Blogger Relations en Detail

Blogger Relations en Detail

Rock’nRoll oder doch nur die kleine Kammermusik?`

Alex hat sich genötigt gefühlt auf meinen gestrigen Blog zu antworten. Und natürlich hat Alex viel dazu zu schreiben gehabt. (Darum bloggen wir ja)

Alex war nicht meiner Meinung, das es bereits einige Blogger geben würde, die heftigst von der Industrie umgarnt werden:

Von umgarnen kann meiner Meinung nach keine Rede sein. Die Hersteller sind interessiert daran, was im Web aktuell passiert und nähern sich Bloggern an. Möchten ins Gespräch kommen. Die einen mit speziellen Events, die anderen laden Blogger zu den Presse-Terminen ein, die für Journalisten seit Jahrzehnten durchgeführt werden, wieder andere mit Testleihstellungen. Das mag von außen betrachtet wie umgarnen aussehen, ist aber eigentlich Kommunikations-Business as usuall Nur eben, dass nun der Kreis der Gesprächspartner etwas erweitert wird.

Nun, natürlich umgarnt die Industrie die Blogger – es ist das gleiche umgarnen wie es seit Jahren mit der „freien Presse“ veranstaltet wird. Man kann es natürlich mit weniger „Unterton“ als „kümmern“ bezeichnen. Oder eben als „Business-as-usuall“. Der Effekt bleibt der Gleiche.

Der Daimler Konzern macht das sehr gut. Ich kennen keinen Automobil-Hersteller der bereits mit derart vielen Blogger-Leuchtturmfiguren (das sind die, die am leichtesten zu finden sind) in engem Kontakt stehen.

Und für mich ist es ein „umgarnen“ wenn man Blogger in den Gesprächskreis einlädt, die vor ein paar Jahren noch der professionellen Markenkommunikation mit etablierten Medien-Unternehmen tätig war. Denn es gibt einfach einen Unterschied zwischen dem, wie es früher lief und dem, was heute möglich ist. Einfach den Kreis der „umgarnten“ zu vergrößern ist dabei nicht die Lösung.

Weiter führt Alex aus:

 Journalisten haben den Umgang mit Einladungen zu Presseveranstalungen gelernt. Sind mit der Zeit ran geführt worden. Von erfahrenen Kollegen gelernt, wie Objektivität bewahrt wird

Das ist völlig unerheblich. Denn es geht nicht um Objektivität. Kein Mensch ist objektiv. Nur unsere Bezugsrahmen unterscheiden sich und erklären für mehr oder wenigere große Kreise eine mehr oder weniger subjektive Einschätzung und Informationsweitergabe.

Ich bin selbst Mitglied im Verband der „Motor-Journalisten“ und arbeite in journalistischer Form für meine Online-Magazine. Nicht für meinen Blog. Denn ein Blog ist alles, nur kein journalistisches Medium. Blogs sind 100% subjektive Meinungswiedergaben und das ist gut so. Das ist geil. Das macht den Unterschied zu den platten Nachrichtenwiederholungen der Mainstream-Medien aus.

Was ein Konzern wie Daimler (um jetzt mal einen zu nennen) also in seiner „Blogger Relations“ falsch macht? Man differenziert nicht. Denn um den von mir angesprochen Umgang und die Veränderung in der Außenkommunikation zu erreichen, müsste man einen Unterschied machen. Blogger ist nicht gleich Blogger.

Und das ist zugleich die Antwort auf die Frage von Alex auf meine Ausführung:

Von mir:
“Es gibt Hersteller die verstanden haben, wie man diese Multiplikatoren in Ihrer Arbeit unter stützen kann. Und es gibt Hersteller, die wollen einfach das alte System mit neuen Multiplikatoren füllen.”
Von Alex K.:
Hier fände ich Beispiele durchaus mal interessant. Wer macht Deiner Meinung nach seine Sache gut und wer will das alte System füllen? Und warum siehst Du das so?

Das Kind beim Namen habe ich weiter oben genannt. Ich finde gerade beim Daimler-Konzern die Diskrepanz zwischen dem was gemacht werden müsste und dem wie es gemacht wird, besonders groß.

Da lädt Daimler Lifestyle-Blogger und die Leuchttürme der dt. Blogospähre auf „Presse-Reisen“ ein, ohne das einer der Blogger mit dem gleichen Ethos an seine Arbeit geht, wie ein klassischer Journalist. Und es gibt hierbei einen Grund der mir besonders unangenehm aufstößt.

Zum einen ist es die „Arbeits-Moral“ von solchen Lifestyle-Bloggern: Man lässt sich gerne einladen. Man fliegt Business-Class über den Teich. Schläft in 5 Sterne Hotels und denkt sich, man kann es sich natürlich gut gehen lassen. Das machen die Konzerne mit den Presse-Begleitern ja ebenso. Aber da gibt es ein Problem. Unausgesprochen ist klar: Kein Konzern lebt vom ausgeben. Es geht immer um den Umsatz. Und wenn ich Multiplikatoren einlade, dann müssen sich diese Kosten durch eine Öffentlichkeitsarbeit wieder einspielen. Besser: Es muss eine Multiplikation stattfinden. Denn der Konzern ist seinen Shareholdern verpflichtet. Einfache Prinzipien. Doch dieses System wollen nicht alle Blogger mitspielen. Man nimmt. Man behält.

Das wiederum schadet dem Ruf von neuen Medienmachern. Von Bloggern die Ihre Passion zum Beruf gemacht haben. Am Ende begräbt man die Experimente mit den Bloggern und lässt es gut sein.

Butter bei die Fische Alex:

Du wurdest von Infiniti eingeladen, ein Interview mit Sebastian Vettel in Milton Keys durchzuführen. Wo finde ich eigentlich den Blogbeitrag dazu?

Bin ich neidisch darauf? Ja verflucht! Denn es gibt da draußen Onliner die hätten aus dieser Möglichkeit wesentlich mehr herausgeholt.

Anderes Beispiel? Gerne!

Wo ist Dein Blogbeitrag über den Juke-R?

Wieder nichts. Fehlanzeige. Ankündigungen. Selbstdarstellungen wie man sie keinem – ach so – objektivem Journalisten verzeihen würde. Aber wurde die Bringschuld erfüllt? Nein. Null. Das wiederum ergibt in manch Konzern-Etagen sicher ein klares Bild:

Besonders nett ist in diesem Zusammenhang natürlich Deine Ausführung von:

Gute und vor allem innovative Inhalte zu produzieren ist und bleibt aber immer noch eine Kunst.

„Blogger“ (Alle in einer Schublade) = Unprofessionell. Einsatz zweifelhaft. 

Um dieser Fehl-Entwicklung entgegen zu stehen hatte ich neue Modelle gefordert.

Du wiederholst dann Deine Frage nochmal:

Ist es die Aufgabe der Industrie Autos zu produzieren und diese auf effizienten und effektiven Marketing- und Kommunikations-Wegen zu verkaufen, oder ist es ihre Aufgabe, Finanzierungs-Modelle für “die Neuen” im Kommunikations-Mix zu finden und  zu unterstützen?BTW: Wo sind diese Finanzierungs-Modelle genau?  Wenn es bereits entsprechende Finanzierungs-Modelle gibt, sind die vielleicht noch nicht reif genug, oder werden noch nicht verstanden, das Potenzial wird noch nicht deutlich.

Natürlich ist es die Aufgabe der Industrie, neue Wege für Marketing- und Unternehmenskommunikation zu finden. Und es ist völlig normal wenn Allianzen geschlossen werden. Verstehe Deine „völlige Ahnungslosigkeit“ in diesem Fragepunkt nicht.

Eventuell zeigt diese ganze Diskussion aber auch einfach nur eines: Blogger Relations funktionieren bei Daimler sehr gut. Die wichtigsten Blogger hat man in der Tasche in gute Botschafter der Marke geformt und das zur Hälfte der Pressekonditionen. Denn es war immer schon ein zweigeteiltes Boot in dem man gemeinsam saß: Journalisten hatten „üblicherweise“ einen mehr oder weniger festen Vertrag mit einem Verlag. Der Verlag hatte eine Reichweite. Diese Reichweite wurde an Werbepartner verkauft. Der Konzern musste also beides bezahlen. Werbeanzeigen im Verlag und die Veranstaltungen der Öffentlichkeitsarbeit.

Einige Blogger verstehen das nicht. 

Nochmal: Freizeit Blogger sind keine Journalisten und nicht objektiv. Nie, Niemals und dazu noch weniger als es Profi-Journalisten sein könnten.

Berufs-Blogger müssen sich Gedanken um die Refinanzierung machen. Hier die Augen vor den Modellen zu verschließen (die DIR bekannt sind) hilft nicht.

Nur die Blogger-Götter leben von Luft, Liebe und Schnittchen. 

Alle anderen werden irgendwann merken, dass es kein Urlaub ist, wenn man auf Presse-Reisen geht und hinterher einen Mehrwert abliefern will. Dann werden sich mehr und mehr Semi-Pro Blogger überlegen müssen, wovon zahlen sie eigentlich die Miete? Ist das noch ein Hobby das man sich leisten kann?

Und Freizeit Blogger die mit Leidenschaft über Ihre Marke berichten werden dies tun. Die werden ihre Bringschuld erfüllen. Die werden sich ein Bein ausreissen für „Ihre“ Marke. Ohne Gedanken daran, das man hier eine sehr wertvolle Leistung erbringt, die unbelohnt bleibt. (Abseits von 5min of Fame). Diesen Bloggern vorzuwerfen sie seien gekauft, das wäre besonders unterhaltsam. Wie kann man jemanden kaufen, der bereits Fan der Marke ist?

Blogger-Relations kann in meinen Augen nur mit 2 Gruppen zum Erfolg führen: Botschafter aus Leidenschaft finden und fördern. Oder Berufs-Blogger behandeln, wie Medienkonzerne. Punkt.

 

Previous ArticleNext Article
Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

5 Comments