4 Fragen an: Design-Professor Paolo Tumminelli

4 Fragen an: Design-Professor Paolo Tumminelli

Immer mehr Nischen, immer mehr SUV und immer weniger Knöpfe: Trends zu denen der Kölner Design-Professor Paolo Tumminelli eine klare Meinung hat.

Paolo-Tumminelli-729x486-b769596a9ee2c6f1Ist der „Keine-Knöpfchen-Trend“ im Interieur einer der sich hält, oder werden die Hersteller in näherer Zukunft wieder umschwenken?
Paolo Tumminelli: Der Touch-Screen ist vom Automobil nicht mehr wegzudenken. Nur so lassen sich alle Funktionen, Optionen und Firlefanz günstig steuern. Künftig darf man noch mehr Bildschirme – für verschiedene Nutzer und/oder Funktionsgruppen – erwarten. Sprachsteuerung kommt auch noch dazu. Für den guten alten Knopf sehe ich eher schwarz – sein Preis-Leistung-Verhältnis ist zu ungünstig. Daher vielleicht als einzige Ausnahme: teure Supersportwagen, die Formel-1-Gefühl vermitteln wollen.

Beherrschendes Frontdesign 2014: der aufrecht stehende Kühlergrill. Warum nehmen so viele Hersteller (BMW, Mercedes, Mazda) dieses Design-Element auf?
Paolo Tumminelli: Weil das Automobil immer höher baut. Einerseits Fußgängerschutz, andererseits große Räder und dann noch der allgemeine Trend zum SUV. Als Konsequenz zieht sich die Front optisch in die Vertikale, so dass nur ein aufrecht stehender Grill dazu gut passt – und der gerade deswegen auch modisch wird.

Der Trend geht dazu, dass die Hersteller immer mehr (Nischen-)Modelle anbieten. Führt das Ihrer Meinung nach zu einer zu begrüßenden Vielfalt oder gefährlichen Beliebigkeit?
Paolo Tumminelli: Der Trend führt zu Markenchaos, Flops, Wertverlust – und letztlich vielleicht zur Rückbesinnung. In der Vorstellung der Hersteller soll das Automobil zum Superkonsumgut werden, jedes Jahr ein neuer Typ oder, wie Mobile.de schön sagt: „welcher ist dein nächster?“. Damit wird lediglich die Unfähigkeit kaschiert, richtige Innovation zu betreiben. Mit der umgekehrten Strategie beweist Apple, dass ein einziges, dafür richtiges Produkt, selbst im härtesten und schnellsten Markt, sich hundertmillionenfach verkaufen lässt.

Immer mehr Hersteller verpassen ihren SUV eine künstlich dynamische Optik. Warum?
Paolo Tumminelli: Weil SUV vor allem Traum – oder besser Illusion – unbegrenzter Potenz sein soll. Die pseudosportliche Form lockt eine rapide alternde, vor allem westliche Kundschaft, die nicht mehr fit für den 911er ist. Dass die Dynamik nur künstlich ist, stört niemanden: Schließlich sind bei der anvisierten Zielgruppe Haare, Ohren, Hüften, Herz – und Gott weiß was sonst noch – bereits jetzt künstlich.

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SP-X Redaktion
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