Erster Test: Lexus GS300h

Erster Test: Lexus GS300h

Minor Chance

Tempo 190 maximal. In einer Business-Limousine. In Deutschland. Man mag alleine nach dem kurzen Blick auf das Datenblatt heftig mit dem Kopf schütteln und die Lexus-Verantwortlichen fragen, was habt ihr euch dabei gedacht? Mal ernsthaft. Dabei kann diese Limousine etwas, was vielen anderen Autos heute abgeht. Aber sind 190 km/h nun zu wenig? Ein erster Fahrbericht nach dem kleinen Facelift des 2016er Modells soll Klarheit bringen. 

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Lexus GS300h im Fahrbericht

„Minor Change“ nennen die Verantwortlichen die Anpassungen am Lexus GS für das 2016er Modelljahr. Minor Chance beschreibt Chancen der japanischen Premium-Limousine auf dem deutschen Markt. Auf jedem anderen Flecken dieser Welt, allen voran in den USA, trumpft die Edel-Limousine von Toyotas Premiumtochter massiv auf. Lexus bietet den deutschen Kunden zwei Varianten des GS an, beides Hybride. Einmal 223 PS stark, einmal 345 PS. Ausgerechnet das schwächere Modell demonstriert die feine Stärke des Lexus GS. „Nerv nicht!“

Da nervt nix

Gefühlvoll anrollen, rein elektrisch. Der 143 PS starke E-Motor schiebt die locker 1.7 Tonnen schwere Limousine ganz unspektakulär an. Mangels einer größeren Batterie (1.3 kWh) endet der CO2-arme Vortrieb jedoch binnen weniger Augenblicke. Der 2.5 Liter Vierzylinder Atkinson-Benziner schaltet sich fast unmerklich zu. Gerade hier liegt die Stärke des Lexus-Setups. Motor an, Motor aus – davon spüren die Insassen nichts. Allenfalls der mangelnde Zug wirkt erst einmal ärmlich. Unpassend zur Größe der Limousine. Unpassend zum wenig zurückhaltenden Auftritt des Japaners.

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Teuflisch grinsen? Eher „in sich ruhen“ …

Bei den optischen Veränderungen kommen selbst ausgebuffte Auto-Journalisten an ihre Grenzen. Was genau hat Lexus am 2016er Jahrgang des GS verändert? Signifikant? Gar nichts. Es sind Details in den Gesichtszügen. Dabei bleibt der GS mit seinem derben Diabolo-Kühlergrill erst einmal ein Freund des weniger dezenten Erscheinungsbildes. Technisch wertvoll wirkt das Design der Frontscheinwerfer mit den LED-Elementen. Wer auf die Details schaut, der bekommt am Premium-Lexus eine Sondervorstellung geliefert.

Im Innenraum wirkt die Verarbeitung erneut besser, deren Finish langsam auch in Ingolstadt für Bewunderung sorgen dürfte. Sicher, klick,klick,klack flüstern die Drehschalter im Lexus noch immer nicht. Aber die ganzen anderen Details stimmen. Weich geschäumt, nahtlos genäht, schmale Fugen – robuster Unterbau. Dazu passt das neue 12.3 Zoll große (Format: 24:9) Display für das Multimedia-System (Entertainment und Navigation) in der Mittelkonsole. Mit einer besseren Auflösung gefällt die Darstellung. Zackig schnell reagiert das System auf Eingaben des Fahrers. Der Joystick zur Bedienung ist noch immer ein wenig „anders“ – aber anders muss nicht schlechter sein.

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Kultur vs. Dynamik

Die Stärke des Lexus GS liegt in seiner Ausgewogenheit. Kultiviert rollt er über Teerflicken, stressfrei beschleunigt er auf die Autobahnauffahrt. Die ersten Test-Kilometer im neuen Jahrgang haben wir in Spanien zurückgelegt. Hier sind Tempo 120 auf der Autobahn vorgegeben und auf Landstraßen sollen 90 km/h ausreichen. Der Lexus GS fühlt sich dabei wohl. Locker zoomen sich E-Motor und Benziner über die Tempo 100, völlig ruckfrei dank der cleveren e-CVT.

Eine stufenlose Automatik ist immer eine Herausforderung. Vor allem für den deutschen Auto-Journalisten, denn der ist bekannt für seine Abneigung gegenüber dem gefürchteten Gummiband-Effekt, den diese Technik vorhält. Auch der Lexus GS kann sich „überstrapaziert“ anfühlen. Grobe Gaspedal-Akrobatik zahlt der GS300h mit aufbrummender Vierzylinderakustik zurück. Während sich der Saugmotor unwirsch in die Drehzahlregionen rund um 4.500 Umdrehungen aufschwingt und dabei die Komfortzone seines Atkinson-Cycle verlassen muss, wandert die Tachonadel – asynchron zum Sound – in die Höhe. Es gibt nur ein Heilmittel dagegen: Gefühl. Viel Gefühl am Gaspedal.

Wer sich selbst entschleunigt, der erlebt die Stärke des Gesamtkonzeptes. Ein recht starker E-Motor, ein kaum stärkerer Benziner und verbunden wird das alles über ein Planetenradgetriebe. Vorteil und Nachteil in einem Paket. Die ruckfreie Kombination aus „Boosten“ und Rekuperieren aus dem ständigen Wechsel der Antriebsvarianten stehen dem eingeschränkten Übersetzungsverhältnis entgegen. Tempo 190? Dem deutschen Fuhrpark-Manager schwer zu vermitteln. Dabei werkeln doch 223 PS Systemleistung im Lexus GS300h.

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4.4 Liter auf 100 km

Der NEFZ-Wert von 4.4 Litern Benzin auf 100 Kilometern klingt nach einem Fabelwert. Bei einer betont gelassenen Testrunde sind wir auf 4.8 Liter gekommen. In einer Benziner-Limousine mit knapp 1.8 Tonnen! Eindrucksvoller kann man die Effizienz der Hybrid-Idee nicht darstellen. Wer sich vom Hybrid-Stil des GS300h nicht völlig einbremsen lässt, der wird in einer entschleunigten Welt dennoch kaum über 7 Liter kommen. Klingt nach viel zu viel – im Vergleich zum NEFZ-Wert – betrachtet man jedoch das ganze Paket, dann sind das absurd gute Werte.

Denn der Lexus ist brutalst komfortabel. Er packt seine Insassen in Watte. Gut gedämpft geht die Hektik der Welt am Lexus vorbei. Das Fahrwerk verwöhnt mit einer präzisen Vorstellung. Die erneut gesteigerte Steifigkeit der Karosse spürt man im Alltag in Form einer Solidität, die einen an die Schwaben der 70er Jahre erinnert.

Ein feinnervig klingendes Soundsystem von Audio-Experten Mark Levinson lässt sich ebenso ordern wie die Technik-Gadgets, die man in dieser Preisklasse erwartet. Ein Head-Up Display mit feiner Auflösung und guter Grafikgestaltung. Eine 3-Zonen Klimaautomatik mit einer Belüftungs-Logik für den Innenraum. Über die Sitzplatzerkennung nimmt die Klimaanlage wahr, welche Plätze besetzt sind und fokussiert sich auf die Insassen. Natürlich verfügt der Lexus über LED-Scheinwerfer. Natürlich gibt es einen Fernlicht-Assistenten. Einen Bremsassistenten, der mit der Hilfe von Radarsensoren und einer Kamera auch Fußgänger erkennt und das Risiko von Unfällen massiv reduziert.

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Fazit: Irgendwie so schwäbisch

Man sollte eigentlich den verantwortlichen Ingenieur in den Arm nehmen, ihm auf die Schultern klopfen und erklären: Ihr seid die neuen „Schwaben“. Nicht nur wegen der Bescheidenheit beim Top-Speed. Nein, eher weil Lexus heute etwas kann, wofür früher „der Daimler“ bekannt war. Ein beruhigendes Auto bauen. Ein Auto, das einen im Alltag weder mit Hektik noch mit falschen Versprechen nervt. Komfortabel und leise. Und geizig beim Verbrauch obendrein.

Im Falle der Hybrid-Limousine GS300h hilft aber dieses Talent leider auch nicht weiter. Vor allem der Bundesmichel im Leasingrausch wird auch diesen GS meiden wie der Schwabe die Prasserei. Eigentlich schade.

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Der Fahrzeugschein für den Lexus GS300h

Verkaufsstart:  Sofort
Basispreis:  Ab 47.100 €
Motorleistung:  223 PS (Kombiniert)
Antrieb und Getriebe:  Stufenlos (e-CVT)
Beschleunigung:  9 Sekunden für 0-100 km/h
Verbrauch – kombiniert:  4,4 – 5,0 (je nach Variante F-Sport ect.)
Höchstgeschwindigkeit:  190 km/h
Länge, Breite, Höhe, Radstand  4.880, 1.840, 1.455, 2.850 mm

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Alle Fotos: Lexus
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Bjoern

Autos und Motorsport – meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden.
Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports.

http://about.me/bhabegger

3 Comments

  1. Erstmal ein Kompliment zu eurer tollen Webseite. Echt cooler Blog. Der Lexus ist ein tolles Auto, ich hoffe bald eine Probefahrt machen zu können.

Lexus LS 500 F Sport – Groß, aber sportlich

Das Angebot sportlich akzentuierter großer Limousinen wächst. Erst kürzlich hat BMW mit dem M 760 Li eine dynamische Variante seines 7er ins Rennen geschickt. Diesem Beispiel folgt jetzt auch Lexus und präsentiert eine F-Sport-Version der Neuauflage des LS. Premiere feiert der Luxus-Bolide am 12. April auf der New York Auto Show.

Bislang hat Lexus allerdings nur ein Bild veröffentlicht, das einen Teil des Hecks zeigt. Zudem versprechen die Japaner, dass der LS 500 F Sport von der bislang steifsten Plattform in der Lexus-Geschichte profitieren wird und ein entsprechend gutes Handling bieten soll. Über den Antrieb wird noch nichts verraten. Möglicherweise kommt eine stärkere Variante des 3,5-Liter-V6-Benziners zum Einsatz, der im normalen LS 500 305 kW/415 PS leistet. Denkbar wäre allerdings auch, dass der F Sport den 5,0-Liter-V8-Motor aus dem Sportcoupé LC 500 erhält. Im zweitürigen LC leistet dieses Aggregat 343 kW/467 PS und 527 Newtonmeter Drehmoment, was eine Sprintzeit in unter 5 Sekunden erlaubt. (Mario Hommen/SP-X)

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Lexus LS 500h – Doppelherz und Doppelgetriebe

Anfang 2017 stellte Lexus auf der Detroit Autoshow die Neuauflage seines Flaggschiffs LS vor – damals noch mit einem über 400 PS starken V6-Benziner. Auf dem Genfer Autosalon (9. bis 19. März) folgt nun die mit einigen Spritspartricks gesegnete Hybridvariante LS 500h.

Erstmalig präsentiert wurde der neue Hybrid-Antriebsstrang im Luxuscoupé LC 500h, der einen 299 PS starken 3,5-Liter-V6-Benziner mit einem 179 PS starken E-Motor kombiniert. Im Zusammenspiel sollen Saugbenziner und E-Antrieb eine Systemleistung von 264 KW/359 PS in den Vortrieb werfen. Angaben zu Fahrleistungen des LS machen die Japaner noch nicht, doch dürfte die Sprintzeit etwas schlechter als beim Coupé ausfallen, das mit 4,7 Sekunden angeben wird. Eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h versteht sich in dieser Klasse von selbst.

Unter der Haube des LS 500h steckt ein technisch hochkomplexer Antrieb

Eine Besonderheit ist das Getriebe des LS 500h, bei dem einem zehn Gänge simulierenden, stufenlosen CVT-Getriebe eine Viergangautomatik nachgeschaltet wurde. Diese Technik soll für ein besseres Antrittsverhalten und niedrige Motordrehzahlen bei Reisegeschwindigkeit sorgen. Außerdem soll der Gummibandeffekt weniger ausgeprägt sein und der Antrieb ein lineares Beschleunigungsgefühl erzeugen. Als weitere Besonderheit kann der Verbrennungsmotor bei Reisegeschwindigkeiten bis zu 140 km/h komplett ausgeschaltet werden. Verbrauchswerte hat Lexus allerdings noch nicht verraten. (Mario Hommen/SP-X)

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