Das unbekannte Geely-Imperium — Das steckt hinter Volvo, Lotus, Lynk & Co.

Das unbekannte Geely-Imperium — Das steckt hinter Volvo, Lotus, Lynk & Co.

Der chinesische Autobauer Geely reitet derzeit auf einer Erfolgswelle: Die Volvo-Modelle verkaufen sich bestens, Proton mit Lotus wurde unlängst einverleibt, mit Lynk & Co steht eine weitere Premiummarke in den Startlöchern. Aber, was steckt hinter Geely? Ein Konzern-Portrait.

In diesem Artikel:

Der Gründer von Geely

Firmengründer Li Shu Fu hat Geely am 6. November 1986 gegründet. Der 1963 geborene Li, Sohn eines Reisbauern, ist gelernter Maschinenbauingenieur. Er steht mit einem Vermögen von 5,2 Milliarden US-Dollar auf Platz 30 der Forbes-Liste der reichsten Männer Chinas.

Das Unternehmen Geely startete mit Kühlschrankteilen

Zunächst produzierte Geely (übersetzt „Glück“ oder gar „Glück verheißend“) Kühlschrankteile, 1992 begann man mit dem Motorradbau, bevor 1998 das erste Fahrzeug vom Band rollte. Diese sollen jedoch so schlecht verarbeitet gewesen sein, dass Geely-Gründer Li sie sofort verschrotten ließ.

Geely ist übrigens der erste privatwirtschaftliche Autobauer in China. Neben der Automobilproduktion ist der Konzern auch im Import/Export-Geschäft, auf dem Immobiliensektor sowie in der Hotelbranche und als Reiseunternehmen tätig.

Die Geely Automobile Holdings Ltd machte 2016 einen Nettogewinn von 2,26 Milliarden Yuan (ca. 688 Mio Euro). Zum Vergleich, die Tochtermarke Volvo erwirtschaftete 2016 11 Milliarden schwedische Kronen (ca. 1,2 Milliarden Euro). Der Umsatz erhöhte sich von 164 Milliarden auf 181 Milliarden Kronen.

In China besitzt Geely aktuell über 920 Verkaufsstellen. Das Unternehmen ist in 23 weiteren Ländern mit 489 Verkaufsstellen vertreten. Zu den Top-Exportländern zählen Ägypten mit 4.800 Einheiten im Jahr 2016 sowie Weißrussland (4.430 Einheiten) und Saudi Arabien (3.893 Einheiten).

Außerhalb Chinas, im schwedischen Göteborg, sitzt seit der Übernahme von Volvo wohl das wichtigste Entwicklungszentrum. Die China Euro Vehicle Technology AB (CEVT) entwickelt unter anderem die CMA-Plattform (Compact Modular Architecture) für Volvo und Lynk & Co. Dort arbeiten rund 2.000 Ingenieure, Designer und Berater. CEVT entwickelt auch für The London Taxi eine voll elektrifizierte Bodengruppe.

Bereits Mitte 2016 hat Geely 48 Prozent der Anteile am Batteriehersteller Shandong Forever New Energy von der Honbridge Holdings übernommen. Die Anteile kosteten über 43 Millionen Euro. Das Unternehmen fertigt Lithium Ionen-Batterien, zu den größten Kunden zählte bisher auch schon ein Geely-Joint-Venture. Damit wappnet sich das Unternehmen schon für eine drohende E-Auto-Quote und die Erfüllung des „Made in China“-Plans 2025 mit dem unter anderem die Entwicklung und der Verkauf von Elektroautos vorangetrieben werden soll. So sollen dem Plan nach vier von fünf in China verkaufen Elektroautos auch in der Volksrepublik gefertigt werden.

Die Produktion: Ab 2020 zwei Millionen Autos

In China werden an neun Standorten Automobile gefertigt inklusive der Volvo-Werke in Daqing (S90) und Chengdu (60er-Baureihe). Im Osten Chinas entsteht ein drittes Volvo Werk: In Luqiao, rund 350 Kilometer südlich von Schanghai, ist die Produktion der Modelle auf CMA-Plattform (Lynk&Co, XC40) geplant.

Die Produktionszahlen von Geely in China steigen von 414.465 Einheiten im Jahr 2010 bis 765.970 Einheiten 2016. Für 2017 wurde das Ziel von 1 Millionen Fahrzeuge nach einem erfolgreichen ersten Halbjahr (530.627 Einheiten) um 10 Prozent auf 1,1 Millionen Fahrzeuge erhöht. Bis 2020 sollen es dann 2 Millionen Fahrzeuge sein.

Volvo hat indes 2016 534.332 Fahrzeuge weltweit abgesetzt. In China, dem größten Einzelmarkt, waren es 90.930 Modelle, eine Steigerung von 11,5 Prozent. Bis 2020 sollen 800.000 Volvo-Modelle weltweit verkauft werden. Übrigens: Konzernweit sollen 1 Millionen Fahrzeuge auf der neuen CMA-Plattform aufbauen, davon rund 300.000 Modelle der neuen Volvo 40er-Baureihe (V40, S40 und XC40).

Die Marken

Bis 2012 hat Geely in China noch Fahrzeuge unter dem eigenen Namen (chinesisch „Jili“) auf den Markt gebracht. Die ersten Modelle waren die CJB 6360-Limousine, der CJB 6410 Kombi sowie das Pickupmodell CJB 1010 auf Daihatsu-Basis.

Aktuell besinnt man sich wieder auf diese Marke und subsummiert unter der Marke Geely die frühere Modellreihen „GLEagle“, „Emgrand“ und „Englon“ für den Massenmarkt, Volvo beackert den Premiummarkt, dazwischen ist Lynk&Co als neue globale Marke mit europäischem Design positioniert. Sie wird in klassischen Autohäusern vertrieben, aber auch online. Im 4. Quartal soll die Marke in China in 200 Autohäusern in 120 Städten angeboten werden und eine lebenslange Fahrzeug-Garantie sowie einen kostenlosen Assist-Service bieten. In Europa kommt das erste Modell Lynk&Co. 01 im 1. Quartal 2019 auf den Markt, danach wird Lynk&Co. in den USA vertrieben.

Die Modelle

Der große Plan von Geely ist, bis 2020 die Verbräuche seiner Modelle auf unter 5 Liter pro 100 Kilometer zu senken, dazu sollen Plug-in-Hybride zum Preis konventioneller Modelle angeboten werden. Der Anteil von Plug-in-Hybirden und Elektromodellen soll 90 Prozent betragen, in welchem Zeitraum lassen die Chinesen noch offen. Hier die wichtigsten Modelle der Marke:

Geely GC 9: Die Limousine ist 2016 in China zum „Car of the year” gewählt worden. Angetrieben wird der fast 5 Meter lange GC9 von einem 1,8-Liter-Turbo sowie einem 2,4-Liter und einem 3,5-Liter-V6-Sauger mit 162 beziehungsweise 270 PS sowie einem 2,0-Liter-Sauger mit 162 PS. Der Turbo leistet 220 PS und stemmt ein maximales Drehmoment von 250 Nm auf die Kurbelwelle. Die Kraftübertragung erfolgt über einen Sechsgang-Automatik. Der Preise beginnen bei umgerechnet 16.700 Euro. 2016 wurden 52.569 Modelle abgesetzt.

Geely Boyue: Der große SUV mit 4,519 Metern Länge kommt ebenfalls mit einem 1,8-Liter-Turbo-Benziner und einem Zweiliter-Sauger daher. Der Turbo leistet 184 und 163 PS und ist in der starken Version für 285 Nm Drehmoment gut. Der Zweiliter leistet 141 PS. Die Preise für den SUV starten bei rund 12.700 Euro. 2016 hat Geely 111.539 Boyue abgesetzt.

Geely Vision X6: 4,50 Meter misst der SUV in der Länge und geht unter anderem mit einem 1,3-Liter-Turbo oder einen 1,8-Liter-Suager an den Start. Der Turbo leistet 130 PS ebenso wie der Sauger und 185 Nm. Außerdem bietet Geely noch einen Zweiliter mit 141 PS an. Kraftübertragung: Per Achtgang-CVT oder Fünfgang-Schaltgetriebe. Kostenpunkt in China: rund 10.500 Euro. Im vergangenen Jahr wurden vom Vision X6 52.087 Modelle abgesetzt.

Emgrand GS: 4,440 Meter misst der Crossover-SUV Emgrand GS, der wahlweise von zwei Vierzylinder-Benzinern mit 1,3 (130 PS, 185 Nm) und 1,8 Litern Hubraum befeuert wird. Für die Kraftübertragung sorgen wahlweise ein Sechsgang-Schaltgetriebe oder ein automatisiertes Sechsgang-Schaltgetriebe. 2016 wurden 61.224 Emgrand GS ab 10.000 Euro an den Chinesen gebracht.

Emgrand GL: Die Limousine mit 4,725 Metern Länge ist über dem Emgrand Sedan (oder Emgrand 7) positioniert und verfügt über einen 1,3-Liter-Turbo mit 130 PS und einen 1,8-Liter-Turbo mit 134 PS. Als maximales Drehmoment stehen ihm 170 beziehungsweise 185 Nm zur Verfügung. Die Preise beginnen ab 10.100 Euro.

Das wichtiges Zukunftsmodelle ist für Geely jedoch der Emgrand EV, ein reines E-Auto mit 130 Leistung und 240 Nm Drehmoment sowie einer Top-Speed von 140 km/h. Die Reichweite beträgt 330 Kilometer bei 60 km/h. Der Emgrand EV ist das erste Elektro-Modell von Geely und wurde Ende 2016 in China eingeführt. Schnell machte sich der Emgrand EV auf, an die Spitze der Zulassungen zu fahren, im Dezember griffen 6.023 Chinesen zu. Das Modell kostet umgerechnet ab 32.500 Euro.

Des Weiteren hat das Unternehmen noch den Geely Yuanjing X1 seit Mai 2017 im Angebot. Der kleine Crossover basiert auf dem Kleinwagen Geely Panda, den es seit 2009 auf dem Markt gab und mit dem X1 eingestellt wurde. Der X1 kostet ab 5.100 Euro und erhält die alte Panda-Technik bestehend aus eine, 68 PS starken 1,0-liter—Benziner und einem neuen 1,3-Liter mit 88 PS. Den Kraftschluss stellen wahlweise eine Viergang-Automatik oder ein manuelles Fünfganggetriebe her.

Neben dem X1 plant Geely noch einen weiteren kompakten SUV. Hier nutzen die Chinesen die neue CMA-Plattform von Volvo. Als ausgeschlossen gilt jedoch, dass dieses Modell auch als Volvo XC20 auf den Markt kommen wird.

Apropos CMA-Plattform: Auf ihr basieren auch die beiden Modelle Lynk & Co. 01 sowie Lynk & Co. 02. Der SUV Lynk & Co. 01 wird noch 2017 auf den Markt kommen und einen Plugin-Hybrid-Antrieb aufweisen. Den Antrieb übernehmen zunächst zwei Benzin- und ein Dieseltriebwerk mit einem Leistungsspektrum von 150 bis 197 PS. Der Dreizylinder-Benziner soll 180 PS leisten, der Zweiliter-Vierzylinder 197 PS. Dazu kommt ein Turbo-Dreizylinder-Benziner in Kombination mit einem Elektromotor. Die Limousine Lynk & Co. 03 wird später auf den Markt kommen, vermutlich 2018. Auch sie nutzt die CMA-Plattform und bedient sich beim kommenden Volvo S40. Technische Angaben zu dem Modell gibt es indes noch nicht. Hybrid-Antriebe scheinen gesetzt, auch der 1,5-Liter-Verbrenner. Insgesamt sollen 10 neue Modelle der Marke bis 2020 entstehen.

Der Proton/Lotus-Deal

Mitte 2017 hat Geely 49,9 Prozent am malayischen Autohersteller Proton übernommen und damit Zugriff auf den Sportwagenbauer Lotus erhalten. Damit haben die Chinesen fortan die Hoheit über Lotus samt deren Fertigungs- und Entwicklungs-Knowhow. Insbesondere die Leichtbau-Technologien sollen Geely bei der Verbrauchsreduktion seiner Flotte helfen. Dazu haben die Chinesen indirekt auch einen Marktzugang mit rechtsgelenkten Fahrzeugen, der immerhin 8 Millionen Fahrzeuge ausmacht. Außerdem ist Proton als asiatische Marke besonders auf den großen schnellwachsenden Märkten von Malaysia und Thailand bereits eingeführt und bekannt.

Der Volvo Deal

Li kaufte für umgerechnet 1,8 Milliarden US-Dollar (1,4 Milliarden Euro) Ende März 2010 die schwedische Nobelmarke von Ford, die die Amerikaner finanziell zu Grunde gerichtet hatten. Zu diesem Zeitpunkt war Geely bereits mit rund 400.000 Fahrzeuge Chinas größter privater Autobauer, in Sachen Umsatz jedoch deutlich kleiner als Volvo. Außerdem war Geely zum Zeitpunkt der Übernahme hoch verschuldet, so dass Finanz-Experten die Übernahmen durchaus kritisch sahen.

Auch die Sanierung des schwedischen Autobauers gestaltete sich schwierig, 2012 wäre Volvo fast in die Insolvenz geraten, nicht zuletzt wegen interner Querelen zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Jacoby und dem ehemaligen Volvo Aufsichtsrat und Li-Berater Hans-Olov Olsson. Erst als Carl-Peter Forster als Aufsichtsrat und Hakan Samuelsson als CEO die Geschicke von Volvo im Herbst 2012 steuerten – nach einer unschönen Entlassung Jacobys währen eines Krankenhausaufenthalts – nahm das Unternehmen langsam an Fahrt auf. Auch, weil die beide Volvo-Manager für eine kooperative Zusammenarbeit mit dem chinesischen Besitzer standen.

Übrigens: Für den Volvo-Deal musste Li in China auf Betteltour gehen, fand in den Städten Shanghai und Daqing Geldgeber für 49 Prozent der Geely-Anteile, die mittlerweile wieder ausgelöst wurden. Geblieben sind die beiden Standorte für Produktion und Design sowie insgesamt 6.000 Arbeitsstellen. Außerdem konnte Li bei der China Development Bank 1,5 Milliarden Euro zur Tilgung von Altlasten und zur Entwicklung der SPA-Plattform auf der die aktuelle 90er-Baureihe basiert, erhalten.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/das-unbekannte-geely-imperium-alles-zur-chinesischen-volvo-mutter-12315355.html

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Zukunft der Mittelklasse — Alle Infos und Fotos zu A4, 3er, C.Klasse und Co.

Die Mittelklasse erfindet sich gerade mal wieder neu, denn mit einer behutsamen Evolution ist es nicht getan. Der vorgezeichnete Weg zur Elektromobilität und zum autonomen Fahren erfordert neue Konzepte, und der Trend zum SUV knabbert weiter am klassischen Portfolio.

So rechnet Audi-Chef Rupert Stadler bereits für 2025 mit einem SUV-Anteil von 50 Prozent in seiner Modellpalette, aktuell liegt er hierzu- lande noch bei 25 Prozent. Mit Folgen für das übrige Programm: Der A4 – lange Zeit Bestseller und Umsatzbringer der Marke – verliert an Bedeutung und Stückzahl. In Deutschland belegt er zwar von Januar bis September als erfolgreichster Audi Platz sechs bei den Neuzulassungen, doch speziell im wichtigen China-Markt schwächelt der Absatz.

Neuer Audi A4 kommt mit A8-Touchscreens

Als Hauptproblem gilt das Design, das sich zu wenig vom Vorgänger und von den Schwestermodellen unterscheidet. Abhilfe soll ein umfassendes Facelift schaffen, das allerdings noch bis Juni 2019 auf sich warten lässt. Dabei geht es nicht nur um kosmetische Retuschen im Detail, sondern um einen kraftvolleren, „lauteren“ Auftritt, der teure Änderungen am Blech erfordert. So sind die Radhäuser stärker ausgestellt, die Scheinwerfer deutlich flacher gestaltet und der Frontgrill in die Breite gezogen. Zudem werden die einzelnen Lines optisch klarer differenziert.

Im Cockpit halten analog zum neuen A8 und A7 zwei Touchscreens für Infotainment sowie Klima- und Komfortfunktionen auf der Mittelkonsole Einzug, die den bisherigen MMI-Controller ersetzen. Des Weiteren wird die Antriebspalette sukzessive hybridisiert und auf ein 48-Volt-Bordnetz umgestellt, um längeres „Segeln“ (bis 22 km/h) und mehr Rekuperation zu ermöglichen. Und während der S4 3.0 TFSI nach kurzer Homologationspause schon jetzt wieder lieferbar ist, kommt im nächsten Sommer erstmals ein S4 TDI mit V6-Biturbodiesel und rund 350 PS hinzu.

Der Modulare Längsbaukasten für Verbrennungsmotoren bleibt auch über den nächsten Modellwechsel hinaus (2022/23) erhalten, weil klassische Bauformen und Antriebsarten in vielen Märkten weiter dominieren. Nur die ganz Großen wie der VW-Konzern können sich parallel dazu eine völlig eigenständige Elektro-Plattform wie den Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB) leisten, den auch Audi für seine neue e-tron-Familie nutzt. So wird der A4 keine zusätzliche Elektrovariante, sondern ab 2019 einen weiteren hausinternen Rivalen neben A5 und Q5 bekommen – den außen nur wenig größeren, aber wegen des platzsparenden Antriebs innen deutlich geräumigeren e-tron Sportback.

BMW 3er wird leichter und wächst

Auch BMW baut seine i-Palette weiter aus, setzt dagegen auf eine gemeinsame Cluster-Architektur (CLAR) für alle Antriebsarten und Baureihen mit Hinterrad- oder davon abgeleitetem Allradantrieb. Laut Firmenchef Harald Krüger soll künftig jede Baureihe auch rein elektrisch fahren können, den Anfang macht 2020 der X3. Ein Jahr später kommt dann der i4 mit zwei E-Motoren, Allradantrieb und -lenkung, Torque Vectoring und teilaktiver Radaufhängung wie in der IAA-Studie Vision Dynamics. Statt einer teuren Carbonstruktur nutzt der Stromer jedoch die weiterentwickelte CLAR-Basis mit gewichtsoptimierten Werkstoffen zur Kompensation der schweren Batterien.

Beim nächsten 3er dürfte die reine E-Variante auf den meisten Märkten eine Randerscheinung bleiben, denn für 2025 erwartet BMW nur noch eine E-Auto-Quote von 20 statt der einst avisierten 25 Prozent. Damit auch bei den konventionellen Modellen Verbrauch und Emissionen spürbar sinken, wird die Anfang 2019 mit der Limousine startende siebte Generation um rund 40 kg leichter und mit feingetunten Turbomotoren ausgerüstet – Stichwort Elektrifizierung und 48-Volt-Mildhybrid. Trotz der um sechs Zentimeter gewachsenen Länge soll auch die Fahrdynamik von der Diät profitieren.

Ab 2021 kommt die neue Mercedes C-Klasse

Obwohl Mercedes erst sechs Jahre nach BMW (2019) eine separate Elektrosparte an den Start bringt, verfolgt die Marke eine ähnliche Strategie. Die EQ-Modelle nutzen einzelne Komponenten aus dem großen Technikbaukasten des Konzerns, sind aber ansonsten völlig eigenständig. Schließlich erlaubt der kleinere E-Antrieb ein besseres Package, das der rund 4,70 m langen EQ Limousine im Format der C- das Raumvolumen einer E-Klasse beschert. Doch während sich das Design dauerhaft von dem des traditionellen Portfolios unterscheidet, werden die Plattformen für Verbrenner und E-Autos ab 2025 sukzessive zusammengeführt.

Die nächste C-Klasse (W 206, ab Anfang 2021) nutzt jedoch über ihre gesamte Laufzeit den MRA-II-Baukasten, bleibt auch in Format und Design der bisherigen Linie treu. Allerdings kommen weitere Ableger hin- zu, zumindest ein Kombi im Offroad-Look namens All-Terrain sowie das viertürige Coupé CLC im Stil des größeren CLS sind gesetzt. Die gerade erst vorgestellten Vier- und Sechszylinder (Benziner und Diesel, auch als Plug-in-Hybrid) bieten noch viel Potenzial, während eine reine E-Variante nicht zur Diskussion steht.

VW entwickelt den Passat weiter – Alfa kommt mit Giulia-Kombi

Selbst jenseits des deutschen Premium-Trios stellt sich die Mittelklasse neu auf. Nach den Erschütterungen des Dieselskandals ist der VW-Konzern voll auf die Elektromobilität eingeschwenkt, fährt aber noch auf lange Sicht zweigleisig. Denn neben der rein elektrischen, optisch futuristischen I.D.-Familie, zu der ab 2021 auch die Fließheck-Limousine Lounge gehört, werden die klassischen Modelle wie der Passat weiterentwickelt und hybridisiert; der nächste Schritt kommt zum Facelift im Herbst 2018.

Ähnlich geht Skoda beim Vision E vor, der zwar mit 4,65 m Länge auf Octavia-Niveau liegt, aber als coupéartiger Elektro-Crossover völlig neue Kunden anspricht. Während Alfa Romeo und Volvo weiterhin fest an die Zukunft von Limousinen und Kombis glauben, stellt man bei Toyota den fertig entwickelten Avensis-Nachfolger grundsätzlich infrage und überlegt, stattdessen nur noch einen Crossover anzubieten. Es bleibt also spannend, denn mit Mittelmaß kann man in der Mittelklasse längst keinen Blumentopf mehr gewinnen.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/mittelklasse-zukunft-von-audi-a4-bmw-3er-mercedes-c-klasse-10216992.html

Absatzquote für emissionsfreie und emissionsarme Autos — Bedeutet die Jamaika-Verkehrspolitik das Verbrenner-Ende?

In den Sondierungsgesprächen zwischen der Union, den Grünen und der FDP wurde auch das Thema Verkehr heiß diskutiert. Künftig wolle man nur noch emissionsfreie Neu-Fahrzeuge zulassen. Das Ende des Verbrennungsmotors?

In einem Sondierungspapier zum Thema Verkehr heißt es, man habe sich zum Ziel gesetzt, innerhalb der nächsten zwanzig Jahre den Zeitpunkt zu erreichen, an dem nur noch emissionsfreie Neuwagen beim Händler stehen. Um diese Zielsetzung voranzutreiben, sollen alternative Antriebe verstärkt gefördert werden. Beispielsweise durch eine dynamische Absatzquote von fünf Prozent, die ab 2020 in Kraft treten soll und für die Hersteller gilt. Jedenfalls dann, wenn der Prozentsatz der Zulassungen emissionsfreier Autos im Jahr 2019 noch unter 3,5 liegen sollte. Zudem werden die Autobauer in der Diesel-Frage in die Pflicht genommen. Eine wirksame und überprüfbare Nachrüstung soll die bereits im Verkehr befindlichen Selbstzünder zu Saubermännern machen.

Bonus-Malus-System bei Kfz-Steuer

Für die Verbraucher heißt es „Zuckerbrot und Peitsche“. Als Kaufanreiz soll ein effektives Bonus-Malus-System in die Kfz-Steuer eingearbeitet werden, um die Anschaffung von emissionsarmen und elektrischen Fahrzeugen zu befeuern. Fahrverbote in Städten stünden ebenso auf dem Zettel wie auch eine bundesweite blaue Plakette, schreibt etwa das Handelsblatt. Der bisherige Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte besagte Plakette bis zuletzt entschieden abgelehnt.

Als zusätzlichen Baustein auf dem Weg in die emissionsreduzierte Zukunft sieht das Bündnis die Begünstigung der Dienstwagenbesteuerung von effizienten Autos. Sie sollen beim geldwerten Vorteil aufkommensneutral besser gestellt werden, geht aus dem Sondierungspapier hervor.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/verkehr-politik-jamaika-koalition-verbrennungsmotor-ende-2017-12800528.html