Erstkontakt mit der neuen G-Klasse

Mit einem vorzeitigen Leak* präsentierte sich die neue G-Klasse deutlich vor der geplanten Weltpremiere auf dem Automobil-Salon in Detroit. doch wer „stronger than time“ ist, der kann, der muss damit umgehen können. Die grandiose Premieren-Feier lies sich Mercedes-Benz im winterlichen Detroit dennoch nicht entgehen und mit dem Terminator himself auf der Bühne (ja, Arnold Schwarzenegger) standen gleich zwei Legenden an diesem Abend im Mittelpunkt. Das der neuzeitliche Öko-Fan Arnie dann dem Daimler-Boss Zetsche gleich noch das Versprechen abrang, die neue G-Klasse auch bald elektrisch, oder wenigstens „ein wenig elektrisch“ anzubieten, mag bei dem ein oder anderen anwesenden MoTown-Gästen als Hollywood-Scherz verstanden worden sein, sollte aber fett in den Notizbüchern der Journalisten vermerkt sein.

Erstkontakt mit einer Legende – Teil II

Weltpremiere der Mercedes-Benz G-Klasse in Detroit 2018

Arnold Schwarzenegger wird immer mit der Rolle als Terminator verbunden sein. Ein Blockbuster in mehreren Fortsetzungen. Der andere Grazer Star an diesem Abend, denn sowohl die G-Klasse als auch Arnold Schwarzenegger haben ihre Wurzeln in der Steiermark, kann selbst nach fast 40 Produktionsjahren erst auf einen Fortsetzung Teil 2 verweisen. Sicherlich, die G-Klasse wurde über die letzten Jahre ständig und stetig verfeinert. Aus dem Ex-Militär-Fahrzeug wurde ein Statement mit bollerndem V8, massiven Leistungsdaten und einem Preis der mehr als Statement denn als Kaufgrund zu verstehen war. Wer in Arnies zweiter Heimat rund um Hollywood unterwegs ist, der wird nicht glauben das es jemals eine andere G-Klasse gab, als schwarze G63 Varianten von AMG. Was in Stuttgart der W124 einst war, ist in Hollywood ein G63. Eben ein ganz normales Auto, für ganz normale Menschen. Oder so.

Während man sich in Hollywood Botox spritzen lässt (für alle Abmahnanwälte; Nein ich habe keine Namen genannt und behaupte nicht, Arnold Schwarzenegger wäre jemals einer Botox-Kur unterzogen worden) war es für die Entwickler der neuen G-Klasse, Generation II nach 40 Jahren, ein leichtes, gerade das äußere des Geländewagens nicht anzufassen. Es scheint gar verboten gewesen zu sein.

Handwerkliche Qualitäten und Feinschliff im Design

 

Im Gespräch mit dem Entwicklungs-Chef Oliver Metzger

Das schwierigste war, den Charakter des Fahrzeuges beizubehalten und dennoch an allen Punkten der Konstruktion für eine Verbesserung zu sorgen. Für uns war schnell klar, wir wollen vor allem die „Onroad-Performance“ verbessern, denn Offroad waren wir schon immer die Benchmark – deswegen auch die neue Vorderachse.

Alles wie früher – nur besser

Optisch ist der Unterschied zum Vorgänger für ungeübte Augen nicht feststellbar. Selbst bei einem direkten Auftritt auf der Messe, sind es nur die Details die den Nachfolger verraten. Das dennoch nur drei Bausteine vom Vorgänger übrig blieben. Es wundert, ist aber ein Fakt. Reserverad-Abdeckung, Wischwassser-Düsen in den Scheinwerfern und die Türgriffe. Ansonsten ist jedes Blech und jede Schraube neu. Das dies auch für die sichtbaren Scherenscharniere an Türen und Motorhaube gilt, mag man als merkwürdigen Anachronismus abtun, ist aber Teil einer Brauchtumspflege die dem Erhalt eines Kulturgutes gut tut. Das Schließgeräusch der Türen, es ist so herzhaft metallisch und robust wie eh und ja. Das sich Designer und Entwickler dennoch nicht ausgeruht haben, sieht man in den Details. Wo zuvor lieblos die Dichtgummis mit einem Montagemesser gekürzt wurden und Kanten und Abschlüsse über die Zeit gewachsen und verändert wurden, ohne auf eine optische Ordnung zu achten, liegt nun Liebe im Detail. Da sitzen Zierleisten nun auf sorgfältig gebügelten Kanten und alle Blechabschlüsse passen zueinander, vorne wie auch hinten.

Das sich der weiterhin runde Hauptscheinwerfer nun einer Linse mit LED-Technik bedient und damit optional eine möglichst variable Lichtverteilung ermöglicht, oder die Rücklichter aussehen wie beim Vorgänger und dennoch völlig neu konstruiert wurden und nun leicht in die Seite übergehen – es sind alles Details die einem erst auffallen, wenn man mehrere Minuten lang, den Vorgänger mit der jüngsten Generation vergleichen kann.

Optimierte Achs-Konstruktion minimiert die Kräfte die in die Karosse eingeleitet werden. Die Doppel-Querlenkerachse vorne ermöglicht deutlich mehr Komfort auf der Straße. Zitat: Oliver Metzger

Natürlich werden die Hardcore-Offroad-Fans heulen. Der Abschied von der Starrachse mag für sie ein Verrat an den Werten „echter Geländewagen“ sein, doch Mercedes-Benz „G GmbH“ Entwicklungs-Chef Oliver Metzger verspricht, auch weiterhin die Benchmark im Offroad-Parcours zu bleiben. Doch in der Zukunft soll auch die Fahrt hin zum Offroad-Gelände erträglich sein. Mit einer neuen Zahnstangen-Lenkung und der für viele Assistenzsysteme notwendigen elektrischen Unterstützung, soll das Feeling Onroad nun deutlich wertiger und komfortabler sein. Die neue Vorderachse mit den massiven unteren Querlenkern aus Stahl und einem hohen Anteil an Leichtmetall in der restlichen Konstruktion wurde dennoch bewusst auf den harten Umgang „Off-the-road“ vorbereitet. Nicht abgerückt ist man von den drei manuell schaltbaren Differential-Sperren. Eines der Kulturgüter der G-Klasse, die vermutlich 90% der Käufer einer G-Klasse noch nie wirklich benötigt hat.

Bescheidene Basis

Und auch wenn die „Basis-Motorisierung“ der neuen G-Klasse nur vier Liter Hubraum besitzt, zwei Turbolader und die nahe Verwandtschaft zum Supersportler Mercedes AMG-GT macht deutlich in welchem Preislichen Umfeld sich die „neue G-Klasse“ zuhause fühlt. Das G-Modell ist längst kein Nutzfahrzeug mehr und dank der deutlich gewachsenen Abmessungen muss man die kultige kantige Form auch nicht mehr mit Abstrichen beim Platzverhältnis bezahlen. Bis zu 10 cm mehr Breite und 5 cm mehr Länge. Die G-Klasse bleibt sich dennoch, nicht nur optisch, treu.

Die Power-Versionen von AMG mit derben Achtzylinder-Sound halten diese Baureihe seit einigen Jahren am Leben, es scheint daher nur richtig, auch den Anfang der neuen Generation mit einem 422 PS starken „Einstiegsmotor“ zu feiern. Nun kombiniert mit 9-Stufenautomatik und Untersetzungsgetriebe, verwöhnt vor allem der Innenraum dann endlich mit der erwarteten Zeitenwende. Mögen die Lautsprecher-Hörnchen auf dem Armaturenträger mit ihrer „Anlehnung“ an die Blinkerform auf den vorderen Kotflügel auch fast in die Kategorie „Kitsch“ fallen, so gefällt das restliche Cockpit mit der Finesse die man dieser Preisklasse anheim trägt und dank dem Baukastensystem für Multimedia- und Entertainment-Systeme, darf auch dieser Bereich als „state of the art“ abgehakt werden.

I’ll be back

Der Terminator, alias Arnold Schwarzenegger, die G-Klasse und Dieter Zetsche, zusammen in Detroit. Das alle könnte ein unterhaltsamer Film-Plot sein. Die neue G-Klasse ist mit dem Heritage-Design 2.0 ein Eye-Catcher geworden. So kultig und genial wie immer und dennoch, völlig neu. Das muss man erst einmal nachmachen. Das sich die G-Klasse in der Zukunft auch mit einem Reihen-Sechszylinder-Dieselmotor ordern lassen wird, wollen wir nicht ausschließen. Und auch die von Arnold gewünschte G 500e Variante als Plug-in Hybrid erscheint wahrscheinlich. Das ist dann zwar alles nicht mehr ganz so Terminator-Like wie ein ebenso bald anstehender G63 – aber manchmal muss man sich eben neu erfinden, um überhaupt zurück kommen zu dürfen. Welcome back, G-Wagon! 

 

*Leak = Eine ungewollte Vorab-Veröffentlichung des Fahrzeuge - das auch wir auf unserem Facebook-Kanal übernommen hatten.
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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger