Fahrbericht Lexus GS450h

Fahrbericht Lexus GS450h

Wer sagt eigentlich, dass Business-Class Limousinen immer aus Stuttgart, München oder Ingolstadt kommen müssen? Und wer hat gesagt, der Diesel wäre der beste Antrieb für Vielfahrer?

Mit dem GS450h hat die edle Toyota-Tochter eine  Limousine im Angebot, die zum nachdenken anregt.  Nicht weil man alles besser macht, als die arrivierten Kollegen, aber weil man so vieles anders macht und dennoch nicht schlechter. Also – warum muss eine Business-Limousine immer den Stern, die vier Ringe oder den weiß-blauen Propeller  tragen? Und warum tanken wir in der Limousinen-Oberklasse so gerne Diesel?

Lexus GS450h F-Sport – Der Business-Hybrid mit der Lizenz zum überraschen

Unscheinbar im Design? Das war einmal. Als F-Sport trägt die 4.85 Meter lange Limousine eine markante Optik zur Schau. Große Kühlluft-Öffnungen prägen die Front, ein spitz geformter und mit viel Chrom nachgewürzter Kühlergrill umfasst ein großes Lexus-Emblem. Nein, verstecken will sich der GS als F-Sport nicht. Er will gefallen und auf seine dynamischen Tugenden hinweisen.

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Dynamik im Hybrid?

Von hinten betrachtet, bleibt der Auspuff des GS 450h versteckt. Auch wenn hier einer auf „Sport“ macht, der Auspuff der Business-Hybrid-Limousine wird nicht zur Schau getragen. Hier ist man immerhin stolz auf die Effizienz. Auf dem Kofferraumdeckel thront ein kleiner Spoiler. Die Rückleuchten bekamen eine markante Form und strahlen in LED-Technik.

In den Radhäusern stecken große 19 Zoll Felgen in beeindruckender Mischbereifung. Bei den Sommerrädern trägt der GS450h in der F-Sport-Version gerne breit, auf der Vorderachse sind es dann 235er und auf der Hinterachse 265er Reifen.

Lexus GS450h 27 F-Sport 2014

Gerührt, nicht geschüttelt

Große Räder gehören bei sportlichen Limousinen zum guten Ton, ein Fahrwerk mit dynamischen Talenten jedoch auch. Der GS450h als F-Sport profitiert von der Möglichkeit der Dämpfer-Verstellung. Im täglichen Einsatz kann der Fahrer zwischen den unterschiedlichen Ausprägungen seines japanischen Kollegen wählen. Eco, Normal, Sport oder gar Sport+?

Leistungsdaten:

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PS

345

Benziner & E-Motor
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Beschleunigung

5,9

Sekunden 0 auf 100 km/h
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Topspeed

250

km/h
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Während der Lexus GS450h im Eco-Modus zum flüsterleisen Besserwisser mutiert, lässt er in der Sport+ Stellung den Athleten heraus hängen. Im Eco-Modus arbeitet das Fahrwerk mit viel Gefühl und Nachsicht. Die stufenlose  Automatik und der im Atkinson-Zyklus arbeitende V6 verraten dann nicht viel von ihrer Systemleistung in Höhe von 343 PS. Die Hybrid-Limousine rekkupperiert bereits beim los lassen des Gaspedal kräftig, so dass ein Alltag – ein wenig vorrausschauend gefahren – ohne  viel zu bremsen möglich scheint. Ist der 2,6 kW/h große Akku geladen, dann gleitet der Hybrid völlig lautlos durch den Verkehr. Hier passt die komfortable Dämpferabstimmung perfekt zum nahtlosen und völlig ruckfreien beschleunigen. Eine kleine Oase der Ruhe und der Gelassenheit entsteht, wer den GS450h im Stau bewegen darf.

Lexus GS450h 49 F-Sport 2014

Fahrspaß im Stau

Eigentlich ein Widerspruch in sich. Stauverkehr nervt. Verstopfte Straßen nerven. 343 PS wollen über die deutsche Autobahn brüllen. Doch wenn der Verkehr stockt, dann punktet der GS nochmal richtig bei seinem Piloten. Dies sind die Augenblicke mit dem größten Vorteil des GS450h. Einem spürbaren Vorteil. Wenn man die Mark Levinson-Anlage mit ihren  17 Lautsprechern bewusst leise stellen kann, weil nichts die Ruhe im Innenraum stört. Kein nagelnder Diesel und dennoch stimmt die Effizienz. Es ist ein – und da muss das deutsche Ingenieurs-Herz tapfer sein – spürbarer Erfahrungsvorsprung in der Entwicklung von Voll-Hybridfahrzeugen, den die Lexus-Kunden kaufen können.

Es ist nicht nur die Ruhe, oder das satt klingende Soundsystem, mit dem man die eigenen Sinne von der Qualität abseits einer deutschen Business-Limousine überrascht. Es sind die Details. Ein Lederlenkrad mit perforiertem Leder, gelochte Alu-Pedale, eine stattliche Leder-Ausstattung, die Qualität der Verarbeitung und auch das vornehm nach hinten fahren des Fahrersitzes und hochschwenken des Lenkrades beim Ein- oder Aussteigen.

Lexus GS450h 108 F-Sport 2014

Von ECO zu Sport+

Es vergeht kein Test eines Autos mit stufenloser Automatik, in dem ich nicht auf die Nachteile der stufenlosen Getriebe-Lösung verweise. Wer in der Stadt nur milde beschleunigt, die Kraft des 200 PS Elektromotor nutzt, der spürt vom größten Handicap des GS450h nichts. Wer jedoch auf einsamen Landstraßen die ganzen 345 PS Systemleistung spüren will – der muss umdenken. Selbst im Sport+ Modus des Getriebe, sind keine echten Schaltpunkte zu spüren und die Übersetzung wird noch immer vom Computer gewählt. Sicher, er berücksichtigt dutzende von Parametern, er weiß auch wie er am effizientesten arbeitet, aber – das gewohnte Gefühl von Fahrspaß, von Zug an der Kette und Dampf im Kessel, das kann der F-Sport nicht vermitteln.   Und dennoch, mit dem Hubraumstarken V6 und dem ordentlich dimensionierten E-Motor bügelt der GS450h seine theoretischen Schwachstellen glatt. Nur extreme Beschleunigungs-Orgien liegen im nicht – für den Alltag ist er jedoch gut gerüstet.

Der GS450h F-Sport lenkt auch mit der Hinterachse. Ein Feature das in deutschen Modellen eher selten vorkommt. Im Hybrid-Sportler übernehmen auch die Hinterräder einen aktiven Part bei der Richtungsänderung. Das Ergebnis? Besonders handlich im Stadtverkehr, noch handlicher auf der Landstraße.

Zusätzlich verwohnt die Lenkung mit exzellentem Feingefühl, mit direkter Übersetzung und dank klassischem Antriebslayout (Motor vorne, Antrieb hinten) fährt sich der immerhin knapp 2 Tonnen schwere Lexus wie ein Sportler aus einer Fahrzeugklasse kleiner.

Er orientiert sich beim Thema Fahrspaß grundsätzlich an den Besten.

Beim Verbrauch ist er der Beste

NEFZ-Normwerte sind Schrott. Meine Testfahrten beinhalten immer auch einen „ehrlichen Verbrauchswert“ und beim Lexus GS450h war ich vor allem auf den Wert „Außendienst-Modus“ gespannt. 345 PS, 250 km/h schnell (abgeriegelt) und binnen 5.9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Und dann pocht unter der Haube ein 3.5 Liter großer V6 der zwar viel Power-Unterstützung vom E-Motor und seiner 650V Batterie erhält, aber unter  dem Druck von Volllast wird der F-Sport doch zum Säufer mutieren. Oder?

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Alltagsfahrer, ohne Sparfuß

7.2

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Öko-Experte mit einem grünen Zeh

5.8

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Außendienstler mit Vollgas-Lust

10.9

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Alle Angaben in Liter auf 100 Kilometer

Lexus GS450h 119 F-Sport 2014

10.9 Liter auf 100 km. Ein echter Fabelwert! Denn um den V6 derart mit Kraftstoff zu zuschütten muss man schon richtig  flott über die Bahn fliegen. Normal sind andere Werte. Der Alltag lässt sich mit knappen 7 Liter bewältigen und wer es darauf anlegt, der drückt den Verbrauch auch auf 5.8 Liter minimal! Respekt! Und warum soll man da noch einen Diesel fahren? Damit nach dem tanken die Hände stinken, oder man im Stau vom Nagelsound unterhalten wird?

Souverän nennt man die Vorstellung, die der Lexus GS450h während seines Tests abgeliefert hat. Das Design und die Frage ob man das F-Sport Design nun sportlich oder gar sexy findet, muss jeder für sich beantworten. Die Qualität der Verarbeitung ist jedoch ohne Frage locker auf dem Niveau der deutschen Premium-Bestseller.

Lexus GS450h 07 F-Sport 2014

Fazit:

Sicher, es gibt bestimmt gute Gründe weswegen Mercedes, Audi und BMW noch immer die erste Wahl für Limousinen-Fahrer  in der Business-Class darstellen – der wichtigste Grund dürfte jedoch Unwissenheit sein. Denn es gibt da einen, der kann zwar nicht alles besser – aber er ist eine extrem attraktive Alternative.

Sein Name: GS450h, Lexus GS450h.

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Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

2 Comments

  1. Glaubste selbst auch nicht oder? Dieses Hybridzeugs taugt nix. Dann fahr mal BMW 535D – dann vergisste schnell deinen Habridkram

Abarth 124 Spider – Kleines Herz, große Töne!

Ein klassischer Roadster: Lange Haube, kurzes Heck, spartanische Ausstattung, ein knochentrockenes Fahrwerk und vor allem eines Heckantrieb! Dazu eine knackige Handschaltung und ein Sound, der sofort klarmacht, dass es sich hierbei um ein richtiges Spaßmobil handelt. Nun, der Abart 124 Spider erfüllt nahezu alle dieser Attribute. Nur mit der knackigen Handschaltung ist es nicht weit her: Zwar kommt der kleine Italienische Roadster in Kriegsbemalung serienmäßig mit einer tollen Handschaltbox, doch der Testwagen verfügte über eine Automatik. „FAIL!“, werden viele schreien. Aber ist dem in Zeiten des beliebten DSG und nahezu perfekt arbeitender Automaten wirklich so?

Design – Kleiner Rambo

Nun, dass der Fiat 124 Spider – also die Basis für den Abarth 124 Spider – vom Mazda MX-5 abstammt, wurde bereits häufig erklärt. Was es mit dem Namen Abarth auf sich hat? Das ist recht einfach: Die besonders sportlichen Modelle aus dem Hause Fiat gehorchen nun mal auf diesen traditionell sportlich behafteten Namen. Genauso ist es etwa beim Abarth 595 der Fall. Entsprechend heißt der sportliche, italienische Roadster also Abarth 124 Spider.

Das LED-Tagfahrlicht macht die Nase des Abarth 124 Spider noch aggressiver.

Und diese Sportlichkeit sieht man ihm auf Anhieb an – sogar trotz des grauen Lacks, der den Großteil der Karosserieteile überzieht. Bevor der Testwagen ankam, prägte sich das Bild eines weißen Spiders im Kopf ein, der mit roten und schwarzen Elementen verfeinert wurde. Doch dann rollte F-PR 8215 vor und damit ein grauer Abarth 124 Spider. Nicht schlecht, da das „Portogallo“-Grau dem Roadster bestens zu Gesicht steht. Schade nur, dass der Testwagen ohne die mattschwarze Motorhaube vorfuhr, die ihm ebenfalls gut steht und eine angenehme Reminiszenz an den Urvater, den Fiat Abarth 124 Sport Spider, darstellt. Aber auch ohne verdreht der kleine Roadster den Menschen in der direkten Umgebung den Kopf. Keine Ampel, an der man nicht die Blicke von Fußgängern oder Insassen eines durchschnittlichen Kombifahrers erntet. Und wenn man dann das Gas beim Aufleuchten des grünen Lichts durchtritt…. Dazu später mehr.

Weiter im Design-Kontext: Die Kriegsbemalung wirkt Aufmerksamkeit erheischend, doch sie steht dem Abarth 124 Spider. Der Mittelteil der Frontspoilerlippe, die Außenspiegelgehäuse und die Abschlepphakenabdeckung sind im auffälligen Rot gehalten und verheißen von vorn herein, dass hier etwas mehr Cavallos unter der Haube schlummern, als beim gar nicht langsamen Bruder Fiat 124 Spider. An der Seitenlinie wird das Farbmotiv seltener aufgegriffen, findet sich nur noch an den Kolben der Brembo-Bremsanlage wieder. Sie schlummern hinter grau lackierten 17-Zoll-Felgen, die für das Auge gerne eine Nummer größer ausfallen könnten. Überhaupt: Etwas mehr Tiefgang würde der Optik zutragen, da das sogenannte „Wheel-Gap“ durchaus vorhanden ist. Aber Geschmäcker sind da bekanntermaßen verschieden.

Vier Rohre für ein Halleluja. Hier entspringt feinster Vierzylinder-Hardrock!

Etwas verhaltener zeigt sich zudem die Heckpartie: Farbtupfer sucht man hier vergebens. Einzig die Vierrohr-Abgasanlage verheißt, was für Töne der Abart 124 Spider zu spucken vermag. Schönes Highlight, das beim coolen Grau leider etwas untergeht: Die in Wagenfarbe lackierten Blenden, die an den grimmigen Rückleuchten angebracht sind. Und grimmig schaut der Spider nicht nur von hinten, sondern auch an der Front: Die angespitzten Scheinwerfer wirken wie aggressiv zum Kampf zusammengekniffene Augen. Besonders, wenn das LED-Tagfahrlicht erstrahlt – Herrlich!

Interieur: Der Abarth 124 Spider passt, wie ein enger Lederhandschuh

Wer einmal in einem Mazda MX-5 gesessen hat, der wird sich auch im Fiat 124 Spider – pardon – im Abarth 124 Spider zurechtfinden. Besonders, da die Bedienelemente bewusst reduziert wurden. Außer einem Lenkrad, Schaltknauf und ein paar Pedalen gibt es nicht viel. Man blickt auf zwei hübsche, angenehmerweise analoge, Instrumente und hat alles im Griff. Dabei betont die mittige Anordnung des Drehzahlmessers, der rot unterlegt ist, den sportlichen Anspruch des Italieners mit japanischen Wurzeln. Etwas gewöhnungsbedürftig ist nur die Einteilung des Tachos in 30er-Schritte – aber es gibt weiß Gott Schlimmeres.

Das dunkle Interieur umschmiegt die beiden Insassen wie ein eng anliegender Handschuh.

Wie zum Beispiel die Ausstattung mit Ablagen, die etwas spärlich gesät sind im Spider. Türablagen? No, scusi! Ein Handschuhfach? Niente! Man muss schon schauen, wo man seine Habseligkeiten unterbringt. Es besteht beispielsweise das Problem, ob man nun sein Sonnenbrillen-Etui – ein wichtiges Utensil in einem Spider – oder sein Smartphone im kleinen Fach der Mittelkonsole unterbringt. Klar, es gibt ein kleines, abschließbares Fach zwischen den Rückenlehnen. Um dieses zu erreichen, muss man aber akrobatisch veranlagt sein. Und das Fach unter der mit hübschem Alcantara und böser Skorpion-Prägung versehenen Mittelarmlehne ist zu vernachlässigen. Hier passen allerhöchstens die Fahrzeugpapiere hinein.

Ablagen sind dünn gesät. Irritierender als das ist aber eher die Automatik. Oder?

Passend ist überhaupt ein gutes Stichwort. Mit 1,91 m Größe und der Figur, die nicht gerade der einer Elfe entspricht, kann man sich Gedanken machen, ob das Einsteigen und Platz nehmen nicht zur Tortur werden. Und zum Witz für Außenstehende. Aber nichts da. Klar, der Türausschnitt ist mit geschlossenem Dach klein. Aber Herrgott, wir sprechen hier von einem puristischen Roadster! Also, das Dach mit einem Armschwung nach hinten werfen, sich über den gewonnenen Raum zum Entern freuen und einfach in die knackigen Sportsitze werfen. Sie schmiegen sich selbst an kräftigere Naturen gut an, bieten angenehmen Seitenhalt und lassen sich weit genug zurückfahren, damit die Beine ausgestreckt werden können. Zumindest auf der Fahrerseite. Und so freut man sich, dass alles so angebracht ist, als wäre es um den Piloten herumgebaut. Das Lenkrad liegt satt in der Hand (…und hätte auch gern mit Alcantara bezogen sein können…), der Schaltknauf findet von selbst in die Hand und der Startknopf wartet nur darauf, gedrückt zu werden. Infotainment? Ja, gibt es auch. Es funktioniert. Gut sogar. Aber wen interessiert das schon, hier geht es schließlich um eine kleine Fahrmaschine!

Fahreindrücke – Dach weg und Spaß haben!

Der Weg zum Dauergrinsen ist ganz leicht: Dach öffnen, Motor zünden, Gas geben! Also, der Reihe nach. Das Dach entriegelt sich ganz leicht über einen Griff über dem Innenspiegel und ist binnen drei Sekunden offen. Genauso schnell schließt es übrigens auch wieder, wenn es einmal überraschenderweise regnen sollte. Schritt zwei könnte etwas länger dauern: Das Zünden des Motors. Dabei könnte es so einfach sein. Man drückt den Startknopf und basta. Aber die Gänsehaut und das nahezu debile Grinsen, das vor allem beim Kaltstart auf dem Gesicht verharrt, brauchen ihre Zeit zum Abklingen. Der kleine 1.4 Liter Turbo-Motor brüllt so laut los, dass bei der betagten Nachbarin die hübschen Leonardo-Gläser aus der Vitrine fallen. Wie es Abarth geschafft hat, diese böse Abgasanlage durch den TÜV zu bekommen – ein Rätsel. Aber egal, der Abarth 124 Spider rotzt so böse los, dass man keine andere Wahl hat, als ihm die Sporen zu geben.

Nicht nur der Auspuff des Abarth hat große Töne, auch das Soundsystem klingt satt.

Und das funktioniert erstaunlich gut! Die Wandlerautomatik schaltet schnell und sauber, wird nur manchmal etwas hektisch. Mit den Schaltwippen am Lenkrad hat man sie überdies immer gut im Griff, wenn auch mit etwas längerer Reaktionszeit. Soweit aber alles ok. Nur passt diese Art von Schaltung überhaupt nicht zum Charakter des wilden Italieners. Doch Fiat fügte sich hier der Kooperation mit Chrysler, sodass der kleine, radikale Roadster auch in den USA Verbreitung findet. Und die USA sind – das wissen wir alle – nun mal Automatik-Land. Für unsere Gefilde ist die Sechsgang-Schaltung, die beim Fiat 124 Spider schon so schön knackig und direkt flutschte, also klar die Empfehlung.

Empfehlen darf man übrigens auch das frühe Aufstehen. Am besten zum Sonnenaufgang. Nur dann sind die Straßen noch schön leer und man kann dem Abarth 124 Spider so richtig die Sporen geben, wie er es von einem fordert. Und er tut es unentwegt. Das Dach findet auch bei sieben Grad Außentemperatur stets seinen Weg hinter die Kopfstützen, sodass man dem Sprotzeln der Vierrohr-Abgasanage ungefiltert zuhören kann. Die Gasannahme ist direkt, die Automatik schaltet schnell herunter, um den Boost des kleinen 1.4er Turbos hoch zu halten und die sämige Lenkung zerteilt Kurven, dass es eine Pracht ist.

Kleine, verlassene Landstraßen sind das Revier des Abarth 124 Spider.

Dabei gibt sich das Fahrwerk noch nicht einmal übertrieben trocken, sondern federt – gerade bei höheren Tempi – Grobes gut heraus. Bei langsamen Geschwindigkeiten teilt die Abstimmung gerne mehr Details vom Bodenbelag aus, doch gerade in dem Maß, dass man verwundert ist, dass nicht mehr Schläge kommen. So kann man dem Abarth 124 Spider tatsächlich Alltagstauglichkeit zusprechen. Und wenn man sich mit 1,91 m etwas duckt, fliegen die Fahrtwinde einfach so über den Scheitel, ohne für allzu große Verwirbelungen zu sorgen.

Lässt man es allerdings krachen und – wir erinnern uns – das will der italienische Rabauke, dann zieht auch gerne mal ein Sturm durch den Innenraum. Bis 100 km/h, die man bei Bedarf in 6,9 Sekunden erreicht, halten sich Verwirbelungen in Grenzen. Und auch bei niedrigen Autobahngeschwindigkeiten, bis etwa 130 km/h, muss man nicht direkt zur Kopfbedeckung greifen. Doch wehe, wenn er losgelassen. Bei der angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 222 km/h zieht ein derartiger Orkan durch den Innenraum, dass die Augen zu tränen beginnen. Diese Geschwindigkeit ist zudem nur mit etwas Anlauf zu erreichen. Bis 210 km/h hat der kleine Abarth kein Problem, schließlich ist er ein Leichtgewicht. Darüber wird es aber sehr zäh – und laut. Doch wir sprechen auch von einem 1.4 Liter Motörchen. Und das Haupteinsatzgebiet des Abarth 124 ist auch nicht die Autobahn. Nein, es sind die kleinen, verwinkelten Landstraßen, deren Kurven man seit Jahrzehnten kennt. Deren Radius man immer wieder zu perfektionieren versucht. Genau dafür ist dieser Spider ein gutes Werkzeug.

Fazit – Ein lachendes, ein weinendes Auge

Kleines Herz unter Druck: Der 1.4 Liter Vierzylinder entwickelt 170 PS.

Am Ende der Testzeit bleibt ein zwiespältiger Eindruck vom Abarth 124 Spider. Zum einen ist es die Automatik, die nicht recht zum unverwaschenen Charakter des Roadsters passen will. Zum anderen könnte er durchaus auch noch etwas mehr Power vertragen – Fahrwerk und Chassis sind locker dafür geeignet. Und der Tank müsste größer sein. Bei einem Testverbrauch von absolut angemessenen 8,5 Litern auf 100 km – bei zügiger Gangart – saugt sich der Tank ratz fatz leer. Und sonst? Die knackige Lenkung, das gut ausbalancierte Fahrwerk und der pöbelnde Sound bleiben im Mark. Es gibt nur wenig Autos, die es schaffen, so viel Lust aufs Offenfahren zu versprühen. So wenige, die einen sonntags um sechs aus dem Bett holen, um „mal eben schnell Brötchen holen zu fahren“. Und so wenige, die Menschen an der Ampel begeistern, wie der Abarth 124 Spider. Leider fällt sein Preis mit rund 40.000 Euro in der Basis recht happig aus, sodass er wohl ein seltener Kandidat auf unseren Straßen bleiben wird. Schade, Bello! Arrivederci, du angriffslustiger Skorpion!

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Volkswagen Arteon – Der Klassen-Patient

#läuft – ein Hashtag, der bei Volkswagen nicht immer passend scheint. Der Volkswagen Phaeton? Ein Prestige-Objekt, ein tolles Auto, aber dennoch ein Flop. Der Volkswagen Passat CC bzw. nur „CC“ – wie er später hieß? Auch nicht gerade das, was man einen Kassenschlager nennen würde. Die Diesel-Thematik wollen wir jetzt nicht auch noch hervorkramen. Und dennoch: Volkswagen ist einer der erfolgreichsten Automobil-Konzerne der Welt, der allerdings ohne ein echtes Flaggschiff auskommen musste – bis jetzt! Dieser Aufgabe möchte sich der neue Volkswagen Arteon annehmen und gleichzeitig den CC wie auch den Volkswagen Phaeton beerben.

Fahrbericht

Design – Ein Hingucker

Der Volkswagen Arteon ist bei Bedarf ein richtig dynamischer Geselle.

Vielleicht sind die Zeiten, in denen alle Volkswagen ein Familiengesicht einte, mit dem Arteon passé. Immerhin trägt das neue viertürige Coupé nicht mehr den schmalen Grill, der mit maximal drei Streben die Scheinwerfer verbindet, sondern nun ein ausschweifend gestaltetes Pendant, das die Blicke auf sich zieht. Breite, horizontale Chromstreben verleihen dem Bug nicht nur Vehemenz, sondern auch Selbstbewusstsein. Zudem zieht das „Gesicht“ des Wolfsburgers Blicke nur so auf sich. Wer hätte das gedacht, dass man mit einem Volkswagen nicht ungesehen davonkommt.

Tatsächlich ist es so, dass der Volkswagen Arteon Fußgängern, Radfahrern wie auch anderen Verkehrsteilnehmern die Hälse verdreht – und das im unauffälligen Uranograu. Doch nicht nur die Front des Niedersachsen sticht heraus, sondern auch das stattliche Format. Klar, schließlich beerbt das neue Modell den Phaeton gleichermaßen wie den CC – da müssen die Abmessungen etwas zulegen. 4,87 m misst das viertürige Coupé und lugt damit in die obere Mittelklasse. Oberklasse-Format haben hingegen die Räder des Wolfsburgers: 20-Zoll kann man optional in die ausladenden Radhäuser bestellen. Spannend ist bei diesen die Aufnahme eines Stilelements, das man vom Audi TT kennt: Die Unterbrechung der seitlichen Tornadolinie durch das vordere Radhaus.

Beim Volkswagen Arteon hat man die Wahl zwischen der Basis, Elegance oder der R-Line.

Am Heck zeigt sich der Volkswagen Arteon hingegen weniger mutig gezeichnet, wirkt aber dennoch gefällig. Kirschrote Rückleuchten, die Breite betonende Linien und in die Heckschürze integrierte Endrohre – das wirkt chic und passt zum satten Flaggschiff-Charakter. Satt ist zudem das Kofferraum-Abteil: Hinter der weit öffnenden Heckklappe verbergen sich im Alltag sehr gut nutzbare 563 bis 1.577 Liter. Da sage noch einer, ein viertüriges Coupé sei nicht praktisch.

Interieur – Erkennbare Familien-DNA im Volkswagen Arteon

Alter Bekannter: Das Interieur kennt man vom Volkswagen Passat.

Zeichnet sich das Exterieur des Volkswagen Arteon durch starke Eigenständigkeit aus, kann man dies nicht gerade über das Interieur sagen – hier hielt das Cockpit des VW Passat Einzug. Dieser Karosserie hätte man etwas mehr Charakter im Innenraum gewünscht. Aber genug der Schwarzmalerei, schließlich gibt es sonst nichts am Wolfsburger auszusetzen. Die Materialauswahl genügt auch hohen Ansprüchen – und das muss sie auch, will der Volkswagen Arteon in der oberen Mittelklasse wildern. Außerdem steht vorn wie hinten genügend Raum zur Entfaltung parat. Ganz recht: Sogar hinten! Selbst Langbeinige können hinten die Beine übereinander schlagen. Als Knackpunkt könnte man hingegen die Kopffreiheit sehen, die durch die Coupé hafte Dachlinie eingeschränkt sein könnte. Doch Pustekuchen: Sogar Sitzriesen finden hier genügend Raum für ausschweifendes „Im-Takt-Mitnicken“.

Digitale Instrumente sind auch im Volkswagen Arteon State of the Art.

Und das stellt sich automatisch ein, wenn der Fahrer die Dynaudio-Anlage aufdreht (… und guten Musikgeschmack hat…). Satte Bässe, vollkommen verzerrfreie Höhen und eine Sattheit, die man in dieser Preisklasse selten findet. Schade nur, dass es so umständlich ist, die Lautstärke zu regulieren: Das neue 9,2 Zoll große Infotainment-System überzeugt auf ganzer Ebene, fällt aber durch die Abwesenheit eines wichtigen Dreh-Rades für die Lautstärken-Einstellung auf. Dabei wäre gerade dies ein wichtiger Punkt, da man diesen blind bedienen kann und den Blick nicht von der Straße wenden muss. Natürlich gibt es auch Lenkrad-Tasten, doch auch diese wären schneller zu bedienen, wenn sie gegen Rädchen getauscht würden. Am Infotainment selbst gibt es nichts auszusetzen: Das Bild ist gestochen scharf, die Konnektivität danke Apple CarPlay und Android Auto sowie MirrorLink bestens und die Bedienung – bis auf…. Naja, Sie wissen schon – vorbildlich. Ein echter Volkswagen eben.

Fahreindrücke – Souveränität auf allen Pfaden

Reichlich Platz für Beine und Knie. Aber wie sieht es mit der Kopffreiheit aus?

Als echter Volkswagen zeigt sich der Volkswagen Arteon auch beim Fahren. Souverän lässt sich das viertürige Coupé auf allen Untergründen und in jeder Situation bewegen. Im Stadtverkehr zeigt sich die leichtgängige Lenkung von Vorteil, während man auf Landstraßen den niedrigen Verbrauch des 2.0 TDI zu schätzen lernt: Bei unseren Fahrten über Land genehmigte sich der Wolfsburger 5,2 Liter auf 100 km. Und das ist ein herausragender Wert, schließlich sprechen wir hier von einem 240 PS Aggregat, das 500 Nm auf die Kurbelwelle drückt und beachtliche Fahrleistungen abliefert. Auf 100 km/h geht es in 6,3 Sekunden, während erst bei 245 km/h Schluss mit dem Vortrieb sein soll. Daran kann man wohl kaum etwas aussetzen, womit die Autobahntauglichkeit auch abgehakt wäre.

Länge läuft: Der Volkswagen Arteon wirkt stattlich.

Überhaupt möchte der Arteon beim Fahren „Everybody´s Darling“ sein. Sein DCC-Fahrwerk lässt sich nun stufenlos einstellen und bietet von stramm federnd bis sänftenartig gleitend alles, was das Passagier-Herz begehrt. Es ist erstaunlich, wie sanft der Volkswagen Arteon selbst mit den optionalen 20-Zoll-Felgen abrollt und sogar grobe Verwerfungen glatt bügelt. Komfortabel geht es weiter, wenn man den adaptiven Tempomaten ordert. In Verbindung mit dem Infotainment-System „Discover Pro“ bezieht dieser nun Navigationsdaten ein. Beim Fahren zeigt sich dies, indem der Arteon beispielsweise beim Erreichen einer Ortschaft automatisch auf die zulässige Geschwindigkeit abbremst und am Ende wieder auf Landstraßentempo beschleunigt. Selbst Kurven berücksichtigt der Assistent und bremst den Niedersachsen auf entsprechende Geschwindigkeit herunter. Je nach gewähltem Fahrmodus geschieht dies zügiger oder langsamer. So durchfährt der Volkswagen Arteon einen Kreisverkehr durchaus dynamisch, ist der Sportmodus gewählt, während man in der Komfort-Stellung gemütliche Kurvenfahrt aufnimmt. Das System funktioniert beeindruckend gut und zeigt sich sehr ausgereift.

Fazit – Erwartungen erfüllt

Der Volkswagen Arteon überzeugt – auf allen Ebenen. Sein Design hebt sich wohltuend aus der Masse hervor, der Innenraum gibt sich generös und das Kofferraumvolumen dürfte selbst vierköpfige Familien befriedigen. Zudem überzeugt die Technik, wie etwa der adaptive Tempomat oder das ausgeklügelte Infotainment. Jenes kann nicht nur das Tempo mitbestimmen, sondern Kurven bereits ausleuchten, bevor man sie erkannt hat. Dank LED-Scheinwerfern erstrahlen diese taghell. Was aber kann man diesem Wolfsburger wirklich ankreiden? Abgesehen von der Abwesenheit des Drehrädchens für die Lautstärke gibt es wenig Möglichkeiten, Kritik am Volkswagen Arteon zu äußern. Klar, die Preise starten bei rund 40.000 Euro, dafür bekommt man aber viel geboten. Ein außergewöhnliches Design etwa. Ein VW mit optischem Charakter – geht doch!

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