Die neue E-Klasse – Ein Blog-Artikel

Die neue E-Klasse – Ein Blog-Artikel

Die Zeiten ändern sich. Als ich vor 8 Jahren mit dem „bloggen“ begann, wusste ich nicht wohin es führen wird. Als ich 2011 mein-auto-blog startete, wusste ich auch nicht wohin es führen wird. 2016 ist „bloggen“ bei den einen zum Alltag geworden, bei anderen ist „bloggen“ noch immer eine ansteckende Krankheit die man am besten in Quarantäne steckt. Ein Hersteller der mit dem Thema „Blog“ umgehen kann, ist Mercedes-Benz. Was früher die klassische Medienarbeit war, wird in einem Konzern wie Mercedes-Benz plötzlich zu einem „Multi-Channel-Cross-Media-What-ever-goes-around-24h-Business“. Aber man geht damit um. Man könnte die Medienarbeit der Stuttgarter Sternen-Buben vergleichen mit dem Wandel der E-Klasse. Womit ich dann zum Thema komme. Aber nur langsam – nannte man uns doch früher auch gerne mal „Zeitdiebe“, weil wir so um den Brei herum tippen.

Auf mein-auto-blog habe ich den Wandel des „klassischen Blogs“ hin zu einem Online-Magazin wohl ganz gut hinbekommen – dieser Artikel, heute Nacht geschrieben, mitten in Lissabon, soll aber wieder erinnern, so ein wenig, an die Zeit des „Bloggens“ – damals. Schnell und dreckig. Und ohne Lektorat.

Mercedes-Benz – Wenn der Wandel zum Alltag wird: Die neue E-Klasse

Erste Testfahrt im neuen Mercedes E350d

Mit einer E-Klasse bin ich zum ersten Mal gefahren, da nannte man sie noch nicht so. Da war es noch der 200er, vornehmlich als D. Ein behäbiger Saugdiesel in der W123 Baureihe. Heute fahren diese Autos noch immer – vor allem als Taxis in Nordafrika. Das alleine hat vermutlich das Image der mittleren Limousinen-Baureihe bei Mercedes-Benz geformt. Haltbar, ein wenig behäbig, aber zuverlässig und immer mit einem Stern auf der Haube. 10 Generationen zählt man in Suttgart auf, so richtig E-Klasse wurde es jedoch erst mit der Baureihe W124 und der Modellpflege. E200 Diesel – von da an ebenso zu haben, wie ein E500 mit Achtzylinder und feisten Kotflügeln.

Alles Fahrbericht, oder was?

Es wird in den kommenden Tagen einen klassischen Fahrbericht zur neuen E-Klasse auf mein-auto-blog geben, in diesem ersten Blog-Artikel soll es jedoch primär um die soften Themen geben. Weniger die Fakten, mehr die Feelings. Wenig journalistisch, rein subjektiv. Wie ein Auto-Blogger angeblich so ist. Mal schauen ob ich das noch kann.

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Die neue E-Klasse #live

Am 9.3. um 10:00 werden wir auf dem Facebook-Kanal von mein-auto-blog zudem einen Livestream zur neuen E-Klasse, live aus Lissabon starten, wer Lust hat, schaltet ein.
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Erste Eindrücke von der neuen E-Klasse

„Das ist ja jetzt wie bei Audi“ – so die ersten Stimmen im Netz zur neuen E-Klasse. Was natürlich Bullshit ist. Denn das Design bei Mercedes-Benz wurde jetzt gerade erst einmal durch die ganze Familie gepeitscht, jetzt erst stehen die Modelle (Ausnahme die G-Klasse) beisammen und tragen einen Familiengesicht. Bei den Ingolstädtern scheint sich hingegen eine Jahrzehntelange Schockstarre erst mit dem Paukenschlag-Abgang von Piech zu lösen. Wir werden also noch zwei bis drei Jahre warten müssen, bis wir ein Urteil über die „Langeweile“ beim Design der Stuttgarter fällen können. Mir persönlich gefällt die E-Klasse sehr gut. Die S-Klasse ist gigantisch, bei der C-Klasse störte mich der kurze Radstand, hier und jetzt, bei der E-Klasse passt der Radstand wieder perfekt zu den Proportionen.

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Technik-Angriff auf breiter Front

Über das Design lässt sich weiter streiten. Kann man mögen, muss man nicht. Spannend wird es jedoch bei den Technik-Details. Mercedes-Benz hat mit der neuen E-Klasse ein völlig neues Setup an Assistenzsystemen und den zugrunde legenden Hardware-Bausteinen aufgelegt. Während man die Hardware nicht sieht, machen sich die neuen Assistenten sofort nützlich. Ein Autopilot-Funktion wie bei TESLA gibt es nun auch bei den Stuttgartern. Nur mit mehr Netz und einem doppelten Boden.

Während man sich bei TESLA auf die Algorithmen verlässt, fährt Mercedes-Benz die Technik-Armada auf. Radar hier, Radar da. Stereo-Kameras und Sensoren, einmal rund um das Auto herum. Das Ergebnis? Die entschleunigte Autobahnfahrt, mit Stressfaktor Null.

„Wie war das Tempo hier“ Eine Frage die man sich in der Zukunft schenken kann. Mercedes-Benz packt einen intelligenten Tempomaten in die E-Klasse. Er weiß nicht nur alles, was er nicht weiß, sieht er auch noch. Er erkennt die Tempolimits und reguliert im Tempomaten die Geschwindigkeit auf die erlaubte Höchstgrenze ein.

Das man sich das alles als Fahrer anschauen kann, als wäre man im Kino, liegt an den beiden 12.3 Zoll großen Full-HD Displays im Cockpit. Auch hier – der Quantensprung der Stuttgarter. Okay, noch immer keine Touchscreens, aber, ein Touchpad in der Mittelkonsole und ein Dreh-  und Drücksteller der einwandfrei funktioniert. Dazu eine Sprachsteuerung die auch bei vielen Dialekten abseits der schwäbischen Alb nicht kapituliert.

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E wie: Es geht einfach

Das größte Angebot an Assistenzsystemen ever. Eine fast schon als Autopilot nutzbare Unterstützung für die lange Autobahnfahrt. Ein Scheinwerfersystem an der Front, mit 84 einzeln steuerbaren LEDs. Im Innenraum gibt auf Wunsch, und für harte Währung, ein Burmester-Soundanlage den Insassen so richtig was auf die Ohren. Verwöhnsitze und die gelungenste Fahrwerksabstimmung seit man Luftfahrwerke als Option ordern kann – die E-Klasse macht alles richtig. Und sie macht es einem einfach.

Es bleibt beim „Taxi-Gefühl“. Einsteigen, Knopf drücken, los fahren. Natürlich kann man sich mit den ganzen Gimmicks anfreunden. Man kann sich stundenlang durch die Menüs des Bordcomputers zappen, kann aus dreihundert (??) Farben die Ambientebeleuchtung der eigenen Stimmung anpassen. Aber man muss es nicht.

Man kann auch einfach das solide Handwerk nutzen. Die Verarbeitung loben. Den Gangwählhebel auf D stellen und losrollen. 9-Gänge, ab Werk, in allen ab Start verfügbaren E-Klassen? Wer muss das wissen, wenn er doch vom Schaltvorgang eh kaum noch etwas mitbekommt?

Bei aller Veränderung, eines beruhigt an dieser ersten Ausfahrt: Steht man an der Ampel und der Motor hat sich nicht in den Start-Stopp-Modus verabschiedet, dann hört man ihn leise das alte Lied der E-Klasse Taxen nageln. Weit entfernt. Kaum mehr verknüpfbar mit den haptischen Empfindungen, aber es ist noch da. Irgendwo da vorne nagelt er noch. Der klassische Diesel.

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Natürlich ein Diesel

Auch im Jahr 1 nach Dieselgate ist der Dieselmotor für die E-Klasse das Stil bildende Element. Wäre das Summen der Taxifahrer-Hymne verstummt, es wäre ein Stilbruch wie ein fehlender Stern auf der Motorhaube. Damit es noch lange brummt, das Taxi-Herz, hat Mercedes-Benz erst viel Geld in eine neue Motorengeneration gesteckt.

Doch davon später mehr.

Denn in diesem Augenblick fällt die Sperrfrist für die Berichterstattung. Und als „Blogger“ will man den arrivierten nicht nachstehen, wenn gleich es dieses Mal mit einem „Blog“ aus Lissabon gut sein muss.

Den klassischen Fahrbericht wird es jedoch auch auf mein-auto-blog geben, wie auch die Erkenntnis, dass man bei Mercedes-Benz zwar beides noch hat: Den summenden Diesel und den Stern auf der Haube – aber mittlerweile die Alternativen an Attraktivität gewinnen. Avantgarde, AMG und Plug-IN Hybride … der Wandel wird zum Alltag.

 

Mehr zur neuen E-Klasse? Jens hat sich auch den E350d vorgenommen. Mit mehr Details. Hier klicken … 

 

 

 

 

 

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

Eine neue Welt – Mercedes-Benz X-Klasse

Entdecker leben mit der Überraschung

Mit dem ersten Pick-Up, der einen Stern am Kühlergrill trägt, betreten die Stuttgarter endgültig ein völlig neues Segment. Nachdem man dem Coupé vier Türen gab, den SUVs die Coupé-Form und das auch alles durch alle Fahrzeugklassen durchmischte, ist nun das Pick-Up Segment an der Reihe. Willkommen bei der X-Klasse.

Mercedes-Benz ist stolz auf den ersten Pick-Up mit Stern. Sehr stolz. Und weil der deutsche Autojournalist mit dem Segment an sich nicht ganz soviel anfangen kann, hat man mit uns eine Reise unternommen. Dorthin, wo die Pick-Ups zu Hause sind. Weltpremiere in Süd-Afrika, die ersten Testfahrten nun in Süd-Amerika. Das klingt nach einem Abenteuer, nicht nur für Mercedes, auch für uns.

Dabei ist der erste Aufschlag, ja, es ist der erste Pick-Up der Stuttgarter, auch wenn man bei jedem passenden X-Klasse Termin gerne einen Mercedes Strich-Acht der Siebziger zeigt. Der wiederum nur in kleiner Dosis und nur in Argentinien produziert wurde. Es ist also „de facto“ der erste Pick-Up mit Stern und dennoch wirkt er so vertraut. Das ist ein Verdienst der Designer bei Mercedes-Benz, die eben auch einem Pick-Up ein Blechkleid überstülpen, das keine Zweifel an der Familienzugehörigkeit zulässt.

Hat hier jemand Nissan gesagt?
Als die Strategen von Mercedes-Benz erkannten, die Welt lebt nicht nur von Shooting-Brakes und SUVs, suchte man auch beim Kooperationspartner Nissan/Renault nach einer möglichen Plattform. Will man das Segment des Pick-Ups ernsthaft mit einem frischen Angebot beglücken und dabei ebenso ernst genommen werden, muss ein Leiterrahmen her. Ein simpler Schnitt durch das Karosseriekleid eines GLE oder GLS schied demnach aus. Sollten doch auch 1.1 Tonnen Nutzlast ermöglicht werden. Und noch bevor man bei Nissan den Navara fertig gestellt hatte, klinkten sich die Stuttgarter in das Projekt ein. Von einem puren Badge-Engineering musste man sich distanzieren, wie sonst sollte man dem Kunden gegenüber die Positionierung und das schwäbische Selbstverständnis in Euro darstellen? War der CITAN noch ein Schnellschuss, so sollte die X-Klasse mehr Daimler als Nissan werden. Schwierig, wenn man bedenkt, was man für den Start der X-Klasse nun alles vom Kooperationspartner übernimmt.

Mercedes-Benz hat und das darf man anerkennen, der X-Klasse ein eindeutiges Mercedes-Familiengesicht verpasst und auch bei den Seitenblechen nur wenig übernommen. Natürlich bleibt, gerade in der Seitenlinie, ein Navara sichtbar – was vor allem daran liegt, dass dieser deutlich früher am Markt war. So ist die Nummer zwei immer dem Eindruck unterlegen, eine Kopie zu sein. Während man zum Start nun zwei Diesel-Varianten, ein manuelles (6-Gänge) und ein automatisches Getriebe (7-Gänge) anbietet, die vollständig vom Kooperationspartner kommen – so wird die Ende 2018 kommende Top-Variante einen V6-Diesel aus Stuttgart unter der Haube tragen und den Antriebsstrang mit einem 7-Gang Automaten von Daimler vervollständigen. Dabei bleiben Lenkung und Achsgetriebe Teile vom Kooperationspartner, ebenso wie die Hinterachse und das  optional erhältliche, sperrbare Differential. Einzig das Verteiler-Differential mit einer 40 zu 60-Verteilung wird der 350d aus eigenem Hause erhalten.

Während der Auto-Journalist, geprägt vom täglichen Umgang mit unterschiedlichen Automobil-Marken, beim Einstieg in die X-Klasse sofort Schalter, Taster und andere Baugruppen als „Nicht-Daimler’isch“ identifiziert, stellt sich wieder einmal die Frage; „Welche Rolle spielt dies für den Autokäufer?“ Ist ein Renault-Diesel aus einem Nissan-Pick-Up Truck, kombiniert mit der japanischen Aisin-Automatik, gleich so übel, dass man dies kritisieren muss? Ist es gar ein eindeutiges „No-Go“? Oder ist das eh nur ein Detail, das nur dem ewig meckernden und selbst ernannten Automobil-Experten auffällt? Es pochen für diese Antwort zwei Herzen in der Brust des Autors. Und es gibt vermutlich mehr als nur eine Antwort auf diese Frage.

Zeit für ein wenig Klarheit – das sollte sich doch alles klären, wenn man dafür einmal um die halbe Welt jettet, oder?

Der Mercedes unter den Pick-Up Trucks?

Es ist ein vollmundiges Versprechen und allen Eindrücken voraus geeilt sei der folgende Hinweis: Den Nissan Navara hat der Autor zuletzt vor mehr als 12 Monaten bewegt und der war damals schon eine echt positive Überraschung. Satt, solide, mit genug Druck für die Autobahn. (Immer mit Bezug zum 190 PS Diesel.) Was macht nun den Mercedes unter den Pick-Ups aus?
Zuerst einmal die mächtige Präsenz auf der Straße. Mercedes-Benz hat zwar bewusst das Light Truck Segment gewählt und einen US-Markteintritt erst einmal nicht geplant – und dennoch steht die X-Klasse mit eindrucksvoller Gestalt auf der Straße. Allerdings sind zufällig im Stadtverkehr von Santiago de Chile vorbeifahrende Ford F-150 dann doch einfach noch einmal eine Nummer größer. Um den Mercedes-Look zu bekommen, also die Wahrnehmung so zu gestalten, dass man nicht im Allerlei der 1-Tonnen Trucks untergeht, hat das Design-Team vom Mercedes-Benz die Nissan-Grenzen sprengen dürfen. Eine bis zu 6 Zentimeter breitere Spur ist nicht nur auf der Straße und im Fahrverhalten nützlich, sie lässt auch im Erscheinungsbild einfach ein Plus an Wahrnehmung zu. Und auch wenn man es schlicht nicht erkennen kann, so sind doch viele Baugruppen im Bereich der Achsen neu konstruiert. Die breitere Hinterachse sieht in der Kinematik aus wie die von Nissan und ist dennoch anders. Einmal neu berechnet, verbreitert, neu abgestimmt und damit für mehr Dynamik ausgelegt worden. (Spurbreite ist wie Hubraum, irgendwann macht es zwar keinen Sinn mehr, aber es hilft ;))

Mit dem (ich spare mir an dieser Stelle den erneuten Hinweis auf die Herkunft) 2.3 Liter Dieselmotor hält sich die Fahrdynamik noch in Grenzen. Mehr als ausreichend. Druckvoll. Überzeugend. Alltagsgerecht. Doch die erste „Mitfahrt“ im 258 PS starken V6-Diesel demonstriert dann verständlicher, worauf es den Mercedes-Mannen ankam. Die beiden 2.3 Liter Dieselmotoren sind vom Kooperationspartner (Mist, jetzt habe ich es doch wieder geschrieben) und leisten als X220d 163 PS oder als X250d mit Bi-Turbo-Aufladung 190 PS. Nein, beide Triebwerke sind nicht übel – aber eben keine Mercedes-Triebwerke! Das muss festgehalten sein. Immer und immer wieder.

Power, die Mercedes-Sprache
Es sollte die Power-Ausstattung sein. Denn nicht nur beim kommenden Top-Diesel steht dann am ehesten Mercedes in deutlichen Lettern auf der X-Klasse, auch bei den Ausstattungslinien wählt der erwartungshungrige Sternkunde am sinnvollsten direkt die höchste Ausstattungslinie. Während die ebenso angebotenen Pure und Progressive-Varianten den geneigten PKW-Automobil-Journalisten aufgrund ihrer simplen Materialanmutung ein wenig ratlos wirken lassen, darf die Power-Version mit beledertem Armaturenträger die Kastanien der hohen Erwartung aus dem Feuer der kritischen Journalisten-Sicht holen. Die PURE-Variante spielt die Rolle des Arbeitspferdes. Dann allerdings ist der Preisunterschied zum Marktbegleiter und Kooperationspartner – so als Arbeitswerkzeug – eben nicht mehr unerheblich im Kaufprozess. Aber, wer schon CITAN und Sprinter beim örtlichen Mercedes-Händler wählt, der kann nun eben auch einen Pick-Up ordern und diesen als klassischen Arbeiter begreifen und dem Finanzamt gegenüber argumentieren.

Es ist ein sehr anstrengender Spagat, den man mit der X-Klasse leisten will. Denn natürlich wirft das Marketing sofort auch den Begriff des „Lifestyle-Pick Up’s“ in das große Rennen um die Käufergunst. Also – Pure für den ernsthaften Arbeitseinsatz, Progressive, wenn man sich nicht entscheiden kann und Power für den, der den Mercedes-Benz unter den Midsize-Pick-Ups sucht und am Ende doch mehr den privaten Spaß bei den Pick-Ups sucht.

LED-Scheinwerfer, Rückfahrkamera oder auch gleich eine 360°-Kamera – alles ist möglich und damit auf dem Niveau von modernen PKWs.

Wichtig ist eine deutliche Einordnung des Fahrverhaltens: Mercedes hat eine mehr als überzeugende Abstimmung auf die Straße gestellt. Alles, was man verändert hat, darunter auch die Schall-Isolierung zwischen Fahrgastzelle und Motorraum, gezielte Verstärkungen in der Blech-Struktur, ein neu gedämmter Kardantunnel, spezielle Dichtungselemente und auch die Wahl des richtigen Reifens führen zu einem überzeugenden Fahrkomfort auf einem beeindruckenden geringen Geräuschniveau. Bei der hydraulischen Lenkung des Kooperationspartners bleiben kaum Parameter zur Optimierung, aber wenn eine breitere Spur, eine neue Kinematik und angepasste Feder-Dämpferelemente für eine Veränderung sorgen sollten, so ist es primär der spürbare Fahrkomfort. Den spürt der Beifahrer sogar noch einmal deutlich. Bei geschlossenen Augen ist die X-Klasse in allen Komfortbelangen den großen SUVs aus eigenem Hause fast ebenbürtig. Vor allem beim Abrollkomfort. Dass die X-Klasse zudem bei der Geräuschdämmung und der Verarbeitung keine Fehler macht, führt im Ergebnis zu einem extrem komfortablen Reisebegleiter. Und das ganz ohne 1.1 Tonnen Nutzlast auf die Pritsche zu packen. Da sind andere Pick-Ups tatsächlich deutlich hemdsärmeliger zu fahren. Allerdings sind die für den deutschen Markt ausgerichteten Pick-Ups auch mit einer anderen Feder-Dämpferabstimmung ausgerüstet und besitzen 20.2 Zentimeter Bodenfreiheit, wohingegen in Märkten, in denen die X-Klasse viel mehr in Richtung Arbeitstier tendieren wird (nicht Europa), 2 Zentimeter mehr Bodenfreiheit und eine geänderte Abstimmung verbaut werden.

Vernetzt dich
Dass man einen Pick-Up durchaus auch in modern bekommt, demonstriert Mercedes-Benz dann bei den erhältlichen Features. Das gesamte Cockpit-Layout lehnt sich stark an der V-Klasse an und die hatte sich ja bereits deutlich an den Limousinen orientiert. Die Brücke zum PKW haben die Stuttgarter damit erfolgreich geschlagen. Zumindest im Innenraum fühlt sich nichts mehr nach „Workhorse“ an. Vom 8-Zoll Multimedia Display bis zum Touch-Controller und den PKW-typischen Instrumenten, die X-Klasse macht einen auf „alten Bekannten“. Dass sich die Form der Kopfstützen dabei am Kooperationspartner orientiert und auch die Sitzheizung an einem für Stuttgarter Verhältnisse ungewöhnlichen Ort sitzt? Wieder so ein Ding, das vor allem den geneigten Automobil-Journalisten auffällt. Die X-Klasse ist zugleich der erste „Light-Truck“, der die digitale Karte voll ausspielen will. Mit einer wie immer optional erhältlichen SIM-Karte steht die X-Klasse dann auch via Internet immer in Kontakt mit ihrem Fahrer. Dank Mercedes.me App lässt sich auch von der Couch aus der Kontakt zum Pick-Up halten und auch der nächste Service-Intervall ablesen.

Und Chile?
Wenig gesehen hat der Autor viel. Aus irgendeinem Grund hat man die geneigten Journalisten in die Kernmärkte der X-Klasse bringen wollen, doch eine Tour in das raue Leben in den Anden wollte man entweder uns oder der frischen X-Klasse nicht zumuten. So bleiben die Fahreindrücke von kurzen Schotter-Strecken, ein wenig Offroad-Parcours und vielen Landstraßen-Kilometern. Chile, das Land der Kondore, des Weins und der Gauchos. Hat man gelesen, im Reise-Führer. Aber es ging ja auch um die X-Klasse und am Ende nur um die Frage: Ist es ein Mercedes? Es ist vermutlich der Pick-Up, der dem Gedanken eines Mercedes, der Marken-Idee, dem Kern der Stuttgarter am nächsten kommt. Und er wird sich verkaufen. Einfach, weil es einen Markt dafür gibt. Eventuell nicht zwischen Stuttgart-Hauptbahnhof und Breuniger-Land, aber eben in all den Märkten, die wir als schlicht und simpel fokussierte Auto-Journalisten aus Deutschland gerne verdrängen.

Ja aber, wie fährt er sich denn nun?

Es mag frustrierend klingen, aber der 190 PS Diesel von Renault, die Nissan Siebenstufenautomatik und das von Mercedes-Benz überarbeitete Fahrwerks-Setup der X-Klasse arbeiten gnadenlos gut zusammen. Es fühlt sich so richtig an. Die Aisin-Automatik hält üblicherweise unaufgeregt die Gänge, schaltet ansonsten weich und zum richtigen Zeitpunkt und profitiert vom satten Drehmoment des 190 PS Turbodiesels. Dazu passend die Dämpfer-Abstimmung der X-Klasse. Nein, das X schaukelt nicht, und dennoch rumpelt auch nichts. Es ist ein funktionierendes Zusammenspiel zwischen Reifenflanken und der Starrachse mit der Multilenker-Aufhängung. Für die Gauchos, unterwegs in Chile, Architekten auf dem Weg zur nächsten Baustelle in der Stadtmitte von Sydney, Weinbauern in Südafrika und einfach für alle, die ein Zugfahrzeug (bis 3.5t) für ihre schweren Freizeit-Spielsachen brauchen – überall dort erfüllt die X-Klasse das Versprechen eines neuen Fahrzeug-Segments.

Und genau dort wird die X-Klasse punkten. Sie wird funktionieren.

Einfach, weil der Stern im Doppel-Lamellenkühlergrill genau diese Art von Prestige bringt, die man in diesem Segment bislang nicht fand. Zwischen Süd-Amerika, Süd-Afrika und Australien wird man mit dem schnellen Markteintritt, den eben diese Form der Kooperation ermöglicht, mehr punkten, als der Öl-Büffel beim Kriechen zwischen den Lieferanten-Baugruppen als Minuspunkte definiert. Dass man sich auf der Technik-Seite für den Start des Pick-Ups auf den Partner Renault-Nissan verlässt, spart nicht nur reichlich Pesetos, sondern, nach internen Aussagen der Mercedes-Experten, locker Entwicklungszeiten von gut 2 Jahren. Und damit will man genau das Momentum mitnehmen, das Markt-Experten für diese Fahrzeug-Gruppe identifiziert haben. Frei übersetzt: Wenn du das Segment schon nicht erfindest, dann verliere wenigstens keine Zeit, bis du am Markt bist. Für die Produktion der neuen X-Klasse nutzt man die Kapazitäten der Werke des Kooperationspartners. Die X-Klasse wird im Nissan-Werk in Barcelona gefertigt und ab 2019 auch in Argentinien.

Die X-Klasse startet in Deutschland ab 37.294 Euro (inkl. MwSt.). Die Markteinführung beginnt im November 2017 in Europa. Folgt neben dem Mercedes-V6 noch ein originärer Mercedes-Vierzylindermotor? Man sollte nie nie sagen und auch eine AMG-Line wird man vorbereiten. Und spätestens dann wird man sich fragen: Warum hat es eigentlich so lange gedauert, bis der erste Pick-Up mit Stern auf dem Markt kam?

 

 

SHELL übernimmt NewMotion

Es ist eine Schlagzeile die einschlägt. Zumindest bei mir. Mit der Übernahme des Ladesäulen-Netzwerkes „NewMotion“ setzt SHELL ein Zeichen mit Symbolkraft. Nur um das noch einmal deutlicher zu machen: Ein klassischer Mineral-Öl Konzern übernimmt einen Dienstleister für Elektroauto-Ladelösungen. NewMotion betreibt (n.Unternehmensangaben) mehr als 30.000 eigene Ladesäulen für Elektro-Fahrzeuge und bietet einen Zugang zu insgesamt über 50.000 Ladesäulen anderer Betreiber über das einbinden dieser in die eigene Abrechnungsstruktur. NewMotion hat derzeit über 100.000 Kunden.

Change is coming – Tausche ÖL gegen Strom

Der Öl-Konzern Shell demonstriert mit diesem Schritt, wie ernsthaft der Wandel der Antriebstechnologien derzeit wirklich Fahrt aufnimmt. Auch wenn es gefühlt noch immer homöopathische Dosen sind, die E-Autos beim Neuwagenkauf ausmachen, mittlerweile scheint man auch bei der Hardcore-Fraktion des Verbrenners an den Wandel zu glauben. Der Mineralölkonzern Shell demonstriert mit diesem Schritt eine beeindruckende Weitsicht. Sicher, Kritiker werden anmerken können, dass die Übernahme für SHELL eine maximal mindergroße Investition (Summen wurden bislang nicht genannt) ist und man daher kaum von einer Zeitenwende sprechen kann. Zudem könnte man natürlich als E-Auto-Fan die Angst haben, SHELL würde damit eventuell einfach nur Kontrolle über die Mitbewerber der Kraftstofftechniken gewinnen wollen und dann nach belieben bremsen können.

Doch der Schritt ist logisch.

Change is coming – Tausche Tankstelle gegen Dienstleistungszentrum

Längst sind Tankstellen mehr als nur Vertriebspunkte für Benzin. Brötchen, Kaffe, Post, Waschanlagen, Cafés und Paketshops. Das man an Tankstellen nicht nur Sprit für das eigene Auto kauft, geschenkt, doch unlängst hat man an Tankstelle teilweise ein größeres Sortiment an Brötchen, als der Bäcker im Nachbarort. Da erscheint es nur logisch, wenn Tankstellenbetreiber die Potentiale von „Ladewilligen“ Mobilisten beachten und eine Lounge für E-Auto Fahrer anbieten. Abrechnungsprobleme? Erledigt. Einsam in der Wallachei stehen und warten während das E-Auto lädt? Erledigt. Auto laden, eine Kleinigkeit einkaufen, einen Café trinken und die Rücksendungen an Amazon aufgeben? Wer das heute bereits an einer Tankstelle erledigt, der kann in naher Zukunft dabei auch sein E-Auto aufladen.

Tankstellen-Netze und Mobilität von morgen

Wenn die Mineralöl-Hersteller und großen Tankstellenketten schnell genug schalten, dann wird man sich von der Idee der aussterbenden Tanke verabschieden können. Ich sehe große und kleine „Lebensmittelpunkte“ des mobilen Menschen. Es ist genau die bereits angedeutete Mischung aus Lounge, Dienstleistungszentrum und Handelsplatz die wir in Zukunft als Tankstelle betiteln würden. Und Shell hat richtig gehandelt, der richtige Schritt – noch nicht zu spät – für viele vermutlich mehr als eine kleine Überraschung.

SHELL will NewMotion als eigenständiges Unternehmen weiter wachsen lassen und den Ausbau einer DC-Ladeinfrastruktur an Tankstellen der Marke Shell, BP und JET vorantreiben.

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