Das unbekannte Geely-Imperium — Das steckt hinter Volvo, Lotus, Lynk & Co.

Das unbekannte Geely-Imperium — Das steckt hinter Volvo, Lotus, Lynk & Co.

Der chinesische Autobauer Geely reitet derzeit auf einer Erfolgswelle: Die Volvo-Modelle verkaufen sich bestens, Proton mit Lotus wurde unlängst einverleibt, mit Lynk & Co steht eine weitere Premiummarke in den Startlöchern. Aber, was steckt hinter Geely? Ein Konzern-Portrait.

In diesem Artikel:

Der Gründer von Geely

Firmengründer Li Shu Fu hat Geely am 6. November 1986 gegründet. Der 1963 geborene Li, Sohn eines Reisbauern, ist gelernter Maschinenbauingenieur. Er steht mit einem Vermögen von 5,2 Milliarden US-Dollar auf Platz 30 der Forbes-Liste der reichsten Männer Chinas.

Das Unternehmen Geely startete mit Kühlschrankteilen

Zunächst produzierte Geely (übersetzt „Glück“ oder gar „Glück verheißend“) Kühlschrankteile, 1992 begann man mit dem Motorradbau, bevor 1998 das erste Fahrzeug vom Band rollte. Diese sollen jedoch so schlecht verarbeitet gewesen sein, dass Geely-Gründer Li sie sofort verschrotten ließ.

Geely ist übrigens der erste privatwirtschaftliche Autobauer in China. Neben der Automobilproduktion ist der Konzern auch im Import/Export-Geschäft, auf dem Immobiliensektor sowie in der Hotelbranche und als Reiseunternehmen tätig.

Die Geely Automobile Holdings Ltd machte 2016 einen Nettogewinn von 2,26 Milliarden Yuan (ca. 688 Mio Euro). Zum Vergleich, die Tochtermarke Volvo erwirtschaftete 2016 11 Milliarden schwedische Kronen (ca. 1,2 Milliarden Euro). Der Umsatz erhöhte sich von 164 Milliarden auf 181 Milliarden Kronen.

In China besitzt Geely aktuell über 920 Verkaufsstellen. Das Unternehmen ist in 23 weiteren Ländern mit 489 Verkaufsstellen vertreten. Zu den Top-Exportländern zählen Ägypten mit 4.800 Einheiten im Jahr 2016 sowie Weißrussland (4.430 Einheiten) und Saudi Arabien (3.893 Einheiten).

Außerhalb Chinas, im schwedischen Göteborg, sitzt seit der Übernahme von Volvo wohl das wichtigste Entwicklungszentrum. Die China Euro Vehicle Technology AB (CEVT) entwickelt unter anderem die CMA-Plattform (Compact Modular Architecture) für Volvo und Lynk & Co. Dort arbeiten rund 2.000 Ingenieure, Designer und Berater. CEVT entwickelt auch für The London Taxi eine voll elektrifizierte Bodengruppe.

Bereits Mitte 2016 hat Geely 48 Prozent der Anteile am Batteriehersteller Shandong Forever New Energy von der Honbridge Holdings übernommen. Die Anteile kosteten über 43 Millionen Euro. Das Unternehmen fertigt Lithium Ionen-Batterien, zu den größten Kunden zählte bisher auch schon ein Geely-Joint-Venture. Damit wappnet sich das Unternehmen schon für eine drohende E-Auto-Quote und die Erfüllung des „Made in China“-Plans 2025 mit dem unter anderem die Entwicklung und der Verkauf von Elektroautos vorangetrieben werden soll. So sollen dem Plan nach vier von fünf in China verkaufen Elektroautos auch in der Volksrepublik gefertigt werden.

Die Produktion: Ab 2020 zwei Millionen Autos

In China werden an neun Standorten Automobile gefertigt inklusive der Volvo-Werke in Daqing (S90) und Chengdu (60er-Baureihe). Im Osten Chinas entsteht ein drittes Volvo Werk: In Luqiao, rund 350 Kilometer südlich von Schanghai, ist die Produktion der Modelle auf CMA-Plattform (Lynk&Co, XC40) geplant.

Die Produktionszahlen von Geely in China steigen von 414.465 Einheiten im Jahr 2010 bis 765.970 Einheiten 2016. Für 2017 wurde das Ziel von 1 Millionen Fahrzeuge nach einem erfolgreichen ersten Halbjahr (530.627 Einheiten) um 10 Prozent auf 1,1 Millionen Fahrzeuge erhöht. Bis 2020 sollen es dann 2 Millionen Fahrzeuge sein.

Volvo hat indes 2016 534.332 Fahrzeuge weltweit abgesetzt. In China, dem größten Einzelmarkt, waren es 90.930 Modelle, eine Steigerung von 11,5 Prozent. Bis 2020 sollen 800.000 Volvo-Modelle weltweit verkauft werden. Übrigens: Konzernweit sollen 1 Millionen Fahrzeuge auf der neuen CMA-Plattform aufbauen, davon rund 300.000 Modelle der neuen Volvo 40er-Baureihe (V40, S40 und XC40).

Die Marken

Bis 2012 hat Geely in China noch Fahrzeuge unter dem eigenen Namen (chinesisch „Jili“) auf den Markt gebracht. Die ersten Modelle waren die CJB 6360-Limousine, der CJB 6410 Kombi sowie das Pickupmodell CJB 1010 auf Daihatsu-Basis.

Aktuell besinnt man sich wieder auf diese Marke und subsummiert unter der Marke Geely die frühere Modellreihen „GLEagle“, „Emgrand“ und „Englon“ für den Massenmarkt, Volvo beackert den Premiummarkt, dazwischen ist Lynk&Co als neue globale Marke mit europäischem Design positioniert. Sie wird in klassischen Autohäusern vertrieben, aber auch online. Im 4. Quartal soll die Marke in China in 200 Autohäusern in 120 Städten angeboten werden und eine lebenslange Fahrzeug-Garantie sowie einen kostenlosen Assist-Service bieten. In Europa kommt das erste Modell Lynk&Co. 01 im 1. Quartal 2019 auf den Markt, danach wird Lynk&Co. in den USA vertrieben.

Die Modelle

Der große Plan von Geely ist, bis 2020 die Verbräuche seiner Modelle auf unter 5 Liter pro 100 Kilometer zu senken, dazu sollen Plug-in-Hybride zum Preis konventioneller Modelle angeboten werden. Der Anteil von Plug-in-Hybirden und Elektromodellen soll 90 Prozent betragen, in welchem Zeitraum lassen die Chinesen noch offen. Hier die wichtigsten Modelle der Marke:

Geely GC 9: Die Limousine ist 2016 in China zum „Car of the year” gewählt worden. Angetrieben wird der fast 5 Meter lange GC9 von einem 1,8-Liter-Turbo sowie einem 2,4-Liter und einem 3,5-Liter-V6-Sauger mit 162 beziehungsweise 270 PS sowie einem 2,0-Liter-Sauger mit 162 PS. Der Turbo leistet 220 PS und stemmt ein maximales Drehmoment von 250 Nm auf die Kurbelwelle. Die Kraftübertragung erfolgt über einen Sechsgang-Automatik. Der Preise beginnen bei umgerechnet 16.700 Euro. 2016 wurden 52.569 Modelle abgesetzt.

Geely Boyue: Der große SUV mit 4,519 Metern Länge kommt ebenfalls mit einem 1,8-Liter-Turbo-Benziner und einem Zweiliter-Sauger daher. Der Turbo leistet 184 und 163 PS und ist in der starken Version für 285 Nm Drehmoment gut. Der Zweiliter leistet 141 PS. Die Preise für den SUV starten bei rund 12.700 Euro. 2016 hat Geely 111.539 Boyue abgesetzt.

Geely Vision X6: 4,50 Meter misst der SUV in der Länge und geht unter anderem mit einem 1,3-Liter-Turbo oder einen 1,8-Liter-Suager an den Start. Der Turbo leistet 130 PS ebenso wie der Sauger und 185 Nm. Außerdem bietet Geely noch einen Zweiliter mit 141 PS an. Kraftübertragung: Per Achtgang-CVT oder Fünfgang-Schaltgetriebe. Kostenpunkt in China: rund 10.500 Euro. Im vergangenen Jahr wurden vom Vision X6 52.087 Modelle abgesetzt.

Emgrand GS: 4,440 Meter misst der Crossover-SUV Emgrand GS, der wahlweise von zwei Vierzylinder-Benzinern mit 1,3 (130 PS, 185 Nm) und 1,8 Litern Hubraum befeuert wird. Für die Kraftübertragung sorgen wahlweise ein Sechsgang-Schaltgetriebe oder ein automatisiertes Sechsgang-Schaltgetriebe. 2016 wurden 61.224 Emgrand GS ab 10.000 Euro an den Chinesen gebracht.

Emgrand GL: Die Limousine mit 4,725 Metern Länge ist über dem Emgrand Sedan (oder Emgrand 7) positioniert und verfügt über einen 1,3-Liter-Turbo mit 130 PS und einen 1,8-Liter-Turbo mit 134 PS. Als maximales Drehmoment stehen ihm 170 beziehungsweise 185 Nm zur Verfügung. Die Preise beginnen ab 10.100 Euro.

Das wichtiges Zukunftsmodelle ist für Geely jedoch der Emgrand EV, ein reines E-Auto mit 130 Leistung und 240 Nm Drehmoment sowie einer Top-Speed von 140 km/h. Die Reichweite beträgt 330 Kilometer bei 60 km/h. Der Emgrand EV ist das erste Elektro-Modell von Geely und wurde Ende 2016 in China eingeführt. Schnell machte sich der Emgrand EV auf, an die Spitze der Zulassungen zu fahren, im Dezember griffen 6.023 Chinesen zu. Das Modell kostet umgerechnet ab 32.500 Euro.

Des Weiteren hat das Unternehmen noch den Geely Yuanjing X1 seit Mai 2017 im Angebot. Der kleine Crossover basiert auf dem Kleinwagen Geely Panda, den es seit 2009 auf dem Markt gab und mit dem X1 eingestellt wurde. Der X1 kostet ab 5.100 Euro und erhält die alte Panda-Technik bestehend aus eine, 68 PS starken 1,0-liter—Benziner und einem neuen 1,3-Liter mit 88 PS. Den Kraftschluss stellen wahlweise eine Viergang-Automatik oder ein manuelles Fünfganggetriebe her.

Neben dem X1 plant Geely noch einen weiteren kompakten SUV. Hier nutzen die Chinesen die neue CMA-Plattform von Volvo. Als ausgeschlossen gilt jedoch, dass dieses Modell auch als Volvo XC20 auf den Markt kommen wird.

Apropos CMA-Plattform: Auf ihr basieren auch die beiden Modelle Lynk & Co. 01 sowie Lynk & Co. 02. Der SUV Lynk & Co. 01 wird noch 2017 auf den Markt kommen und einen Plugin-Hybrid-Antrieb aufweisen. Den Antrieb übernehmen zunächst zwei Benzin- und ein Dieseltriebwerk mit einem Leistungsspektrum von 150 bis 197 PS. Der Dreizylinder-Benziner soll 180 PS leisten, der Zweiliter-Vierzylinder 197 PS. Dazu kommt ein Turbo-Dreizylinder-Benziner in Kombination mit einem Elektromotor. Die Limousine Lynk & Co. 03 wird später auf den Markt kommen, vermutlich 2018. Auch sie nutzt die CMA-Plattform und bedient sich beim kommenden Volvo S40. Technische Angaben zu dem Modell gibt es indes noch nicht. Hybrid-Antriebe scheinen gesetzt, auch der 1,5-Liter-Verbrenner. Insgesamt sollen 10 neue Modelle der Marke bis 2020 entstehen.

Der Proton/Lotus-Deal

Mitte 2017 hat Geely 49,9 Prozent am malayischen Autohersteller Proton übernommen und damit Zugriff auf den Sportwagenbauer Lotus erhalten. Damit haben die Chinesen fortan die Hoheit über Lotus samt deren Fertigungs- und Entwicklungs-Knowhow. Insbesondere die Leichtbau-Technologien sollen Geely bei der Verbrauchsreduktion seiner Flotte helfen. Dazu haben die Chinesen indirekt auch einen Marktzugang mit rechtsgelenkten Fahrzeugen, der immerhin 8 Millionen Fahrzeuge ausmacht. Außerdem ist Proton als asiatische Marke besonders auf den großen schnellwachsenden Märkten von Malaysia und Thailand bereits eingeführt und bekannt.

Der Volvo Deal

Li kaufte für umgerechnet 1,8 Milliarden US-Dollar (1,4 Milliarden Euro) Ende März 2010 die schwedische Nobelmarke von Ford, die die Amerikaner finanziell zu Grunde gerichtet hatten. Zu diesem Zeitpunkt war Geely bereits mit rund 400.000 Fahrzeuge Chinas größter privater Autobauer, in Sachen Umsatz jedoch deutlich kleiner als Volvo. Außerdem war Geely zum Zeitpunkt der Übernahme hoch verschuldet, so dass Finanz-Experten die Übernahmen durchaus kritisch sahen.

Auch die Sanierung des schwedischen Autobauers gestaltete sich schwierig, 2012 wäre Volvo fast in die Insolvenz geraten, nicht zuletzt wegen interner Querelen zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Jacoby und dem ehemaligen Volvo Aufsichtsrat und Li-Berater Hans-Olov Olsson. Erst als Carl-Peter Forster als Aufsichtsrat und Hakan Samuelsson als CEO die Geschicke von Volvo im Herbst 2012 steuerten – nach einer unschönen Entlassung Jacobys währen eines Krankenhausaufenthalts – nahm das Unternehmen langsam an Fahrt auf. Auch, weil die beide Volvo-Manager für eine kooperative Zusammenarbeit mit dem chinesischen Besitzer standen.

Übrigens: Für den Volvo-Deal musste Li in China auf Betteltour gehen, fand in den Städten Shanghai und Daqing Geldgeber für 49 Prozent der Geely-Anteile, die mittlerweile wieder ausgelöst wurden. Geblieben sind die beiden Standorte für Produktion und Design sowie insgesamt 6.000 Arbeitsstellen. Außerdem konnte Li bei der China Development Bank 1,5 Milliarden Euro zur Tilgung von Altlasten und zur Entwicklung der SPA-Plattform auf der die aktuelle 90er-Baureihe basiert, erhalten.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/das-unbekannte-geely-imperium-alles-zur-chinesischen-volvo-mutter-12315355.html

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Der neue Nissan Micra jetzt mit Mikromotor

Statistiken sind kein Hexenwerk. Tatsache ist, dass in Deutschland im Segment der Kleinwagen fast drei Viertel mit einem Benziner unter 100 PS unterwegs sind. Um möglichst viele seiner Fahrzeuge auf diesen gemeinsamen Nenner bringen zu können, bietet Nissan für die neue Generation des Micra jetzt unter dem 1,5 Liter großen Diesel und dem Turbobenziner, beide mit 90 PS, für die drei unteren von fünf Ausstattungsvarianten einen 1,0 Liter Benziner mit 71 PS an. Der ist keine ganz unbekannte Größe. Als sogenannter Allianzmotor arbeitet er bereits im Smart for Two und for One sowie im Dacia Sandero. Als Einstiegsmotor soll er auf den kleinsten Nissan, der im April dieses Jahres in fünfter Generation auf den Markt gekommen ist, noch mehr Appetit machen.

Der neue Nissan Micra mit schmalen Scheinwerfern, markanter Seitenlinie, flacherem Dach und tiefer nach untern gezogenem Kühlergrill.

Weg von den Kulleraugen hin zu einer stylischen Optik 

Der Appetit dürfte schon angesichts der neuen schnittigen Optik des Micra angeregt sein. Weg von dem eher langweiligen Versuch, optisch als „Weltauto“ allen gefallen zu müssen, mutierte der neue, für den europäischen Markt konzipierte und nicht in Indien, sondern beim Allianzpartner Renault in Frankreich gebaute Micra zu einem Eyecatcher. Das gilt natürlich besonders für das auffällige Grün unseres Testwagens, in dem die Ecken und Kanten der Karosserie des auf knapp vier Meter angewachsenen und um sechs Zentimeter flacheren Kleinwagens besonders gut zur Geltung kommen. Die Front lebt nicht mehr von drolligen Kulleraugen wie beim eher rundlichen Vorgänger, sondern zeigt mit schräger geschlitzten Scheinwerfern eine deutlich aggressivere Optik. Zackig auch das Heck mit den Rückleuchten in Bumerang-Form. Die betonte Sportlichkeit kommt nicht nur beim männlichen Beifahrer besser an.

Der Micra hat 55 Millimeter an Höhe verloren, da kann es hinten für größere Passagiere schon mal eng werden.

Der neue Einstiegsmotor ist trotz 175 km/h Höchstgeschwindigkeit etwas schwach auf der Brust.

Doch die Gleichung, dass sich der gerade mal knapp über 1000 Kilogramm leichte Japaner mit dem kleinen Ein-Liter Dreizylinder auch sportlich ambitioniert bewegen lässt, geht, wie zu erwarten, nicht ganz auf. Dafür fehlt es dann angesichts eines Drehmoments von 95 Newtonmeter doch etwas an Spritzigkeit. Zudem agiert der kleine Benziner eher knurrig, zumindest, wenn man die Beschallung über die in dieser Klasse sonst nicht anzutreffende Bose-Sound-Technik zwischendurch mal beendet. Sie lässt uns über in den Kopfstützen integrierte Lautsprecher in einer Klangwolke versinken und erstickt Unterhaltungen, aber auch Motorengeräusche gleich im Keim.

Eine 360-Grad Rundumkamera hilft beim Fahren und Rangieren, der radarbasierte Notbremsassistent hilft, Kollisionen zu vermeiden.

Wer auch raus mal aus der Stadt will, wird den Spurhalteassistenten begrüßen

Doch nicht nur medienklangtechnisch überrascht der neue Micra. Bereits in der Basisausstattung ist eine Spurkontrolle an Bord, die aus Kostengründen über (ESP gesteuerte) Brems-, und nicht über (teurere, da aufwendigere ) Lenkeingriffe korrigiert. Doch immerhin, und wer seinen Kleinwagen nicht ausschließlich in der Stadt, sondern auch mal auf der Autobahn bewegen will, wird es begrüßen. Dort wird er aber bemerken, dass ein in keiner Variante des neuen Micra angebotener sechster Gang helfen könnte, den Geräuschpegel und den Verbrauch noch zu senken. Anstelle der angegebenen 4,6 Liter bediente sich unser Testwagen an mehr als sechs Litern. Als Einstiegspreis für den Micra mit dem Mikromotor ruft Nissan 12 990 Euro auf.

Text und Fotos. Solveig Grewe

 

 

Honda Civic Type R (2017) — Mit 320 PS, Frontantrieb und Riesenflügel

Die stärkste Version des neuen Honda Civic – der Type R – ist mit 320 PS unterwegs. Der im englischen Swindon gebaute Japaner wird auch nach Japan exportiert. Ab sofort steht er ab 36.050 Euro bei den Händlern.

Honda setzt große Hoffnungen in seinen neuen Civic und krönt die Kompaktmodell-Reihe deshalb schon jetzt mit dem sportlichen Top-Modell Type R. Der japanische Power-Wagen schiebt sich mit einer laut Hersteller deutlich verbesserten Aerodynamik durch die Luft. Die aerodynamischen Änderungen fallen am ehesten an der Dachkante am Heck auf: Dort sorgen vier finnenartige Turbulatoren dafür, dass die Luft nicht an der Dachkante vom Fahrzeug wegströmt, sondern die Heckscheibe entlangzieht und den gigantischen Heckspoiler optimal anströmt. Für diejenigen, die am Stammtisch glänzen wollen: Die auch Vortexgeneratoren genannten Turbulatoren ändern eine laminare in eine turbulente Grenzschicht, was eine Verzögerung des Strömungsabrisses zur Folge hat. Deshalb sind die Oberseiten der Tragflächen mancher Flugzeuge mit Vortexgeneratoren versehen – und deshalb sieht das auf dem Civic-Type-R-Dach auch unheimlich cool aus.

Der gigantische Heckspoiler gehört zum Serienumfang, da er für den Abtrieb am Heck gebraucht wird. Zudem wurde der Unterboden geglättet – sämtliche aerodynamische Maßnahmen sollen zu einer besseren Stabilität bei höheren Geschwindigkeiten führen – und höhere Geschwindigkeiten gehören klassischer Weise zum Kompetenzfeld Civic Type R.

Innen sportlich bequem

Rein in den Renner: Die Sitze packen Fahrer und Beifahrer eng, die Haltekraft der Seitenwangen ist genau richtig, nervt also auch nach längerem Sitzen nicht. Laut Honda sitzt der Fahrer im Type R 50 Millimeter tiefer als im Serien-Civic – so richtig tief ist die Sitzposition aber nach wie vor nicht. Trotzdem hofft der Schaltknauf genau in der Richtigen Höhe auf Zugriff. Einen Handbrems-Knauf gibt es nicht mehr – die mechanische Handbremse musste einer elektrischen weichen. Tolle Sitze, harte Mittelkonsole: Je nach Sitzeinstellung und Fahrergröße drückt die Mittelkonsole hart gegen das rechte Knie des Fahrers. Die Kopffreiheit ist auch für große Insassen top, schließlich wurde der Type R im Hinblick auf den europäischen und amerikanischen Markt entwickelt. Das Lenkrad fasst sich rau und richtig gut an. Die Produktionsnummer in der Mittelkonsole, beim Show-Modell die „00000“, sorgt für ein bisschen Exklusivitäts-Feeling, wobei der Type R stückzahlmäßig nicht limitiert ist. Vor dem Schalthebel öffnet sich ein finsteres Fach, in dem sich dafür geeignete Smartphones induktiv laden lassen. Aus dem Fußraum gibt es Griffiges zu vermelden: Die mit Gumminoppen besetzte Edelstahl-Pedalerie tritt sich trefflich. Der Blick nach hinten macht Spaß, weil der Heckspoiler von innen nicht zu sehen ist. Im Fond gibt es auf einer bequemen Couch Platz ohne Ende.

Große Fahrmodi-Spreizung

Auch das Fahrwerk des neuen Civic Type R hat Honda im Vergleich zum Fahrwerk des Vorgängers verbessert. Zum einen wurde die Karosserie um 38 Prozent torsionssteifer, zum anderen haben die Ingenieure die MacPherson-Federbeinaufhängung an der Vorderachse überarbeitet, um die für einen Fronttriebler typischen störenden Krafteinflüsse an der Lenkung zu vermindern. Einem sportlichen Handling zuliebe sank die Karosserie um 20 Millimeter Richtung Asphalt und die Mehrlenker-Hinterachse ist mit hochsteifen Querlenkern verstärkt. Serienmäßig ist ein adaptives Dämpfersystem an Bord. Dieses wird genauso von den Fahrmodi Comfort, Sport und +R beeinflusst wie die Servounterstützung, die Gangwechselcharakteristik und das Ansprechverhalten des Motors. Die Einstellung „Comfort“ ist neu und soll sicher vornehmlich auf dem amerikanischen Markt, wo der Civic Type R erstmals zu haben ist, Zweifler überzeugen. Das Gewicht des neuen Type R ist ein wenig in Richtung Heck gewandert: Während es sich beim Vorgänger noch im Verhältnis von 65 zu 35 zwischen vorne und hinten verteilte, beträgt die Verteilung jetzt 62 zu 38. Bei den Füßen legt der Civic Type R um ein Zoll zu, womit er jetzt mindestens auf 20-Zöllern unterwegs ist.

Jetzt mit 320 PS ab 36.050 Euro

Ein 2,0-Liter-Turbo mit 320 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmeter ist das kräftige Herz des neuen Civic Type R. Damit soll der Civic in 5,7 Sekunden von null auf 100 km/h spurten. Dien Höchstgeschwindigkeit wird mit 272 km/h angegeben. Aber Honda will mit dem Neuen auch wieder auf der Nordschleife brillieren – der Vorgänger schaffte die anspruchsvollste Rennstrecke der Welt in 7:50.63 Minuten. Kühlende Luft strömt auch über die Fronthauben-Hutze über ein unter der Haube quer sitzendes Rohr nach rechts und links in den Motorraum. Auffällig ist die Abgasanlage des Type R: Drei Endrohre schauen mittig aus dem Heck des Wagens, wobei das mittlere der drei Rohre im Durchmesser deutlich kleiner ist als seine beiden Geschwister. Dieses kleine mittlere Rohr hat eine ganz spezielle Funktion: Es sorgt dafür, dass der Abgasstrang-Geräuschpegel bei hohen Geschwindigkeiten abgesenkt und bei niedrigen Geschwindigkeiten erhöht wird.

Geschaltet wird im neuen Civic Type R immer über eine manuelle Sechsgangschaltung. Über ein Doppelkupplungsgetriebe denken die Honda-Ingenieure in Zukunft vielleicht nach – aber entschieden ist noch lange nichts. Das einzige was klar ist: Der Civic Type R bleibt noch lange ein Fronttriebler – von dieser Philosophie wollen die Japaner nicht abrücken.

Zu haben ist der neue Kompaktsportler von Honda zu Preisen ab 36.050 Euro. In der Ausstattungsvariante GT, die zusätzlich mit einem Tot-Winkel-Assistenten, einem Ausparkassistent und einem Konnektivitätspaket aufwartet, startet die Preiskliste bei 38.950 Euro.

Fazit

Honda scheint von seinem neuen Civic Type R überzeugt zu sein – schließlich können es die Japaner kaum erwarten, ihren neuen Boliden über die Nordschleife zu jagen. Fahrdynamisch erwarten wir vom neuen Type R also große Taten. Der Innenraum passt gut zu den sportlichen Ambitionen des großen Kompakten und macht den Wagen mit seinen großzügigen Platzverhältnissen zu einem alltagstauglichen Familienfahrzeug. Optisch geht der Type R mit seiner kantigen Form und seinem fetten Serien-Heckspoiler dagegen unverhohlen brachial zu Werke. Die Auslieferungen des neuen Honda Civic Type R beginnen in den USA im Juni, in Japan im Spätsommer und in Deutschland Ende September.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/honda-civic-type-r-2017-daten-preise-marktstart-1032588.html