Shanghai 2017: Noch lachen wir

Shanghai 2017: Noch lachen wir

中華人民共和國 / 中华人民共和国, die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt und mit knapp 1.4 Milliarden Einwohnern der wichtigste Wachstumsmarkt der Welt für die Automobilindustrie. Nicht wenige Automobil-Experten sind sich einig: Die Zukunft des Automobils wird hier im „Land der Morgenröte“ entschieden. Mag das Automobil auch in Europa geboren sein, was die Industrie für die nächsten Jahre verändert, hat seinen Grund jedoch eher im „Milliarden-Volk“ und dem scheinbar unaufhaltsamen Wachstum der Wirtschaftsmacht China. Umso wichtiger ist die Präsenz der Premium-Hersteller hier in China. Die Shanghai Autoshow wird damit auch zum Umfeld für die Weltpremiere des massiven Facelifts der neuen S-Klasse. Das hat auch einen guten Grund, denn deren Käufer sind nirgendwo jünger als hier in China. Chinas S-Klasse Käufer sind oftmals „erstmalige“ Mercedes-Benz Kunden. Die Traditionsmarke aus Schwaben verkauft sich hier prächtig, ganz ohne Traditionskunden. Noch funktioniert das Modell.

Noch bestimmt die „alte Welt“ die Marschrichtung der Automobil-Industrie, der Geschmack der Chinesen dient oft nur als laues Lüftchen im Sturm der Veränderungen. Und doch, wenn ein Hersteller wie Mercedes-Benz eine ganz eigene „Hippie-Kommune im Vatikanstadt“ gründet, eine schnelle Eingreiftruppe, ein eigenes Programm für Disruption auflegt wie mit dem Programm CASE geschehen – dann bestimmt auch China hier die Vorgaben. Vernetzung. Autonomes Fahren. Teilen und Elektrifizierung. Keiner Wirtschaftsnation traut man hier mehr Veränderungsleistung zu als den Menschen im viertgrößten Land (nach der Fläche beurteilt) der Welt.

Waren es bislang die großen Automobilhersteller der „alten Welt“, die Marschrichtung und Geschwindigkeit vorgaben, ändert sich das gerade massiv. Noch lachen wir.

Doch der Wind wird stärker. Neben den Wünschen und Bedürfnissen der chinesischen Kunden entwickelt sich auch das wirtschaftliche Umfeld in China schneller und programmatischer als anderswo. Die Regierung in China muss auf die massiven Veränderungen in ihren Mega-Citys reagieren. Die Ansprüche steigen. Sicherheit, Emissionen und Produktionsvorgaben, nirgendwo in der Welt reagiert der Gesetzgeber harscher und unvorhersehbarer. In Städten wie Shanghai oder Peking wurden quasi über Nacht die stinkenden Zweitakt-Mofas verboten. E-mobilität bestimmt den Alltag im Bereich der Mobilität schon heute, wenn man nur die Zwei- und Dreiräder betrachtet.

Und ein Rundgang über die wichtige Automobilmesse in Shanghai 2017 vermittelt einen Eindruck von den zukünftigen Anforderungen, denen sich auch die deutschen Automobilhersteller werden stellen müssen.

Elektromobilität, Design und Ausstattungswünsche – China bestimmt die Richtung und noch sind es die Premium-Hersteller der alten Welt, die den Markt anführen. Doch nie zuvor hat eine Automobilmesse in China deutlicher gezeigt: Der Druck steigt. 

Noch lachen wir über Automobilhersteller aus China, die kein westlicher Journalist kennt. Lachen über Bastelbuden, mit denen man sich in Deutschland vor kein Fachpublikum trauen würde. Wir wundern uns über dreiste Kopien, über ganz klar nachgeahmte Designmuster. Und während man die letzten Jahre eher beruhigt von der Messe nach Hause flog, denn das, was bei den völlig unbekannten Herstellern stand, es war einfach zu lächerlich, als das es eine über Jahrhunderte etablierte Industrie bedrohen könnte, ändert sich das nun. Die 2017 Auto Shanghai war in der Botschaft sehr eindeutig. Noch lachen wir über Spaltmaße, die nicht in Millimetern oder Zentimetern gemessen werden – wundern uns über die maximale Lieblosigkeit, mit der Bleche verarbeitet wurden und halten uns die Nasen zu, um nicht von den üblen Ausdünstungen der billigen Plastik-Innenräume übermannt zu werden.

Noch lachen wir über Namen, die man nicht aussprechen kann, über Phantasie-Wappen und schauen eher ängstlich in Richtung Westen. Das Silicon Valley und die dort ansässigen Tech-Firmen, sie waren klar ausgemacht als Quell der übermächtigen Disruptionsgefahr. Shanghai 2017 hat jedoch einen anderen Eindruck hinterlassen.

Das Lachen, es dürfte uns schneller vergehen, als man sich das vor ein paar Jahren noch gedacht hat. Denn die Bastelbuden verschwinden. Die Automobilwirtschaft in China lernt schnell, nutzt die regulatorischen Vorteile im eigenen Wirtschaftsumfeld. Denn kein Automobil-Hersteller kann ohne Partner aus China auf dem wichtigsten Zukunftsmarkt vertreten sein. Egal, ob BAIC (Daimler und Hyundai), FAW (Volkswagen, Toyota, Mazda) oder SAIC (GM, Volkswagen, Volvo)  – jeder dieser großen Hersteller aus China lernt von einem oder – schlimmer – von mehreren der wichtigen Global-Player der Automobil-Industrie.

Nein, das ist kein SUV aus Ingolstadt.

Und China lernt schnell. Eine fast unbändige Manpower trifft auf einen Ehrgeiz, den das alte Europa vermutlich nur aus der Wirtschaftswunderzeit kennt. 27-Jahre alte Doktorandinnen, die fließend Englisch, Deutsch und ihre Muttersprache sprechen. Gewerkschaftsfreie Arbeitszeiten. Der maximale Willen zum Erfolg. Gepaart mit den Erfahrungen, dem Know-How, der Kompetenz aus der „alten Welt des Automobilbaus“. Eine Mischung, die einen stärkeren Einfluss auf die deutsche Automobilindustrie haben könnte als die oft gefühlte Disruptionsgefahr aus dem Silicon-Valley.

Hersteller wie SAIC haben gerade angekündigt, die 2005 gekauften Rechte an den MG-Modellen Rover 75 und Rover 25 nun wieder als Automobilmarke auf den Europäischen Markt zu bringen. Die – nach gescheiterten Verhandlungen – als Roewe betitelten MG-Modelle werden als „MG“ zurück nach Europa kommen. Aber eben nicht die „alten Modelle“. Sondern das Ergebnis der letzten 10 Lehrjahre. Und SAIC zeigt unter der Marke Roewe erstaunlich serienreif wirkende SUV-Modelle. Mit einem annehmbaren Verarbeitungsniveau. Mit Vernetzungsoptionen und einem Interieur, klar ausgerichtet auf die Bedürfnisse von Multi-Smartphone-Nutzern.

Angetrieben von Plug-in Hybrid Technik.

Hersteller wie WEY, eine „Premium-Marke“ des „Great Wall Konzerns“, präsentieren westliches Design mit eigener Note. Auch hier, der Plug-in Hybrid SUV ganz vorne. Die Vorgaben der chinesischen Regierung ist eindeutig: Emissionsfreiheit in den Mega-Citys. Die Wünsche der Autokäufer? Status und SUV. Noch zehren wir als „alte Welt“ von unserem Vorsprung. Doch wenn wir nicht jetzt ganz schnell reagieren, eigene Prozesse überdenken und den Markt mit seinen Vorgaben stärker berücksichtigen, dann könnte manch einem Automobilhersteller das Lachen vergehen.

Es ist nicht die Diskussion über Dieselfahrverbote in deutschen Innenstädten, die unsere Wirtschaft – als Automobil-Journalist-Blogger-Whatever bezeichne ich die Automobilindustrie als „unsere Wirtschaft“ – bedroht. Es ist auch gar nicht mehr die Frage, ob TESLA ein tolles Luxus-Produkt auf die Beine gestellt hat und ob Google in das Geschäft mit der Mobilität einsteigt. Es ist einzig die Frage, wie lange wir noch lachen. Lachen über die Anstrengungen der Chinesen. China lernt schneller, als man sich das vorstellen konnte. Einen Borgward, einen Lynk, einen WEY – wer stellt die Frage nach der Tradition, wenn er sich Status und Kompetenz zu neuen Preismarken erlauben kann? Ein Plug-in Hybrid Familien-SUV für weniger als 30.000 €? Eine vollständig elektrifizierte Modellpalette? Vernetzung, Emissionsfreiheit und Autonomie – die Schlagwörter für die Zukunft. Und unsere Benchmark wird sich im Osten befinden. Noch lachen wir. Noch.

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

Alle Highlights, bevor es losgeht: Seat auf der IAA

Es ist noch gut eine Woche hin, bis die IAA 2017 ihre Tore für die Weltöffentlichkeit öffnet. Doch Seat hat es besonders eilig, seine Highlights schon jetzt zu präsentieren. Und diese haben es in sich! Die Kompaktklasse der Spanier wird mit einem neuen Topmodell, dem Seat Leon Cupra R, gekrönt, das natürlich im Mittelpunkt des Messeauftritts steht. Daneben zeigt man aber auch den Seat Arona, ein SUV im B-Segment, das besonders wichtig für die aufstrebende Marke ist. Und auch technisch legen die Spanier ein Pfund auf den Tisch: Der Sprachassistent von Amazon – “Alexa” – soll zukünftig in die Modellpalette integriert werden.

Die Modelloffensive geht weiter

Im Jahr 2016 haben die Spanier 410.000 Fahrzeuge abgesetzt – eine Zahl, von der man vor noch nicht allzu langer Zeit bei Seat nur träumen konnte. Nach nun über 25 Jahren im VW-Verbund hat es die spanische Tochter so langsam geschafft schwarze Zahlen zu schreiben; nicht zuletzt dank des Seat Leon. Der spanische Kompakte ist ohnehin schon ein dynamisches Fahrzeug, wird zur IAA 2017 aber nochmals mit einem Topmodell gekürt: Dem Seat Leon Cupra R.

Dieser „Hot Hatch“ wird zur internationalen Automobilausstellung in Frankfurt/Mail (16.09. – 24.09.) vom Stapel gelassen und dürfte heiß begehrt sein. Gerade einmal 799 Exemplare werden vom Band rollen. Das Besondere am Seat Leon Cupra R ist zum einen sein Plus an Leistung: Je nach Wahl der Schaltung stehen 300 bzw. 310 PS parat. Daran angepasst zeigt sich natürlich auch das Äußere des Cupra R. Während die Farben mit Grau, Schwarz oder einem speziellen Mattgrau eher zurückhaltend ausfallen, zeigen die Anbauteile aus Carbon die pure Sportlichkeit des Spitzenmodells. Getoppt wird dies vom Doppelrohr-Auspuff und den Akzenten im Farbton „Kupfer“. Jenen wird man auch im Innenraum wiederfinden.

Dank Akzenten in „Kupfer“ fällt das Topmodell sofort auf

Eine wichtige Säule

Neben dem Seat Leon sind die SUV eine tragende Säule in der Modellpalette. Diese wird nun um den Seat Arona ergänzt, der in Frankfurt seine offizielle Weltpremiere – und damit gleichzeitig seinen Marktstart – feiert. In diesem Rahmen werden auch die Preise des B-SUV bekanntgegeben, der auf dem Seat Ibiza basiert.

Außerdem geht die Wahl des Namens für das große Seat-SUV in einen weitere Runde. Der Kandidat, der auf Augenhöhe mit dem Skoda Kodiaq und dem Volkswagen Tiguan Allspace ranigert, ist aktuell noch namenlos. Doch Seat entwarf eine pfiffige Aktion, in der die Communitiy Vorschläge einreichen konnte. Die aktuellen Highlights sind „Aran“, „Aranda“ und „Abrera“. Welcher Name es im Endeffekt wird, ist aber noch lange nicht entschieden.

Beschlossene Sache hingegen ist „Alexa“. Das ist kein neues Seat-Modell, sondern der Sprachassistent des Online-Giganten Amazon. Künftig soll Alexa in den Modellen Leon, Ateca, Arona und Ibiza integriert werden und den Aufenthalt im Fahrzeug so angenehm wie nur möglich gestalten. Dazu kann man das System mit der Eingabe des Zielorts beschäftigen oder sich ein Restaurant in der Umgebung finden lassen. Weitere Funktionen sollen demnächst bereitstehen. Und sollte man einmal allein im Fahrzeug sein, spricht Alexa auch sicherlich gerne ein paar Worte mit dem Fahrer oder der Fahrerin.

So will Audi dem Tesla Model X Paroli bieten!

Audi bereitet sich vor. Der Erfolg von TESLA macht die deutschen Automobilhersteller nervös – gegen das Modell S und X muss es doch eine Lösung geben – und schon bald will auch Audi auf dem Markt der Premium-E-Fahrzeuge mitmischen. Etliche Studien und Versprechen sollen die Vorfreude schüren! Der jüngste Streich: Das Audi e-Tron Sportback Concept auf der Auto Shanghai.

Auffallend ist die prägnante Frontpartie des knapp fünf Meter langen Viersitzers. An der Front empfindet eine dominante Maske den typischen Audi-Kühlergrill nach. Dazu gibt es eine konkave Fronthaube, prägnant ausgestellte Kotflügel und ein schlankes Fließheck mit durchgehendem Leuchtenband. Ob nun Viersitzer, 5- oder später doch ein Siebensitzer – dem sollte man derzeit nicht zu viel Aufmerksamkeit widmen. Wiedererkennungswert soll auch die ausgeklügelte Fahrzeugbeleuchtung bieten; 500 LEDs an der Front sollen Grafiken und kommunikative Zeichen erzeugen können. Der Innenraum kommt reduziert daher, die Bedienung läuft vor allem über berührungsempfindliche Bildschirme. Aber ist das wirklich wichtig? Eine viel wichtigere Rolle spielen das Antriebssystem und das gesamte Elektro-Ökosystem.

Technisch gleicht das Coupé dem bereits für 2018 angekündigten SUV. Wie schon bei dessen IAA-Studie E-Tron Quattro sorgt auch beim zweiten Konzeptfahrzeug ein elektrisches Motorentrio für bis zu 370 kW/505 PS Leistung, permanenten Allradantrieb und eine Spurtzeit von 4,5 Sekunden. Wer das Beschleunigungspotenzial nicht auslastet, sollte mit einer möglichen 95 kWh Batterie im Alltag mehr als 350 Kilometer weit kommen. Ähnliche Konfigurationen bietet derzeit auch der E-Auto-Pionier TESLA aus den USA.

Den Start macht 2018 das große SUV, der Sportback folgt ein Jahr später und platziert sich innerhalb des Audi-Portfolios in der Nähe des konventionell angetriebenen A7 Sportback. 2020 könnte dann ein Kompaktmodell auf Basis des Volkswagen-Elektrobaukastens das Angebot ergänzen.

 

 

 

(Text: In Zusammenarbeit mit SP-X, Bildbearbeitung: mein-auto-blog)

 

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