Emco Elektroroller: Das Schweigen des Rollers

Emco Elektroroller: Das Schweigen des Rollers

Meine bisherigen Erfahrungen mit Roller beschränkten sich meistens auf das Festklammern an einen netten Herrn, der mich wiederum auf der hinteren Hälfte der Sitzbank herumkutschierte. Das war insofern sehr nett, weil ich mich immer fühlte wie Audrey Hepburn auf der Vespa in „Ein Herz und eine Krone“. Sommer, Sonne, Sonnenschein und „La Dolce Vita“. Damit hörten meine Roller-Kenntnisse aber auch schon auf. Nichtsdestotrotz wollte ich schon immer eine eigene Vespa besitzen. Was gibt es Schöneres, als sich im Sommer auf den Ledersitz dieses italienischen Gefährts zu werfen und einfach drauf los zu cruisen? Näher kommt man dem toskanischen Gefühl nur, wenn man direkt an die italienische Riviera fliegt.

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In diesem Sommer gönnte ich mir zwar noch immer keinen eigenen, durfte dafür aber zwei Monate lang einen umweltfreundlichen Emco Elektroroller testen. Ich bekam den Emco Nova R2000 in auffälligem Türkis vor die Haustüre gestellt, einen stylishen Retro-Roller in 60er Jahre Optik mit Flechtkorb. Gregory Peck, wenn du das gesehen hättest … Zwei Akkus, mit jeweils 2000 Watt, sollten ihn bis zu 100 Kilometer weit tragen können. Das wollte ich natürlich genau wissen, doch erst galt es die erste Fahrt, ohne netten erfahrenen Herren zu überstehen. Mit zur Ausstattung gehörte neben der ausführlichen Einweisung natürlich auch der passende Helm, der mich wie eine übergroße Fliege aussehen ließ. Aber was tut man nicht alles für die eigene Sicherheit.

Als dann der Zündschlüssel steckt und ich ihn in freudiger Erwartung herumdrehe, passiert genau: Nichts. Was habe ich auch erwartet? Bei einem Elektrofahrzeug wird es natürlich kein Aufheulen des Motors geben. Einzig ein kleines grünes Lämpchen und das Aufleuchten des Displays kündigt vom angelassenen „Motor“. Ein kleiner Dreh am „Stromgriff“ und schon sprintet der Italo-Flitzer vor. Hui, da muss man mit Gefühl ran. Wie bei „Amore“, ist doch klar. Seine 2,7 PS Leistung wollen wohl dosiert sein, also versuche ich es etwas sanfter und schon gleitet er dahin. Achtung, Gleichgewicht, wo bist du? Ein bisschen wackelig ist das Ganze bei der ersten Fahrt doch noch. Egal, es macht Spaß und zaubert gleich ein Lächeln auf mein Gesicht. Doch wenn ich daran denke durch den allabendlichen Feierabendverkehr mit nur 45 km/h Höchstgeschwindigkeit fahren zu müssen, na dann gute Nacht.

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Wackelige Angelegenheit
Aber wer nichts wagt der nichts gewinnt, also schwinge ich mich wieder in den Sattel, schnall mir noch eine Kollegin auf den Sitz und los geht’s. Wer hätte gedacht, dass es zu zweit noch wackeliger wird. Aber irgendwie bewältigten wir die erste Fahrt unbeschadet und, nach knapp 15 Kilometer, waren die Akkus noch immer voll aufgeladen. Wow! Ich hatte Feuer gefangen und konnte es nicht erwarten, die nächste Tour anzutreten. Von Mal zu Mal wurde es auch einfacher. Ob alleine oder zu zweit: die Fahrt auf dem Emco Electroller gestaltete sich immer besser. Dank der leistungsstarken hydraulischen Scheibenbremse vorne und der Trommelbremse hinten war auch für optimale Verzögerungswerte und noch mehr Sicherheit gesorgt. Mal abgesehen von der auffälligen Farbe, die auch bei Passanten immer ein Lächeln auf das Gesicht zauberte. Oder lag es an dem schönen Korb, der hinten als Ablagefläche diente? Damit fühlte ich mich manchmal ein bisschen wie der italienische Pizzabote aus der Nachbarschaft. Meine Tiramisu habe ich tatsächlich damit ausgeliefert. Prego, grazie mille!

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Bei meiner Testfahrt schaffte ich ca. 86 Kilometer Reichweite, ehe sich der Akku verabschiedete, und das mitten in der Fahrt. Zum Glück nie weit von der nächsten Steckdose. Denn die herausnehmbaren Lithium-Ionen-Batterien ließen sich problemlos an jeder Steckdose im Büro oder Wohnung aufladen. Nach ca. 3 Stunden waren sie wieder voll und es konnte weitergehen. Natürlich entluden sie sich schneller, wenn man öfter zu zweit fuhr. Mehr Gewicht, mehr Energie. Doch waren sie erst mal voll aufgeladen, schafften sie auch locker mehr als die angegebenen 45 km/h Höchstgeschwindigkeit. Mein Rekord: 56 Kilometer pro Stunde. Zugegeben: Bergab, aber immerhin.

Wasserscheuer Flitzer
Was der kleine Retro-Roller gar nicht mag, ist Wasser. Ist ja auch klar, so also Elektro-Fahrzeug. Eine Nacht musste er im Regen verbringen und zahlt es mir am nächsten Tag richtig heim. Der ohnehin schon recht laute Blinker, übrigens das Lauteste am gesamten Roller, knarzte und knirschte, sobald ich in ausschaltete. Aber die ganze Zeit mit eingeschaltetem Blinker herumfahren war auch keine Option. Nach kurzer Rückfrage beim Servicepartner wurde mit mitgeteilt, dass wohl Wasser in die Elektrik eingedrungen sei. Sobald das getrocknet wäre, würde es wieder aufhören. Und tatsächlich. Ein paar Stunden in der nachmittäglichen Sonne und schon schnurrte der E-Roller wieder wie ein Kätzchen, oder auch nicht, weil man ja nichts hört. Aber wenn er schnurren könnte …Von da an deckte ich ihn immer brav ab.

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Ein weiterer kleiner Schrecken jagte mir der Roller ein, als ich vergaß den Ständer einzuklappen. Er wollte einfach nicht losfahren. Offenbar eine Sicherheitsmechanik, genau wie zeitgleiches Bremsen und Gasgeben. Da schaltet sich der Antrieb automatisch aus. Sobald der Ständer wieder eingeklappt oder die Bremse losgelassen wird, kann man auch wieder normal Gas geben und weiterfahren. Macht aus Sinn, wer möchte schon irgendwann feststellen, dass er seinen eigenen Roller-Ständer abgefahren hat? Auch als Fliegenfänger eignete sich der E-Roller hervorragend, besonders wenn man als Fahrer einen Helm trägt, der halb geöffnet ist. Mit offenem Mund zu fahren ist da nicht ratsam. Interessanterweise musste ich feststellen, dass man mit so einem Roller viel eher versteht, was schlechte Straßenverhältnisse sind. Man ist vor fast keinem Schlagloch sicher und auch die Abgase machen keinen Spaß. Immerhin stinkt man als E-Roller Fahrer selbst nicht.

Spaß macht er dennoch, auch im normalen Straßenverkehr. Besonders bei Stau, denn da kann man diesen mal eben umfahren. Doch Achtung, den Emco E-Roller hört man und riecht man nicht. Da hilft nur noch die kleine Hupe zu betätigen, um sich anzukündigen. Hup Hup!

Fazit:
So ein Elektroroller macht immens viel Spaß. Besonders bei schönem Wetter. Er stinkt nicht, ist schön leise und kann sich im 60er Jahre Retro-Look wirklich sehen lassen. Einzig der Preis dürfte für einiges Zähneknirschen sorgen. Ab 3.650 Euro kostet der Spaß mit nur einem Akku und 50 Kilometer Reichweite. Ein zweiter Akku kostet fast 1000 Euro extra und muss eventuell nach ca. 4 Jahren auch wieder ausgetauscht werden. Da muss man sich dann natürlich auch fragen, wie umweltfreundlich das Recycling dann ausfällt. Nichtsdestotrotz macht der Retro-Flitzer eine Menge Spaß und wird auch im nächsten Sommer eines meiner favorisierten Transportmittel bleiben.

Fotos und Text: Simone Amores

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Simone Amores
Autos waren schon immer meine Passion, aber erst vor ein paar Jahren fing ich damit an, auch darüber zu berichten. Als freie Online-Journalistin genieße ich die Zeit auf vier Rädern so oft es geht. Neben dem modeln und reisen surfe ich aber auch gerne auf der virtuellen Welle. Frei nach dem Motto: „Lieber dauernd online als ständig von der Rolle.“

2 Comments

  1. Einen wirklich schönen Roller, den du da hast 🙂 Vor allem wenn man berücksichtigt, welche Vorteile Elektroroller für die Umwelt haben. Auch ich habe mir vor einem Jahr einen Elektroroller zugelegt und bin damit mehr als zufrieden. Reicht völlig für den Weg zur naheliegenden Arbeit aus und verbraucht keine Abgase 🙂

    Liebe Grüße

  2. Solange man das Reichweite und das Ladezeitproblem nicht gelöst bekommt, wird sich die E-Mobilität schleppend durchsetzen!
    Wer täglich 30 bis 50 km pendelt zur Arbeit oder wo auch immer der wird auch mal weitere Strecken fahren wollen bei denen er ziemlich schnell an die Kapazitätsgrenze der heutigen Akkus kommt. Und wenn es im Winter kalt wird halbieren sich die Werte. Allerdings wäre das nicht mal so tragisch wenn man das wie einen Benziner in 3 Minuten auftanken und weiterfahren könnte.