News: Kia Sportage – Solide und schick

News: Kia Sportage – Solide und schick

Nach nur gut fünf Jahren legt Kia sein Kompakt-SUV Sportage neu auf. Die vierte Generation des in Europa entwickelten und gebauten Koreaners kommt optisch deutlich sportlicher daher und ist auf den ersten Blick ein Schnäppchen. Doch die 19.990 Euro, die Kia für den Basis-Sportage ausruft, entpuppen sich bei genauer Betrachtung als Lockvogelangebot.

Die Neuauflage ist um vier Zentimeter auf 4,48 Meter gewachsen, bietet den Passagieren etwas mehr Platz und wirkt deutlich muskulöser als der Vorgänger. Der typische, knochenförmige Kühlergrill ist gewachsen, die Motorhaube stark konturiert, dazu kommen schnittige Scheinwerfer und deutlich abgesetzte Nebelleuchten. Hinter die auf Wunsch elektrisch betätigte Kofferraumklappe passen nun 503 Liter, klappt man die Rücksitze um, gehen knapp tausend Liter mehr rein.

Innen präsentiert sich der Sportage unspektakulär aber solide. Unter dem großen Infotainment-Touchscreen auf der Mittelkonsole – und auf dem Lenkrad – finden sich noch zahlreiche Tasten und Schalter, deren Anordnung man aber schnell begreift und die für viele Kunden sicher verständlicher sind, als ein zentraler Steuerknubbel. Im oberen Teil, auf dem Dashboard, hat Kia weiche Materialien verbaut, darunter dominiert leider Hartplastik.

Das Motorenangebot umfasst drei Diesel und zwei Benziner: Der 97 kW/132 PS starke Einstiegs-Otto ist der einzige, der im 19.990-Euro-Basis-Paket mit Frontantrieb, magerer Ausstattung und ohne Option auf Extras erhältlich ist, sein gleich großer, aber dank Turbo auf 133 kW/177 PS erstarkter Bruder schlägt mit 34.190 Euro (GT-Linie) zu Buche.

Bei den Selbstzündern besteht die Wahl zwischen dem 1.7er mit Zweirad-Antrieb (85 kW/115 PS), einem 100 kW/136-PS-Zweiliter, der wahlweise mit Front- oder Allradantrieb vorfährt, und der immer vierradgetriebenen Top-Version des 2.0 CRDi mit 136 kW/185 PS. Der günstigste Diesel kostet mit mindestens 23.390 Euro schon deutlich mehr als der kleine Otto, die Preisliste reicht bis 42.190 Euro für das komplett ausgestattete Platinum-Paket.

Dass der stärkste Selbstzünder 185 PS und ordentliche 400 Newtonmeter Drehmoment in die Waagschaale wirft, ist – zumindest in Kombination mit der für die Allrad-Diesel optionalen Sechsgang-Wandlerautomatik – nicht besonders spürbar. Viel mehr Fahrspaß bietet der mittlere Selbstzünder mit Handschaltung, der trotz weniger Kraft deutlich spritziger ans Werk geht und dem starken Bruder nur bei der Höchstgeschwindigkeit (184 km/h) hinterher hinkt. Ohne Allradantrieb wirkt der Kia einen Deut agiler und wird sparsamer. 4,9 Liter soll sich der Selbstzünder nehmen.

Zum SUV-Charakter des Sportages passen die relativ langen Schaltwege des manuellen Getriebes genauso wie das neu abgestimmte Fahrtwerk, das eher auf Komfort getrimmt ist und nur bei Querfugen ins Schwitzen beziehungsweise Hoppeln kommt. Zum Cruisen und für die Langstrecke eignet sich der Kia mit dieser Abstimmung hervorragend, wer dagegen wie etwa mit einem Audi Q5 zackig ums Eck will, dem dürfte der Unterbau zu unverbindlich sein. An der Lenkung scheitert die Kurvenhatz dagegen nicht, sie ist vorbildlich leichtgängig und direkt.

Previous ArticleNext Article
SP-X Redaktion | Michael Gebhardt

Dieser Artikel stammt aus der SP-X Redaktion von Michael Gebhardt.

Test: Kia Niro

Seinen Beitrag zur Minimierung des Ausstosses von Kohlenstoffdioxid, um den Klimawandel mit aufzuhalten, leistet der koreanische Autobauer KIA seit April 2016 mit dem neuen Crossover Niro. Der ausschließlich mit einem Hybridantrieb bestückte Koreaner hatte seine Weltpremiere im Februar 2016 auf der Chicago Auto Show. Bereits zwei Wochen nach seinem Marktstart in Korea verbuchten die Verantwortlichen knapp 2.500 Einheiten in den Bestellbüchern. Damit legte KIA einen ersten Verkaufsrekord für ein Auto im grünen Segment vor. Es folgte der Startschuss in Europa im Juli 2016 in den Niederlanden und Frankreich. Bei uns in Deutschland ist der Kompakte seit September 2016 zu haben. In Kooperation mit dem Hyundai Ioniq konzipiert und produziert, folgt dem bestehenden „Mild Hybrid“ bewußt ein Plug-In-Hybrid, der seine Weltpremiere bereits auf dem 87. Genfer Auto-Salon im März diesen Jahres feiern durfte. Sein Äußeres reiht den Niro in das Portfolio von KIA direkt neben Sportage und Sorento ein. Allerdings nicht nur als chicen Kompakten, sondern auch als Crossover mit hohem Nutzwert. Die Autobauer aus Korea lassen die Preisliste bei 24.990 Euro beginnen.

Testbericht: Kia Niro 1.6 GDI „Vision“

Crossover aus Korea mit stromiger Unterstützung
Ausschließlich als Hybrid erhältlich

Der Niro bietet mit dem von KIA bekannten Fahrwerk (McPherson-Federbeine mit Gasdruckstoßdämpfer vorn und einer Mehrlenkerhinterachse) und der sehr direkten Lenkung ein generell sicheres Fahrgefühl. Eine verbesserte Aerodynamik erzielt das Fahrzeug unter anderem durch die fest mit dem Dach verbundene Dachreling. Der Wagen ist zudem mit knapp 1,80 Meter Breite und 1,55 Meter Höhe schmaler und niedriger im Vergleich zu seinen Mitbewerbern. Seine optimierte Windschlüpfrigkeit macht sich beim Kraftstoffverbrauch (4,4 Liter im Normtest mit 18-Zoll-Räder) und Abgasemission (101 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer) durch seinen Mild-Hybrid Antrieb positiv bemerkbar. Wir erreichen die angegebenen Werte nicht immer, was nicht nur den im Labor gefahrenen Werten geschuldet ist, denn der Niro legt ein ordentliches Maß an Fahrspaß vor.

Mit breiter Front.

Crossover mit Fahrspaß

Der koreanische Hybrid Crossover ist sowohl als „Langstrecker“ als auch als Urban Fahrzeug unterwegs. In der Stadt sind enge Gassen, aber auch schnelle Spurwechsel gleichermaßen kein Problem für den Niro. Seine Lenkung ist ausgesprochen spursicher ausgelegt, so dass in der Stadt gerade mit dem kleinen Wendekreis von 10,6 m ein sehr entspanntes Fahren und Einparken möglich ist. In ländlichen Gegenden meistert er sogar nicht befestigte Wege. Eine gehörige Portion Fahrspaß macht dabei der Koreaner mit stromiger Unterstützung. Gerade mit seinem nominell maximalen Drehmoment von 265 Newtonmetern bei 1.000 – 2.000 Umdrehungen der Gesamtleistung kann das Aggregat jederzeit noch einmal intensiv im Rahmen seiner Bestimmung nachlegen. Kombiniert mit dem Sechs-Gang-Doppelkupplungsgetriebe lässt sich der koreanische Crossover zwar effizient durch den urbanen Verkehr steuern, dennoch ist dies nur mit akustisch hohen Drehzahlen zu machen. Einzig Autobahnstrecken lassen den Hybriden angestrengt wirken, was sich auch beim Verbrauch widerspiegelt.

Geräumiges und komfortables Ambiente.

Trotz Hybridbatterien viel Stauraum 

Der Crossover kommt rein von seinen Abmessungen als Kompakt-SUV daher. Sein sehr chices und zeitgemäßes Äußeres zeigt das als ausschließlich fünftüriges Modell erhältliche Fahrzeug im sportlichen Look der KIA-Familie. Die Front des Koreaners prägen breite zu den Seiten hochgezogene Schürzen. Prominent wird das Markenlogo auf dem Kühlergrill eingefasst, und die seitliche Rundungen der Frontscheinwerfer setzten sich in einer virtuellen Sicke über die gesamte Fahrzeuglänge fort, bevor sie bogenförmig vor den Heckleuchten kurz nach oben ziehen. Am Heck sorgen die Scheinwerfer für einen dynamischen Auftritt. Innen finden bei einer Fahrzeuglänge von 4,36 Metern bis zu fünf Personen bequem Platz. Der Niro besticht mit einer guten Material- und Verarbeitungsqualität. Das klar strukturierte Cockpit mit dem Navigationssystem von KIA (inkl. 7-Jahre-KIA-Navigationskarten-Update) als Blickfang und Schaltzentrale sowie das Panorama Glasdach sorgen für ein großzügiges Raumgefühl. Seine 60:40 geteilt umklappbaren Rücksitze geben dem Fahrzeug nicht nur eine große Ladeflexibilität. Es verschafft gerade den Passagieren im Fond große Beinfreiheit. Durch diesen Klappmechanismus wächst das Laderaumvolumen von 427 Liter auf mehr als großzügige 1425 Liter.

Fahrerassistenzsysteme im All-in Paket

Der Niro besitzt bereits ab Werk eine reichhaltige Ausstattung. Die Basisversion „Edition7“ verfügt bereits über das Drive Mode Select-System, ein Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESC) mit Traktionskontrolle (TCS), eine Geschwindigkeitsregelanlage, einen Spurhalteassistenten (LKAS), eine Bergabfahrhilfe (HAC) sowie LED-Tagfahrlicht. In der mittleren Ausstattungsvariante „Vision“ sind eine Sitzheizung vorn, Parksensoren hinten, ein Lederlenkrad (beheizbar), das KIA Kartennavigationssystem (7 Zoll) inkl. 7-Jahre-Kia-Navigations-Update und eine Rückfahrkamera an Bord. Die dritte und letzte Ausstattungsvariante „Spirit“ ergänzt die Equipment Liste zum „All-in“. Hierzu gehören die Erweiterung des Naviagtionssystems auf 8 Zoll, Parksensoren vorn, Privacy-Verglasung, Xenonscheinwerfer, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, Induktive Ladestation für Smartphones und ein Smart-Key und Startknopf.

Sensoren und Kameraunterstütze Systeme.

Erschwingliche Hybridtechnologie

Der Koreaner, den es ausschließlich als Fronttriebler gibt, ist ab einem Preis von 24.990 Euro zu haben. Dafür bietet KIA einen ausgereiften Hybridantrieb mit einem Verbrennungs- und Elektromotor auf einer Kurbelwelle und einer Gesamtsystemleistung von 1.6-Liter GDI mit 103,6 kW (141 PS). Diese Motorisierung wird mit einem Sechs-Gang-Doppelkupplungsgetriebe kombiniert. Der Aufpreis zur zweiten Ausstattung „Vision“ schlägt mit 3.000 Euro zu Buche. Das Rundum-Sorglos-Paket der dritten Ausstattungsvariante „Spirit“ ist für den Endpreis von 30.690 Euro zu erwerben.

Checker Crossover aus Korea.

Fazit: Mit dem Niro arbeitet sich KIA sehr gut in das Segment der Crossover ein und setzt sich durch das Antriebskonzept des Hybriden von den Mitbewerbern ab. Zudem ist die Kombination zwischen Raumangebot und Nutzen des Fahrzeugs sowie einem chicen Look sehr gut gelungen.

[toggle title=“Motor und Getriebe“]

KIA

Niro 1.6 GDI

Motor Hybrid, Super Benzin
Hubraum 1.580 ccm³
Gesamt-Leistung 141 PS @ 5.700 U/min
Gesamt-Kraft 265  Nm @ 1.000 – 2.000 U/min
Getriebe 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Antriebsachse Vorderradantrieb

[/toggle]

[toggle title=“Abmessungen und Fahrleistungen“]

Länge, Breite, Höhe 4.355, 1.805, 1.545   mm
Radstand 2.700 mm
Leergewicht 1.587 kg
Wendekreis 10,6 m
Höchstgeschwindigkeit 162 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 11,5 sec
Normverbrauch 4.4 l/100 km

[/toggle]

[toggle title=“Verbrauch im Test“]

Alltagsfahrer 4.9 l / 100 km
Öko-Experte 4.1 l / 100 km
Außendienst-Modus 5.6 l / 100km

[notification type=“notification_info“ ]Text: Stefan Beckmann, Bild: Stefan Beckmann und Hersteller (Kia Motors Deutschland GmbH) – Beitragsbild: Hersteller (Kia Motors Deutschland GmbH)[/notification]

[/toggle]

Aktuelle Suchanfragen:

Im Gespräch: Design-Star Peter Schreyer

Interview mit Peter Schreyer, Design-Chef Hyundai Kia Automotive Group

Brückenschlag vom Kia Kee und Stinger

Er ist ein Star unter den Automobil-Designern: Peter Schreyer. Der geborene Oberbayer zeichnete einst für den Volkswagen-Konzern den Golf IV und Ikonen wie New Beetle und Audi TT. Seit 2006 prägt er die Formgestaltung bei Kia und heimste dabei 18 Red Dot-Awards ein. Seit 2013 ist er Design-Chef und Präsident der Hyundai Kia Automotive Group. Seine Konzeptstudie Kia Kee von 2007 ist gerade der Star einer Ausstellung im ältesten Design-Museum der Welt in München. Peter Schreyer schildert den Weg vom Kee bis zum neuen Gran Turismo Kia Stinger und blickt für mein-auto-blog in die Zukunft.

Was Konzeptstudien im Nachhinein verraten

Der Kennerblick erkennt sofort: Im Design der Studie Kia Kee von 2007 steckt viel mehr als nur die heute markentypische, sogenannte „Tigernase“. Damals hat der Kee auf der IAA Aufsehen erregt. Peter Schreyer erinnert sich: „Wir haben damit erstmals die Tigernase gezeigt.“ Seither ist diese stilprägend für die aufstrebende, südkoreanische Marke. Laut Schreyer zentriert sie das Auto, ist stark, variabel und markant. Wer den Kee heute bei seinem Auftritt in der Münchener Pinakothek der Moderne genauer betrachtet, bemerkt unter anderem auch das schwebende Dach mit unterbrochener hinterer Säule – so wie beim aktuellen Hyundai i20 Coupé oder auch beim Opel Astra.

Peter Schreyer – Kia Event in der Pinakothek der Moderne in Muenchen am 16.05.2017

Kee klingt nicht zufällig wie „Key“

Zehn Jahre nach seiner spektakulären Premiere in Frankfurt setzt sich der Kee 400 km weiter südlich in der Münchner Pinakothek der Moderne in Szene: Das grün-gelbe Coupé ist derzeit Hauptanziehungspunkt der erfolgreichen Ausstellung „Korean Design“ im ältesten Design-Museum der Welt, der seit 1925 bestehenden „Neuen Sammlung“. Direktorin Dr. Angelika Nollert nennte den Kee eine „wahre Ikone“. Sein Name klinge nicht zufällig wie „Key“, denn es handle sich um eines der „Schlüsselwerke“ von Peter Schreyer. Das lockte extrem viele Besucher an – zusammen mit weiteren Exponaten zu aktuellen koreanischen Strömungen wie „K-Pop“ oder „K-Style“. Angenehme Überraschung: Schon nach Halbzeit wurde der Ausstellungs-Folder neu aufgelegt. Nach der Eröffnung am 4. März war er so schnell vergriffen, dass „Korean Design“ jetzt von 18. Juni auf 16. Juli verlängert wurde.

Für den deutschen Auto-Designer Peter Schreyer schließt somit ein Kreis: Vor genau zehn Jahren sei der Kee „der Urvater unseres heutigen Kia-Designs“ gewesen. Ab Ende 2017 wird künftig der Kia Stinger die Klasse der viertürigen Gran Turismos bereichern. Er ist für den weltweit renommierten Automobildesigner ebenso „die Erfüllung eines Traumes“, wie der Erfolg des Kee in München: „So etwas wäre noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen – Kia in so einem Museum. Sofort war klar, dass wir dieser Einladung folgen würden. Es ist eine tolle Sache, dabei zu sein.“

Wegsweiser fürs heutige Kia-Design

Kee, Stinger und Schreyer in der Neuen Sammlung in München – eine schöne Gelegenheit, um auf die vergangenen zehn Jahre zurückzublicken und aus erster Hand mehr über die Hintergründe koreanischen Automobildesigns zu erfahren. Mit dem Kee hinterließ Peter Schreyer für Kia eine erste deutliche Duftmarke in der Welt des Automobildesigns. Vor seinem Engagement als Kia-Chefdesigner ab 2006 war Schreyer bereits mit wegweisenden bis bahnbrechenden Modellen aufgefallen wie VW Golf IV, New Beetle und vor allem Audi TT. Heute ist er nicht nur Chef-Designer von Kia, sondern seit 2012 bestimmt er als einer der Konzern-Präsidenten die Formgebung der gesamten Hyundai Kia Automotive Group.

Peter Schreyer – Kia Event in der Pinakothek der Moderne in Muenchen am 16.05.2017

18 Red Dot Awards für Kia-Modelle von Schreyer

„Eine überwältigende Inspiration“ sei Korea mit seiner Kunst und Kultur für Peter Schreyer: „Ich bin immer wieder gerne dort. Besonders die Kunstszene ist sehr inspirierend. Unsere Autos würden sonst anders aussehen.“ Seit Peter Schreyer das Design von Kia verantwortet, hat sich der weltweite Absatz der südkoreanischen Marke fast verdreifacht: Von gut 1,1 auf mehr als 3,0 Mio. Autos jährlich. Gleichzeitig stieg der Wert der Marke Kia laut der Studie „Best Global Brands“ auf etwa das Siebenfach im Vergleich zu Schreyers Amtsantritt vor nunmehr elf Jahren. Und: Nicht weniger als 18 Mal heimsten Schreyers Kia-Entwürfe seitdem den in aller Welt renommierten „Red Dot Design Award“ ein – erstmal gelang dies 2009 mit dem Soul. Für diese Erfolgsstory war die Studie Kee ebenso verantwortlich, wie 2011 das Concept Car Kia GT – eine erste Andeutung des künftigen Stinger-Designs.

Wenn man Peter Schreyer am grün-gelben Kee sieht und über seinen ersten großen Wurf für Kia reden hört, wird sofort klar: Er ist sichtlich und zurecht stolz darauf. Selbst zehn Jahre nach seiner Premiere wirkt das Korea-Coupé sehr futuristisch. Damals wie später mit dem Stinger konnte sich Schreyer auf Basis einer Heckantriebs-Plattform designerisch austoben – ein Luxus, der ihm im VW-Konzern mit front- oder bestenfalls allradgetriebenen Fahrzeugen zuvor nie vergönnt war. Die Proportionen mit langer Haube und knackigem Hintern seien sehr angenehm für den Designer.

Eine Bibel für rund 700 Designer

Für den gebürtigen Oberbayern Peter Schreyer ist der Serienstart seines Lieblingsprojektes Kia Stinger eine echte Herzensangelegenheit. Stinger wie bereits zehn Jahre zuvor Kee verkörpern beide die von Peter Schreyer vorgegebene Designlinie der Autos von Kia. Diese hat Schreyer für seine rund 700 Design-Mitarbeiter deutlich festgelegt: „Sauber, architektonisch und technikgetrieben.“ Festgehalten und detailliert beschrieben ist dies in einem designerischen Manifest, das jeder Kia- und Hyundai-Designer in Buchform auf seinem Tisch liegen hat.

Wichtig ist Peter Schreyer auch der markentypische, sechseckige „Hexagonal“-Grill. Daran könne man deutlich erkennen, dass koreanisches Auto-Design eindeutig nichts mehr mit Kopieren zu tun habe. In der koranischen wie der gesamten asiatischen Kultur sei dies zwar keineswegs eine Schande, sondern eher eine Form der Anerkennung. Aber Schreyer legt großen Wert darauf: „Wir machen’s längst nicht mehr, eher läuft es heute umgekehrt“. Dabei kann sich der oberbayrische Designer weder ein leichtes Schmunzeln verkneifen, noch den dezenten Hinweis darauf, dass die hexagonale Form heute gar nicht so weit entfernt von München im Design zu finden sei.

Peter Schreyer – Kia Event in der Pinakothek der Moderne in Muenchen am 16.05.2017

Schreyer lobt auch andere Marken

Der Design-Chef von Kia und Hyundai hat nach wie vor auch Augen für die Produkte der anderen Marken. Besonders gefalle ihm momentan Volvo: „Die Schweden pflegen in meinen Augen erfolgreich skandinavisches Design als Statement.“ Und eine deutsche Premium-Marke hat es dem deutschen Designer besonders angetan: „Das aktuelle Mercedes-Design finde ich sehr spannend. Gerade im Vergleich zu anderen Premium-Marken sei es erstaunlich, wie Daimler-Chef-Designer Gorden Wagener es geschafft habe, die „eher als konservativ geltende Marke“ als sehr fortschrittlich zu positionieren.

Locker sieht der renommierte Designer die Zukunft mit vollautonomen Autos und Elektroantrieben: „Ein Rolls Royce mit Chauffeur ist in gewissem Sinne auch ein autonomes Fahrzeug, aber keinesfalls unemotional.“ Außen wie innen werde das Aussehen nicht unter der Möglichkeit des autonomen Fahrens leiden. Stattdessen gebe es besonders im Innenraum natürlich auch künftig Möglichkeiten, sich sein Auto persönlich einzurichten. Schreyer: „Wohnungen sind ja auch nicht alle gleich.“ Auch Elektro-Autos müsste müssten laut Peter Schreyer nicht durch eigenständiges Design sofort als solche zu erkennen sein: „Das sollte kein Dogma sein. Ein Diesel sieht ja auch nicht anders aus als ein Benziner.“

Stinger so erfüllend wie einst der Audi TT

Vom Kia Kee zum Kia Stinger: Nach genau zehn Jahren erfüllt sich für Peter Schreyer ein Traumes als Designer. Der eine wegweisend fürs neue Marken-Design, jetzt der Stinger ein absolutes Lieblingsprojekt von Schreyer und seinen Mitarbeitern. Der gesamte Designprozess sei wie ehemals beim Audi TT „sehr erfüllend“ gewesen: „Man merkte in jeder Phase: Der Stinger bedeutet allen Beteiligten unheimlich viel. So eine gewaltige Gruppendynamik hat man nicht bei jedem Auto. Das sind ganz besondere Momente.“

Fazit: Was auf Grundlage der Designstudie Kee von 2007 jetzt mit Serienreife herausgekommen ist, hat großes Potenzial: Der Kia Stinger wird ab Ende 2017 wohl zahlreiche Käufer zu Kia locken. Der an sich zurückhaltende Peter Schreyer verfällt fast in Ephorie, wenn er sein Lieblingprojekt beschreibt: „Man sieht den Stinger und möchte ihn sofort haben. Weil’s einfach ein geiles Auto ist.“

 

Aktuelle Suchanfragen: