HONDA Jazz Hybrid im Fahrbericht

HONDA Jazz Hybrid im Fahrbericht

Als die NASA  in den 60ern des letzten Jahrhunderts begann,  eine Raumfähre zu entwickeln, die kostengünstig und wiederverwendbar die Reise von der Erde ins Weltall antreten kann, war von Anfang an der Schwerpunkt auf Kosteneffizienz und Praktikabilität gerichtet worden. Ziel war es, ein Kilo Weltraumgepäck für circa 200$ in den Weltraum zu transportieren.

Im Rahmen der Entwicklung des Shuttles stellte sich heraus, dass die günstigste und effizienteste Variante des Weltraumfluges eine Raumfähre ist, die den ersten Teil der Reise  von der Erde in das Weltall mit der Hilfe von externen und wiederverwendbaren Zusatz-Raketen begeht, sich dann aber dieser Hilfe entledigt und damit in Größe und Komplexität für die Erd-Rückkehr kleiner ist.

Bemannte Raumfahrt – im Jazz auch für Frauen

Sobald das Space-Shuttle die Startphase überstanden und auf über 4.000 km/h beschleunigt hat, wirft es zuerst die zusätzlichen Raketen und später den notwendigen 35 Tonnen schweren Extratank ab. So wurde es möglich, eine Raumfähre von geringer Größe zu bauen, die ein Maximum an Last in den Weltraum befördert – ohne die nur zum Start notwendigen starken Triebwerke und deren notwendigerweise großen Treibstoffvorrat die gesamte Reise über mitzunehmen.

Ganz schön clever:  Maximaler Platz, extrem vielseitig und das zu einem optimierten Preisverhältnis.

Fast möchte man dem aktuellen Testwagen ähnliche Qualitäten zusprechen.
2011  – das Jahr, in dem wir Kontakt aufnahmen.

2011 hat HONDA der bereits seit 2008 auf dem Deutschen Markt angebotenen dritten JAZZ (oder anderswo „FIT“ getauften)  -Generation  eine neue Antriebsvariante spendiert.  Die von HONDA bereits auf breiter Front eingeführte Mild-Hybrid-Technik zog im April 2011 auch unter die kurze Haube des mit 3 Meter 90cm übersichtlichen Stadt-Vans.

Das Cockpit ist im Vergleich mit seinen teilweise hausbacken wirkenden Mitbewerbern um die Käufergunst ähnlich „spacig“ wie die Idee des ständigen Raumfluges im Jahr 1960. Doch weitab von komplizierter Rocket-Science ist die Bedienung der „Stadt-Fähre“ geradezu simpel. Mit Einführung der IMA Mild-Hybrid Technik stehen nun 3 Motoren zur Verfügung. Der 1.2l große Basis Vierzylinder mit 90PS, die „1.4l“ Variante mit 100PS und nun das „Doppel-Herz“ aus 1.3l Benzinmotor und Elektromotor. Praktisch bleiben alle 3 Varianten. (Lassen Sie sich nicht verwirren von 1.2, 1.3 und 1.4 – der Hybrid hat den gleichen Hubraum wie der 1.4l 100PS Motor. Aus Marketinggründen wird der 1.339ccm³ große „Nur Benziner“ auf 1.4l aufgerundet und der ebenso langhubige 1.339ccm³ Hybrid auf 1.3l abgerundet.)

Im Unterschied zum Space-Shuttle wirft der HONDA JAZZ Hybrid auf seiner Reise jedoch keine Teile seines Antriebskonzeptes ab – im Gegenteil: der Testwagen mit seinen 17.000km machte noch immer den Eindruck eines Neuwagens.  Die übliche Jahresfahrleistung beträgt 12.000km im Bundesschnitt und so haben wir einen guten Eindruck von einem Jazz bekommen, der bereits seine ersten Aufgaben erfolgreich und ohne Mängel erfüllt hat.

HONDA_1_Jazz-Hybrid

Hybride Raum-Fahrer

Besonders im Alltag als Pendler-Fahrzeug überzeugt die Kombination aus sparsamen-Benzinmotor, intelligenter E-Technik und stufenloser Automatik.

Und doch wünscht man sich,  vor allem auf der Autobahn, man hätte bei der Bestellung des Hybrid-Vans die Möglichkeit bekommen, eine zusätzliche Feststoff-Rakete zur Beschleunigung mitzuordern.
Das IMA-System im Jazz ist  ähnlich den Varianten im Insight und dem CR-Z und so ergeben sich gleiche Vorteile – aber auch ähnliche Schwächen:

Während in der Stadt und auf kurzen Überlandstrecken, der kleine 1.3 Benzinmotor (1.5 beim CR-Z) zusammen mit dem kompakten Elektromotor und der stufenlosen Automatik (Schaltgetriebe beim CR-Z) perfekt harmoniert,  werden auf Autobahn-Etappen die Grenzen der Leistungsfähigkeit der intelligenten und auf Effizienz getrimmten Antriebseinheit schnell deutlich.

Was in der Stadt und auf dem Dorf noch richtig komfortabel ist, wird auf der Autobahn unter Abruf der kombinierten Leistung schnell zu einer unharmonischen Darbietung der Antriebs-Performance.

Ab Tempo 140 macht keiner der IMA-Kollegen mehr richtig Laune.

Umso mehr gefällt vor allem der HONDA Jazz Hybrid durch seine weit über Klassenstandard liegende Variabilität. Was unser spacig-grüner Stadt-Shuttle nicht von a nach b bringen kann, das braucht man vermutlich auch nicht im Alltagsleben. Ganz egal, ob es die Einkäufe der Woche in Kompanie-Größe sind. Der Umzug einer vollständigen Studentenbude oder der Spontankauf bei IKEA.  Vom Fikus-Benjaminus in seinem Topf bis hin zu unterschiedlichen Freizeit-Gerätschaften. Der HONDA Jazz überzeugt in seinem VAN-artigen Aufbau mit praktischen Ideen und einer Rücksitzbank, die alle Möglichkeiten der Anpassung an die geforderte Transportaufgabe erfüllt.

Viel mehr Platz und mehr praktischen Nutzen kann der Laderaum eines Space-Shuttles vermutlich auch nicht bieten.

HONDA_6_Jazz-Hybrid
Innen größer als außen

Betrachtet man  die Kosten für 1 Kilogramm Weltraum-Gepäck bei einem Space-Shuttle von atemberaubenden 16.000$ ( die avisierten 200$ wurden nie erreicht) – so wirkt der Kaufpreis unseres Testwagens in Anbetracht dessen geradezu unverschämt günstig.

Doch funktioniert diese Verschiebung des  „Zeit & Raum Kontinuums“  zur Relativierung des Kaufpreises leider nur im Vergleich mit dem Orbiter der NASA.

Voll ausgestattet steht der HONDA Jazz Hybrid für 22.508€ auf dem Hof des freundlichen HONDA-Händlers. Vergleicht man den Einstandspreis des JAZZ in der 1.2l Basis-Motorisierung und Basis-Ausstattung hiermit, so bekommt man die größten Vorzüge des Jazz (seine geniale Innenraumgestaltung) bereits für fast 10.000€ weniger.

In Anbetracht der bereits im HONDA Insight und CR-Z vorgestellten Technik erscheint der Aufpreis auch unter Berücksichtigung der gehobenen Ausstattung fast als Mondpreis.  Dass an dieser Stelle jedoch keine Mondreise mitgebucht wurde, erklärt sich, wenn man den Jazz Hybrid mit dem 1.4 i-VTEC CVT in der gleichen Ausstattungslinie vergleicht.

Vergleicht man den Jazz-Hybrid mit seinen 2 Motoren und der Systemleistung von 98PS  mit dem 1.4 CVT und 100PS in der gleichen Ausstattungslinie (Elegance) so bleibt ein Aufpreis von  2.400€ für die Mild-Hybrid-Technik.
Und welcher fährt nun “günstiger” die Strecke zum Mond?

Berücksichtigt man die  vielen Variablen im Benzinkonsum und die  vollständig gleiche Versicherungseinstufung der beiden Jazz-Brüder,  muss an dieser Stelle jeder für sich selbst entscheiden, wie sehr er mit seiner eigenen Kaufentscheidung die Entwicklung hin zu modernen Hybriden unterstützen will. Denn einen Kostenvorteil ergibt sich weder für den einen, noch für den anderen. Auf die weitere Reise zum Mond, hier sind immerhin 380.000km zurückzulegen, werden sich beide Jazz-Versionen vermutlich nicht begeben.

Dass es den Fortschritt nicht umsonst gibt, haben wir nicht nur bei der Raumfahrt gelernt.
Dass es deutlich günstigere Raumfähren gibt als das Space Shuttle ebenso.

Wenn am Jazz Hybrid nur alles so modern wäre wie sein Cockpit und seine Antriebstechnik, würde man sich in den dunklen Weiten des Raums sicherlich wohler fühlen. Unglaublich aber wahr. Auch im über 20.000€ teuren Hybrid-JAZZ  legen die Verantwortlichen bei HONDA mehr Wert auf LED-Rückleuchten als auf eine raumfahrtgerechte  Lichtanlage an der Front.

An die Front gehört kein H4 mehr!

An der mit einer silbernen Spange veredelten Front des Hybriden leuchten, wie im Basis-Modell für unter 13.000€, noch immer H4-Scheinwerfer den Weg durch den Raum.  „Bitte, liebe Auto-Ingenieure – verabschiedet Euch endlich von dieser Technik aus dem vergangenen Jahrhundert!“  Auch wenn die H4 Leuchte im gleichen Jahrzehnt zur Welt kam, in der auch die erste Mondlandung stattfand. Heute ist H4 keine adäquate Lichtquelle mehr!

Umso unverständlicher, als ein kaum teurerer HONDA Insight mit Xenon auf die Fahrt durch Raum & Zeit geschickt wird.

Wer nicht ständig die Strecke von der Erde zum Mond zurück legen muss und anstelle von Satelliten in den Weltall  seine Kinder in die Schule und die Einkäufe nach Hause bringt, der kann mit dem HONDA Jazz in seiner Hybrid Variante einen modernen Mini-Van fahren, der vor allem im Bezug auf seine praktischen Fähigkeiten wie von einem anderen Kleinwagen-Stern scheint.

 

Mondlandefähre beim letzten Tankcheck
Mondlandefähre beim letzten Tankcheck

Günstig ist das Vergnügen Mild-Hybrid im Alltags-Shuttle jedoch nicht – mit 104 Gramm CO2 je KM aber ganz sicher eine saubere Lösung!

 

Technische Daten und Kosten:

HONDA JAZZ Hybrid

Motortyp:

Vierzylinder-Reihenmotor, 8 Ventile über eine
 obenliegende Nockenwelle gesteuert (SOHC),
 Leichmetall-Motorblock und -Zylinderkopf,
 sequentielle Doppelzündung (i-DSI), variable
 Ventilsteuerung (i-VTEC)

Hubraum:

1339 cm³

max. Leistung bei min-1:

65 kW (88 PS) / 5800 Umin

max. Drehmoment bei min-1:

121 Nm / 4.500 Umin

Antriebsart, serienmäßig:

Frontantrieb

Antriebsart, optional:

Getriebeart, serienmäßig:

Stufenloses Automatikgetriebe CVT

Elektromotor:

78 Nm bei 1.000 Umdrehungen

10kW / 14 PS bei 1.500 Umdrehungen

Leergewicht:

1234 kg

maximale Zuladung:

366 kg

Beschleunigung 0–100 km/h:

12,1 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit:

175 km/h

Kraftstoffverbrauch

auf 100 km (kombiniert):

4,5l Super 95Oktan

CO2-Emission, kombiniert:

104g/km

Testverbrauch:

min.: 5,2l

max.: 8,9l

Schnitt.: 6.1l

Unterhaltskosten im

Detail:

206 € p.Monat

Versicherung: 56€

Verbrauch: 119€

KFZ-Steuer: 2€

Wartung: 29€

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger