Mercedes S 500 Coupé: Der wahre Luxus

Mercedes S 500 Coupé: Der wahre Luxus

„Wir nehmen Ihr S-Klasse Coupé zur umweltgerechten Entsorgung gemäß der Umweltrichtlinie der EU wieder zurück – aber bis dahin ist noch lange Zeit“, schreibt Mercedes auf der Rückseite des Prospekts über das teuerste Coupé des Hauses. Man darf davon ausgehen, dass die Rücklaufquote nicht wirklich messbar sein wird. Üblicherweise erfreuen auch ältere Coupés der S-Klasse ihre Fahrer, ob sie nun, wie beim aktuellen Modell als solche gekennzeichnet sind oder wie vorher CL heißen. Vom Erstkäufer, der in unserem Fall mindestens 125.961 Euro und 50 Cent auf das Konto des Händlers transferiert hat, geht es runter bis zum Fan älterer Gebrauchter und von dort langsam aber sicher zu den Sammlern von Oldtimern. Von einem solchen ist das S 500 Coupé mit Allradantrieb noch weit entfernt. Tatsächlich ist es aktuell wohl das Spitzenprodukt des Hauses, wenn man davon absieht, dass es die gleiche Karosserie auch mit einem noch stärkeren Zwölfzylinder gibt.

Aber in aller Bescheidenheit: Der 4,6 Liter große, doppelt aufgeladene Achtzylinder ist natürlich völlig ausreichend. Wer 335 kW/455 PS und 700 Newtonmeter als zu schwächlich empfindet, mäkelt wahrscheinlich auch nach einem 5:0 des FC Bayern über die schlechte Chancenverwertung. Kann man machen, muss aber nicht sein. Für diese Sorte Kritiker hat Mercedes den S 63 AMG mit 585 PS oder den S 65 AMG mit 630 Pferdchen im Stall.

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Ein Coupé dieser Größenordnung kauft man, weil es schön ist, nicht aus irgendwelchen praktischen Gründen. Dienstwagennutzer mit und ohne Chauffeur werden in dieser Preisregion zur Limousine greifen. Den Luxus des Selberfahrens, und zwar den zu zweit, verdient man sich mit selber zahlen. Dafür erhält man ein Fahrzeug, das mit 5,02 Metern knapp zehn Zentimeter kürzer und mit 1,41 Metern etwa 8 Zentimeter niedriger ist als die Limousine der S-Klasse. In der Praxis heißt das: Die benötigte Parkfläche ist quasi identisch, aber Platz ist hinten nur noch für jüngere Enkel und das auch nur, wenn der Fahrer seinen eigenen Beinraum nicht gänzlich ausreizt. So gesehen steht Luxus hier auch für eine Art ultimativer Raumverschwendung.

Zum Auftritt gehört natürlich auch, dass selbst die im wesentlichen unbrauchbaren Rücksitze mit allerfeinsten Tierhäuten bespannt sind, wie überhaupt die Sessel – von profanen Autositzen zu sprechen, träfe den Charakter des Mobiliars nicht – von ausgesuchter Klasse sind. Im von uns bewegten Exemplar stammte das Leder aus der Exklusive-Variante, die das werkseitig weitgehend komplett ausgestattete Fahrzeug um knapp 7.000 Euro verteuert und veredelt. Ledersitze gehören übrigens genauso zum Serienumfang wie das große Navigationssystem mit dem Riesendisplay, das bereits aus der Limousine der S-Klasse bekannt ist, wie überhaupt die Interieurgestaltung weitestgehend dem Stil des Viertürers entspricht inklusive dem sehr lobenswerten Head-up-Display.

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Wenig überraschend, dass Mercedes den S 500 auch in seiner flacheren Form mit allem ausstaffiert, was das Assistentenarsenal hergibt. Wir konnten unter winterlichen Bedingungen nicht alles ausprobieren, wollen aber gerne glauben, dass dieses Fahrzeug im Stop-and-Go-Verkehr von alleine dem Vordermann folgt und dabei auch in Kurven selbsttätig lenkt, wenn man denn noch mindestens den kleinen Finger am Lenkrad lässt. Gelegentliche Hinweise auf verschmutze Sensoren im Schneegestöber zeigen nebenbei, dass es vielleicht auch technisch noch ein wenig dauert, bis so ein Auto ganz alleine fahren kann.

Womit wir bei den Kritikpunkten wären, die zu finden tatsächlich nicht ganz einfach war. Da wäre zum Beispiel der edle Dreh-Drücksteller samt Fingerdisplay, dessen Kanten aus massivem Aluminium geformt sind. Sieht schön aus, fühlt sich gut an, aber nur, wenn das Fahrzeug temperiert ist. Auf den ersten zehn bis zwanzig Kilometern nach Kaltstart ist das Alu einfach eisig. Die ebenfalls aus Aluminium gefertigten Tasten für die Anwahl verschiedener Menüs sind ohne hinzuschauen nicht unbedingt fehlerfrei zu bedienen und – wir jammern hier auf sehr hohem Niveau – ebenfalls nicht wohltemperiert.

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Etwas unpassend, aber das ist Geschmacksache, fanden wir den sehr sportlichen Auspuffton, den das Coupé beim Anlassen und beim Kickdown loslässt. Für sportlich ambitionierte Menschen ist das genau richtig. Aber hier handelt es sich um ein Luxuscoupé, das knapp 2,1 Tonnen auf die Waage bringt und nicht etwa um einen Sportwagen. Wobei der Zweitürer durchaus schnell ist. Wenn es Not tut, beschleunigt er in 4,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Der Winterreifen wegen war unser Exemplar bei 240 km/h abgeriegelt. Normalerweise griffe der Begrenzer 10 km/h später ein. Ausgereizt sind dabei weder Motor noch Fahrwerk. Selten bewegten wir uns so gelassen und so leise so schnell vorwärts. Bei 200 km/h dreht die Kurbelwelle kaum 3.000 Mal in der Minute. Dass der Achtzylinder in der Allradversion seine Kraft nur über sieben statt den sonst mittlerweile möglichen neun Gängen verteilt, haben wir nicht als negativ bemerkt.

Keinen Grund zum Meckern bietet der Verbrauch. Mit 11,8 Litern verpassten wir zwar den Normwert von 9,9 Litern, angesichts der Fahrleistungen und der winterlichen Bedingungen ist das S 500 Coupé aber wirklich nicht als durstig zu bezeichnen. Maximal flossen 15 Liter durch die Einspritzdüsen. Die Eigner eines solchen Fahrzeugs werden es verschmerzen. Zurückgeben werden sie die vielleicht schönste Möglichkeit, schnell und erdgebunden zu Reisen, deshalb sicherlich nicht.

Autor: Günter Weigel/SP-X

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