Audi Rückruf 24.000 A7 und A8 mit V6 TDI in Europa — Abgas-Problem beim Diesel wegen Getriebe-Software

Audi ruft in Europa 24.000 Diesel der Baureihen A7 und A8 mit dem Dreiliter-V6-TDI der Abgasnorm EU5 zurück. Der Grund: In bestimmten Fahrzuständen komme es zu Auffälligkeiten bei den NOx-Emissionen, so Audi.

Das habe Audi „im Rahmen einer proaktiven, umfassenden Überprüfung von Getriebesoftware in verschiedenen Modellvarianten“ festgestellt. Grund ist laut Audi, „dass die Motordrehzahl in manchen Bereichen ungünstig von der Getriebesoftware beeinflusst wird.“ Dadurch können sich die Emissionen verschlechtern. Die Software verursache NOx-Werte, die zum Teil um 20 bis 100 Prozent über dem Grenzwert der Euro-5-Abgasnorm liegen, nach der die Fahrzeuge eingestuft sind. Audi hat nach eigenen Angaben mit dem Kraftfahrtbundesamt einen Rückruf mit aktiver Kundenansprache vereinbart. Als Gegenmaßnahme soll in den Werkstätten eine neue Software aufgespielt werden, was 30 Minuten dauert. Betroffen sind europaweit 24.000 Autos aus den Modelljahren 2010 bis 2013 mit V6- und V8-Diesel-Motoren. 14.000 der betroffenen Autos sind in Deutschland zugelassen.

Dobrindt: unzulässige Software bei Audi

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte am Donnerstag (1. Juni) in Berlin gesagt, Audi habe unzulässige Software zur vorübergehenden Reduzierung des Abgasausstoßes verwendet. Sie habe bewirkt, dass erkannt wurde, wenn das Auto auf einem Prüfstand war – dann wurden die Abgas-Reinigungssysteme angeschaltet. Dobrindt sagte, er habe bereits mit VW-Chef Matthias Müller gesprochen und kündigte an, dass nun weitere Fahrzeuge des VW-Konzerns mit ähnlichen Motoren untersucht werden sollen.

Audi bittet um Entschuldigung

Der Hersteller hingegen betont in einer Pressemitteilung: „Audi wird auch weiterhin vollumfänglich mit den Behörden und dem Kraftfahrtbundesamt zusammenarbeiten und entschuldigt sich bei seinen Kunden für die Unannehmlichkeiten und setzt alles daran, die gefundenen Auffälligkeiten so schnell als möglich zu korrigieren“. Der Rückruf soll im Juli beginnen.

Razzia während Hauptversammlung

Er auch nach einer Razzia bei Audi im Zuge von Untersuchungen der Staatsanwaltschaft München – ausgerechnet während der Hauptversammlung von Audi im März. Wie das Handelsblatt berichtet, weitet die Staatsanwaltschaft in München ihre Ermittlungen gegen Audi in der Diesel-Affäre wegen der Aussagen von Verkehrsminister Dobrindt aus. Erstmals sind nun auch in Europa verkaufte Fahrzeuge Gegenstand der Untersuchungen, während die Staatsanwaltschaft München II bisher wegen rund 80.000 Fahrzeugen ermittelt, die in den USA verkauft wurden. Dort hat sich Audi Anfang 2017 schuldig bekannt, mittels Abschalteinrichtungen den Abgasausstoß von Fahrzeugen mit 3,0-V6-TDI manipuliert zu haben.

Getriebe-Software von Audi zum zweiten Mal auffällig

Die Getriebe-Software bei Audi-Modellen mit dem Dreiliter-TDI und Automatikgetriebe war schon einmal in einem anderen Zusammenhang auffällig geworden. Eine US-Anwaltskanzlei hat am 9. November 2016 eine erste Sammelklage im Namen von Autobesitzern wegen angeblicher Manipulation von Emissionswerten bei Benzinern mit 3,0-Liter-Motoren eingereicht. Betroffen seien die Modelle A6, A8, Q5 sowie wahrscheinlich auch Q7 und möglicherweise noch weitere Audi mit Automatikgetriebe.

Zuvor hatte die „Bild am Sonntag“ berichtet, dass Ingenieure der kalifornischen Umweltbehörde CARB die Manipulation im Sommer entdeckt hätten. Sie betrifft Audi-Modelle mit dem Automatikgetriebe AL 551, laut Bericht der Wochenzeitung wurde das Getriebe in mehrere 100.000 Fahrzeuge eingebaut – bis Mai 2016 inklusive Schummel-Software.

Ein Dreh am Lenkrad steigert den Verbrauch

Aufgeflogen ist die Manipulation, als während des Prüfstandslaufs eines Audi mit V6-Motors jemand am Lenkrad drehte: Die Messwerte seinen darauf hin dramatisch gestiegen, berichtet die Zeitung. Die Software starte zunächst in einem „Warm-up“ mit niedriger Schaltdrehzahl, spart so Kraftstoff und CO2. Sobald das Lenkrad um mehr als 15 Grad gedreht wird – was auf dem Prüfstand normalerweise nicht vorkommt, im Straßenverkehr hingegen völlig normal ist – schaltet die Software um. Damit soll bei Messwerten des schädlichen Klimagases CO2 getrickst worden sein – auch bei Benzinern. Das würde bedeuten, dass der Skandal, bei dem es bislang um den Ausstoß des Schadstoffs Stickoxid bei Dieselwagen ging, eine neue Dimension erhalten würde.

Der Betrug ist besonders heikel, weil sich Audi zur Zeit wegen des Abgasskandals in Verhandlungen mit der US-Justiz befindet. In Deutschland richtet sich außerdem die Kfz-Steuer nach dem CO2-Ausstoß, ebenso die NoVa in Österreich. Dem Kraftfahrt Bundesamt (KBA) hatte Audi noch vor einigen Monaten erzählt, gar keine Prüfstandserkennung zu verwenden.

„Zyklusoptimiertes Schaltprogramm“

Die „Bild am Sonntag“ zitiert aus dem Abschlussprotokoll einer Sommerfahrt in Südafrika, laut dem Axel Eiser, der damalige Leiter Antrieb fragt: „Wann wird es das zyklusoptimierte Schaltprogramm geben?“ Das „Schaltprogramm soll so ausgelegt werden, dass es auf der Rolle zu 100 % aktiv ist, beim Kunden aber nur in 0,01 %.“ Axel Eiser leite inzwischen die Aggregateentwicklung des Volkswagen-Konzerns, so die BamS weiter.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/audi-abgasaffaere-ruckruf-a7-a8-eu5-getriebe-software-3957032.html

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