Fahrbericht Mercedes GL 350

Fahrbericht Mercedes GL 350

Eine Ausfahrt in der Ferien-Villa.

Wer anstelle eines Golfbags lieber ganze Golf-Karts einlädt, der sollte sich den Mercedes GL einmal näher anschauen.  Der Schwabe ist eine fahrende Luxus-Immobilie. An der Stelle, an der man mit Leichtigkeit ganze Golf-Turniere austragen könnte, befinden sich zwei „Not-Sitze“ – gefaltet unter dem Ladeboden. „Not-Sitze?“ Was sich elektrisch aus dem Boden klappen lässt, bietet kaum weniger Platz und Komfort als die normale Rückbank anderer Fahrzeugklassen.

Der GL-Testwagen kam in "Diamant weiß Bright metallic".
Der GL-Testwagen kam in „Diamant weiß Bright metallic“.

Während man darüber nachdenkt, ob man wirklich so viele Freunde hat, um alle Sitzplätze des GL zu besetzen, schweifen die Gedanken ab und bleiben faul und träge auf dem offenporigen Holz des Armaturenträgers liegen. Hier liegen sie gut. Von außen wirkt der weiße Testwagen wie eine moderne Villa im Bauhaus-Stil, nur die riesigen 20″  Winterräder verwirren beim Anblick ein wenig. „Wo soll ich mein Klingelschild befestigen?“ – Gehört es links neben den „Außenspiegel“? Richtig. Außenspiegel. Was man allzu leichtfertig als Ferien-Domizil anerkennt, soll gar nicht still stehen – nein. Dank einer guten Handvoll Zylinder, genug Hubraum und einem Turbolader mit variabler Schaufel-Geometrie lässt sich der weiße Riese mit der Hilfe von fossilem Brennstoff auf eindrucksvolle Reisegeschwindigkeiten beschleunigen.

240 Kilometer die Stunde? Kein Problem. Der Diesel fließt dann nicht mehr  ganz flottenverbrauchskonform, aber die Haltung bleibt gewahrt. Dank Airmatic-Luftfahrwerk bügelt der GL auch unwirsche Frostaufbrüche in den Tiefen seiner Radaufhängung glatt. Hier verliert niemand seine Fassung. Der GL schiebt seinen mächtigen Bug durch den Fahrtwind. Und das macht er vorzüglich.

Mit 258 PS ist der „kleine“ Diesel die bescheidene Wahl unter den Motorisierungsmöglichkeiten. Als GL 500 wummert ein feiner Achtzylinder im Bug und als GL 63 wären sogar beeindruckende 557 PS in dieser Einraum-Wohnung möglich.

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Leistungsdaten:

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PS

258

GL 350
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Beschleunigung

7,9

Sekunden 0 auf 100 km/h

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Topspeed

220

km/h
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On-Roader

Mercedes bezeichnet den GL als Off-Roader. Ich habe mich nicht ins Gelände getraut. Nicht aus Angst vor einer Anzeige des Bauamts. Bei jedem Abstellen des Motors könnte man das Parkieren eines 7-Sitzers mit 10 m² Grundfläche als Siedlungsversuch falsch verstehen. Nein – mir war der GL zu schade für das Gelände. Im Innenraum wurde eine ganze Kuh-Herde zu Tobacco-braunem Leder verarbeitet. Der Himmel war in dezentes Schwarz gehüllt und der bereits angesprochene Armaturenträger durfte sich in braune, offenporige Esche hüllen.  Zudem fehlte das On&Offroad Paket (Wert 2.261 €). Hier würde man mit dem Drehschalter die unterschiedlichen Fahrprogramme für das Gelände wählen können. Mehr Bodenfreiheit, sperrbare Differentiale und ein entkoppelbarer Stabi wären zudem Teil des Paketes gewesen. Ich nutzte nur die „On-Road-Qualität“ des GL.

Mercedes-Benz GL 350 03 Fahrbericht

Absurd ist es schon. Verkauft wird er unter der Bezeichnung „Off-Roader“ – aber so ganz unter uns: Der GL gehört zu den besten Reisemobilen (on the Road, Baby!) die ich in diesem Jahr fahren durfte.

Mercedes-Benz GL 350 04 Fahrbericht

Anstelle des On&Offroad Paketes war der Testwagen mit dem aufpreisflichtigen Active Curve System ausgerüstet. Neben der Luftfederung gehören hier aktive Stabilisatoren zur Fahrwerksausstattung. Dieses System minimiert die Wankneigung des GL und das tut es unglaublich gut. Der GL lässt sich im „Sport-Modus“ behände durch Kurven zirkeln. Ich bin so frei und behaupte; „Nie war eine Eigentumswohnung in Kurven stabiler zu fahren!“

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Alltagsfahrer, ohne Sparfuß

11.8

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Öko-Experte mit dem grünen Zeh

9.9

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Außendienstler mit Vollgas-Lust

14.7

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Alle Angaben in Liter auf 100 Kilometer

5.12 Meter lang. 1.85 Meter hoch.  Und mit einer – dem GL zu Ehre reichenden Ausstattung – 102.000 € teuer.  Das sind 30.000 € an Extras. Alternativ kann man natürlich auch einen Kleinwagen im Laderaum parken. Als Beiboot. Oder den bereits angesprochenen Golf-Caddy. Doch dann verpasst man die souveränen Multikontur-Sitze mit Memoryfunktion. Man würde auf die Sitzklimatisierung verzichten und auch auf beheizte  (oder gekühlte) Cup-Holder.  Und auf das klangstarke Harman-Kardon-Soundsystem.

Mercedes-Benz GL 350 05 Fahrbericht

Nein – da erscheint es deutlich sinnvoller, den GL-Laderaum leer zu lassen und die Ausstattungsliste dafür voll zu machen. Denn am Ende erhält man die S-Klasse unter den Geländewagen.

Und so bleibt nur eine Frage offen:

Das Klingelschild – wo bitte wird es denn nun montiert?

 

Punkte Wertung

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger