News: McLaren 675 LT – Das grüne Gift

News: McLaren 675 LT – Das grüne Gift

McLaren schärft seine Super Series nach: In Erinnerung an eine besonders heiße Version des legendären F1 bringen die Briten jetzt den 675 LT an den Start. Auf dem Papier bietet der „Longtail“ zwar nur 25 PS mehr als der 650 S, und auch die 100 Kilo weniger Gewicht oder die 40 Prozent mehr Abtrieb scheinen erst einmal keine 75.000 Euro Aufpreis wert. Doch in der Praxis hat das neue Top-Modell für ganz und gar unbescheidene 309.750 Euro das Zeug zum schärfsten Sportwagen diesseits des hauseigenen P1, von La Ferrari oder Porsche 918 Spyder. Kein Wunder, dass die auf 500 Exemplare limitierte Serie bereits kurz nach der Premiere auf dem Genfer Salon schon ausverkauft ist und Spätentschlossene jetzt hohe Aufpreise zahlen müssen.

Aber sobald der 675 LT im Cruise- und nicht im Kampfmodus ist, wirkt er vergleichsweise freundlich und friedlich und taugt sogar als Langstreckenauto.
Aber sobald der 675 LT im Cruise- und nicht im Kampfmodus ist, wirkt er vergleichsweise freundlich und friedlich und taugt sogar als Langstreckenauto.

Für die Spitzenstellung des eiligen Engländers stehen zum einen die nüchternen Fakten. Schließlich wird die Luft dünn in einer Liga, wo 700 Nm auf gerade einmal 1.230 Kilo treffen, wo für den Spurt von 0 auf 100 km/h nur 2,9 Sekunden vergehen, wo nach 7,9 Sekunden eine 200 über den Tacho flimmert und wo der Rausch des Rasens erst bei 330 km/h endet.

Aber mehr noch steht dafür ein unglaublich verdichtetes Erlebnis. Denn es ist faszinierend, wie intuitiv sich der Tiefflieger im Kampfmodus beherrschen lässt: Die Sitzposition intim, die Gewichtsbalance perfekt, die Lenkung messerscharf, die bremsen fein dosierbar und die Kraftentfaltung explosiv – so wird man förmlich eins mit dem Auto und erlebt eine Rasanz, die unmittelbarer kaum sein könnte. Egal ob auf der Autobahn die linke Spur oder eine einsame Landstraße – mit diesem Auto reitet man so leicht und lässig auf Messers Schneide, dass einem Angst und Bange wird.

Er ist potent, aber nicht protzig, laut, aber nicht vorlaut und es ist kein bisschen peinlich, wenn man mit ihm durch die Innenstadt rollt.
Er ist potent, aber nicht protzig, laut, aber nicht vorlaut und es ist kein bisschen peinlich, wenn man mit ihm durch die Innenstadt rollt.

Dabei bewahrt der McLaren aber im Gegensatz zu vielen anderen Supersportwagen stets die Contenance. Er ist potent, aber nicht protzig, laut, aber nicht vorlaut und es ist kein bisschen peinlich, wenn man mit ihm durch die Innenstadt rollt. Ja, seine Airbrake ist wahrscheinlich größer als jeder Ferrari-Flügel und jedes Lambo-Leitwerk. Und mit dem Frontspoiler könnte man auch den Rasen im Park vor dem Buckingham Palace mähen. Aber sobald der 675 LT im Cruise- und nicht im Kampfmodus ist, wirkt er vergleichsweise freundlich und friedlich und taugt sogar als Langstreckenauto. Denn so eng die Karbonschalen auch sein mögen, die sie bei McLaren euphemistisch „Sitze“ nennen, und so kompromisslos das Fahrwerk abgestimmt ist, bietet der 675 LT ein überraschendes Maß an – sagen wir mal – Komfort.

Um das ohnehin schon eindrucksvolle Fahrerlebnis aus dem 650S derart auf die Spitze zu treiben, haben die McLaren-Entwickler an vielen Schrauben drehen müssen. Am 3,8 Liter großen V8-Motor zum Beispiel haben sie jedes zweite Bauteil angefasst, weite Teile der Karosserie sind neu konstruiert und haben einen noch höheren Karbon-Anteil. Das Fahrwerk ist tiefer und weiter, die Luftführung wurde für Abtrieb und Kühlleistung optimiert und für noch mehr Nähe zwischen Mensch und Maschine haben die Ingenieure nicht nur weitgehend auf Sitzpolster und Innenraum-Verkleidung verzichtet, sondern gleich auch noch die Dämmung rausgeworfen und dünnere Scheiben eingebaut. So fühlt man sich, als sitze man mitten im Maschinenraum und bei jedem Gasstoß bricht die Hölle los.

So eng die Karbonschalen auch sein mögen, die sie bei McLaren euphemistisch „Sitze“ nennen, und so kompromisslos das Fahrwerk abgestimmt ist, bietet der 675 LT ein überraschendes Maß an – sagen wir mal - Komfort.
So eng die Karbonschalen auch sein mögen, die sie bei McLaren euphemistisch „Sitze“ nennen, und so kompromisslos das Fahrwerk abgestimmt ist, bietet der 675 LT ein überraschendes Maß an – sagen wir mal – Komfort.

Nur beim Design sind die Briten weiter in ihrer Form gefangen. Nachdem es schon schwerfällt, die neue, fast bürgerliche Sport Series, die Super Series und den P1 auseinander zu halten, muss man beim LT noch genauer hinschauen. Denn auch wenn er einen rasiermesserscharfen Frontsplitter trägt, die Kiemen an der Seite weiter ausgestellt sind und die Heckschürze ähnlich wie beim P1 fast nur noch aus Lochblech besteht, verschwimmen die Unterschiede spätestens dann, wenn das Auto mal schneller als 100 km/h fährt. Einzig die gelochte Plexiglasabdeckung über dem dunkel eingefärbten Motor taugt deshalb als untrügliches Erkennungszeichen.

So stimmig das Auto, so unsinnig ist der Name: LT steht für Longtail und soll an eine Sonderserie des legendären F1 erinnern, mit denen die Briten vor knapp 20 Jahren bei den 24 Stunden von Le Mans und zwecks Homologation parallel dazu auch auf der Straße angetreten sind. Während das Auto damals stolze 60 Zentimeter länger war, überragt der Longtail des Jahres 2015 den 650S nur um runde 4 Zentimeter – und die gehen obendrein nicht auf das Heck, sondern auf das Konto des neuen Frontsplitters. Das hält die Briten aber nicht davon ab, dieses Kürzel demnächst noch häufiger einzusetzen, sagt Pressesprecher Wayne Bruce: „Künftig soll es in jeder Baureihe einen LT geben.“

Auf dem Papier bietet der „Longtail“ zwar nur 25 PS mehr als der 650 S, und auch die 100 Kilo weniger Gewicht oder die 40 Prozent mehr Abtrieb scheinen erst einmal keine 75.000 Euro Aufpreis wert.
Auf dem Papier bietet der „Longtail“ zwar nur 25 PS mehr als der 650 S, und auch die 100 Kilo weniger Gewicht oder die 40 Prozent mehr Abtrieb scheinen erst einmal keine 75.000 Euro Aufpreis wert.

Autor: Benjamin Bessinger/SP-X

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SP-X Redaktion
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Bringing the baby home – McLaren 570S

Die Zutaten für den Erfolg einer Oper sind schnell aufgezählt. Ein herausragendes Orchester, stimmgewaltige Interpreten und ein abwechselnd leise oder vehement aufgebautes Thema, das am Ende klanggewaltig vom Zuhörer Abschied nimmt. Nicht viel anders sieht das mit den Ingredienzen aus, die die Fahrt mit einem Sportwagen von McLaren zu etwas ganz Besonderem machen. Vom Einstiegsmodell 540c über den 570S, die Ultimate Series P1 und P1 GTR bis zu den Super Series 650S und 675 LT spielen der 3,8 Liter –V8- Mittelmotor mit doppelter Aufladung hinter den Sitzen, das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe mit kunstvoll pointierten Gangwechseln und die Leichtigkeit der Kohlefaser-Monocoque Chassis gewollt und gekonnt das Hohelied einer von vehementer Kraft erfüllten Harmonie beim Fahren. Auf der Rennstrecke oder auf der Straße. Mein.auto.blog hat den „Baby McLaren“ auf einer Testfahrt vom westfälischen Soest heim ins Mutterhaus nach Woking in Großbritannien gebracht.

Der metallene Sound des Achtzylinders läutet den Morgen ein.
Einladend schwingen sich die Schmetterlingstüren dem Fahrer entgegen.

Der Achtzylinder unter der gewölbten Motorhaube des mantis grünen 570S aus der Manufaktur von McLaren erwacht in dem westfälischen Städtchen auf Knopfdruck mit einem blechernen Knallen zum Leben. Für die meisten Bewohner der mittelalterlichen Fachwerkhäuser rund um den verriegelten Parkplatz dürfte die Nacht damit zeitgleich zu Ende sein. In Zeitlupe schieben sich jetzt die Flanken der über zwei Meter breiten und viereinhalb Meter langen Flunder durch das elektrische Parkplatztor. Bei einem zum Zweck der Überführung heim nach England anvertrauten Wert von mehr als 265 000 Euro geht man da schon sehr, sehr vorsichtig zur Sache. Schnell liegen die engen Altstadtgassen hinter uns, auf der gerade mal Tempolimit freien deutschen Autobahn bietet sich jetzt eine letzte Gelegenheit, den 570S nochmal richtig rennen zu lassen, bevor sich die geballte Kraft von 570 PS durch Benelux hin ins nordfranzösische Calais leider die Zügel anlegen lassen muss.

600 Newtonmeter katapultieren den 570S in 6,3 Sekunden von 100 auf 200 km/h 

Ein Push auf das Gaspedal und die Vehemenz von 600 Newtonmetern auf der Hinterachse lässt den Sportwagen unvermittelt nach vorne schießen und drückt einen noch tiefer in die vor dem Cockpit versenkten Performance-Sitze. Fahrwerk und Antrieb des von Carbon umhüllten und damit nur 1440 Kilogramm schweren zweitürigen Coupes lassen sich unabhängig voneinander in Normal, Sport oder Track schalten. Dann ist der McLaren entweder völlig Tiefen entspannt oder schreit auf wie jetzt, als er in wenigen Sekunden (genauer berechnet in 6,3 Sekunden ) auf der Überholspur von 100 auf 200 km/h beschleunigt. Jede einzelne der Rillen zwischen den Asphaltplatten der Autobahn wird unvermindert an den Popometer weitergegeben. 280 km/h müssen für jetzt und heute genug sein und die Höchstgeschwindigkeit von 328 km/h muss einer tatsächlichen Rennstrecke vorbehalten bleiben. Beim Abbremsen vor der Baustelle ziert sich die serienmäßige Kohlefaserkeramikbremse dann etwas, doch ein kräftiger Druck beendet den wortlosen Dialog und bringt den nach Geschwindigkeit gierenden Briten zur Raison.

Ein Monitor in Form großer Smartphones schwebt frei neben dem kleinen feinen Lenkrad. (Foto: McLaren)

McLaren macht seine Rennboliden alltagstauglich

Die langsamere Fahrt lässt es zu, die Blicke schweifen zu lassen, nur kurz bleiben sie bei der Verbrauchsangabe hängen. Das giftgrüne Coupe schlabbert natürlich nur vom Feinsten, aber knapp 12 Liter Super Plus auf 100 km trotz vieler Spurts zum Kennenlernen und auch danach bleiben im moderaten Bereich. Immer wieder gleiten die Finger über das in Alcantara gehüllte Innere. Wen Eitelkeiten plagen, der darf in einen Kosmetikspiegel blicken, wer Platz für das Schminktäschchen sucht, findet ihn in im Handschuhfach. Was zeigt, dass McLaren seine Rennboliden jetzt tatsächlich alltagstauglich machen will. Apropos. So schön diese weit aus holenden Schmetterlingstüren bei Mc Laren auch sein mögen: die schrankenbewehrte Zufahrt zum Eurotunnel in Calais erforderte mangels eines Beifahrers eine gewisse Gelenkigkeit, um unter der halb geöffneten Fahrertür den erforderlichen Zahlencode einzutippen.

Tempolimits schränken den nach Geschwindigkeit gierenden Briten ein.
Etwa 20 Minuten lang wird die Fahrt im Eurotrain den McLaren von der Strasse nehmen.
Für die Felgen bleiben rechts und links nicht all zuviel Platz.
Wegen zu breiter Spur verweist man den „Baby-McLaren“ zwischen die Camper.

Endlich nahe der Wiege aller McLaren in Woking angekommen, lädt der ländliche Südwesten von England mit seinen langen gezogenen Geraden und sanft geschwungenen Hügeln zu einem Umweg und zur Kurvenhatz. Auf Lastwechsel in allzu engen Kurven reagiert der giftgrüne Supersportler gerne auch etwas aufgeregter. Doch das ESP lässt immer ordentlich Spielraum und lässt auch schon mal ein Crescendo zu. Drückt man den Knopf länger und zieht sich die Stabilitätskontrolle hinter einen Vorhang zurück, schnalzt der McLaren mit all seiner Kraft los und wirft seinen gewölbten Hintern herum wie eine zickende Operndiva.

Die 570 PS des 570 S treffen auf gerade mal 1440 Kilogramm Gewicht.        (Foto Craig Pusey)
Die serienmäßige Kohlefaserbremse will mit voller Kraft bedacht werden. (Foto: Craig Pusey)

 

Im verschlafenen Örtchen lammfromm, auf der Landstraße dann auf Wunsch hemmungslos. (Foto: Craig Pusey)
Die Karosserie als aerodynamische Meisterleistung macht einen Spoiler entbehrlich. (Foto: Craig Pusey)
Der Sonne entgegen. Götterdämmerung im Südwesten Englands (Foto: Craig Pusey)

Die Rechnung des Rennwagenbauers „aus der Formel für die Straße“ ist aufgegangen. Der McLaren 570S fährt sich wie im Traum. Das Finale an diesem Tag ist wagneresk und im Zuge der Dämmerung zieht sich die Sonne hinter seiner Silhouette mit den spektakulären Schmetterlingsflügeln langsam zurück.

Text und Bilder : Solveig Grewe, Craig Pusey, McLaren

 

McLaren 720S – Supersportwagen für Einsteiger

McLarens „Super Series“-Sportwagenbaureihe geht in die zweite Runde. Das neue Modell 720S löst nach zwei Jahren Bauzeit 650S ab. Neben mehr Leistung, weniger Gewicht und neuem Look gibt es auch kleinere Verbesserungen: zum Beispiel einen leichteren Einstieg.

McLaren bringt im Sommer den 720S auf den Markt – hier als Sondermodell „Velocity“

Wie die Modellbezeichnung es bereits andeutet, leistet der hinter den beiden Sitzen platzierte V8-Motor nun 720 PS statt wie bisher 650 PS. Dazu wurde das doppelt aufgeladene Triebwerk zu großen Teilen neu aufgebaut, unter anderem wuchs der Hubraum von 3,8 auf 4,0 Liter. Hinzu kommt ein gründlich modifiziertes Chassis mit hohem Carbonanteil, das mit 1.283 Kilogramm 18 Kilogramm leichter ist als zuvor. Den Spurt von null auf 100 km/h absolviert der Mittelmotor-Sportler in 2,9 Sekunden, Tempo 200 ist nach 7,8 Sekunden erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 341 km/h. Offizieller, aber wohl höchst theoretischer Verbrauchswert: 10,7 Liter auf 100 Kilometern.

Der Nachfolger des 650S verfügt über 720 PS

Komplett neu ist auch das Cockpit. Schon der Einstieg gelingt dank der neuen Karosseriestruktur leichter. Die nämlich erlaubt einen größeren Öffnungswinkel für die Schmetterlingstüren. Mehr als ein netter Gag sind die versenkbaren Instrumente, die beim Umschalten in den Rennstrecken-Modus im Armaturenbrett verschwinden und über einen kleinen Schlitz nur noch die wirklich relevanten Informationen zeigen. In anderer Hinsicht setzt der McLaren jedoch auf Alltagstauglichkeit: So kann die Front für Fahrten über Parkhausrampen angehoben werden, dank besonders dünner Säulen soll zudem die Übersichtlichkeit beim Rangieren für ein Fahrzeug dieser Klasse ungewöhnlich gut sein.

Das Cockpit wurde komplett neu gestaltet

Auf den Markt kommt der McLaren 720S im Mai. Deutsche Kunden zahlen mindestens 247.350 Euro für den Straßensportwagen – rund 16.000 Euro mehr als für den 650S. Wer sich noch nicht entschließen will, kann auch noch etwas warten. Der 720S ist lediglich der Auftakt für eine Modelloffensive der Briten. In den nächsten fünf Jahren sollen 15 neue Modelle und Derivate auf den Markt kommen. Darunter sicher auch eine Cabriovariante des 720S. (Holger Holzer/SP-X)

Die Flügeltüren schwingen nun weiter auf