Jaguar-Allradstrategie – Alles für die Familie

Jaguar-Allradstrategie – Alles für die Familie

Prima, dass es dann doch noch regnet: Strahlender Sonnenschein und staubtrockene Straßen sind nämlich nicht das, was man braucht, um die neuesten Jaguar-Erzeugnisse auf den Spitzkehren des Gerlos-Passes zu fordern. Es geht schließlich um Kompetenz. Allrad-Kompetenz.

Die hat der typische Jaguar-Interessent in den vergangenen Jahrzehnten eher nicht mit der britischen Marke verbunden. Mal war es ausgeprägte Sportlichkeit, dann exaltierter Luxus, einige Jahre Massenware in besseren Kleidern – und erst nach dem Neustart 2009 hat Jaguar sich neu erfunden. Mit durchschlagendem Erfolg. Nur eben nicht überall dort, worauf die Kunden abfahren.

Gerade Frauen lieben es, in höher bauenden SUV geborgen zu fahren. Und jeder vierte Fahrer besserer Dienstwagen setzt bereits in der Premium-Mittelklasse auf die Kraft von vier angetriebenen Rädern – am liebsten mit Diesel. Eine Klasse drüber sind es sogar ein Drittel, wie die Jaguar-Vermarkter analysiert haben. Dumm nur, dass sie denen bisher nichts zu bieten hatten.

Bis jetzt: “Erstmals in seiner Geschichte hat Jaguar eine Modelpalette, die komplett mit Allrad zu haben ist”, wie die verantwortliche Ingenieurin Emma Penney sagt. Und mit dem F-Pace ist seit drei Wochen auch in Deutschland ein Mittelklasse-SUV erhältlich, dass die Sehnsüchte der besseren Familien erfüllen soll.

Könnte klappen, wie das Anfahren auf der leicht seifigen Straße beweist. Denn da rutscht einfach nichts. Satt zieht der F-Pace los. “Drehmoment ganz nach Bedarf”, heißt das dafür verantwortliche System übersetzt – es verteilt bei rutschigem Untergrund in 165 Millisekunden die normalen 100 Prozent Heckantrieb bis zur Hälfte an die Vorderachse. Der Fahrer merkt davon nur, dass alles läuft wie immer.

Solche Allradtechnik, im F-Pace ab 42.390 Euro zu haben, baut auf den Erfahrungsschatz der Jaguar-Schwester Land-Rover. Mit deren Entwicklern arbeiten die Jaguar-Kollegen bereits seit drei Jahren in einer Abteilung – und suchen dabei den speziellen Allrad-Weg für die Raubkatzenmarke. Schließlich sollen die neuen Kunden ja nicht von der eigenen Konzernmarke kommen.

Mit den ähnlich großen Range-Rover Evoque oder Land-Rover Discovery Sport hat der F-Pace denn auch strategisch wenig zu schaffen. Er soll im Revier von BMW X3, Mercedes GLC oder Audi Q5 wildern – das ist Pflicht.

Kür ist es, auch dem sportlichen X4 und dem Porsche Macan weh zu tun. Und da sieht Entwicklerin Penney nicht nur wegen des viel billigeren Einstiegspreises Chancen: “Der F-Pace ist 50 Prozent verwindungssteifer als der Macan – und hat eine 35 Prozent höhere Quersteifigkeit”, sagt sie. Dieser Vorteil der Voll-Alu-Karrosse ist auf der Straße durchaus zu spüren. Der F-Pace liegt sehr direkt, nicht zu hart, aber auch bei höheren Geschwindigkeiten äußerst präzise auf der Straße.

Wobei die Leistung des 180-PS-Diesel gepaart mit Allrad im schnittigen F-Pace genau wie in den Limousinen XE (ab 41.900 Euro) und XF (ab 47.660 Euro) nicht so sportlich ist, wie es die Form verheißt sowie Lenkung und Straßenlage ermöglicht. Die Fahrzeuge aus dem SUV-, Mittelklasse- und obere Mittelklasse-Segment sind souveräne Reisewagen mit Leistungsreserven; Agilitätswunder sind sie nicht. Wer es krachen lassen will, wird wohl eher Allrad mit dem Sechszylinder-Benziner (340 bis 380 PS) für XF und F-Pace wählen. Oder das SUV mit dem Dreiliter-Diesel (300 PS) und Allrad. Hierzulande wird das aber eine Minderheit sein.

Jaguars Strategie hinter den preiswerten Allrad-Dieseln ist es darum auch eher, eine wirkliche Alternative bei den Premium-Allradlern in den Volumensegmenten zu bieten. Und da stimmen neben den niedrigen Verbräuchen um die Fünf-Liter-Schwelle auch die inneren Werte. Im F-Pace etwa sitzt es sich deutlich luftiger als in den deutschen Konkurrenten. Und schnell fühlt sich der Fahrer heimisch in den logischen Bedienkonzepten – alles sitzt, wo der Kunde es erwartet.

Überhaupt überzeugt die Raumnutzung – auch auf der verstellbaren Rückbank. Dahinter liegen noch mal 650 Liter Kofferraum – und maximal sind es sogar 1.740 Liter, mehr als im größeren X5. Auch bei der Raumaufteilung haben sich die Jaguar-Mannen sicher von den Erfahrungen der Land-Rover-Kollegen mit dem Discovery-Sport inspirieren lassen.

Die sehr umfangreiche Assistenz- und Sicherheitstechnik ist wie das Multimedia-System mit seinem 12,3 Zoll großes Display ebenfalls konzernweit im Einsatz. Navi und Co. überzeugen mit schneller Reaktion und den Verbindungsmöglichkeiten zum Smartphone. Weniger gediegen sind lediglich Materialien etwa in den Türtafeln, an den Lautsprechern oder Sitzwangen. Premium ist da nur die Verarbeitung.

Bislang 1.000 deutsche Kunden hat diese Berührung mit dem Hartplastik nicht zu negativ berührt: Sie haben den F-Pace bereits gekauft, ohne ihn je gefahren zu sein. Bei den Limousinen XE und XF will Jaguar solche Begeisterung aus dem Stand nun nutzen, um auch hier mehr Allrad-Autos abzusetzen.

(Peter Weißenberg/SP-X)

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Jaguar XE 25d – Darf es etwas weniger sein?

Jaguar macht seit einiger Zeit vieles richtig – eine subjektive Meinung, zugegeben. Doch die Modelle sehen ausnahmslos gut aus, legen eine Performance an den Tag, die sich nicht zu verstecken braucht und sind dabei in preislich attraktiven Regionen angesiedelt. Natürlich ist ein Jaguar kein Schnäppchen, doch im Bereich der Premium-Konkurrenz anzutreffen. Da macht der Jaguar XE keine Ausnahme. Die Mittelklasselimousine bekam jüngst einen neuen Diesel-Motor mit mächtig Dampf spendiert, den wir unter die Lupe genommen haben.

Erst der Brexit und jetzt die nächste Schock-Nachricht: 2040 ist Schluss! Womit? Großbritannien möchte Verbrennungsmotoren verbieten. Und das jetzt, da die britische Traditionsmarke gerade den Jaguar XE 25d mit neuem Ingenium-Dieselmotor vorgestellt hat. Zwei Fragen kommen dabei auf: 1. Was kommt als dritte Pandora-Botschaft? Allerlei „guten“ Dinge sind schließlich drei. Und 2.: Wann rudern die Briten zurück? Immerhin scheinen Bevölkerung und Regierung aufgewacht zu sein, dass die Idee des EU-Austritts keine allzu gute Idee war. Aber wir bewegen uns in falschen Gefilden, geht es schließlich um den Mittelklasse-Selbstzünder Jaguar XE 25d – politische Entscheidungen hin oder her.

Aktuell „politisch korrekt“ mit Harnstoff-Einspritzung. Der 25d erfüllt die Euro 6 Norm ohne Probleme.

Design – Mode kann man kaufen…

…Stil muss man haben! Und den hat der Jaguar XE zweifellos! Es ist erstaunlich, wie es einem die Mundwinkel immer wieder leicht nach oben zieht und der Kopf dabei anerkennend nickt: Das Raubkätzchen ist gelungen. Dabei ist die Formulierung „Kätzchen“ bewusst gewählt, handelt es sich beim Jaguar XE um das Einstiegsmodell, das in der Mittelklasse angesiedelt ist. Sportlich kompakt duckt sich der Brite auf die Straße und schaut mit seinen grimmigen Augen ganz übel gelaunt auf verstopfte Straßen. Sein Grill ist dabei grob vergittert, trägt schwarz und macht damit auf bösen Rocker anstatt auf Soft-Popper. Alice Cooper anstatt Ed Sheeran. Sorry, Ed, der musste sein…

Das Blechkleid des Jaguar XE 25d sitzt wie ein maßgeschneiderter Anzug.

Der Jaguar XE wirkt aus jedem Blickwinkel wie ein gespannter Muskel: Stramme Linien, wohin man auch schaut. So etwa die harte Sicke, die sich vom Scheinwerfer am Bug bis hin zur Heckleuchte zieht. Der britische Mittelklässler wirkt wie der durchtrainierte Daniel Craig im Skinny Fit Anzug. Zudem verbindet wohl keine Marke so viel Understatement mit gleichzeitig unnachahmlicher Eleganz und Mode. Nehmen wir einmal die Farbwahl: Silber, wie langweilig. Gähn! Doch Moment: Zusammen mit den trefflichen Proportionen und schwarzen Stilelementen, wie etwa den Leichtmetallfelgen oder der schwarzen Fensterumrandung, ergibt sich ein stimmiges Bild. Man fällt nicht sofort auf, macht aber ein gutes Bild – very charming.

Am Heck hingegen verließ die Briten ein wenig der eigene Stil. Zwar gefällt die Coupé-haft abfallende Dachlinie ebenso wie die Spoilerlippe auf dem kurzen Kofferraumdeckel. Doch wirkt das Heck gerade durch die Rückleuchten etwas markenfremd und erinnert an einen bayerischen Erfolgshersteller mit Dieselprob… ähm, Sie wissen schon. Über die weit innen stehenden Auspuffrohre kann man aus optischen Gesichtspunkten ebenfalls streiten.

Am Heck des Briten ließe sich der britische Stil ausweiten.

Innenraum – Der Jaguar XE sieht nicht nur nach Skinny Fit aus…

… er ist es auch. Wobei man differenzieren muss. In Sitzreihe eins geht es sportlich eng, aber nicht ungemütlich zu. Hier findet man schnell eine angenehme Sitzposition auf den gut unterstützenden Sitzen. Einmal alles auf den Fahrer angepasst, kann man den Blick über die Loft-artige Innenraum-Architektur schweifen lassen. Das kühle, aber sehr noble Ambiente weckt große Begehrlichkeiten. So blickt man etwa auf virtuelle TFT-Kombiinstrumente mit 12,3 Zoll Größe. Sie sind sogar größer als das 10,2 Zoll messende Infotainment des Briten.

Jenes bietet übrigens einen besonderen Clou – eingeschaltete Funktion vorausgesetzt. Fahrer und Beifahrer können aus ihrem jeweiligen Blickwinkel ein unterschiedliches Bild auf dem Touchscreen sehen. Während der Gefahrene also einen Film schaut, konzentriert sich der Fahrer auf die Straße und die Navigation – clever.

Ein Innenraum, der an treffsicherem Stil kaum zu überbieten ist.

Mehr Passagiere – also neben dem Beifahrer – sind im Jaguar XE zwar zugelassen, finden aber nicht so richtig Platz. Der Brite bietet sich eher als 2+2-Sitzer an, gerade, wenn der Fahrer ein durchschnittliches Maß übersteigt und den Sitz weit nach hinten schieben muss. Zudem ist die Kopffreiheit im Fond durch die abfallende Dachlinie limitiert. Merke: Die beiden Fond-Türen können gerne als sinnvolle Pforten zu einem zusätzlichen Gepäckabteil genutzt werden. Nützlich, da der Kofferraum mit 455 Litern nicht besonders groß ausfällt. Bei umgeklappten Sitzen sind es bis zu 830 Liter.

Fahreindrücke – Manchmal ist weniger mehr…

…manchmal aber auch nicht. Wir sprechen also endlich vom neuen Top-Diesel, dem 25d, dem neuen Ingenium-Diesel. Lassen wir also die Diskussion um das Für und Wider der Selbstzünder die Politik entscheiden – mitreden können wir als Otto-Normalos ohnehin wenig bis gar nicht. Fakt ist, dass die Briten beim Jaguar XE 25d auf einen schweren Sechszylinder verzichten, obwohl ein solches Aggregat im Portfolio wäre (F-Pace, XF, etc.). Die Vorteile liegen auf der Hand: Weniger Gewicht auf der Vorderachse verringert die Untersteuerneigung und Kopflastigkeit.

So weit, so gut. Auf dem Papier passen auch die Fahrleistungen: Auf 100 km/h geht es in 6,1 Sekunden – Allradantrieb sei Dank. Die 240 PS und 500 Nm ab 1.500 Umdrehungen schieben satt an und lassen den Jaguar XE mit maximal 250 Sachen über die Autobahn schießen. Was der Mittelklasse-Limousine aber etwas abgeht, ist die Souveränität, die ein Sechszylinder-Diesel mit beispielsweise 3.0 Litern Hubraum bietet. Es mag vermessen klingen, gerade da die Fahrleistungen eine klare Sprache sprechen, doch es wirkt ein wenig so, als würde dem Jaguar XE 25d etwas fehlen. Vielleicht muss sich aber auch nur die Einstellung des Autors dieser Zeilen ändern?

Der Jaguar XE 25d ist dynamisch, ohne anzustrengen.

Wie dem auch sei: Der Jaguar gefällt beim Fahren. Es beginnt allein schon beim Anlassen des Motors. Man zündet und das Wahlrad der Automatik summt leise empor – sehr stilsicher! Stilsicher lässt sich der Mittelklasse-Jag auch bewegen. Seine Feder-Dämpfer-Abstimmung gelang satt, dynamisch angehaucht, aber keineswegs hart oder straff. Mit ihm kann man problemlos 1.000 km zurücklegen, ohne über Rückenschmerzen klagen zu müssen. Die Lenkung ist dabei gut zu dosieren, könnte sogar eine Nuance mehr Feedback geben. Doch ergibt sich so ein sehr rundes und unaufdringliches Bild, das vom unter Volllast knurrenden Diesel untermalt wird.

Fazit – Der Jaguar XE 25d ist „very charming“

Die Automatik schaltet perfekt – auch, wenn man diese Vokabel als Automobil-Journalist eigentlich nicht verwenden darf. Der Komfort ist sehr angenehm, der Stil des Jaguar XE 25d sowieso – keine Frage! Auch der Antrieb passt. Eigentlich. Dieses furchtbare Wort! Es könnte alles so schön sein, wenn man nicht verwöhnt wäre. Wenn man sich nicht an ausufernder Leistung ergötzen würde. Wenn das Innere nicht nach dem 3.0 Liter V6-Kompressor mit 340 PS fordern würde. Doch dann kommt es wieder, das vermeintliche Umwelt-Gewissen, das aber auch mit einem Diesel nicht wirklich zufrieden sein kann. Trotz Euro 6-Einstufung, AbBlue-Tank im Kofferraum und Partikelfilter. Haben die Briten etwa Recht mit ihrem Verbrenner-Ausstieg im Jahr 2040?

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Jaguar F-Pace 25d AWD – Das Empire sized down

Während dem Volkswagen-Konzern sein Diesel-Problem ein ums andere Mal um die Ohren fliegt und Volvo ankündigt, in Zukunft komplett auf Selbstzünder zu verzichten, gehen die Briten einen anderen Weg. Im Jaguar F-Pace 25d zeigt die britische Nobelmarke einen 2.0 Liter Diesel mit 240 PS, der die Lücke zwischen dem 180 PS Diesel und dem 3.0 V6-Diesel mit 300 PS schließen soll. Wir haben den SUV bewegt und klären die Frage, ob es zwingend ein Sechszylinder-Diesel für den hübschen Briten sein muss.

Der erste Schock ist verdaut: Ein SUV von Jaguar, kann das gut gehen? Es kann – und wie! Die Briten haben mit dem Jaguar F-Pace einen großen Wurf gelandet. So groß sogar, dass der SUV zum „World Car of the Year 2017” im Bereich Design gewählt wurde. Kein Wunder, schaffen es die Briten einen echten Eyecatcher auf seine vier Räder zu stellen, die dynamische Linienführung der Marke aufzugreifen und nicht plump zu wirken. Andere britische Hersteller schafften dies mit ihrer ersten SUV-Eigeninterpretation nicht: Der Bentley Bentayga – wenn auch weitaus höher positioniert – wirkt schwülstig und „over the top“.

Design – F-Type für Familien

Der Jaguar F-Pace hingegen wirkt so, als hätte man den Sportwagen Jaguar F-Type genommen, seine Vorzüge beibehalten und mit den Soll-Vorstellungen eines SUV verknüpft. Zwar macht der Brite einen stattlichen Eindruck, vermeidet es aber gekonnt, übergewichtig zu wirken. So trägt er ganz selbstbewusst den großen, vergitterten Markengrill mit Raubkatzen-Emblem und setzt ihn mit auffälligen Lufteinlässen ringsum in Szene. Den Blick fangen aber besonders die schmalen Scheinwerfer ein, die wie konzentriert zusammengekniffene Augen wirken – ganz wie bei einer Raubkatze auf Beutezug. Ihre filigrane LED-Tagfahrlicht-Signatur unterstreicht diesen Eindruck.

Dynamische Linien und Rückleuchten im Stil des sportlichen Jaguar F-Type.

Die Seitenansicht wirkt wie ein gespannter Muskel: Einzelne Partien stellen sich markant heraus und werden vom Blechkleid sanft umspielt. Das kleine Greenhouse erzeugt dabei den Look von Massivität, da die Karosserie präsenter wirkt. Die 20-Zoll-Felgen könnten indes größer sein: Sie sind in den großen Radhäusern fast schon verloren – trotz des nicht eben kleinen Formats. Aus optischen Gesichtspunkten wären die 22-Zoll-Felgen optimal – was der Komfort dazu sagt, steht auf einem anderen Blatt. Aufgelockert wird die Seitenlinie zusätzlich durch feine, aber sehr hübsche Details, wie die Plakette am vorderen Radhaus.

Am Heck guck´ weg? Nicht beim Jaguar F-Pace. Der SUV trägt einen ausladenden Dachkantenspoiler, der die Dachlinie streckt und die Heckpartie noch dynamischer macht. Hinzu kommen Rückleuchten im Stil des F-Type mit einer feinen LED-Lichtsignatur. Sie sind mit verantwortlich für den angriffslustigen Ausdruck des Hecks. Die beiden, etwas zu weit Richtung Fahrzeugmitte gesetzten Endrohre scheinen hingegen etwas unterdimensioniert für den nicht gerade kleinen Jaguar F-Pace.

Jaguar F-Pace Interieur: Moderner Clubraum

Unterdimensioniert ist der Innenraum des F-Pace hingegen nicht. Platz ist für vier Reisende vorhanden. Riesig sollten die Passagiere in der ersten Sitzreihe hingegen nicht sein, da der Beinraum hinten ihnen schnell knapp werden kann, werden die Vordersitze weit zurückgefahren. Ansonsten fühlt man sich bestens im Briten untergebracht: Es wirkt geradezu so, als wollte der SUV seine Insassen einmauern. Die hochgezogene Karosserie schafft ein Ambiente, das große Geborgenheit ausstrahlt. Zudem sind die „Fensterbänke“ schön breit ausgefallen und laden die Ellenbogen zum Verweilen ein. Überhaupt: Das Design ist auch im Interieur eine große Stärke des Briten. Allein der elektrisch ausfahrende Wahl-Dreher für das Automatikgetriebe – ein optisches Highlight. Der praktische Nutzen ist nicht unbedingt gegeben, da das Ein- bzw. Ausfahren eine paar Sekunden dauert. Aber die Wirkung ist umso bezaubernder.

Das braune Leder steht dem Interieur bestens. Britischer Stil at it´s best!

Attraktiv gibt sich auch das neue Infotainment des Jaguar F-Pace: Das Pro Paket 2 umfasst einen 10,2 Zoll Touchscreen sowie 12,3 Zoll TFT-Instrumente. Spannend sind nicht nur Funktionen wie Stauinformationen, sondern, dass der Bildschirm des InControl Infotainments als Split-Screen fungiert. Je nachdem, auf welcher Fahrzeugseite man sitzt, kann man ein anderes Bild mit entsprechender Funktion erblicken. Während der Fahrer also auf die Navigationskarte blickt oder seine Lieblingsmusik steuert, kann der Beifahrer einen Film auf ganzer Bildschirm-Größe schauen und den Ton über Kopfhörer verfolgen. Der Fahrer bekommt davon nichts mit.

Allerdings bekommt man reichlich Gepäck mit: 650 Liter Standard-Volumen überflügeln sogar die meisten Kombis der oberen Mittelklasse. Somit ist für allerlei Lifestyle-Zubehör genügen Platz. Maximal bis zu 1.740 Liter. Und damit man sich seine Finger nicht schmutzig machen muss – schließlich will ein SUV auch im rauhen Gelände toben und sich im Schlamm suhlen („räusper“) – fährt die Heckklappe automatisch auf und wieder zu.

Fahreindrücke – Vier Zylinder für ein Frohlocken?

Natürlich scheucht man einen F-Pace nicht über Stock und Stein – dafür ist der hübsche Brite viel zu schade. Obwohl er auf der anderen Seite mit Allradantrieb ausgerüstet ist. Dennoch: Ausgelegt ist der SUV eher für die Straße und wirft den 4×4-Antrieb als Sicherheitsgewinn in die Waagschale. Traktionsprobleme kennt der Jaguar F-Pace 25d AWD also nicht.

Der 25d ist dynamisch genug für den Jaguar F-Pace.

Hat der neue Vierzylinder mit 240 PS etwa zu wenig Dampf? Es kommt darauf an! Bei den Leistungsdaten erwartet man an und für sich einen Sechszylinder-Diesel. 240 PS und 500 Nm sind schon eine Wucht – zumindest auf dem Papier. Und auch die Fahrleistungen sprechen für sich: Von Null auf 100 geht es in 7,2 Sekunden, Schluss ist bei 217 km/h – für einen SUV dieses Kalibers durchaus gut. Zumal die 8-Stufen-Automatik einen sehr guten Job leistet. Sie hat immer den richtigen Gang parat, schaltet butterweich und unmerklich, braucht aber auch nicht lange, um auf spontane Befehle zu reagieren – ein gutes Paket.

Dennoch: Einen Sechszylinder-Diesel ersetzt der neue 25d nicht. Ihm fehlt einfach der Hubraum, der das Gefühl der nicht enden wollenden Vehemenz erzeugt. Nein, der F-Pace 25d ist nicht langsam – eigentlich fehlt es ihm an nichts. Wenn man aber den Druck eines V6-Diesel gewohnt ist, wird man diesen vermissen. Dabei verkneift sich der neue Vierzylinder-Diesel – nebenbei bemerkt, der 25d ist eine Eigenentwicklung von Jaguar – sogar ein Turboloch. Dennoch geht ihm die lässige Leistungsentfaltung des größeren Aggregats ab.

Dafür entschädigt der Verbrauch: Kombiniert soll sich der 1,8-Tonner lediglich 5,8 Liter genehmigen. Der 3.0 Liter Diesel benötigt allerdings nur 0,2 Liter mehr, bietet aber die satteren Fahrleistungen. Außerdem ändert sein Mehrgewicht von rund 70 kg kaum etwas an der Agilität des Briten: Das Fahrwerk gibt sich kommod, federt Verwerfungen gekonnt ab, lässt aber wenig Seitenneigung zu. Hinzu kommt die Lenkung, die die Fahrzeuggröße vergessen lässt, aber etwas weniger leichtgängig ausfallen könnte.

Fazit – Mehr ist manchmal eben doch mehr

Das Bessere ist nun mal des Guten Feind. Der Jaguar F-Pace ist mit dem 25d AWD ein souveräner SUV der oberen Mittelklasse. Mit seiner Optik betört er, mit seinem neuen Infotainment überzeugt er und mit seinem sparsamen, agilen Antrieb erfreut er. Dennoch merkt man einfach, dass es etwas mehr hätte sein können. Etwa mehr Leistung, etwa mehr Hubraum, etwas mehr Druck. Wer also aufs Budget schauen muss, gerade was den Unterhalt anbelangt, der sollte den großen Diesel einfach ausblenden und mit dem 25d glücklich werden.

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