FIAT 500 TwinAir

Ich habe mich ja schon an vieles gewöhnt – dass man bei Kleinwagen nur noch mit Dreizylindern auskommen muss, zum Beispiel. Und natürlich mit dem einhergehenden Lärm und dem mangelnden Rundlauf. Röpptöpptöpp – der Klang von Dreizylindern ist mehr als nur gewöhnungsbedürftig. Aber gerade als ich damit zurecht kam, kommt der italienische Automobilhersteller FIAT mit einer Lösung um die Ecke, die sogar auf den Zylinder Nummer Drei verzichtet. Jetzt also nur noch so viele Zylinder wie ein durchschnittliches Motorrad. Ob das gut geht? Klärung verspricht der Fahrbericht.

FIAT 500 TwinAir im Fahrbericht

Retro nennt man diese Art von Modellen, die einen Bezug zu einem Vorgänger finden sollen. MINI hat es getan, Volkswagen hat es mit dem Beetle getan und tut es im Prinzip mit dem Golf immer wieder und eben auch FIAT. Die automobile Historie der Turiner erlaubt durchaus die Wiederauflage von kultigen Automobilen. Im Falle des putzigen Fiat 500 fällt allerdings schnell auf: Groß ist er geworden.

Style in Mailands Straßen

Kindchengesicht und runder Buckel; damit wäre das Grunddesign des Fiat 500 beschrieben. Besonders nett finde ich die Hommage an den Ur-500er in Form des leicht gewölbten Motorhaubenabschlusses. Der Testling kann mit Winterreifen auf den schwarzen 16-Zoll-Felgen vorbei und Dank seiner eher ungewöhnlichen Winterreifengröße im 45er Querschnitt wirkte der im kräftigen „Passione Rot“ lackierte 500 beinah sportlich zackig.

FIAT 500 Twinair Seitenansicht

Blue&Me und eco:Drive

Das Ziel ist klar, es soll CO2 eingespart werden. FIAT geht hier einen interessanten Weg, den ich mir persönlich bei mehr Herstellern wünschen würde. In der Mittelkonsole zwischen den beiden Sitzen befindet sich eine USB-Buchse. Mit einem zuvor am eigenen PC vorbereiteten USB-Stick lassen sich darüber dann die eigenen Fahrgewohnheiten und der persönliche Fahrstil analysieren. „eco:Drive“ nennt sich dieser Teil der Blue&Me Ausstattung. FIAT geht damit einen extrem modernen Weg und ich stehe auf die grafische Umsetzung der gesamten Idee, sobald man seinen USB-Stick aus dem Auto holt und dann am PC ausliest. FIAT schafft hier eine eigene „eco:Drive“-Community.

Blue&Me ist auch zugleich das FIAT-Synonym für mobile Kommunikation im Auto. Ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen, kann man das via Bluetooth verbundene Smartphone bedienen und die eigene Lieblingsmusik anhören. Zugleich ist Blue&Me auch die mobile Navigation. Zusammen mit dem Navigationspartner „TomTom“ können FIAT Blue&Me-Fahrer das Navigationssystem in ihrem Fahrzeug bedienen. Weniger überzeugend in diesem Zusammenhang: die Integration des externen TomTom-Navigerätes in den FIAT 500. Grundsätzlich gut gedacht, ist die Ausführung mit dem modularen Haltesystem ein wenig ungeschickt umgesetzt. Es wackelt und knarzt und bewegt sich in seiner Halterung leider zu viel!

FIAT 500 Twinair Cockpit

TwinAir mit Bums

Ob zwei Zylinder nicht zwei zu wenig sind? Ich wollte den 500er bewusst wegen genau dieses Motors fahren. Zwei Zylinder – so dachte ich mir das – da lacht ja die Mofa-Gang an der Bushaltestelle bei uns im Ort. Aber – viel Zeit bleibt ihnen nicht. Zornig hämmernd stürmt der Doppelwopper aus der Ortschaft hinaus. Doch zuvor gilt es das Turboloch zu überwinden und sich vom holprigen Rundlauf nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Dieser putzige Zweizylinder-Motor mit nur 875 Kubikzentimeter leistet Dank eines Turboladers beeindruckende 85 PS mit eindrücklichen 145 Nm Drehmoment. Hat man sich an den frotzelnden Sound des Zweizylinders gewöhnt, animiert seine frecher Klang zu häufigen Beschleunigungsmanövern. Zu verlockend ist die Lust am Drehmoment zwischen 2.000 und 4.000 Umdrehungen. Allerdings – hier setzt die Kritik bereits ein – ist das wirklich nutzbare Drehzahlband extrem übersichtlich. Zwischen 1.800 und 5.200 spielt die Musik – das erinnert ein wenig an Turbodieselmotoren und nicht an Benziner.

FIAT 500 Twinair Motorbild

Sparen für Katholiken

Wer mit dem TwinAir Fiat 500 die fabelhaften Normverbrauchswerte von 4,1 Litern erreichen will, der muss nicht nur den „Eco“-Knopf drücken, er sollte auch einen fortgeschrittenen Kurs der katholischen Kirche in Sachen „Selbstkasteiung“ belegt haben. Zu verlockend der bratzelnde Klang des TwinAir, zu unterhaltsam die Drehoment-Hügel des kleinen Zweizylinders. Als Atheist habe ich 6.2 Liter auf 100 Kilometer im Schnitt geschafft und „ich glaube“, da geht kaum weniger – will man sich nicht den Spaß am quirligen Fiat 500 verderben.

FIAT 500 Grinsegesicht

Fahrwerksfreuden für die Via Roma

Der 3.5 Meter lange 500er stand für die Testfahrt auf knackigen 195er Winterreifen meines Blog-Partners Pirelli. Mit dem 45er Reifen-Querschnitt und den schwarz lackierten 16-Zoll-Felgen wirkte der rote Ialiener auch für einen Mann wie mich auf den ersten Blick adrett und verführerisch.

Während ich die Lenkung in der Stadt als zu leicht empfand – andere werden es lieben – störte mich bei Fahrten über Landstraßen die ungenaue Rückmeldung um die Mittellage. Umso agiler wirkte der freche Italiener in der Stadt. Da gehört er hin. Carven zwischen den Fahrspuren, um die engen Ecken einer großen Stadt wedeln und dabei immer die Unschuld vom Lande mimen.

FIAT 500 Stadtflitzer aus Italien Twinair Modell

Fazit:

Der FIAT 500 ist ein kleiner Freund für den Alltag im Getümmel eine großen Stadt.

 

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger