Erster Test: Der neue Mitsubishi L200

Weimar – Erster Test

Goethe, Schiller und Herder und danach eine ganze Republik. Und jetzt auch noch den neuen L200 von Mitsubishi. Weimar ist ein Kulturerbe und bietet bildungsreiche Einsichten in die deutsche Geschichte. Der L200 bietet neben der Kunst und der Kultur Weimars das handfeste Gegenstück – er ist der Antipode des Lifestyle-SUV. Als souverän mag man ein SUV beschreiben können, doch der L200 ist aus einem gänzlich anderen Blech geklopft als die vielen aktuellen SUV-Modelle am Markt. Der L200 ist kein Dichter und Denker, er ist ein Macher.

Die Tat ist alles, nichts der Ruhm

Erste Testfahrt im neuen Mitsubishi L200

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Das ist nicht der Wasserfall! – Leider war kein Fotograf vor Ort und die Foto-Ausrüstung von m-a-b defekt 🙁

Pick up of the Year – so geht es!

Über 60.000 Zulassungen seit 1993. Der L200 von Mitsubishi gehörte schon immer zu den festen Größen im Segment der „nützlichen“ Lastentiere. Allerdings hat er sich über die Jahre den Schneid abkaufen lassen. Nissan Navara, Volkswagen Amarok und der Ranger von FORD waren erfolgreicher. Eventuell auch, weil man bei Mitsubishi den Fokus zu sehr auf „Nützlichkeit“ denn „Unterhaltung“ gelegt hatte? Mit der nun fünften Auflage will man bei Mitsubishi mit dem L200 wieder in die Top3 der Pick-Trucks platzieren. Die Chancen dazu? Sie stehen gut – der L200 bietet, was andere nicht mehr bieten können!

Profi-Werkzeug

Gleichwohl der L200 neu entwickelt wurde, die Größe bleibt doch ganz ähnlich. Der Radstand beträgt weiterhin 3 Meter und mit einer Gesamtlänge von 5.2 Metern(5.195 mm) beim ClubCab und 5.3 Metern (5.285 mm) bei der Doppelkabine stellt sich der L200 durchaus als „ordentlich“ großer Lastenträger vor.

Beim Design spricht Mitsubishi von einem maskulineren Äußeren. Geschenkt, denn am Ende ist der L200 ohnehin eher ein Auto für Männer. Der Schreiber des Artikels fällt dabei genau in das typische Käuferbild: Männlich und 40 Jahre alt.  97 % der L200 Käufer sind Männer, ob da das maskulinere Design als Bestätigung gesucht wird? Wir können es bei der ersten Testfahrt rund um Weimar nicht ergründen.

Schöner wohnen, für Männer

Wer die 3 Tonnen Zugkraft oder die 1 Tonne Nutzlast des L200 benötigt, der wird sich vermutlich nicht viel um das Kapitel „schöner wohnen“ kümmern, doch es sei zur Vervollständigung angemerkt: Die fünfte Generation riecht nicht mehr nach Plastik, wirkt wertiger im Innenraum und ganz nebenbei hat das Cockpit an Größe gewonnen.

Die wichtigste Sonderausstattung? Vermutlich auch weiterhin die dicke Gummi-Fußmatte, wen kümmern da harte Plastik-Elemente in der Tür? Praktisch wie ein Akku-Schrauber von Bosch, nicht ChiChi wie eine rosa-Handyhülle.

NUTZ Wertig

Eine Tonne durch die Gegend wuchten, den Pferde-Anhänger über nasse Wiesen ziehen, der L200 ist der Kumpel, den man in dieser Situation um Hilfe fragt. Wer sich die Basis-Ausstattung verkneift, bekommt einen echten „always on“ Allradantrieb geboten. Mitsubishi nennt das System Super-Select 4WD II und es demonstriert auf einem ADAC-Gelände nähe Weimar, was den L200 von den „SUV-Brötchen“ vor dem nächsten Fußballer-Heim unterscheidet.

„Eigentlich fährt hier nur der Instruktor hoch“

Die Ansage der Mitsubishi-Mitarbeiter ist klar, der Wunsch des Autors auch. „Wenn ich die Sache mit dem „Super-Allradantrieb“ glauben soll, dann will ich selbst fahren.“

Kurzer Hinweis auf die fiesen Steine im Wasserfall, ebenso kurzer Hinweis auf die frischen Modelle – die sollen demnächst noch Mitsubishi-Händler überzeugen, das tuen sie am besten, in dem man sie nicht auf den Kopf legt. Nun – der Autor war stets bemüht.

KRAFT Fahrer

Den Allradantrieb per Drehwählschalter auf 4 LLC gestellt, jetzt schaltet das Getriebe in die Untersetzung und schließt das Mitten-Differential. Der Rest der Kraftverteilung werden wir nun dem Elektronen-Hirn des „Super-Select“ Antriebes überlassen.

Langsam ran an die Wasserfall-ähnliche Böschung. Es sind wirklich fiese Steine. Und es ist viel Wasser. Und als wir an den Hang fahren, spannt sich die Miene der Mitsubishi-Leute vor Ort an. Jetzt keinen Kratzer in das frische Blech.

Der L200 tut, was auch der „beste Kumpel“ tun würde, er hilft dir aus üblen Situationen heraus. Langsam kraxeln wir den Wasserfall hinauf. Gleichmäßig fahren, ermahnt mich der Instruktor. Mal zuckt es vorne links, mal hinten rechts, aber die Show fühlt sich zu jedem Zeitpunkt sicher an. Der L200 rumpelt über die nassen Steine, stützt sich am Hang in die Kraft seines neu entwickelten 2.4 Liter Turbodiesels.

Hand aufs Herz, dass es so einfach wird, dachte sich nicht einmal der Autor. Aber der L200 hat auf diesem Stück bewiesen, dass er hält, was viele nur versprechen: Er kann auch richtig „Off Road“ und beherrscht mehr als nur das „Bordsteinkanten-Hopping der SUV-Klasse“.

Intro-Edition I, II, III

Neuer Dieselmotor

Unter der Haube des L200 rumort ein neuer Voll-Aluminium-Motor mit verlängerten Wartungsintervallen und einer Steuerkette anstelle eines Zahnriemens. Mit 154 PS in der „zahmen“ Variante und 181 PS in der „Power“-Version. Gekoppelt werden kann der Langhuber-Diesel (86,0 x 105,1 mm | Bohrung mal Hub) mit einer vermeintlich ältlichen 5-Gang Automatikbox. Oder einem manuellen Sechsganggetriebe.

Dass der Automat nur fünf Gänge hat, stößt auf dem Papier erst einmal auf, doch bei der Fahrt im Gelände zählt nur die Fähigkeit, eine Untersetzung einzulegen und auf der Straße kann der überarbeitete Automat mit einem besser abgestimmten Wandler und Zuverlässigkeit punkten. Sicher – es gibt „so genannte“ Geländewagen, die mit neun Gängen punkten wollen. Ob die aber auch eine Tonne Nutzlast auf Dauer mit den 430 Nm des großen Diesels durch das Gelände wuchten?

Eben.

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Der L200 als Doppel-Kabiner. Ordentlich Platz auch in Reihe zwei – ohne Abstriche bei der Ladefläche!

On the road

Wer sich nicht durch grobes Gelände wühlt, der freut sich „on the road“ über die verbesserte Geräuschdämmung und trotz Starrachse und Blattfedern hat der Fahrkomfort gegenüber dem Vorgänger ganz eindeutig gewonnen.

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L200 Intro Edition III – UPE: 38.690 € (181 PS)
Fazit

Wald, Wiese, Baumarkt – der Experte!

„Die Tat ist alles, nichts der Ruhm“ (Johann Wolfgang Goethe)

Der L200 suhlte sich die letzten Jahre nicht dröge in seinem Ruhm – 15x Pick Up of the Year – er hat sich ordentlich weiter entwickelt! 

Mitsubishi hat mit dem neuen L200 ein Arbeitstier im Portfolio, dessen Überarbeitung echte Werte gebracht hat. Bei den Assistenzsystemen gibt es nun auch eine Anhänger-Stabilisierung, einen Spurverlass-Warner und mit sieben Airbags packt der L200 erfolgreich auch das Kapitel Sicherheit mit ein. Dass man sich zusätzlich auch noch die Rückfahr-Kamera gönnen kann und an der Front Bi-Xenon-Scheinwerfer die Nacht erleuchten – ein weiteres Top-Argument für den „echten Handwerker“ in uns – auch wenn es doch nur zum Akku-Schrauber-Benutzer reicht.

Immer mit Allrad, immer mit Diesel, immer mit einer richtigen Ladefläche und zum Start mit drei attraktiven Sondermodellen. Offiziell startet der L200 zur IAA im September, allerdings gibt es bereits ab August die ersten Fahrzeuge bei den Händlern. Der L200 startet bei 26.290 € (Club Cab, brutto).

Mitsubishi L200 | Zu den technischen Daten [klick]

 

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Bjoern

Autos und Motorsport – meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden.
Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports.

http://about.me/bhabegger

8 Comments

  1. Lieber Schreiber, in einem Punkt muss ich Ihnen widersprechen, ich gehöre nicht in das Käuferbild, männlich über 40.
    Nein ich bin weiblich und ein ganzes Stück älter, dennoch schlägt mein Herz bei solch schönen brachialen Autos höher.

    Mal schauen vielleicht klappt ja eine Probefahrt. Dann werde ich Ihnen gerne berichten.

    Lieben Gruß Heike

    1. Liebe Fr. Lippert,

      diese Form des Widerspruches finde ich gut 🙂
      Sagen Sie Bescheid wenn Sie den L200 gefahren sind.

      Mit den besten Grüßen,
      Bjoern Habegger

  2. Herrlich lockerer Bericht über ein tolles Auto, was sich schon oft und lange bewiesen hat. Ein echter Offroader und somit ein Lichtblick in der Landschaft der Pseudo-Geländewagen!

    Gruß Michael

Land Rover Experience 2017 Peru – Über Stock und über Stein

Die Land Rover Experience Tour 2017 hat sich mit Peru sicherlich eines der interessantesten und vielfältigsten Länder dieser Erde für ein Abenteuer ausgesucht. Rund 1800 Kilometer Straßen und Pisten, entlang des Pazifiks, durch die Wüste, in die Höhe der Anden und in den Dschungel. Alle Teilnehmer können bei ihrem Abenteuertrip durch das Land im Osten Südamerikas auf den Discovery bauen, der, mittlerweile in seiner fünften Generation, Menschen und Material zuverlässig zum Ziel bringt. Mein auto blog Autorin Solveig Grewe war ein Stück weit dabei in dem Land voller Kontraste, extremer Höhenunterschiede und den gastfreundlichsten Menschen überhaupt.    

  

Mit Hingabe poliert Ciro die halbhohen dunkelbraunen Schnürschuhe, die er zuvor mit einer geheimnisvollen Creme behandelt hat. Der ausgehandelte, wohlwollende Preis für die Aktion liegt bei vier US Dollar. Das ist eine Menge Geld für den peruanischen Schuhputzer, in dessen Heimat der Durchschnittsverdienst pro Tag bei gerade mal einem Viertel davon liegt. In dem pittoresken Andenort Cusco sind Touristen die beste Kundschaft für Ciro. Nach getaner Arbeit gibt er breit grinsend noch vier Tage Garantie auf den Hochglanz, der sich jetzt eingestellt hat. Was er nicht ahnt, ist, dass die Schuhe schon einen Tag später einer harten Bewährungsprobe unterzogen werden. Cusco ist der erste Programmpunkt der zwölften Land Rover Experience Tour, die in diesem Jahr zum zweiten Mal nach Südamerika führt und aus einem Tross von 16 Land Rover Discovery und drei begleitenden Range Rover Sport besteht. Der erste Höhepunkt der Tour ist die für jeden Peru Touristen obligatorische Ruinenstadt Machu Picchu – Zeugnis der lange untergegangenen Inka-Kultur. Mach Picchu zeigt sich gerade wolkenverhangen und dadurch besonders mystisch. Die Anfahrt bleibt Bahn und Bus vorbehalten, Autos ist sie untersagt.

Am nächsten Tag geht es mit dem Flugzeug ins 500 Kilometer östlich und am Pazifik gelegene Pisco. Die heiße sandverhangene Luft flirrt, als der Tross bei Ica in eine der trockensten Wüsten der Erde abbiegt. Ein kurzer Stopp noch, um den Reifendruck der hier unerlässlichen Offroad-Reifen (Goodyear Wrangler DuraTrac) von knapp drei bar Druck auf 1,8 bar abzusenken. Das vergrößert die Auflagefläche und verbessert die Traktion im Sand. Dann heißt es, das  Fahrwerk hochstellen und im Offroad-Programm den passenden Modus für den Allradantrieb zu wählen. Es ist früher Nachmittag, die Sonne senkt sich langsam über die mit Reserverädern und Benzinkanistern auf dem Dach schwer bepackten „kings oft the hills“ inmitten der bizarr geformten mächtigen Dünen. Der Verlauf des Tracks wird wegen der Schatten langsam unübersichtlich. Ohne viel Wenn und Aber treibt der Sechszylinder Kompressor Benziner mit 340 PS und 450 Nm die weit mehr als 2 Tonnen schweren Fahrzeuge durch den Sand. Doch Achtung, wer der Spur nicht präzise folgt, der landet schnell im Abseits, was hier mit tiefem Sand gleichzusetzen ist. Eine tückische Linkskurve hinunter und gleich wieder ein steiler Hang nach rechts hoch, da ist es auch schon passiert. Gleich zwei Fahrzeuge bohren sich mit ihrer Front in den Sand. Eine erste Gelegenheit und in einem Fall eine wahre Herausforderung für die Mechaniker, die die Kolonne begleiten und deren hauptsächliche Aufgabe bisher nur daraus bestand, durchdrehende Räder mit Sand zu unterfüttern. Jetzt hängen gleich drei von ihnen über und unter dem aufgerissenen Kühler des einen Disco, um ihn mit Hilfe mitgeführter Ersatzteile, Kabelbinder und Klebeband wieder fahrbereit zu machen.

Über den so fein gewienerten Schuhen liegt längst die gleiche Patina wie über dem Lack eines jeden Discovery. Am nächsten Tag geht es von nur wenigen Metern über NN über asphaltierte Straßen, die diesen Namen eigentlich nicht verdient haben, immer wieder abgelöst von noch schlechter zu befahrenen scharfkantigen Geröllstrecken, hinauf auf 4500 Meter in den Zentralanden. Schlaglöcher ohne Ende und der gefährlichsten Art, weil man ihre Tiefe nur erahnen kann. Die schnellen Entscheidungen, welche umfahren werden müssen und welche durchfahren werden können, fordern den Fahrern volle Konzentration ab. Die Allradler machen dabei dank Luftfederung weitestgehend gute Miene zum bösen Spiel. Doch versehentlich übersehene „schlafende Polizisten“, wie sie in Deutschland gerne genannt werden und die hierzulande in besiedelten Gegenden oder Gefahrenstellen über die gesamte Fahrbahnbreite zu schnelle Fahrt abbremsen, nimmt selbst das komfortabelst eingestellte Fahrwerk krumm. Den Atem raubt das alleine noch keinem der Fahrer, wohl aber die Höhenluft bei einigen. Auf über 4000 Meter Höhe fällt der Sauerstoffgehalt so gering aus, dass selbst wenige Schritte draußen bei den unvermeidlichen Zwischenstopps zur vorher unvorstellbaren körperlichen Anstrengungen werden.

Den Einwohnern macht diese Höhe nichts aus. Stoisch treiben sie ihre Kuhherden an den Autos vorbei, winken aus ihren Häusern oder Hütten, obwohl ihre frisch gewaschene Wäsche auf der Leine unter dem von dutzenden von Rädern aufgewirbelten Staub erkennbar leidet. Sie lachen, freuen sich, dass in der Einsamkeit der Bergwelt endlich mal etwas passiert. Dann windet sich die Straße wieder höher hinauf, wird enger. Links die Felswand, rechts der Abgrund. Mehr als zwei Meter Breite bringt der Disco auf die Straße, das Verkehrsschild weist nicht mehr als 3,20 Breite der Straße auf. Entgegenkommen sollte jetzt besser niemand. Wer den Berg hinauf fährt, muss warten. An diese Regel halten sich ausnahmslos alle, Ausweichbuchten gibt es genug. Die warnenden Hupsignale vor jeder Kehre sind über Stunden die dominierende Geräuschkulisse der Fahrt.

Am nächsten Tag setzt Nieselregen ein. Die Straßen bleiben schmal, die Geröllstrecken werden glitschig. Steinbrocken, die sich irgendwann vorher gelöst haben, und jetzt auf der Straße liegen, machen die Fahrt zum Slalom. Zur rechten sucht sich ein Wasserfall Hunderte von Metern über den Autodächern seinen Weg, seine Ausläufer münden in einem ausgewaschenen Bachbett. 28 Zentimeter Bodenfreiheit beim Disco und Achsverschränkungen von 50 Zentimeter helfen, den Weg zum anderen Ufer mit Bedacht zu erreichen. Dort wird der rotbraune Weg immer mehr zum Schlammgemenge. Nur langsam schiebt sich die Kolonne vorwärts, die grüne Wand des Dschungels rückt immer näher und scheint den Tross verschlucken und auf ewig in sich aufnehmen zu wollen.

Als Tagesziel steht Huancayo auf dem Programm, eine Stadt mit über 300 000 Einwohnern auf etwa 3200 Metern Höhe. Welch ein Kontrast zu der Urform alles Lebens im Dschungel. Auf zwei Spuren strebt alles miteinander, aber eigentlich immer durcheinander in Richtung Innenstadt. Immer wieder sind es die kleinen Taxis, die hier wie wohl überall auf der Welt wegen ihres Motorengeräusches liebevoll TucTucs genannt, die einem gerne schon mal den Weg abschneiden. Doch immer wieder ist es dieses  entwaffnende Lächeln der Peruaner, das erst gar keinen Ärger aufkommen lässt und einen schnell die Strapazen der vergangenen Tage vergessen lässt. Leider führt der Weg nicht mehr nach Cusco, so dass die Garantie für den Glanz der braunen Schnürschuhe  leider verfallen wird.

Text und Bilder: Solveig Grewe

Zukunft der Mittelklasse — Alle Infos und Fotos zu A4, 3er, C.Klasse und Co.

Die Mittelklasse erfindet sich gerade mal wieder neu, denn mit einer behutsamen Evolution ist es nicht getan. Der vorgezeichnete Weg zur Elektromobilität und zum autonomen Fahren erfordert neue Konzepte, und der Trend zum SUV knabbert weiter am klassischen Portfolio.

So rechnet Audi-Chef Rupert Stadler bereits für 2025 mit einem SUV-Anteil von 50 Prozent in seiner Modellpalette, aktuell liegt er hierzu- lande noch bei 25 Prozent. Mit Folgen für das übrige Programm: Der A4 – lange Zeit Bestseller und Umsatzbringer der Marke – verliert an Bedeutung und Stückzahl. In Deutschland belegt er zwar von Januar bis September als erfolgreichster Audi Platz sechs bei den Neuzulassungen, doch speziell im wichtigen China-Markt schwächelt der Absatz.

Neuer Audi A4 kommt mit A8-Touchscreens

Als Hauptproblem gilt das Design, das sich zu wenig vom Vorgänger und von den Schwestermodellen unterscheidet. Abhilfe soll ein umfassendes Facelift schaffen, das allerdings noch bis Juni 2019 auf sich warten lässt. Dabei geht es nicht nur um kosmetische Retuschen im Detail, sondern um einen kraftvolleren, „lauteren“ Auftritt, der teure Änderungen am Blech erfordert. So sind die Radhäuser stärker ausgestellt, die Scheinwerfer deutlich flacher gestaltet und der Frontgrill in die Breite gezogen. Zudem werden die einzelnen Lines optisch klarer differenziert.

Im Cockpit halten analog zum neuen A8 und A7 zwei Touchscreens für Infotainment sowie Klima- und Komfortfunktionen auf der Mittelkonsole Einzug, die den bisherigen MMI-Controller ersetzen. Des Weiteren wird die Antriebspalette sukzessive hybridisiert und auf ein 48-Volt-Bordnetz umgestellt, um längeres „Segeln“ (bis 22 km/h) und mehr Rekuperation zu ermöglichen. Und während der S4 3.0 TFSI nach kurzer Homologationspause schon jetzt wieder lieferbar ist, kommt im nächsten Sommer erstmals ein S4 TDI mit V6-Biturbodiesel und rund 350 PS hinzu.

Der Modulare Längsbaukasten für Verbrennungsmotoren bleibt auch über den nächsten Modellwechsel hinaus (2022/23) erhalten, weil klassische Bauformen und Antriebsarten in vielen Märkten weiter dominieren. Nur die ganz Großen wie der VW-Konzern können sich parallel dazu eine völlig eigenständige Elektro-Plattform wie den Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB) leisten, den auch Audi für seine neue e-tron-Familie nutzt. So wird der A4 keine zusätzliche Elektrovariante, sondern ab 2019 einen weiteren hausinternen Rivalen neben A5 und Q5 bekommen – den außen nur wenig größeren, aber wegen des platzsparenden Antriebs innen deutlich geräumigeren e-tron Sportback.

BMW 3er wird leichter und wächst

Auch BMW baut seine i-Palette weiter aus, setzt dagegen auf eine gemeinsame Cluster-Architektur (CLAR) für alle Antriebsarten und Baureihen mit Hinterrad- oder davon abgeleitetem Allradantrieb. Laut Firmenchef Harald Krüger soll künftig jede Baureihe auch rein elektrisch fahren können, den Anfang macht 2020 der X3. Ein Jahr später kommt dann der i4 mit zwei E-Motoren, Allradantrieb und -lenkung, Torque Vectoring und teilaktiver Radaufhängung wie in der IAA-Studie Vision Dynamics. Statt einer teuren Carbonstruktur nutzt der Stromer jedoch die weiterentwickelte CLAR-Basis mit gewichtsoptimierten Werkstoffen zur Kompensation der schweren Batterien.

Beim nächsten 3er dürfte die reine E-Variante auf den meisten Märkten eine Randerscheinung bleiben, denn für 2025 erwartet BMW nur noch eine E-Auto-Quote von 20 statt der einst avisierten 25 Prozent. Damit auch bei den konventionellen Modellen Verbrauch und Emissionen spürbar sinken, wird die Anfang 2019 mit der Limousine startende siebte Generation um rund 40 kg leichter und mit feingetunten Turbomotoren ausgerüstet – Stichwort Elektrifizierung und 48-Volt-Mildhybrid. Trotz der um sechs Zentimeter gewachsenen Länge soll auch die Fahrdynamik von der Diät profitieren.

Ab 2021 kommt die neue Mercedes C-Klasse

Obwohl Mercedes erst sechs Jahre nach BMW (2019) eine separate Elektrosparte an den Start bringt, verfolgt die Marke eine ähnliche Strategie. Die EQ-Modelle nutzen einzelne Komponenten aus dem großen Technikbaukasten des Konzerns, sind aber ansonsten völlig eigenständig. Schließlich erlaubt der kleinere E-Antrieb ein besseres Package, das der rund 4,70 m langen EQ Limousine im Format der C- das Raumvolumen einer E-Klasse beschert. Doch während sich das Design dauerhaft von dem des traditionellen Portfolios unterscheidet, werden die Plattformen für Verbrenner und E-Autos ab 2025 sukzessive zusammengeführt.

Die nächste C-Klasse (W 206, ab Anfang 2021) nutzt jedoch über ihre gesamte Laufzeit den MRA-II-Baukasten, bleibt auch in Format und Design der bisherigen Linie treu. Allerdings kommen weitere Ableger hin- zu, zumindest ein Kombi im Offroad-Look namens All-Terrain sowie das viertürige Coupé CLC im Stil des größeren CLS sind gesetzt. Die gerade erst vorgestellten Vier- und Sechszylinder (Benziner und Diesel, auch als Plug-in-Hybrid) bieten noch viel Potenzial, während eine reine E-Variante nicht zur Diskussion steht.

VW entwickelt den Passat weiter – Alfa kommt mit Giulia-Kombi

Selbst jenseits des deutschen Premium-Trios stellt sich die Mittelklasse neu auf. Nach den Erschütterungen des Dieselskandals ist der VW-Konzern voll auf die Elektromobilität eingeschwenkt, fährt aber noch auf lange Sicht zweigleisig. Denn neben der rein elektrischen, optisch futuristischen I.D.-Familie, zu der ab 2021 auch die Fließheck-Limousine Lounge gehört, werden die klassischen Modelle wie der Passat weiterentwickelt und hybridisiert; der nächste Schritt kommt zum Facelift im Herbst 2018.

Ähnlich geht Skoda beim Vision E vor, der zwar mit 4,65 m Länge auf Octavia-Niveau liegt, aber als coupéartiger Elektro-Crossover völlig neue Kunden anspricht. Während Alfa Romeo und Volvo weiterhin fest an die Zukunft von Limousinen und Kombis glauben, stellt man bei Toyota den fertig entwickelten Avensis-Nachfolger grundsätzlich infrage und überlegt, stattdessen nur noch einen Crossover anzubieten. Es bleibt also spannend, denn mit Mittelmaß kann man in der Mittelklasse längst keinen Blumentopf mehr gewinnen.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/mittelklasse-zukunft-von-audi-a4-bmw-3er-mercedes-c-klasse-10216992.html