CES 2017 –  Ziemlich beste Freunde, der BMW der Zukunft und seine Fahrgäste

CES 2017 – Ziemlich beste Freunde, der BMW der Zukunft und seine Fahrgäste

Zum fünfzigsten Mal hat die CES in diesen Tagen IT-Freaks und Nerds, die man früher noch Computer-Fans nannte, nach Las Vegas gelockt. Zu Fernsehern, Radios und Lautsprechern haben sich Computer, Smartphones, Tablets, Notebooks und Wearables in allen Variationen gesellt. Nicht nur die Großen wie Panasonic, Sony, Samsung und LG zeigen ihre Neuigkeiten, sondern auch Hersteller von Computerbauteilen wie Intel, Nvidia und AMD sowie unzählige kleine Unternehmen und Start – ups nutzten auch in diesem Jahr die Stadt in der Wüste Nevadas, um sich und ihre Produkte zu präsentieren. Dazu tauchen die Besucher, übrigens nur Fachbesucher und Journalisten, mit Reality Brillen ein in digitale Welten, lassen sich die neuesten Verrücktheiten erklären, kämpfen um Siege jeder Art durch virtuelle Kulissen, erklimmen die Gipfel von Achttausendern oder sinken ab in die Tiefsee. Drohnen in allen Größen schwirren umher, Software und hochsensible Sensoren sorgen dafür, dass sie sich jederzeit überall hin autonom bewegen können. Letzter Schrei sind „Selfie-Drohnen“, die sich automatisch um den Nutzer drehen und Bilder machen von ihm und seinen Aktivitäten. Schöne neue Welt. Doch die reine Unterhaltungsbranche hat längst Konkurrenz bekommen.

2017 stehen bei den Autos die Vernetzung der Technik und die Verbindung mit künstlicher Intelligenz im Vordergrund

Autohersteller haben sich in den letzten Jahren zunehmend auf der CES etabliert und besetzen das Thema Elektronik und Digitalisierung. Immer schneller werdende elektrisch betriebene Supersportwagen wie der neue amerikanisch – chinesische Newcomer Faraday Future mit gigantischen 1050 PS und extra großen Akkus lassen langsam die Frage nach der längerfristigen Versorgung mit Lithium aufkommen. Gab es in den letzten Jahren neue Bediensysteme wie Gestensteuerung oder Touchpanels, die dem staunenden Publikum präsentiert wurden, steht 2017 die Vernetzung der Technik in Verbindung mit künstlicher Intelligenz im Vordergrund der CES. ZF und Kooperationspartner Nvidia wollen Autos sehen, denken und handeln lassen. Lenkrad und Cockpit werden obsolet, trotzdem hält BMW in seiner Studie i Inside Future weiter daran fest. Über das neue HoloActiveTouch genannte Bediensystem werden Informationen vom Bordcomputer oder Navi in die Luft neben das Lenkrad gespiegelt und mittels Gesten bedient. Ein leichtes Vibrieren in den Fingerspitzen bestätigt die Eingabe. Ein Szenario ohne mechanische und haptische Erlebnisse, klinisch und kühl. Wie zum Trost sollen wohl Naturholz, frisches Moos, Wolldecken und ein Bücherregal im Fahrzeuginneren ein wenig analoges Leben bieten. Visionen, die laut BMW jedenfalls nicht vor 2021 wahr werden sollen.

BMW zeigt, was man mit der Freizeit im autonom fahrenden Auto so alles machen kann

Schon jetzt und in der realen Welt kann man auf dem Highway hinter Las Vegas im selbst fahrenden Prototypen eines “Fünfers” auch schon mal länger die Hände vom Steuer nehmen. Doch was soll der Fahrer mit der künstlich gewonnenen Freizeit tun, wenn seine Aufmerksamkeit nicht mehr gefragt ist. Er kann sich zum Beispiel durch Zeigen auf eine Sehenswürdigkeit auf dem gestochen scharfen und sehr realitätsnahen Display weit reichende Informationen darüber holen, sich an im eigenen Smartphone gespeicherte Termine erinnern lassen und vorher über die Sprachsteuerung via Microsofts Cortana einen Tisch beim nächsten Thailänder reservieren. Noch näher liegt natürlich ein Einkauf. Für den „Service on Route“ verbindet BMW seine Open Mobility Cloud mit Amazon Prime Now und dem Navigationssystem. Aus dem Auto heraus kann man seine Bestellung über den Microsoft-Sprach-Service Bestellung aufgeben und sich zum optimalen Abholpunkt auf der geplanten Strecke dirigieren lassen. Ziemlich beste Freunde, das Auto und sein Fahrgast.

Text: Solveig Grewe Bilder: Solveig Grewe und Jan Gleitsmann

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