Fahrbericht: Opel Meriva LPG

Fahrbericht: Opel Meriva LPG

Natürlich gibt es spannendere Autos als den Opel Meriva. Es gibt Autos mit viel mehr PS. Autos, die schneller sind. Autos, die größer sind. Aber wenn es darum geht, das richtige Familienauto für eine junge Familie zu finden oder ein Auto für „ältere“ Menschen, eines in dem man aufrecht sitzen kann, bequem ein- und aussteigen kann und ein Auto, das Wenigfahrer günstig davon kommen lässt, tja, dann muss man plötzlich auch über einen Opel Meriva nachdenken.

Der „Weil-sinnvoll-Van“

Im Fahrbericht:

Opel Meriva 1.4 LPG Edition

Was den Neidfaktor angeht, so rangieren Mini-Vans wie der Opel Meriva am gesunden unteren Ende der Skala. Automobilen Lifestyle demonstriert man seinen Nachbarn und Arbeitskollegen mit anderen Autos. So ein Opel Meriva ist der Lifestylebodensatz im Autohaus der Eitelkeiten und Angeber. Auf genau 4.30 Metern demonstriert er, wie unsexy ein Auto sein kann. Uneitel. Einfach nur praktisch. Da helfen auch Volley-Linien in den Türen und avantgardistische Stufenlösungen im Fensterdesign nicht. Der Meriva parkt als Automobile Vollwert-Müsli-Mischung vor dem Haus. Praktisch bis unter die 1.61 Meter hohe Dachkante, vier Türen, ein steiles Heck und dahinter eine ordentliche Lademulde. Der Meriva schreit geradezu nach der Fahrt zum Baumarkt, zum Tanztee und zur nächsten Beerdigung.

Opel Meriva im Test Artikel

Weil er praktisch ist

Der Vorteil von völlig Lifestyle-Design freien Autos? Sie bieten Nutzwert. Echten Nutzwert. Das Wort praktisch findet man plötzlich und unerwartet im eigenen Wortschatz wieder. Was will man sonst auch antworten, wenn man gefragt wird, weswegen man sich so einen Meriva gekauft hat? Am besten, man bleibt ehrlich und sagt: Das Auto ist sinnvoll, weil es praktisch ist. Am Stammtisch kann man damit keinen Stich machen, aber dafür wurde der Meriva auch nicht gebaut. Er wurde gebaut, weil er eben praktisch ist. Und deswegen gibt es den Meriva auch von einem Automobil-Hersteller, der noch nicht vergessen hat, dass es auch Menschen gibt, die einfach nur ein praktisches Auto suchen.

Die gegenläufigen Türen sind so etwas wie der Dachspoiler des Rentners. Und sie sind die einzige Eigenart des Opel Meriva. Das hat Vorteile. Und es hat Nachteile. Die Vorteile sind schnell erklärt. Kindersitze befestigen, wenn der Platz von vorne völlig frei zugänglich ist? Die zweite Reihe lässt sich so wunderbar einfach erreichen. Kinder in Kindersitzen und Senioren werden dankbar „Hurra“ rufen. So easy wurde noch kein Kind in den Kindersitz verfrachtet, so leicht ist noch nie eine künstliche Hüfte in Sitzreihe zwei verfrachtet wurden. Der Nachteil? Das funktioniert nur, wenn man sich über die Reihenfolge geeinigt hat. Ausgerechnet die beiden Zielgruppen, die nie Zeit haben – Kinder und Senioren – freuen sich über den „echten-Easy-Entry“ zum Mitreise-Abteil, müssen sich aber hinten anstellen, denn wenn die Reihe 1 zeitgleich ein- oder aussteigen will, dann kommt man sich unfreiwillig nah – drehen sich doch beide Parteien um die B-Säule herum.

Schiebung

Dass die Sitzplätze in Reihe 2 zudem zu verschieben sind, unterstreicht den Wunsch der Opel-Bauer (gibt es eigentlich den Chef-Ingenieur Dr. Braun noch?), ein wirklich praktisches Allzweck-Automobil zu bauen. Und ausnahmsweise bezieht sich der „Allzweck“ mal nicht auf die Idee, ein Auto so zu schminken, als ob es direkt von der letzten Paris-Dakar-Rallye kommen würde, sondern auf die Möglichkeit den Innenraum maximal praktikabel zu gestalten. Mehr Platz im Kofferraum? Ratsch/Peng, erledigt. Die Sitze flach runterklappen, damit sich eine richtig große Ladehöhle bietet? Zack/Zack, erledigt.

Was Reihe zwei und Kofferraum können, lässt sich in Reihe eins ganz ähnlich nachspielen.
Aufrecht und angenehm hoch sitzen Fahrer und Beifahrer auf extrem guten Sitzplätzen. Wirklich. Man mag es kaum glauben, aber diese Sitzplätze gehören zum „besten Gestühl“ aus meiner Zeit als Automobil-Blogger. Dazwischen bleibt eine große Ablage mit verschiebbarer Armauflage.  Reise-Proviant für lange Urlaubsfahrten lässt sich darin verstauen, Handy, Notebooks und wenn es sein muss, auch die Handtasche der Frau.

Die größte Überraschung ist jedoch das Fahrgefühl im Meriva.

Da klappert nichts. Es knarzt nichts. Der Abrollkomfort ist bombig gut. Das ganze Auto wirkt extrem gut verarbeitet und solide. Sicherlich sind einige der Kunststoffelemente weit weg davon, ein Premium-Prädikat zu bekommen, aber dann hätte man ja auch den Charakter des Meriva verfehlt. Hier geht es um echten Nutzwert. Um praktische Lösungen. Und „Gott sei Dank“ um innere Werte. Und dass sich der Meriva fährt, als wäre er in einer Klasse darüber zu Hause, bekräftigt die Vorstellung vom „Leisetreter“ und einem, der nach innen gut ist und sich die Show nach außen völlig spart.

Spar-Hans – dank Autogas

Wer nachzählt, und das tut man als echter Interessent für dieses Auto, der findet 9 Motoren für den Opel Meriva. Drei Getriebe-Varianten und 5 Ausstattungslinien. Für den Test habe ich die einzig logische Meriva-Motorisierung ausgewählt. Den Meriva mit dem 1.4 Liter Benziner und Autogas (LPG)-Antrieb. Der große Vierzylinder ist ein moderner Turbomotor mit Vierventiltechnik und der Möglichkeit, sowohl Benzin als auch Autogas zu verwerten.  Wer sagt, er spüre den Autogas-Einsatz nicht, der spürt vermutlich auch den Übergang vom Winter auf Sommer nicht mehr. Im Autogas-Einsatz verändert sich das Verbrennungsgeräusch des EcoTec-Triebwerks und die Durchzugskraft lässt nach. Laut Opel hält sich der Verlust des Durchzugs in Grenzen. 0.8 Sekunden verliert der LPG-befeuerte Meriva gegenüber dem (virtuell) weiter mit Benzin fahrenden Sprint-Gegner zwischen 80 und 120 km/h. Das ist in der Tat völlig zu vernachlässigen, aber wer den „Boost“ erleben will, der schaltet bewusst zwischen den beiden Treibstoff-Arten hin und her und wird erleben, wie viel „nährreicher“ das klassische Benzin gegenüber dem etwas kraftloseren Autogas ist. Im Alltag spielt das jedoch keine Rolle. Da sollte man sich nur auf den Autogas-Einsatz konzentrieren. Denn im LPG-Betrieb sinken die CO2-Emissionen und zusätzlich wird der Geldbeutel geschont. Den etwas höheren Verbrauch aufgrund des niedrigeren spezifischen Brennwertes von Autogas macht der deutliche Preisunterschied zwischen Benzin und LPG wieder wett. Im Test habe ich 30.34 Liter Autogas verbraucht und dafür 22.42 € bezahlt. Allerdings habe ich auch 65 Liter Super vertankt, denn Autogas-Tankstellen sind zwar häufiger anzutreffen als Erdgas-Tankstellen, aber noch lange nicht an jeder Ecke. Und dass man bei LPG mit zwei verschiedenen Tankzapf-Systemen zu arbeiten hat, erleichtert die Akzeptanz auch nicht wirklich.

 

Testverbrauch

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[tab title=“Alltagsfahrer“]Die Verbrauchsangaben für den „Typus Alltagsfahrer“ entstanden im (nicht ganz) paritätisch gemischten Betrieb aus Benzin und LPG. 5.75 Liter oder 30.34 Liter LPG und 34.30 Liter Benzin auf 1.122,4 Kilometern war das Ergebnis. Bedenkt man, dass Opel 5.9 (Benzin) und 7.4 (LPG) für den NEFZ-Normverbrauch angibt, ein extrem guter Wert. Völlig machbar im Alltag![/tab]
[tab title=“Öko-Experte“]Dieser Meßwert entfällt beim Meriva leider.[/tab]
[tab title=“Ohne Rücksicht“]Dieser Meßwert wurde auf der Einstellung „Benzin“ gefahren. Hier hat sich der 1.4 Liter Turbo mit knapp 9 Litern noch immer sparsam gezeigt! [/tab]
[/tabgroup]

Opel Meriva Testbericht

Zahltag

Der Testwagen hatte als 1.4 LPG Edition einen Basispreis von 21.590 €. Ein mehr als faires Angebot. Wer es mit dem Sparen wirklich ernst nimmt, der fährt den praktischen Opel konsequent im LPG-Bereich. Dass man den Nachbarn mit dem Meriva nicht beeindrucken kann, hatten wir geklärt, warum also nicht gleich sinnvoll nutzen? Natürlich ist der Meriva mit LPG-Antrieb kein Auto für Vielfahrer. Aber für diese hat Opel insgesamt 3 Diesel-Versionen mit einer Leistung von 95 bis 136 PS im Angebot.

Das fehlte oder war doof

Der LPG-Meriva verzichtet auf eine Start-Stopp-Funktion. Ein wenig merkwürdig für ein Auto aus dem Jahre 2014 – aber anscheinend ist die Adaption dieser Funktion bei Autogas-Antrieb nicht ganz so banal umgesetzt. Und eines sollte man sich in Rüsselsheim mal hinter die Ohren schreiben: Schwarzes Plastik bleibt schwarzes Plastik, egal, welche Narbung man ihm verpasst. Der Innenraum muss ja gar nicht Premium sein, aber eventuell wäre es sinnvoll, nicht drei unterschiedliche Plastikversionen direkt nebeneinander zu verbauen. Ach – und dieses Tasten-Armageddon rund um die Mittelkonsole, das braucht auch niemand!

Opel Meriva LPG Motor Ecotec

Fazit:

Verdammt, ich werde alt. Und damit zur Zielgruppe des Opel Meriva. Wobei die größte Überraschung nicht der enorme Alltagsnutzen des Meriva und seines innovativen Türkonzeptes ist, sondern das extrem gut abgestimmte Fahrwerk und das solide Gefühl beim Fahren. Dass Hartplastik und Spaltmaße im Innenraum noch viel Luft nach oben lassen, stört den Nutzwert nicht.

Sinnvoller wird es nicht!

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Fahrzeugschein: Opel Meriva 1.4 LPG Edition

Hersteller: Opel
Typ: Meriva
Klasse: Compact-MPV
Motor: R4
Getriebe: 5G manuell
Antrieb: Frontantrieb
Hubraum: 1.364 ccm
Leistung / Leistung (E-Motor): 120 PS b. 4.800 – 6.000 U/min | –
Drehmoment: / Drehmoment (E-Motor): 175 Nm b. 1.750 – 4.800 U/min | –
Gewicht Fahrfertig: 1.486 kg (EWG m. Fahrer)
Von 0 auf 100: 11.5 – 11.8 s
Höchstgeschw.: 188 km/h
Verbrauch Benzin / LPG (NEFZ): 5.9 / 7.4 Liter
CO2-Ausstoß (NEFZ): 139 / 121 g/km
Emissionsklasse: EU 6
Effizienzklasse: C / A
cW-Wert:
Kommentar:
Fotos im Artikel: Bjoern Habegger  Titelbild: Bjoern Habegger
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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger