Fahrbericht: SEAT Leon FR 180 PS DSG

Fahrbericht: SEAT Leon FR 180 PS DSG

Eco, Comfort oder Sport? Der Taster für das „SEAT Drive Profile“ lächelt einen an. Kurz getippt, öffnet sich im Multimedia- Display die Menueauswahl, um die Kennlinien von Motor, Getriebe und Lenkung anzupassen. Was für eine Frage, natürlich wählt man Sport. Immerhin sitzt man hier im spanischen GTI. So fast. 

SEAT LEON FR 180 PS im Fahrbericht

Der spanische Vortänzer

Könnte es eine andere Farbe für den Testwagen geben als dieses kraftvolle, dieses satte und verführerisch leuchtende rot? Nein – wenn Leon FR, dann mit der aktivierten Sport-Taste und natürlich in „Emotion-Rot“.

Feurig wie die Lippen einer andalusischen Geliebten, kurz bevor der letzte Takt zum letzten Tango fällt. Der Leon FR bekam in seiner jüngsten Generation endlich die notwendige Portion sportliche Eleganz zugestanden, die man der Marke schon seit 10 Jahren verpassen wollte. Seitdem Seat (nun 28 Jahre) zum VW-Konzern gehört, suchte man nach der eigenen Identität.

Sportlich und günstig? Nur sportlich? Nur günstig?

[one_half] [notification type=“notification_mark“ ]Die Basics:[/notification]
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  • 2 Wochen im Test
  • 903 Testkilometer 
  • Basispreis: 26.140 €
  • Testwagenpreis: 31.200 €

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[one_half last=last] [notification type=“notification_mark“ ]Der Testverbrauch:[/notification]
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Der neue SEAT Leon FR ist vor allem sportlich. Im Design. Scharfe Kanten in der Seitenlinie, die Karosserie flacher auf dem Asphalt kauernd als bei den vorhergegangenen Generationen. Satt pressen sich die 18 Zoll Räder in die Radhäuser. Sie suchen einen sportlichen Kompakten, der genug Platz für den Alltag bietet und nicht so teutonisch kühl wirkt wie der Golf? Aber bitte mit der technischen Brillanz des Golf? Der SEAT Leon vereint genau diese Ansprüche.

Der Tangotänzer im Konzernreigen

Agil wie ein Tango-Tänzer mit der richtigen Dosierung eines Rioja Gran Reserva in der Blutbahn, lenkt er in Kurven ein, lässt am Lenkrad ebenso so viel Gefühl für die Straße spüren, wie der Tänzer vom Rhythmus seiner Partnerin über den festen Griff an ihrer Hüfte wahrnimmt. Sensibel reagiert die Vorderachse auf die Wünsche des Fahrers, man sieht sich aufmerksam in die Augen. Der Leon FR spürt den Drang des Fahrers zum Landstraßen-Tango und gibt seinen Wünschen nach.

Motor, Getriebe, Bremse – alles alte Bekannte auf der Tanzfläche. Man kennt sich aus dutzendfachen Begegnungen mit den Konzernbrüdern. Der Audi A3 und der Golf, beide nutzen die gleiche Hardware. Denn auch der neue Leon ist auf der MQB-Plattform angekommen. Das hat Vorteile, aber auch Nachteile. Der 180 PS-Turbobenziner ist im Seat auch nicht mit mehr Drehmoment zum Tanztee erschienen als bei den bereits vergangenen Tanzturnieren. Noch immer spürt man die Kastration auf 250 Nm. Als würde man den nächsten Tango mit zu kleinen Schuhen angehen, das bremst das Temperament. Das Talent ist vorhanden, der Motor reagiert feinfühlig auf das Gaspedal, er stürmt auf die Tanzfläche – um dann ein wenig knapp bei Puste zu sein. Dem 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe könnte man nun die Schuld in die Schuhe werfen. Ist es doch seine Aufgabe, die Kraft des Direkteinspritzers zu verwalten. So stellt das trocken gekuppelte DSG hier den, bereits aus dem A3 1.8 TSI bekannten, Engpass dar. Im Alltag erfüllt das Getriebe mit den zwei Kupplungen seine Aufgabe allerdings viel zu vorbildlich, um nun wegen dieser lächerlichen 250  Nm-Beschränkung bei der Damenwahl verschämt zurück zu bleiben.

Der Motor könnte theoretisch einen deutlich schärfen und schnelleren Rhythmus mitgehen, aber die Kombination mit dem Getriebe bildet eine Einheit, bei der man Abstriche in Kauf nehmen muss. Im straff geschneiderten Kleid des Leon FR fällt dies besonders auf.

Sportlich zackig, ein Athlet mit markanten Gesichtszügen. Aber eben kein Spitzensportler.  Der 180 PS Benziner muss mit seinen 250 Nm auskommen. Dafür verteilt er diese brav, über nahezu das ganze Drehzahlband. Von 1.250 Umdrehungen bis hoch auf 5.000 Umdrehungen, der TSI füllt die breitesten Tanzflächen mit seinem gleichbleibenden Elan. Nur tänzerische Höhepunkte – die bleiben derweil aus. Den Spurt von Null auf 100 erledigt er in 7,2  Sekunden und erst bei 224 km/h geht ihm die Puste aus.

Als Fahrer fühlt man sich im Leon gut aufgehoben. Eine solide Kompaktklasse. Man merkt dem Leon seine enge Verwandtschaft mit dem Klassenprimus Golf in vielen Dingen an. Sitzposition, Aufbau des Cockpits, die nüchterne Klarheit der Instrumente, die moderne Gestaltung des Bordcomputers. Überall schnuppert es nach dem Willen zur Perfektion, einen Geruch, den man gut aus den Wolfsburger-Produkten kennt. Der Leon lässt eine Prise spanische Leidenschaft einfließen, nur nicht zu viel. Dazu dieses Design mit den scharfen Kanten – ist das bereits zu viel? Die kräftig roten Schalterbeleuchtungen im Innenraum erinnern an den sportlichen Geist aus Ingolstadt und erst beim verbauten Multimediasystem wird einem bewusst, da hatte in Wolfsburg dann doch jemand Angst, der Leon könnte reizvoller werden als der ewige Bestseller VW Golf.

Der Leon muss sich mit der  5.8″ kleinen Multimedia-Einheit zufrieden geben. Das ist kein Beinbruch, trübt die Vorfreude auf den nächsten Tango aber wie ein zu klein geschneidertes Hemd. Natürlich funktioniert alles prima – aber der Golf darf mit dem großen 8″ Navi-Touchscreen, brillanter Auflösung und unschlagbarer Bedienungsqualität die Vortänzer-Rolle spielen. Der Leon muss sich  selbst als wertig ausgeführter und gut ausgestatteter FR hinten anstellen.

 

Dabei bilden die Scheinwerfer an der Front einen Höhepunkt, der zuerst im Leon ankam. Voll-LED Scheinwerfer sind in der Kompaktwagenklasse zuvor nicht erhältlich gewesen. Schlicht weißes Licht erhellt die Straße, bildet einen kühlen Strahlenschein vor dem Leon. Am Heck lässt der FR ebenso elegante LED-Elemente leuchten. Das sieht technisch wertig und zugleich elegant aus. Das Fernlicht der LED-Scheinwerfer wirkt indes ein wenig fleckig und könnte mehr Strahlkraft vertragen.

Keine Kritik zum Thema Kofferraum. Mit einem Ladevolumen von mindestens 380 Liter bietet der Leon genug Platz, um auch für die lange Reise oder einen ausdauernden Tanz gerüstet zu sein.

Positiv-Liste:

[one_third]+++ Design

Mit der jüngsten Generation des Leon durfte nun auch SEAT einen Kompaktwagen nach gängigem Muster präsentieren. Das Design bekam einen eigenen Charakter. Das tut dem Leon gut!

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[one_third]++ LED-Licht

LED-Scheinwerfer in der Kompaktwagenklasse anzubieten, ist bereits ein echter Fortschritt. Das Abblendlicht des Leon ist überzeugend weiß. Das Fernlicht könnte mehr Reichweite vertragen.

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[one_third last=last]+ Verarbeitung

War man bislang gewohnt, dass der SEAT wie ein kleiner Bruder die getragenen Kleider seines größeren Bruders tragen muss, so wirkt in der jüngsten Generation alles frisch und von guter Qualität.

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Der bessere Golf?

Wobei der FR noch nicht der GTI-Ersatz ist. Da haben die Wolfsburger mit 220 PS eine Schippe mehr Leistung zu bieten.  Aber dafür bietet man bei SEAT ja noch den Cupra an. Der leistet dann bereits 265 PS bzw. 285 PS.

Überhaupt könnte der Leon der bessere Golf GTI sein. Oder noch frecher, der bessere Audi A3. Er bietet ähnliche Platzverhältnisse, die gleiche Technik unter dem Blech, eine umfangreiche Ausstattung und am Ende spart er locker 5.000 € beim Kaufpreis ein. Ausstattungsbereinigt können es zum A3 sogar 7.600 € werden.

Da könnte man ins Grübeln kommen und den frischen Spanier zum flotten Tanz auffordern  – oder können Sie gar nicht tanzen?

Hier geht es zum SEAT Leon  Konfigurator … 

Fakten:

Hersteller: SEAT
Modellname: Leon FR 180 PS TSI DSG
Karosserievariante: Viertürige Kompaktwagen Steilheck
Motor: R4, Turbobenziner mit Direkteinspritzung, 16V, DOHC, Variable Ventilsteuerung Auslassventile, Aluminium Zylinderkopf, EA 888
Getriebe: 7-Gang Doppelkupplung DQ200
Antrieb: Frontantrieb
Hubraum: 1.798 ccm
Leistung: 180 PS bei 5.100 – 6.200 U/min
Drehmoment: 250 Nm von 1.250 bis 5.000 U/min
Von 0 auf 100 km/h: 7.2 Sekunden
Höchstgeschw.: 224 km/h
Verbrauch nach Norm: 5,9 Liter / 100 km
CO2-Ausstoß nach Norm: 137 g/km
Testverbrauch: 7.74 l/100km über die Testdistanz
Räder: 225/45-18  – Winterreifen Bridgestone
Leergewicht: 1.310 kg [trocken]
Länge, Breite, Höhe, Radstand: 4.271 / 1.816 / 1.444 / 2.631 mm
Garantie: 2 Jahre Gewährleistung
Testzeitraum: März 2014: Überwiegend trocken, erste Frühlingstemperaturen.
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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

2 Comments

  1. Bei der Umfrage zu den Autobloggern ging es auch um Ehrlichkeit, Vertrauen etc. Bei deinem Fahrbericht vermisse ich die Negativ-Liste, die es ganz bestimmt geben wird, um den Bericht abzurunden!

    Meiner Meinung nach ein absolut gelungendes Fahrzeug und endlich wieder sportlich hübsch anzusehen, nicht wie der direkte Vorgänger. Als ehem. 1M Fahrer (TopSport TDI) geht SEAT endlich wieder in die richtige optisch-sportliche Richtung!

    1. Ich denke, Ehrlichkeit bedeutet nicht, als Blockwart unter Zwang nach dem Haar in der Suppe zu suchen. Zudem gab es zwei klare Punkte die negativ aufgefallen sind. Das kleine Navi und die Leistung des Fernlichts.