Die zweite Staffel von „The Grand Tour“ steht bevor — Clarkson, Hammond und May im ausführlichen Gespräch

Die zweite Staffel von „The Grand Tour“ steht bevor — Clarkson, Hammond und May im ausführlichen Gespräch

Nachdem sich die erste Staffel im Nu zum Zuschauermagneten entwickelt hatte, geht die verrückte Auto-Show mit den Kult-Moderatoren Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May jetzt endlich in die zweite Runde. Wir haben mit den drei Herren gesprochen.

Bald hat das Warten ein Ende – am 8. Dezember startet die zweite Staffel von The Grand Tour auf Amazon Prime. Entsprechend dem Titel der Serie begeben sich die Moderatoren wieder auf einen wilden Trip rund um die Welt. Drehorte waren unter anderem Mozambique, Kroatien, die Schweiz, Spanien, New York, Dubai und Colorado. Ein neuer Trailer, der schon nach einem Tag fast 700.000 Aufrufe verzeichnen kann, gibt bereits unterhaltsame Einblicke in das TV-Spektakel. So sieht man das Trio etwa mit drei alten Jaguars über einen schneebedeckten Gipfel pflügen, Richard Hammond mit einem Motorrad in den Schlamm klatschen und auch der Bugatti Chiron wird mit von der Partie sein.

So war die erste Staffel

Die erste Staffel ist Pflichtprogramm für Auto-Fans! Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May haben uns 12 Wochen, beziehungsweise 13 Episoden lang, das wöchentliche Warten auf den Freitag noch dringlicher in die Köpfe gepflanzt. Mit „The Grand Tour“ (ausschließlich via Amazon Prime zu sehen) haben sich die Erwartungen der Fans bestätigt: Nicht einfach nur Top Gear unter neuem Titel fortzuführen, sondern noch die eine oder andere Schippe draufzulegen.

Im Verlauf der Show hat das Trio Länder auf der ganzen Welt besucht, um sich in wechselnden Autos zu duellieren. Wie gewohnt nicht immer faktenbezogen, sondern mit jeder Menge Vorurteilen und Humor. Denn die Moderatoren legen bei ihren Tests stets Wert darauf, das Wesen und den Charakter eines Autos zu erfassen und zu beschreiben. Nicht die reinen Zahlen. Höchst subjektiv und höchst unterhaltsam.

Top und Flop? Nun, als „Flop“ könnte man den neu eingeführten Test-Fahrer, den „Amerikaner“ bezeichnen. Platte Sprüche und ein Gesamtkonzept, bei dem noch nachgebessert werden kann. Ansonsten: Alles Top!

Das Highlight der ersten Folge

Ein Höhepunkt ist schwer zu benennen, wenn man sich durchgehend dabei ertappt, zu grinsen wie ein Bekloppter. Kern der ersten Folge ist das lang ersehnte Duell der drei Hypercars Porsche 918 Spyder, McLaren P1 und Ferrari LaFerrari, die über den Algarve International Circuit in Portugal ballern. In Kürze: sensationelle Bilder, erstklassiger Soundtrack und drei Moderatoren in Höchstform. Wer das Duell gewinnt, verraten wir an dieser Stelle nicht, das dürfen Sie sich selbst ansehen.

Der Tiefpunkt der ersten Folge

Langweilig ist „The Grand Tour“ bislang nicht eine einzige Sekunde. Freilich wird einiges an Sendezeit damit verbracht die neuen Formate und Settings vorzustellen. Insofern besteht noch Steigerungspotential, wenn es in den nächsten Folgen richtig ans Eingemachte geht. Lediglich die angedeutete Prügelei mit dem amerikanischen Publikum über die Frage, welches Land die beste Luftwaffe habe, hätte auch etwas schneller abgehandelt werden können.

Wo sind die Unterschiede zu Top Gear?

Die gute Nachricht: Alles was die ehemalige Show der drei Moderatoren so großartig gemacht hat, findet sich wieder. „The News“ heißen jetzt „Conversation Street“. Statt einem „Star in a reasonably priced car“ gibt es „Celebrity Brain Crash“. Allerdings sterben drei angekündigte Studiogäste für dieses Format in der Show vorgetäuschte Tode. Hollywood-Star Jeremy Renner springt etwa mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug und schlägt neben dem Studio-Zelt auf.

Um die in der Show vorgestellten Autos zu bewerten, gibt es eine neue Rennstrecke, der Fahrer ist nicht länger „The Stig“, sondern ein übellauniger und übergewichtiger Amerikaner und das Studio hat freilich eine neue Optik. Die Struktur und Dramaturgie der Sendung ist dagegen angenehm vertraut. Den politisch unkorrekten Witz und die Sticheleien gegen Autos und gegeneinander hat sich das Trio bewahrt. Nicht zuletzt deshalb blicken wir mit Freude der nächsten Episode in Johannesburg entgegen.

James May im Interview

Ein gut gelaunter James May kommt durch die Seitentür in das Separé des Pubs Hampshire Hog in London, in dem wir die drei Kult-Moderatoren treffen. Sein Deutsch sei zu schlecht, deshalb empfehle er, das Interview in Englisch zu machen, erzählt er.

AMS: Lassen Sie uns mit der naheliegenden Frage anfangen: Sie haben eine neue Frisur, wie haben die anderen beiden darauf reagiert?

May: Ähm… sehr abfällig. Ich bin allerdings nicht sonderlich an Mode-Tipps von Richard und Jeremy interessiert. Ich meine.. schau sie dir an.

AMS: Richtig, vielleicht nicht die beste Idee.

May: Nicht wirklich

AMS: Ihr macht ja nun eine TV-Show, allerdings für das Internet. Ist das anders als früher? Vielleicht sogar besser?

May: Naja, es ist besser für die Zuschauer, denke ich. Du kannst dir die Show schließlich anschauen, wann immer du willst. In der Produktion ist es eigentlich nichts anderes. Okay, es gibt technische Unterschiede. Wir drehen jetzt in 4K und daher sind einige Arbeitsschritte etwas komplizierter und dauern länger. Aber bezogen darauf, was Clarkson, Hammond und ich tun, ist es immer noch exakt Dasselbe. Wir machen eine Show.

AMS: Und wie war es jetzt bei den Dreharbeiten zu Staffel zwei von The Grand Tour?

May: Etwas besser als in Staffel eins, weil wir besser in Übung sind und einige Abläufe optimiert wurden. Das Studiozelt ist ja nun stationär und zieht nicht mit uns um die Welt. Das spart uns Zeit, die wir für unsere Dreharbeiten nutzen konnten. Und die haben wir auch gebraucht, weil meine beiden Kollegen sehr unzuverlässig sind, wie du vielleicht gelesen hast, und haben Unfälle und liegen dann im Krankenhaus rum. Wenn wir nicht ohnehin beschlossen hätten, das Studio-Zelt an einem Ort zu lassen, dann hätten spätestens diese Eskapaden uns ohnehin dazu gezwungen. Sonst wäre die zweite Staffel im nächsten Jahr noch nicht abgedreht.
Und die zweite Staffel ist an sich besser, weil wir nachgeschärft haben und Teile der Show, die nicht funktioniert haben, wurden entfernt. Oder Teile der Show, die den Zuschauern nicht gefallen haben. Dafür haben wir die eine oder andere geheime Überraschung reingepackt.

AMS: So? Wir lieben Überraschungen! Wie geheim sind die denn?

May (dreht sich zu einer der TGT-Agentinnen um): Wie geheim sind die denn?

Agentin: Ziemlich geheim.

May (wieder zu uns): Okay, also die sind ziemlich geheim.

AMS: Na gut.. Dann sprechen wir eben über Trends. Was halten Sie denn eigentlich von Elektromobilität und autonomem Fahren? Sind Sie damit schon in Berührung gekommen?

May: Ja, bin ich. Zumindest mit Elektroautos, weil ich privat einen BMW i3 fahre. Ich mag Elektroautos, sie sind interessant und liefern neuen Gesprächsstoff. Was gut ist, wenn man als Moderator arbeitet. Von autonomem Fahren bin ich da durchaus weniger überzeugt, denn der enttäuschendste Teil des wissenschaftlichen Fortschritts war historisch gesehen schon immer die Robotik. Uns wurde schon 1985 der Robo-Butler versprochen und heute können die Dinger noch immer nicht mal einen Ball werfen. Obwohl die Idee eines autonom fahrenden Autos schon ansprechend ist. Sie spricht viele Menschen an, weil viele Menschen Autos haben und es scheint auch ein naheliegender Schritt zu sein. Denn der Verkehr würde dadurch garantiert sicherer werden, wenn die Maschinen das erledigen und auch noch miteinander kommunizieren könnten. Aber diese Robotik-getriebene Vorstellung bewegt sich in einem ambitionierten Umfeld. Denn ein Auto zu fahren, ist ein großes Talent, das sich die Menschheit angeeignet hat.

AMS: Manche zumindest.

May: Stimmt. Aber selbst diejenigen, die schlecht im Autofahren sind, bewegen sich mit einem Auto in Geschwindigkeiten fort, für die ihr Verstand eigentlich nicht gemacht wurde. Es fährt ja nicht jeder nur 30. Da gibt es also viele Sinneseindrücke, viel zu verarbeiten, viele Prozesse laufen gleichzeitig in verschiedenen Bereichen deines Körpers ab. Und das zu replizieren oder gar zu ersetzen, ist eine Mammutaufgabe. Wir haben ACC, Spurhalteassistenten und Notbrems-Funktionen und alle glauben „Ja, wir sind doch schon ganz nah dran“. Aber da haben wir in Wirklichkeit noch einen weiten Weg vor uns. Vielleicht haben wir schon eine Alternative für das Auto, bevor es wirklich autonom fahren kann.

AMS: Wo wir grade von weiten Wegen sprechen. Können Sie uns einen schnellen Überblick geben, an welchen Orten Sie für die zweite Staffel gewesen sind?

May: Also wir waren in Dubai, Colorado, Mozambique, New York, Spanien, in den Cotswolds…

AMS: Weil dort jetzt das Studiozelt steht, oder?

May: Ja, das ist überhaupt der einzige Grund, um sich dort hin zu verirren. Es sei denn, du bist so einer wie Jeremy und wohnst dort.

AMS: Seid ihr auch wieder in Deutschland gewesen?

May: Nein, leider nicht für diese Staffel. Ich selbst war in Deutschland. In Stuttgart und Karlsruhe, weil ich dort Freunde habe, aber für The Grand Tour waren wir diesmal nicht dort unterwegs.

AMS: Schade. Aber unterwegs seid ihr ja eine Menge. Wer hat sich denn da als der furchtbarste Verkehrsteilnehmer erwiesen? Abgesehen von Clarkson und Hammond.

May: Du meinst welches Land am schlimmsten ist?

AMS: Nein, welche Sorte von Verkehrsteilnehmer.

May: Achso.. Hmm…

AMS: Vielleicht LKW-Fahrer?

May: LKW-Fahrer finde ich üblicherweise eigentlich recht professionell. Das muss man ja auch sein, um einen Laster zu fahren. Aber… es gibt jede Menge nerviger SUV-Fahrer.

AMS: Na es bauen halt auch alle Hersteller eine Menge SUV-Modelle.

May: Ja, das ist wohl Teil des Problems. Meine Freundin hat die Theorie, dass der Kauf eines SUV Bestandteil des menschlichen Alterungsprozesses ist. Sie fährt übrigens einen Fiat Panda und sie sagt, wenn du ein kleines Auto fährst, dann fühlst du dich noch nützlich und unbesorgt. Aber wenn du dir einen SUV kaufst, dann hast du eigentlich nur Angst vor dem Sterben, weil du glaubst, in so einem Fahrzeug seist du sicherer und das macht dich älter. Ich finde viele SUV-Fahrer haben eine falsche Vorstellung der eigenen Unverwundbarkeit und das macht sie oft zu aggressiveren Fahrern.

AMS: Mehr als Sportwagen-Fahrer, obwohl man es denen ja auch manchmal nachsagt…

May: Ohja, viel mehr. Man hat ja sogar herausgefunden, dass insbesondere offene Sportwagen dich zu einem sehr höflichen Menschen machen. Weil du ja nicht länger einen Schutzschild um dich hast. Ich finde, wenn ich selber sehr auffällige Autos oder Supersportwagen fahre, wie einen Bentley oder einen orangenen Ferrari… ich habe selbst einen orangenen Ferrari… dann macht dich das auch zu einem besseren Fahrer. Ganz einfach weil dir alle hinterherschauen und du viel auffälliger unterwegs bist. Da gibst du dir natürlich mehr Mühe als in einem dunkelblauen 3er BMW.

AMS: Das glaub ich sofort. Apropos auffällige Autos: Was halten Sie denn von den jüngsten Britischen Beiträgen zum Automobil-Markt? Etwa dem neuen Rolls-Royce Phantom?

May: Ja, der gefällt mir. Und TVR gibt auch sein Comeback, wie wir gehört haben. Aber mit Großbritannien ist das so ein Ding. Ich habe noch eine andere TV-Show gemacht, in der es auch um die Nachkriegs-Industrie und deren Gewinner und Verlierer ging. Und obwohl UK vieles verloren hat, ist das vereinigte Königreich nach wie vor ein guter Ort, um Autos zu bauen, weil unsere Fabriken effizient und die Belegschaften gut sind. Lassen wir den Brexit mal einen Moment außer Acht, das Nissan-Werk hier in England ist eines der effizientesten in ganz Europa. Das ist bemerkenswert. Und obwohl wir so talentierte Arbeitskräfte hier haben, konnten wir Vieles nicht halten und haben die Auto-Marken verkauft. Ihr Deutschen seid halt schon noch besser im Bauen von Autos.

AMS: Wir haben es ja auch erfunden. Da hatten wir die meiste Zeit, um das zu perfektionieren.

May (lacht): Ja, das stimmt natürlich auch.

AMS: Trotzdem: Auch wenn der Phantom eigentlich ein BMW ist, ist er doch in den Köpfen vieler Auto-Interessierter nach wie vor ein britisches Auto.

May: Naja, es gibt viel britisches Design in einem Rolls-Royce, wohl wahr. Trotz allem glaube ich, dass die Übernahme von BMW das Beste war, das Rolls-Royce passieren konnte. Denn wir haben das Problem, dass wir zu sehr an der Idee der Marken-Historie, an Tradition hängen und an der romantischen Vorstellung, was denn besonders britisch wäre. Und wäre Rolls-Royce eine britische Marke geblieben, dann hätten sie vermutlich ihre Autos irgendwann gebaut, wie eine Freizeitpark-Attraktion. Disneyfied, könnte man sagen. BMW aber hat es sehr gut gemacht. Sie haben die Essenz der Philosophie beibehalten. Das beibehalten, wofür so ein Auto steht. Aber sie haben trotzdem ein modernes Auto mit modernen Materialien gebaut. Es gibt schließlich nicht nur Holz und Leder. Und so wurde es ein zeitgemäßes Auto. Ich bin den ersten Phantom von BMW gefahren und es mag kontrovers sein, aber ich finde, den haben sie richtig gut hinbekommen. Eine glückliche Ehe aus deutscher Effizienz und britischer Handwerkskunst.

AMS: Aber dann gibt es da ja auch noch McLaren, und die sind durchaus noch britisch.

May: Das sind sie! McLaren ist eine hervorragende Organisation, ich habe erst kürzlich darüber geschrieben. Wenn du sie vergleichst, etwa mit italienischen Supersportwagen, dann meinen viele McLaren sei zu klinisch, zu aufgeräumt und vielleicht auch zu pedantisch. Aber diese Leute sehen das falsch. McLaren baut sehr gute Autos. Sie sind aufregend und gut konstruiert und ihre Fabrik ist fantastisch. Und das ist das moderne Großbritannien – so sollte es sein. Ich sollte mir einen McLaren kaufen. Und das werde ich wohl auch, schätze ich.

AMS: So ein McLaren sorgt ja am Ende auch mindestens für so viel Aufmerksamkeit, wie ein orangener Ferrari, oder?

May: Das tun sie mittlerweile, ja. Ich werde demnächst den 720 S fahren. Im Moment ist Jeremy noch damit unterwegs und der hasst ihn.

AMS: Ach echt?

May: Ja, Jeremy mag keine Supersportwagen, aber ich liebe sie. Ich finde sie fast schon magisch. Als ich das letzte Mal einen McLaren hatte, es war der 540 C, habe ich einen Vergleich zu Ferrari gezogen. Die Leute sehen sich beide gerne an, aber da gibt es eine Art Wärme im Blick für den McLaren. Weil diese Autos noch nicht mit Fußballern oder anderen Giggolo-Fahrern assoziiert werden. Es ist einfach ein sehr geschmackvoll gestaltetes Auto.

AMS: Gäbe es abschließend noch etwas, das Sie Ihren deutschen Fans mit auf den Weg geben möchten?

May: Habe ich denn deutsche Fans?

AMS: Glaube schon… Mindestens die Show hat welche, aber Sie mit Sicherheit auch.

May: Ich möchte ihnen sagen (in schwer akzentuiertem Deutsch): „Aber ja natürlich ist Hans nass, er steht unter dem Wasserfall“. Und „Die Katze springt auf Frau Eilers Küchenschrank und das Spiegelei fällt zu Boden“.
Das waren die Dinge, die ich im Deutschunterricht in der Schule gelernt habe. Und diese Geschichten sind in der echten Welt nicht besonders nützlich. Man wird vermutlich nie einem Hans unter einem Wasserfall begegnen. Also an alle Fans in Deutschland, zu denen ich das jetzt grade gesagt habe: Ich möchte mich gerne dafür entschuldigen (lacht).

Wie auf einer eigenen kleinen „Grand Tour“ begeben wir uns nun auf die Suche nach unserem nächsten Gesprächspartner Richard Hammond, der sich in einem anderen Raum des zweigeschossigen Pubs aufhält. Durch typisch britischen Sprühregen geht es um das Hampshire Hog herum zum Hintereingang. Über eine schmale, mit Teppich bezogene Treppe geht es nach oben in einen dunklen Raum mit schweren Holzmöbeln. Dort sitzt Hammond in einem eleganten Anzug mit einer Coke und erkundigt sich, ob das Interview gefilmt werde. Wir verneinen.

Richard Hammond im Interview

AMS: Richard, wie geht es Ihnen mittlerweile? Wieder vollständig erholt?

Hammond: Ja, ich bin so erholt, wie ich sein kann. Mein Knie beugt sich, und das ist schon so ziemlich alles, was ich von einem Bein erwarte. Insofern alles gut.

AMS: Was ist denn da nun genau passiert, als Sie den Unfall hatten?

Hammond: Ähm.. Also ich war wohl zu schnell mit dem Rimac unterwegs. Für die, die das Auto nicht kennen: Das ist ein sehr seltener und teurer Elektro-Supersportwagen mit 1.088 PS. Und bei einem Bergrennen bin ich mit dem Heck voran aus einer Kurve geflogen und habe mich zweimal mit dem Auto überschlagen. Dabei habe ich mir ein Bein gebrochen und das Auto ist dann auf dem Dach gelandet und hat Feuer gefangen. Was nicht gut ist, bei so vielen Akkus an Bord. Aber ich bin noch aus eigener Kraft rausgekrabbelt. Es hätte wesentlich dramatischer ausgehen können.

AMS: Gut zu hören, dass es am Ende nicht so schrecklich war, wie es hätte sein können. Abgesehen von dem Unfall – wie lief die Produktion der zweiten Staffel von The Grand Tour?

Hammond: Es war super. Wir haben mehr Beiträge gedreht, denn das wollen die Leute ja auch sehen. Wir nehmen die Zuschauer wieder mit an interessante Orte rund um den Globus, an die sie sonst vielleicht nicht gehen würden und tun Dinge, die die Zuschauer definitiv nicht tun würden.

AMS: Und vermutlich auch nicht sollten.

Hammond: Ja, auf keinen Fall. Aber es war sehr lustig. Zwischenzeitig natürlich auch anstrengend und wir mussten an unsere Grenzen gehen, aber das ist okay, das gehört dazu. Und ich habe es im Gefühl, dass wir uns im Vergleich zu Staffel eins nochmal deutlich verbessert haben. Wir mussten schließlich auch aus der ersten Staffel lernen. Wir haben vieles ausprobiert – manches hat sehr gut funktioniert, anderes haben wir ersetzt.

AMS: Wart ihr mehr auf Reisen, nachdem das Studio-Zelt nun ja stationär ist?

Hammond: Ich denke, das waren wir. Die Filme, die wir dabei drehen, sind ja eigentlich auch der Touring-Aspekt von The Grand Tour. Wir konnten unsere Ressourcen dieses Mal besser nutzen.

AMS: Trotzdem sind wir ein bisschen traurig darüber, dass ihr nicht in Deutschland gewesen seid…

Hammond: Ja, da waren wir nicht. Sorry. Aber wir kommen wieder. Wir wissen natürlich, dass wir viele Fans in Deutschland haben. Liegt wohl am ähnlichen Sinn für Humor.

AMS: Dann sollte Staffel drei aber in weiten Teilen in Deutschland stattfinden.

Hammond: Auf jeden Fall! Vielleicht drehen wir das komplette Ding in Deutschland. Auf Deutsch!

AMS: Das würde aber bedeuten, dass nur James May reden würde, weil sonst keiner von euch Deutsch kann..

Hammond: Oh… ja.. Ich weiß nichtmal wie gut sein Deutsch ist.

AMS: Es geht so. Er hat uns irgendwas von einer Katze mit einem Spiegelei unter dem Wasserfall erzählt…

Hammond (lacht laut): Ich glaube, sein Können beschränkt sich in etwa auf genau das. Er hat schon ein paar Mal versucht, uns mit seinen Sprachkenntnissen aus der Bredouille zu bringen, aber der Erfolg war überschaubar. Ich hatte aber auch Deutsch-Unterricht in der Schule. Für einige Jahre. Allerdings ist mir davon nicht viel – gar nichts – im Kopf geblieben. Und der Lehrer war auch nicht sonderlich talentiert.

AMS: Sie konnten also nichts mehr davon abrufen, als Sie für die erste Staffel in Stuttgart waren?

Hammond: Leider nicht. So sind wir Briten – miserabel in Sprachen. Vielleicht liegt es daran, dass wir bald eh nicht mehr zur EU gehören?

AMS: Hm… Ja, vielleicht. Aber da ihr ja jetzt eine Show für Online-Konsumenten macht, seid zumindest ihr Teil der ganzen Welt. Wie ist das so, für das Internet zu arbeiten?

Hammond: Der Hauptunterschied zu früher liegt ja in der Art und Weise, wie die Inhalte konsumiert werden. Du schaust dir ja nicht mehr an, was gerade läuft, sonder das, worauf du gerade Lust hast. Das ist ja auch für Leute wie uns großartig, so können wir viel mehr Zuschauer erreichen. Und amazon ist ein toller Arbeitgeber, weil sie uns einfach unser Ding machen lassen. Die wollten uns, und die Show, die wir liefern. Trotzdem haben wir uns selbst Grenzen gesetzt, denn auch das ist wichtig für die Kreativität. Freiheit und Grenzen. In Bezug auf den Zeit-Aspekt beispielsweise. Wir könnten ja zwischen einer Sende-Dauer von 20 Minuten und zwei Stunden variieren. Für die kreativen Prozesse im Schnitt wäre das allerdings nicht förderlich. Wir sind Teil einer Weiterentwicklung der Medien und glücklich, dass wir das in unserem Alter noch sein dürfen.

AMS: Ihr seid ja sogar Teil der Sozialen Medien geworden, nachdem ihr das Portal Drivetribe gelauncht habt.

Hammond: Ja genau. Die Medienwelt wandelt sich so schnell und heutzutage kannst du nicht mehr einfach nur mit Produktionsmitteln kommen. Weil quasi jeder mitmischen kann, musst du gute Ideen haben, und entsprechend geht es jetzt mehr um die Menschen, als um teures Kamera-Equipment. Vor allem für junge Leute, die jetzt in die Branche kommen, ist das fantastisch. Denn wenn deine Ideen gut sind, dann können sie auch umgesetzt werden. Und die ganze Welt kann sie sehen – und wenn deine Ideen richtig gut sind, dann wird die ganze Welt auch hinschauen.

AMS: Wo wir grade bei der schönen neuen Welt sind.. Es gibt da im Netz einen Clip, in dem Sie in einem Volvo XC 60 sitzen, der selbst fährt. Und es scheint Ihnen nicht zu gefallen..

Hammond: Ja, das Semi-Autonome Teil. Da liegt ja schon der Fehler: Autonom ist doch absolut. Ich fliege zum Beispiel auch Helikopter und wenn du das lernst, dann hast du einen Piloten dabei, der dich ausbildet. Da ist es sehr sehr wichtig, dass du weißt, wer jetzt gerade die Kontrolle hat. Wenn der Pilot an dich übergibt, muss er dir sagen „Du übernimmst jetzt die Kontrolle“ und du musst sagen „Alles klar, ich habe jetzt die Kontrolle“. Es ist sehr sehr wichtig, dass das vollkommen klar ist. Ansonsten eiert man durch die Luft und jeder nimmt vom anderen an, er habe die Kontrolle. Und dann gibt es diesen Volvo, der Semi-Autonom fährt. Er hält dich in der Spur, er folgt den Kurven, gibt Gas und bremst, aber wenn es zu kompliziert wird, dann gibt er einfach auf. Und alles was dich über diesen doch recht bedeutsamen Umstand informiert, ist ein kleines Licht am Armaturenbrett. Ich will aber, dass das Auto mich anschreit: AAAAAHHHHH!!!! Du musst übernehmen!! Aber stattdessen blinkt nur ein Lämpchen.

AMS: Und glauben Sie, diese Technologie wird die Welt zeitnah erobern?

Hammond: Äh, nein. Da haben wir noch einen langen Weg vor uns. Aber nett wäre es ja irgendwo doch. Nehmen wir mal Autobahn-Fahrten zum Beispiel. Wer zur Hölle mag das?

AMS: Naja, im Stau ist es blöd. Aber in Deutschland kannst du ja ohne Tempolimit fa…

Hammond: Jetzt komm mir nicht damit. Das sagt ihr Deutschen immer. Und dann zieht ein LKW raus auf deine Spur. Das ist einfach immer so. Das Erste, was ein Brite denkt, wenn er nach Deutschland kommt ist „Oh, klasse! Die Autobahn! Jetzt kann ich richtig ausflippen.“ Und dann zieht der LKW rüber.

AMS: Oder ein alter Opel Corsa.

Hammond: Da hast du verdammt Recht. Okay, ohne die doofen Tempolimits ist es an sich natürlich trotzdem besser. Das habt ihr uns voraus. Aber trotzdem. Ich wohne außerhalb von London und mein Weg rein in die Stadt über die M4 ist die Hölle. Wenn ich da einfach ein Knöpfchen drücken könnte, und mein Auto sich dann mit den anderen Fahrzeugen um mich herum absprechen würde, dann wäre ich in der Hälfte der Zeit am Ziel, weil sich niemand mehr im Weg rumfährt. Das wäre sicherer, schneller und effizienter. Das bedeutet nicht, dass ich am Wochenende nicht mit meinem 60er-Jahre-Mustang durch die Landschaft brettern will. Das will ich nämlich. Aber auf der Autobahn dürfte man doch gerne autonom unterwegs sein.

AMS: Und welcher Hersteller glauben Sie, wird da vorne weg gehen?

Hammond: Puh, ich habe ja nun Erfahrungen mit Volvo gesammelt, aber da kommen ja noch die ganzen Konzerne dazu, die eigentlich keine Autos machen. Apple, Google und wie sie alle heißen. Sogar Dyson will ein Elektroauto bauen, und die machen eigentlich Staubsauger. Aber das ist ja was Gutes. Clevere Ideen können wir immer gebrauchen, und vielleicht hat einer von denen einen Geistesblitz. Diese Entwicklung finde ich ziemlich cool.

AMS: Haben Sie denn selbst ein Elektroauto?

Hammond: Nein, habe ich nicht. Aber ich denke darüber nach. Bislang ist mein Fuhrpark nicht ganz so aktuell. Das modernste Auto, das ich besitze ist mein Land Rover. Ich hatte einen Porsche 911 GT3 RS, aber den habe ich verkauft, als der Wert durch die Decke ging. Ich habe das Auto ohnehin nicht genug bewegt und er war mir zu nah an einem Supersportwagen. Und die sind ja dämlich. Ich habe noch einen Elfer von 1969, weil der im gleichen Jahr geboren ist wie ich und ich liebe ihn. Aber ich halte Ausschau nach einem Elektroauto. Tesla macht ja auch spannende Sachen. Aber immer wenn ich anfange, mich mit einem Modell zu arrangieren, dann kommt die nächste Revolution auf den Markt. Ich warte noch auf das Modell, das meine Zurückhaltung zum Einsturz bringt. Was mir wichtig wäre, ist die Reichweite. Tesla kann das.

AMS: James hat ja einen i3.

Hammond: Ja, der kleine i3. Der funktioniert bei James, weil er direkt in London wohnt. Meine Strecke wäre für den BMW zu weit. Außerdem habe ich eine Frau und zwei Töchter. Wir müssen Pferdeboxen ziehen und die Hunde transportieren. Alles ist matschig, das Auto kriegt Dellen. Mit einem kleinen Elektroauto wäre das nicht zu machen.

AMS: Dann also ein E-SUV? Auf der IAA gab es da ja Material.

Hammond: Tesla hat ja schon so ein SUV-ähnliches Fahrzeug im Angebot.

AMS: Und das gefällt Ihnen wirklich?

Hammond: Ähm.. Nunja. Nicht so richtig. Das coolste sind natürlich die Türen beim Model X. Da kannst du immernoch sagen „Ja, es ist hässlich, aber schau es kann das hier“ – und dann machst du die Türen auf. Ein fantastisches Auto. Aber dann kaufe ich mir einen. Die Woche darauf erscheint ein neues Modell und meiner ist dann noch genau ein Pfund wert. (lacht laut)

AMS: Wie mit den Computern..

Hammond: Genau. Aber spannende Zeiten sind es allemal. Besonders für Leute wie uns, in einer Zeit, in der sich das Auto neu erfindet. Schon zu Beginn des automobilen Zeitalters konnte niemand erahnen, wie groß die Sache wird. Niemand konnte erahnen, was alles vom Automobil beeinflusst werden würde – Musik, Sex, Drogen, der Krieg, Alles. Aber jetzt, wo ein neues Kapitel aufgeschlagen wird, wissen wir das alles bereits. Wir kennen die soziale Signifikanz des Autos. Die politische und globale Signifikanz. Und dieses Wissen beeinflusst wiederum die neusten Entwicklungen. Also eine aufregende Zeit, um diesen Job zu machen.

AMS: Wo wir grade vom aufregenden Job sprechen. Wie unterhaltsam ist es denn noch, nach all den Jahren mit Clarkson und May zusammen zu arbeiten?

Hammond: Oh, das war noch nie unterhaltsam. (Gelächter) Wir sind wohl dazu verurteilt, zusammen zu bleiben. Und dann ist da ja auch noch Andy Wilman, unser Produzent, mit dem wir bereits seit 2002 zusammenarbeiten. Seine Persönlichkeit strahlt in der Sendung noch deutlicher durch als unsere.

AMS: Den treffe ich morgen auch noch.

Hammond: Super! Also er ist ein ungepflegter schäbiger Lappen und sieht aus, als müsste er aus dem Gebäude geworfen werden. Aber dieser Mann spielt eine riesen Rolle für unsere Show. Wenn wir alle zusammenarbeiten, dann schaffen wir Dinge, die uns ansonsten nicht gelingen würden. Die Kombination ist entscheidend. Es müssen genau wir vier sein. Nur so konnte The Grand Tour so ein Erfolg werden. Und es macht riesig Spaß Menschen zu sehen, denen die Show riesigen Spaß bereitet. Das macht die Arbeit lohnenswert, denn die ist bisweilen wirklich verdammt anstrengend. Aber das ist gut so. Wenn es zu einfach wäre… Das wäre schlicht falsch.

AMS: Dann könnte es ja jeder machen.

Hammond: Ganz genau. Es darf also nicht leicht sein. Aber der Lohn ist, dass überall auf der Welt Menschen auf dich zukommen und dir erzählen, wie sehr ihnen deine Show gefällt. Und das ist entscheidend. Wenn du in der Welt von Film und Fernsehen unterwegs bist, wirst du dich schließlich nicht darüber beschweren, dass Leute deine Show sehen.

AMS: In eurem Buch habe ich aber gelesen, dass „Sorry dafür..“ eine der am meisten genutzten Floskeln bei allen euren Dreharbeiten in fremden Ländern ist…

Hammond: Hahaha, ja wir entschuldigen uns ziemlich häufig. Das ist unsere standardmäßige Art, uns von Leuten zu verabschieden. Wir lehnen uns aus dem Fenster eines Autos, fahren los, blicken zurück und rufen „Sorry!“ Aber es macht so viel Spaß, dass wir das mit ziemlicher Sicherheit so lange weiter betreiben werden, bis einer von uns den Löffel reicht.

AMS: Na das passiert hoffentlich nicht so bald. Aber nur für alle Fälle: Haben Sie noch ein letztes Wort für Ihre deutschen Fans parat?

Hammond: Ja, sicher. Die deutschen Fans haben uns drei Idioten schließlich von Anfang an treu begleitet. Was sicher am ähnlichen Sinn für Humor liegt. Was ich sagen möchte ist: Ich wünschte, wir Briten könnten so solche Autos bauen wie ihr. Aber das können wir nicht. Aber trotzdem danke dafür.

Mit wem wir uns als nächstes unterhalten dürften, fragt Richard beim Hinausgehen. Clarkson, verraten wir. Oh, dann besser keine hastigen Bewegungen machen und Blickkontakt vermeiden, rät Hammond. Na das sind ja tolle Aussichten. Die „Grand Tour“ geht weiter und führt uns in den nächsten Raum auf knarzende Holz-Dielen. Drinnen steht ein großer Tisch, der mit Limo-Dosen übersäht ist und ein Jeremy Clarkson, der sich grade eine Magentablette in den Mund steckt. Freundlicherweise bietet er uns auch eine an. Wir lehnen dankend ab.

Jeremy Clarkson im Interview

Clarkson: Ich sehe Licht am Ende des Tunnels.

AMS: Weil der Tag sich dem Ende neigt?

Clarkson: Der Tag noch nicht, aber die ständigen Interviews.

AMS: Okay, das hier muss jetzt halt leider noch sein.

Clarkson: Kommst du aus Deutschland, oder bist du in London stationiert?

AMS: Nein aus Deutschland. Stuttgart, um genau zu sein, wo ihr in der ersten Staffel gewesen seid.

Clarkson: Ah Stuttgart! Ja, da war ich schon oft. Bei den letzten Dreharbeiten waren wir während eines Feinstaub-Alarms dort.

AMS: Oh ja.. Heute ist auch einer.

Clarkson: Schon wieder? Kann man sich kaum Ausmalen, diese Scheußlichkeit.

AMS: Ich war heute morgen aber noch mit einem Elektroauto unterwegs, also haben sie mich rein gelassen.

Clarkson: Sehr gut. Auch wenn das Strom-Kraftwerk die Schadstoffe grade so rausspuckt, um den Saft zu produzieren, mit dem dein E-Auto geladen wurde. Aber die Leute vergessen sowas.

AMS: Ja, das vergisst man häufig. Aber etwas habe ich nicht vergessen: James hat mir erzählt, dass Sie gerade den McLaren 720 S fahren.

Clarkson: Das tue ich in der Tat.

AMS: Und James hat auch erzählt, dass Sie den Wagen hassen.

Clarkson: Ja, das tue ich. Ich habe keine Ahnung, was die mit dem Fahrwerk angestellt haben – es ist intolerierbar hart. Sogar im Comfort-Modus. Meine Freundin wollte gestern vom Beifahrersitz aus eine SMS verschicken und hat nur wirren Stuss geschrieben, weil sie die Tasten nicht getroffen hat. Und zu eng ist das Teil auch. Die Sitze gehen nicht weit genug zurück. Und die Scheibenwischer funktionieren nicht richtig. Und die Bremsen sind schrecklich. Und es ist sehr schwer im normalen Straßenverkehr zu fahren. Ferrari ist zum Beispiel sehr gut darin geworden Autos zu bauen, die auf der Rennstrecke Spaß machen, aber auch auf normalen Straßen funktionieren. Aber dieses Ding.. Auf einer Rennstrecke war ich mit dem McLaren noch nicht. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass er dort fantastisch sein wird. Aber der Preis, den du dafür bezahlen musst. Beim P1 war das nicht so drastisch.

AMS: Würden Sie den P1 also dem 720 S vorziehen?

Clarkson: Auf jeden Fall! Ich würde jeden McLaren vorziehen, den ich bisher gefahren habe. Die waren alle toll, deshalb habe ich mich auch so auf den neuen gefreut. Aber ich sag’s mal so: Vor dem Pub steht mein privater Golf GTI, obwohl ich mit dem McLaren hätte kommen können. Aber das wäre einfach zu harte Arbeit gewesen.

AMS: Gutes Stichwort: Harte Arbeit. Sprechen wir über Staffel zwei. Wird es da auch so ein heroisches Opening geben?

Clarkson: Nein, das wird es nicht geben. Wir waren nicht der Meinung, dass es nötig gewesen wäre. In der ersten Staffel war es ein Muss, weil wir die Show erstmal etablieren mussten. Es wusste ja keiner, was ihn da erwarten sollte, also haben wir in dem Vorspann mit der Vergangenheit abgeschlossen und sind in die neue Show gestartet. Außerdem war das Opening ein Salut an einen ganz bestimmten Typen namens Danny bei der BBC. Insgesamt war die Szene sowas wie eine neue Visitenkarte. Und ein „F**K You“ für die Kritiker. Es war notwendig, weil es zum Start der neuen Serie eine Geschichte zu erzählen gab, und die gibt es jetzt in der Form nicht. Wir starten also direkt durch mit der zweiten Staffel. Natürlich gibt es einen Zusammenschnitt der Highlights am Anfang. Und du wirst den Zusammenschnitt anschauen und denken „Wie verdammt nochmal konnten die das alles schaffen, wo sie doch die meiste Zeit im Krankenhaus verbracht haben?“

AMS: Stimmt, Sie waren ja auch krank.

Clarkson: Ja, wir waren alle drei krank. Aber jetzt geht es uns gut.

AMS: Das klingt ja sehr harmonisch. Was ist denn das Beste, beziehungsweise das Schlimmste an der Zusammenarbeit mit James und Richard?

Clarkson: Also das Beste daran ist, dass obwohl wir sehr verschieden sind, keine gemeinsamen Freunde haben und uns auch nie gemeinsam sozialisieren würden, wir aus irgendeinem mysteriösen Grund wunderbar klar kommen, wenn wir gemeinsam arbeiten. Keine Ahnung warum, aber genau so ist es. Und das Schlimmste ist… Hm… Die Liste ist so lang… Also Hammond ist unglaublich vergesslich. Und May ist unglaublich pedantisch. Wenn James anfängt zu erklären, wie eine Zündkerze funktioniert, dann verlierst du deinen Lebenswillen. Und Hammond weiß überhaupt nicht, was eine Zündkerze ist. Über mich würden sie wohl sagen, dass ich die ganze Zeit nur rumschreie, aber das ist egal. Vielleicht funktioniert es auch gerade deshalb so gut, weil wir so verschieden sind. Aber es besteht eine ganz besondere Chemie zwischen uns so viel ist sicher.

AMS: Wo wir gerade über Eigenschaften zum Aufregen sprechen. Welcher Verkehrsteilnehmer ist denn für Sie der Schlimmste.

Clarkson: Also in London sind es die Radfahrer. Weil man denen nämlich gesagt hat, dass sie den Planeten retten und jetzt glauben sie, sie täten Gottes Werk. Das hat sie leider auch zu unglaublich wütenden Zeitgenossen gemacht. Wehe du wagst es, ihnen im Weg zu sein. Die werden zu Furien. Obwohl ich vermutlich trotzdem noch lieber die Busse loswerden würde. Es ist doch so: Du hast eine Straße, auf der Autos fahren sollen. Dafür sind Straßen ja übrigens auch gemacht. Und dann kommen die Planer und sagen „Oh, wir brauchen ein bisschen von der Straße für die Busse. Und dann noch ein bisschen für die Radfahrer“. Aber dafür ist die Straße zu klein und sie packen Radfahrer und Busse in die selbe Spur. Und dann gibt es ein Gemetzel und die Radfahrer werden noch wütender, weil sie dorthin ausweichen müssen, wo die Autos fahren. Das bedeutet also: Wir können nicht Räder UND Busse haben. Wenn sich Leute dazu entschließen arm zu sein und kein Auto zu besitzen, dann musst du sie vor die Wahl stellen: Entweder dieses oder jenes. Du kannst nicht beides haben. Und dann geben wir ihnen lieber Fahrräder. Da werden sie fitter und fallen dem Gesundheitswesen weniger zur Last. Also lasst und die Busse loswerden. Und extra Spuren für Radfahrer anlegen. Mit Barrieren, um sie von den Autos fern zu halten.

AMS: Vor allem, wo es doch so schicke britische Autos gibt. Was halten Sie denn vom neuen Rolls-Royce Phantom?

Clarkson: Also ich habe ihn bislang nur auf Bildern gesehen, und bin noch nicht damit gefahren. Aber eines ist glasklar: Das ist ein deutsches Auto.

AMS: Ähm, ja das stimmt.

Clarkson: Das ist auch der Grund, warum das Auto so gut ist. Ich war schon ein großer Fan des Vorgängers. Ich kann mir nicht vorstellen, dass BMW den Neuen versaut haben könnte. Zumindest so lange sie nicht auf die Rapper-Schiene geraten, wie Bentley. Denn sollten sie erfahren, dass in den USA ein Haufen Rapper Rolls-Royce kaufen, dann weiß ich nicht, wie künftige Autos aussehen würden. Das ist wie mit den neuen Range Rovers. Ich könnte nie so einen fahren – viel zu viel Bling Bling. Mein alter Range Rover hat einen grauen Grill ohne Schnörkel.

AMS: Aber hat der nicht den Geist aufgegeben?

Clarkson: Nein, ich hab ihn wiederbelebt. Es ist der mit dem 4,4 Liter Diesel-Motor. Eigentlich nicht kaputt zu kriegen. Und eigentlich gibt es überhaupt kein besseres Auto. Ich will ehrlich gesagt niemals davon getrennt werden. Und das, obwohl es mich 21 Pfund pro Tag kostet, damit in London herum zu fahren.

AMS: Oha!

Clarkson: Ja, ein alter Diesel kostet saftige 21 Pfund pro Tag. Das ist schon heftig.

AMS: Wer weiß wie lange noch? In Deutschland diskutiert man ja auch über komplette Fahrverbote…

Clarkson: Ja, in Großbritannien auch. Irgendwas bis 2040 soll sich da ändern.

AMS: Das ist ja noch ne Weile hin. Was näher liegt, ist die zweite Staffel The Grand Tour. Warum sollte man sich die denn überhaupt anschauen?

Clarkson: Es gibt ja einige Auto-Shows. Und auch einige Auto-Kanäle online. Zudem gibt es auch einige Auto-Magazine und darunter ein paar ausgesprochen gute in Deutschland. Das ist gut, wenn man sich wirklich über Autos informieren will. Wie sie funktionieren, wie sie sich anfühlen, wo ihre Grenzen liegen und so weiter. Wenn du aber einfach nur Autos sehen willst, die von drei inkompetenten fetten Menschen mit schlechten Zähnen gefahren werden, dann musst du „The Grand Tour“ einschalten.

AMS: Okay…

Clarkson: Ja, es ist doch so: Bei uns kannst du menschliches Versagen sehen. Scheitern. Und wir heißen dieses Versagen willkommen. Wir mögen es, zu versagen. Die meisten Menschen scheitern doch irgendwann im Leben mal. Zum Beispiel wenn du so Do-it-yourself-Zeugs ausprobierst oder irgendwas selber reparieren möchtest, dann wird das nicht funktionieren. Es geht schief. Und das ist genau das was wir tun. Wir gehen raus, tun Dinge und die gehen schief. Das ist okay. Ich meine, Hammond kann nicht fahren, James weiß wie ein Auto funktioniert und kann trotzdem nicht fahren und ich kann nicht fahren und weiß auch nicht, wie ein Auto funktioniert. Wir sind allesamt hoffnungslose Fälle. Aber du kannst dir unsere Show anschauen, nachdem du einen schlechten Tag hattest und alles den Bach runter gegangen ist. Dann siehst du, dass bei uns auch alles schief geht.

AMS: Ihr sorgt also hauptberuflich dafür, dass sich Menschen besser fühlen?

Clarkson: Ganz genau so ist es. Und dann gibt es dabei noch ein paar Autos in den einzelnen Folgen. Aber es ist sicherlich keine Auto-Show. Obwohl wir auch den Bugatti Chiron dabei haben.

AMS: Sie sind das Höllen-Teil gefahren, richtig?

Clarkson: Ja, wir haben da eine coole Geschichte gemacht. Kennst du den Film Rendezvous mit dem Ferrari in Paris?

AMS: Jup.

Clarkson: Wir haben also die Beamten in Turin gefragt, ob wir sowas in Turin machen dürfen. Mit einem Bugatti Chiron. Und irritierenderweise haben sie „Ja“ gesagt. Sie haben nichtmal die Straßen abgesperrt. Das kannst du auch nur mit den Italienern machen. (lacht) Ich muss allerdings zugeben, dass unser Film nicht ganz so gut ist, wie Rendezvous. Wir mussten nämlich einige Szenen rausschneiden, die massiv gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen haben. Aber einen Chiron Flatout durch die Rushhour in Turin zu jagen ist einfach nur… Wow.

AMS: Klingt beeindruckend.

Clarkson: Absolut. Ich meine… wir haben große Budgets, um Blödsinn mit Autos zu veranstalten. Und es gibt einige erstaunliche Aufnahmen. Wir waren auch auf einem Steilkurven-Kurs in Spanien. 72 Prozent Neigungswinkel, gebaut in den 1920er Jahren, einmal benutzt und dann geschlossen. Aber das Teil ist so gut gebaut, dass du den Kurs heute noch benutzen kannst. Ich bin dort mit einem Aston Martin DB4 GT Lightweight gefahren. Das war ein atemberaubendes Erlebnis. Also insgesamt haben wir wirklich spektakuläre Sachen gemacht, und das nicht nur für Auto-Fans.

AMS: Dann an dieser Stelle nochmal die Frage, die ich schon Hammond gestellt habe: Warum ist „Sorry about that“ einer der am häufigsten verwendeten Sätze von euch?

Clarkson: Wir verlassen absolut niemals eine Location an der jemand sagt: „War schön, beehrt uns bitte wieder.“ Nie. Immer heißt es: „Verschwindet! Raus hier!“ Vielleicht, weil wir jedes Mal alles kaputt machen?

AMS: Und doch wart ihr in der ersten Staffel zweimal in Schottland..

Clarkson: Ja, uns ist einfach die Kohle ausgegangen. Weil mit diesen Zelten umzuziehen einfach richtig teuer und aufwändig war.

AMS: Ist also schon einfacher geworden mit der zweiten Staffel, oder?

Clarkson: Auf jeden Fall. Ein Formel 1-Team hat deutlich weniger Zeug dabei als wir. Und auch weniger Leute. Es ist also wirklich eine willkommene Erleichterung, dass wir uns das Umziehen schenken und uns mehr auf die einzelnen Filmbeiträge konzentrieren können. Denn das ist es ja auch, was die Zuschauer am liebsten sehen wollen.

Sehen Sie hier den Trailer:

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/the-grand-tour-kritik-serie-erste-staffel-1050064.html

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Der erste Porsche 911 — Nr. 57 erstmals öffentlich zu sehen

Das Porsche Museum zeigt in einer Sonderschau ältesten Elfer der Werks-Sammlung. Das rote Coupé trägt die Fahrgestellnummer 300.057 und entstand im Oktober 1964 als eines der ersten Serienmodelle des Sportwagens noch unter der Typbezeichnung 901.

Porsche hatte den Nachfolger des 356 ursprünglich unter der Typbezeichnung 901 entwickelt und vorgestellt. Nur wenige Wochen nach Produktionsbeginn musste das Coupé im Herbst 1964 wegen eines markenrechtlichen Einspruchs von Autobauer Peugeot jedoch umbenannt werden und hieß fortan 911. Alle bis dahin produzierten Kundenfahrzeuge waren zwar unter der Bezeichnung 901 gebaut, aber als 911 verkauft worden. Eine dieser Raritäten fehlte 50 Jahre lang in der Werkssammlung von Porsche.

TV-Team entdeckt Klassiker

Aufgestöbert hatte die Rarität 2014 das TV-Team der Doku-Soap „Der Trödeltrupp – Das Geld liegt im Keller“ beim Verwerten einer längst aufgegebenen Sammlung in einer Scheune. Dort waren sie auf zwei 911 aus den 1960er Jahren gestoßen. Bei der Rückfrage im Porsche Museum stellte sich heraus, dass einer der beiden Sportwagen mit der Fahrgestellnummer 300.057 zu den seltenen Exemplaren zählt, die vor der Umbenennung gebaut wurden. Das Porsche Museum kaufte beide 911 zum Schätzpreis unabhängiger Sachverständiger an und schloss damit eine wichtige Lücke in der Sammlung bedeutender Klassiker der Marke.

Drei Jahre investierte Porsche in die Restaurierung des Klassikers. Der stark von Rost zerfressenen Sportwagen wurde mit zeitgenössischen Originalblechen wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Motor, Getriebe, Elektrik und Innenausstattung wurden nach dem gleichen Prinzip instandgesetzt. Grundsätzlich ging dabei der Erhalt von Teilen und Fragmenten vor den Ersatz.

Zu bewundern ist der 901 Nr. 57 eigt in der Sonderschau „911 (901 Nr. 57) – Eine Legende nimmt Fahrt auf“ vom 14. Dezember 2017 bis zum 8. April 2018 im Stuttgarter Porsche Museum.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/der-erste-porsche-911-nr-57-erstmals-oeffentlich-zu-sehen-1107636.html

Sportwagen-Neuzulassungen November 2017 — Ford schlägt Porsche und Mercedes

Die Statistik sieht für den November 2017 ein kleines Plus bei den Neuzulassungen von Sportwagen. Doch welcher Sportwagen ist Deutschlands Liebling?

Unter den Sportwagen liefern sich Porsche 911 und die Mercedes E-Klasse als Coupé einen permanenten Führungswechsel im Segment. Hin und wieder stört aber ein Mitbewerber das Duell. So auch im November 2017, denn der Ford Mustang holt sich den Sieg mit 648 Neuzulassungen. Knapp dahinter rangiert im Berichtsmonat das E-Klasse Coupé, das vom Kraftfahrt Bundesamt in Flensburg als Sportwagen geführt wird. Erst auf dem Bronze-Rang fährt der Porsche 911 über die Ziellinie.

Porsche 911 2017 an der Spitze

Im Jahresverlauf steht der Porsche mit 7.199 Neuzulassungen an der Spitze des Segments, dahinter reihen sich Audi TT mit 5.533 Neuzulassungen, Ford Mustang mit 5.356 Neuzulassungen und das E-Klasse Coupé mit 5.152 Neuzulassungen ein.

Auffällig in der Monatsstatistik sind die Zulassungsquoten der Marke Aston Martin. Alleine fünf Modelle – vom Vanquish bis zum DB11 sind im Ranking vertreten. Zum Vergleich: Porsche kommt auf drei Modelle, Mercedes auf vier Fahrzeuge und Ferrari auf drei Sportwagen. Auch ein Blick auf die Quote der gewerblichen Halter lohnt sich bei den Sportwagen. Diese liegt traditionell deutlich höher, als in anderen Segmenten. So kommt der Mustang auf eine Quote von 74,7 Prozent, das E-Klasse Coupé erreicht 62,5 Prozent und der Porsche 911 steht bei 63,3 Prozent. Die meisten privaten Halter kann der Toyota GT86 mit 84,6 Prozent auf sich vereinen.

In unserer Fotoshow zeigen wir Ihnen das Gesamtranking der Sportwagen-Neuzulassungen im November 2017.

Hinweis: Bei der Zulassungsstatistik handelt es sich um die offiziellen Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg. Die Einteilung in die jeweiligen Klassen erfolgt per Schlüsselnummer über die Hersteller. In der Statistik können auch Modelle erscheinen, die es nicht auf den deutschen Markt gibt, oder nicht mehr gebaut werden. Diese Besonderheit kann bei der KBA-Statistik auftreten, wenn z.B. ausländische Fahrzeuge erstmals in Deutschland zugelassen werden oder Fahrzeuge eine neue Ident-Nr. erhalten.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/sportwagen-neuzulassungen-november-2017-ford-schlaegt-porsche-und-mercedes-7778112.html