Das große Mercedes G 4×4²

Mit der neuesten Version des G-Modells war zu rechnen. Mercedes-Benz beherrscht das 1×1 des Baukastens. Diesmal ist Downsizing ist angesagt: Aus 6×6 wird 4×4². Das Ergebnis ist immer eine Konstante namens G-Modell. Inzwischen ist das hohe „G“ – neben dem noblen „S“ – der Buchstabe im Daimler-Alphabet mit der längsten Historie. Untrennbar verbunden mit „Mr. G.“: Heinrich Wangler. Diese Person und die Technik sind der Anlasser für eine Überkreuz-Geschichte von Unimog bis zu einem neuen G. Zudem mit einem neuen V-Affalterbach unter der begehbaren Haube.

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Der Star ist die Achse
„This Leiterrahmen for the Ewigkeit was proudly zusammengeschweisst vom Obergruber, Xaver – Daimler-Steyr“. Bis auf dieses leider fehlende Marketing-Detail kommt hier das perfekte kleine 1×1 für große Jungs und Junks 🙂 Im Grunde ist die neueste Kreation der G-Schöpfer schnell erklärt. Aus dem Mercedes G 6×6 wird der 4×4² – im folgenden schlicht 4×4 ohne „hoch2“. Beide, auch der inzwischen ausverkaufte 6×6 des Vorjahres, sind abgehobene Monster mit Unterflur-Portalen, deren sture Starrachsen oberhalb der Nabe rotieren.

mercedes 03 g 4x4 im quadrat

Narrenfreiheit
Damit hat die Fuhre eine erhöhte Narrenfreiheit wie nur beim Universalmotorgerät – dem Altvater der Portal-Achskunst. Unimog-gleich kraxelt der 4×4 derzeit offiziell noch als Studie durch die Pressemitteilungen. Auffällig auffällig (kein Schreibfehler) studieren sie beim Daimler im Augenblick der Kundschaft das Suchtpotenzial der Zielgruppe und provozieren Blankoschecks. Einen neuen V-Affalterbach, dazu später mehr, trägt der G 4×4 demnächst außerdem … sobald er seine Haube zu Markte trägt.

Stacks
Mit nur noch vier Rädern (<= was für eine Feststellung!) sieht der G 4×4 nicht mehr ganz so wild aus, wie die Wüstenlokomotive 6×6, bei der man zudem hinten (völlig fälschlich) ein Drehgestell vermuten könnte. Der 4×4 hat wieder die bekannte Normallänge über Puffer; statt der 37-Zoll-Räder im Dampflok-Format beim 6×6 steht der kleine 4×4 auf 22 Zoll. Ein „normaler“ G63 hat dagegen nur 20 Zoll kleine Minirollen. Dennoch wirkt der kleinere hohe G etwas stacksig, aber das dürften Sie ihm nie sagen! Es würde ihm den Leiterrahmen brechen.

Grundregeln:
1. Es heißt G-„Modell“! Als G-„Klasse“ – bäääh – darf das Gefährt nur in Prospekten auf dem Exo-Planeten Marketing bezeichnet werden.
2. Vordere Sperre nur bei Geradeaus-Fahrt.
3. Wenn wir am Berg rückwärts fahren, dann legen wir den Rückwärtsgang auch ein!
4. Nicht ins Lenkrad greifen.

Daumen hoch!
Am liebsten spielt ein G-Modell ja im Gelände (für die Jüngeren: so called „outdoor“). Dabei ist mahnender Worte zu gedenken: In 2×2 erlebten Fällen erfuhr ich: Fahrlehrer haben (wie Hausmeister: „Hier könnse abba nich parken!“) einen Standardsatz im Repertoire: „Nicht – ins – Lenkrad – greifen!“ hieß es damals, als ich kurz vor 18 das (legale 🙂 Fahren lernte. Dieser Satz muss außerdem immer 1. in der ersten Minute und 2. in der ersten Fahrstunde fallen.

Sperren sind für Schwächlinge
Jahre später im G aller Geländewagen. Ort der Übung war eine Kiesgrube im Schwäbischen. 1989 erhielt ich eine Instruktion im G-fahren und in Gefahrenabwehr. Mein zweiter Fahrlehrer war „Mr. G“ persönlich, bürgerlich Heinrich Wangler, dessen Lebenarbeitsleistung beim Daimler untrennbar mit dem Geländewagen und seiner Entwicklung verbunden ist. Ohne Verteilergetriebe (Reduktion „ein“) geht der Mann nie aus dem Haus. Sein Credo: „Sperren sind für Schwächlinge“ <= der Mann kann fahren! Und: „Sperren muss man sich verdienen!“. Natürlich sind das nicht verbürgte Legenden, oder?

Daumen ab!
Heinrich Wangler saß also neben mir im Geländewagen und dehnte den Hinweis zum Befehl: „Niiiiiiicht – iiiins – Lenkrad – greifen!!! Wenn ihnen auf der Piste nach Tamanrasset (damals eine Etappe der Rallye Paris-Dakar) ein großer Stein erst die Räder verdreht und dann das Lenkrad umschlägt, dann haben sie zwei abgebrochene Daumen. Und in Algerien oder im Senegal gibt es keine Notufsäule“. Autsch!!! 25 Jahre ist das her. Heute ist Heinrich Wangler im Un-Ruhestand und Chef des Mercedes-G-Clubs. Dennoch darf man den neuen G 4×4 auch als Wanglers Spätwerk begreifen. Sicher haben die Daimler-Leute ihn vorher artig gefragt, bevor sie Unimog und G-Modell 6×6 und jetzt 4×4 kreuzten, … ob sie das denn wohl auch dürfen. Sie durften.

mercedes 01 g 4x4 im quadrat

Kathedrale
Ganz bestimmt; unter Wanglers moralischer Autorität entwickelt thront auch der kurze hohe G in der Version namens 4×4 auf seinen Groß-Reifen unter den Achsportalen (zur Erinnerung: immerhin noch 22 Zoll). Immer noch eindrucksvoll wie die Säulen des Petersdoms zu Rom. Vergleichsweise in ähnlich lichter Höhe über Boden wie die Kuppel der Papst-Zentrale im Vatikan. So sehr beeindruckt die hohe Antriebs-Kathedrale die G-Gläubigen, dass dieses neue G-Modell zur Ikone für Milliardäre taugt. Heute heißen Heiligenbildnisse ja „Pressefotos“. Lockstoff für Petrodollars.

Vor- und Nachfahre des VW Iltis
Sechs Pneus hatte der 6×6, deren vier sind es am neuen 4×4. Sonst gibt es keinen prinzipiellen Unterschied beim hohen G mit vier oder sechs „Pnöös“; so würde es der französisch gewordene Karl Lagerfeld, der andere Große neben Ferdinand Benzin Piëch, ausdrücken. Letzterer, genauer dessen Chef-Vorgänger bei Volkswagen, hätte dem G-Modell übrigens fast den Garaus gemacht.

In einer ersten Bundeswehr-Ausschreibung verlor das G-Modell gegen den Geländewagen VW Iltis. Heute ist der Iltis tot und der G ist als „Wolf“ rollendes Armeeinventar. Aber als Ideen- und Organspender (Stichwort hohlgebohrte Zentralwelle!) für den legendären Audi Quattro 1980 bleibt der Iltis-VW-Kübelwagen der Neuzeit unvergessen – eine Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll (versprochen: die Story kommt!).

Nabengetriebe
Abgesehen vom Hauptkaufmotiv östlicher Oligarchen und Potentaten „Hauptsache teuer“, macht der exorbitante Preis, der 6×6 kostete ein großes von Omas Kleinhäuschen, … machte also der Hochpreis des Hoch-G auch Sinn. Die Technik, die im 4×4 das Drehmoment gesondert portioniert, kostet Geld. Die zusätzliche Übersetzung am Rad, die nur Portalachsen bieten, entlastet den Triebstrang und erleichtert das Dosieren des Antriebsmoments. Wer sich trotzdem festfährt, der kann es einfach nicht.

mercedes 06 g 4x4 im quadrat

Rückwärtsgang
Unvergessen die Anekdote, wie sich damals … zwei Damen (das hätten aber auch Herren sein können!) bei einem G-Event hoffnungslos im Schlick festfuhren. Alsbald riefen die beiden nach einem rettenden Unimog, ersatzweise nach einem Bergepanzer oder Kran-Hubschrauber. Zufällig, … also rein zufällig, war ein gewisser Heinrich W. vor Ort. Der Trick von „Mr. G“: Rückwärtsgang. Selbigen einlegen und in einem Zug raus aus dem Schlick. Fertig. Ein Macho? Ein Könner! Oder ist das verboten 🙂

Leiter Rahmen
Wieder hoch zum hohen G anno domini 2015: In Verbindung mit größerer Bodenfreiheit wird der G als 4×4 noch mobiler als die technische Ur-Gemse made in Austria, wo er von gelernten Schmieden, Ingenieuren und Monteuren für die Ewigkeit verschweisst wird. Wie bei AMG und Motor fehlt eigentlich noch die Plakette am Fahrgestell: „This Leiterrahmen was proudly zusammengeschweisst by Obergruber, Xaver – Daimler-Steyr“ <= Hatten wir das nicht schon? Egal; man kann es den Vermarktern in Stuttgart-Untertürkheim nicht oft genug empfehlen. Bestimmt gibt es am Produktionsort Steyr neben dem Leiter Finanzen und Personal auch den Leiter Rahmen. Bestimmt.

Atmende Reifen
Für Wüstenanwendungen gibt es auch beim aktuellen Hoch-G zudem die Reifendruck-Regulierung. Mit weniger Druck und höherer Aufstandsfläche lässt es sich nach dem 6×6 auch mit dem 4×4 vortrefflich im Sand toben. Für höheren Straßendruck werden die atmenden Rundstücke einfach wieder aufblasen. Ein Knopfdruck und 30 Sekunden Zeit genügen. Einmal G auf Sand, ein traumhaftes Rezept, ginge natürlich auch ohne Reifendruck-Anlage. Aber dafür müsste man Heinrich G. (Name der Redaktion bekannt) heißen: „Eine Reifendruck-Anlage muss man sich verdienen“, höre ich ihn sagen. Ja, buchstäblich: im Gelände wie auf dem Bankkonto. Das entsprechende G-Modell gibt es kostenlos dazu.

mercedes 02 g 4x4 im quadrat

Sandkasten fordert Kraft
Es ist klar, dass ein alter 240 GD mit 72 PS kaum für Spiele im Sandkasten taugt. Übrigens waren Kilowatt, 1979 bei der G-Premiere, mangels ausreichender Mindestmenge technisch noch nicht messbar. Sand fordert Kraft. Deswegen bieten 6×6 (ausverkauft) und 4×4 (noch ein Traum) in Scheich-Oligarchen- Milliardärs-Version heute V8x2 Turbomaschinen. 544 Pferde im 6×6, deren 422 im 4×4 (zu dessen neuem V-Affalterbach kommen wir noch). Wer hat’s erfunden?

Der Wangler! „Mr. G“ hat die erste V8-Maschine implantiert. 14 Jahre nach der ersten menschlichen Herztransplantation durch Professor Barnard verhalf Heinrich Wangler seinem privaten 230 G mit dem V8 aus einem 380er zur Kraft der zwei Herzen. Im Jahr 1981 war das. Zuvor hatten asiatische Militärs den „halben“ Motor des 230ers moniert. Also hat Wangler einen ganzen Motor montiert.

Kies-Sortieranlage
Mit diesem Ur-V8, eingebaut in einen gestrippten Kurz-G mit Riesen-Noppen an den Reifen (denken Sie gerade dasselbe?!), sind Wangler und ich damals, 1989, durch die Kiesgrube getobt und haben Steine umverteilt. Wanglers mobile Kies-Sortieranlage, mit immerhin gut 200 Pferden im Stall, wurde im Fußraum unten rechts ein- und ausgeschaltet. Betriebsmodi waren damals: Null oder eins. Bergauf. Bergab. Die Vorderachs-Sperre? Haben wir nicht benutzt, da unnötig: „Für diesen Fahrzustand fehlt ihnen der Mut“, hat Wangler damals wenig tröstliche Worte in mein Trommelfell graviert.

G-Kräfte erfahren
Ansonsten kraxelt auch der Hoch-G der Neuzeit wie jeder normale … Unimog. Wer bisher als Bauer mit seinem Universalmotorgerät über Kartoffelreihen schwebte, kann jetzt als reicher Großgrundbesitzer herzeigen, was er hat: Einen sehr besonders teuren Mercedes Geländewagen, der ebenfalls über die Ideal-Spurweite für zwei Kartoffelreihen verfügt (dafür wurde er als „Mog“  ja auch gemacht). Beide, der Mog und der G pressen mit genau 1,0 g Erdbeschleunigung auf den Untergrund – nie mit mehr, nie weniger. Dabei darf der Acker auch ohne Fruchtbestellung, dafür aber mit 100 Prozent Steigung gesegnet sein. Stets strebt ein G mit konstant 9,81 m/sek auf den Grund. Nach vorne drängt er inzwischen auch in positive G-Bereiche: gleich kommt sie endlich; die angekündigte Textstelle mit dem Genussmittel V-Affalterbach. Doch.

AMG-Portal
G 4×4 oder 6×6: „Quengelware“ würde passen. Aber das wäre ein Wort, das dem neuen Geldadel mit dem zehnstelligen Kontostand nie über die Lippen käme. Das Objekt der Begierde Nummer 6×6 ist – ich kann es nicht mehr hören – ist ausverkauft; vor allem Oligarchen aus Asien haben sich bedient. Der 4×4 steht derzeit offiziell als Studie zur Begutachtung – ja, das wissen wir schon! Unerträglich! Denn: Die Unimog-Portale des Sechsrad wurden in der neuesten G-Volution mit frischen AMGenen gekreuzt: dem 4-Liter V-Affalterbach aus dem AMG Stall. Dem GT entrissen und mit den beiden Abgas-Turbinen innen im „heißen“ V der Maschine, ist der G 4×4 ist also ein 4x4x4-Liter … und rennt wie Sau. Ähnlich grunzend wie die Sechs-Punkt-Drei-Sau (damals Ende der 60er Jahre).

mercedes 05 g 4x4 im quadrat

4X4 Leaks
Rennt wie Sau? Zumindest kolportieren, pardon leaken das Daimler-Leute, die ihren Namen nicht auf der Blog-List der Süchtigen veröffentlicht haben wollen. Der Schweinsgalopp des 4×4 wird produziert von 422 etwas früher ansprechenden Pferden, weswegen dem G 4×4 gegenüber dem AMG GT ungefähr ein 240 GD unter der Haube fehlt. Eine Messtoleranz. Hauptsache, der G säuft weithin aus acht Trögen, na ja, eher aus Weizenbier-Standard- Konsumbehältern. Der Klang: Hautsache. Brrrrrrrr, hört sich der Fahrer erschaudern. Allein stoppen lässt sich der V-Affalterbach damit nicht.

Nemmet sie den Scheiß-Fuss vom Gas!
Die Pferdeherde, rotzende schnaubende Heißblüter, gehorcht nur mechanisch: „Bitte lösen Sie zur Verzögerung das Fahrpedal von Bodenblech und wechseln auf den Linkstritt. Vielen Dank!“, höre ich den Bordcomputer sagen. Aber den gibt es nicht im G 4×4. Gott sei Dank. Pardon, Wangler zu Dank. Der würde es ja anders anweisen: „Nemmet sie den Scheiß-Fuss vom Gasss, Heidezackzement!!!!“. Alles erfunden. Alles Legende. Gelogen? Hallo Daimler: Dieser Beitrag ist euer Lastenheft für die (kein Schreibfäähler:) Feindabstimmung!

 

Weiterführender Link: G-Club

 

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Cambio de Sentido ist ein echter Benziner. Alles über Autos ließt er wie gedruckt. Seit 40 Jahren schon, mit 38 Jahren Fahrpraxis, davon mehr als 32 mit Führerschein. Motoren müssen für ihn ungerade Zylinderzahlen haben. Lieblingstraumauto: Volvo mit D5-Motor. Lieblingsmanager der Automobilgeschichte und Lieblingszitatgeber Ferdinand Piëch: „Hängst an Zylinder dran“. Cambio de Sentido lebt und arbeitet in Spanien