Mazda6 G165 – Das kommt uns nicht japanisch vor

Mazda6 G165 – Das kommt uns nicht japanisch vor

Mazda, das ist jene japanische Marke mit dem vielleicht europäischsten Anspruch. Dies merkt man optisch vor allem am extrovertierten Design, mit dem sich der Hersteller deutlich von den eher biederen Nippon-Pendants abhebt. Wer schon einmal in Japan war, dem wird aufgefallen sein, dass die Mazdas dort aufgrund ihres Aussehens im Alltagsverkehr eher wie Importmodelle wirken. Aber auch technisch geht Mazda häufig eigene Wege, auf die wir noch zu sprechen kommen. Insgesamt gibt sich die Marke einen deutlich sportlichen Grundanstrich, mit allen Vor- und Nachteilen, die das so mit sich bringt. Das galt auch für unseren Mazda6-Testwagen, den wir in der wahrscheinlich in Deutschland eher seltenen Kombination Limousine und mittlerer Benziner antrafen.

Langer Lulatsch: Der Mazda6 erstreckt sich auf fast 4,90 Meter

Aber kurz noch einmal zum Design. Soweit man heute überhaupt noch gefallen an einer ganz normalen Mittelklasse-Limousine finden kann – und der Autor tut dies ausdrücklich – gibt es am Outfit des Mazda6 wenig auszusetzen. Durch den im Vergleich zum Kombi acht Zentimeter längeren Radstand, bei sechs Zentimeter mehr Gesamtlänge, streckt sich der Viertürer auf beachtliche 4,87 Meter. Die Designer nutzten den Spielraum für eine dynamisch-fließenden Linie, die vorne von einem großen Grill mit dicker Chromspange und LED-Scheinwerfern und hinten von einem ruhigen Heckabschluss flankiert werden. Ein Design, das man sich auch in einigen Jahren noch gerne anschauen wird.

Mazda versucht, das optische Versprechen einer besonderen Dynamik auch in die Realität umzusetzen. Das Fahrzeug ist nicht bretthart abgestimmt, aber vermittelt durchaus einen engen Kontakt zur Straße. Das ist nicht jedermanns Sache, aber wir mochten das. Das manuelle Sechsgang-Getriebe lässt sich knackig schalten, allerdings sind die oberen Gänge für den Anspruch einer sportlichen Limousine eher zu lang ausgelegt. Das spart zwar Treibstoff, dafür dauert es aber auch, bis der Mazda6 auf höhere Geschwindigkeiten kommt. Und an einer Autobahn-Steigung der steileren Art muss auch schon mal zurückgeschaltet werden. Im Vergleich können die alternativen 2,2-Liter-Diesel (150 oder 175 PS) hier mehr überzeugen.

Ähnlich wie beim Design geht Mazda auch bei den Antrieben seit einigen Jahren einen eigenen Weg. Statt kleinvolumiger Turbo-Motoren setzen die Japaner auf selbst entwickelte Sauger mit relativ hohen Hubräumen

Ähnlich wie beim Design geht Mazda auch bei den Antrieben seit einigen Jahren einen eigenen Weg. Statt kleinvolumiger Turbo-Motoren setzen die Japaner auf selbst entwickelte Sauger mit relativ hohen Hubräumen. Während die 165 PS unseres Testwagens bei anderen Herstellern meist aus 1,6-Liter-Motoren entwickelt werden, stellt Mazda dafür relativ satte 2,0 Liter zur Verfügung. Zudem verdichtet der Sauger extrem hoch. So kann man einerseits locker auf der Drehmomentwelle reiten, die mit maximal 210 Newtonmeter gar nicht allzu hoch ausfällt, und andererseits stehen die Mazda-Motoren für relativ gute Realverbräuche und sich daraus ergebene ebenso gute Abgaswerte. Wir waren mit 7,3 Liter im Schnitt eigentlich zufrieden, auch wenn die versprochenen 5,9 Liter stets außer Reichweite waren.

Dieser Mazda ist also klar ein Fahrerauto, zumal auch die Instrumentierung und Bedienung keine Rätsel aufgibt

Eine für die Marke typische Neuerung hat Mazda mit der Modellpflege des 6ers in diesem Jahr eingeführt. Hinter dem Begriff G-Vectoring steckt im Prinzip ein Software-Update. Das Motormanagement reduziert in einer Kurve für einen kurzen Moment die Einspritzmenge, was eine Reduzierung des Drehmoments zur Folge hat. Dadurch wird, ähnlich wie bei einer selbst eingeleiteten Bremsung, Last auf die Vorderräder geleitet und die Traktion steigt. Beim Kurvenausgang regelt das Motormanagement die Sache andersrum, die Einspritzmenge wird erhöht, das Drehmoment steigt und somit wir die Last auf die Hinterräder geleitet, was zu mehr Fahrstabilität führt. Es wäre übertrieben zu schreiben, dass der Fahrer diesen Effekt sofort merkt, dazu müsste man einen direkten Vergleich fahren. Aber G-Vectoring hilft sicher, den Gesamteindruck, eines sichern und spielerisch leicht zu bewegenden Fahrzeugs nochmals zu unterstreichen. Das System gehört übrigens bei allen Mazda6 zur Serienausstattung.

Dieser Mazda ist also klar ein Fahrerauto, zumal auch die Instrumentierung und Bedienung keine Rätsel aufgibt. Man sitzt übrigens auch viel besser als in vielen anderen japanischen Autos und auch nicht so unangenehm hoch. Trotz seiner Länge ist die Mazda-Mittelklasse aber kein Raumwunder: Hinten geht es zwar nicht eng, aber auch nicht üppig zu. Der Kofferraum fällt mit 480 Litern dagegen klassenüblich aus.

Dank Head-up-Display kann der Fahrer des Mazda6 seinen Blick stets auf der Straße behalten

Wie häufig bei Importmodellen, kann man auch beim Mazda6 in Sachen Ausstattung nicht völlig frei wählen. Unsere Version mit dem 165-PS-Benziner gibt es zum Beispiel ab der mittleren Ausstattung Exklusiv-Line und ab 31.190 Euro. Allerdings ist zu diesem stolzen Preis immerhin schon vieles an Ausstattung enthalten, etwa LED-Licht, Einparkhilfen vorn und hinten oder auch die Zweizonen-Klimaautomatik. Bei den Assistenten ist die Auswahl eingeschränkt: Ein Totwinkel-Warner und ein City-Notbremsassistent sind immerhin an Bord. Andere Dinge wie Müdigkeitserkennung oder einen Spurhalteassistenten gibt es erst ab Sports-Line, die beim G165 mit 34.290 Euro zu Buche schlägt. Das ist dann selbst für eine optisch sehr gelungene und sehr fahraktive japanische Mittelklasse ein deutliches Wort. (Peter Eck/SP-X)

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SP-X Redaktion
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