: 5-Gang Wandlerautomatikgetriebe
Differentialsperren: Hinterachse manuell sperrbar
Tankvolumen 88 Liter
CO2-Emission, kombiniert: 224 g/km
Abgasnorm EU 5
Effizienzklasse: C
cW-Wert:
Stirnfläche:  –
Normverbrauch innerorts 10.1 l / 100km
Normverbrauch außerorts 7.5 l / 100km
Normverbrauch kombiniert 8.5  l / 100km
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 11.1 Sekunden
Basispreis: Mitsubishi Pajero 5-Türer, ab 35.990 €   [inkl. MwSt.]
Garantie: 36 Monate
Stand 01/2014
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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger