Fahrbericht Toyota Land Cruiser 2018 — So fährt der neue Gelände-Kreuzer

Fahrbericht Toyota Land Cruiser 2018 — So fährt der neue Gelände-Kreuzer

Der Toyota Land Cruiser ist einer der letzten echten Offroader auf dem Markt. Das 2018er Modell kommt mit neuem Schick, edlem Innenraum und mehr Komfort. Im ausführlichen Geländetest haben wir seine neuen und alten Qualitäten gecheckt.

Der Toyota Land Cruiser J15, nach dem Verkaufsende des gewaltigen V8 das Flaggschiff der Marke in Deutschland, debütiert zum Modelljahr 2018 in einer deutlich überarbeiteten Form. Dazu haben die Japaner den Offroader, der auf eine fast 70jährige Ahnengalerie zurückblicken kann, recht umfangreich umgestaltet. Das zum Modelljahr 2014 durchgeführte Facelift, mit dessen extrovertiert gestalteten Scheinwerfern auch eingefleischte Cruiser-Fans gewisse Verständnisschwierigkeiten hatten, wird damit zu den Akten gelegt.

Neuer Look beim Land Cruiser 2018

Statt den LED-„Tränensäcken“ mit weit herunter gezogener Verglasung fallen die neuen Scheinwerfer niedriger aus, der mit fettem Chromrand eingefasste Kühlergrill mit massiv wirkenden Streben unterstreicht den neuen Look. Dadurch fällt die Erscheinung viel edler und moderner als mit dem asiatischen Barockblick des bisherigen Modells aus. Zu der kompletten Fronterneuerung gesellt sich die Motorhaube mit in der Mitte abgesenkter Blechfläche, was laut Toyota die Übersicht nach vorne verbessern soll. Die doch recht radikale Umgestaltung des Vorderbaus bringt zudem einen technischen Längenzuwachs für den Land Cruiser, der sich alleine auf die Karosserieabmessungen bezieht und keine Änderungen im Innenraum zur Folge hat. Bei den Scheinwerfern wird je nach Ausstattungslevel auf LED-Technik gesetzt, die Rückleuchten verfügen nun standardmäßig über LED-Licht.

Die technische Basis des neuen Land Cruiser entspricht dem 2016 runderneuerten Modell, damals wurde die neue Motor-/Getriebekombination eingeführt, die auch den neuen J15 bewegen wird: In Westeuropa ist er ausschließlich mit dem 2,8 Liter großen Vierzylinder-Diesel bestückt, der 177 PS und 450 Newtonmeter freisetzt. Angesichts des Leergewichts von je nach Ausstattung bis zu 2,4 Tonnen bleiben die Fahleistungen damit auf einem dem Namen entsprechenden Cruiser-Niveau: Vmax 175 und eine Sprintzeit von 12,1 (Sechsgang-Handschaltung) beziehungsweise 12,7 (Sechsstufen-Automatik) Sekunden.

Edlerer, renovierter Innenraum

Große Renovierungsarbeiten fanden außerdem im Innenraum statt. Für die betont konservativen Toyota-Verhältnisse beinahe eine Revolution ist die Verfügbarkeit von drei Innenraumfarben, neben Schwarz und Schwarz/Braun wird es künftig auch ein nobles Beige geben. Außerdem wurde praktisch die komplette vordere Landschaft neu gestaltet. Dazu gehört unter anderem der mittlere Armaturenbereich mit dem Multimedia-Monitor. Hier wird die Klimatisierung noch ganz klassisch mit einzelnen Reglern statt über ein grafisches Untermenü bedient. Die überaus umfangreiche Geländetechnik erhält ein eigenes Bedienbord. Hier lassen sich unter anderem das Untersetzungsgetriebe, die Differentialsperren, die Fahrwerkshöhe und die Gelände-Automatik Crawl Control ansteuern.

Komplettiert wird die überarbeitete Optik mit dem neu gestalteten Lenkrad, neuen Einfassungen für die Optitron-Instrumente, einem neuen Schalthebel sowie der Ambiente-LED-Beleuchtung mit zahlreichen Lichtquellen. Das Toyota Safety Sense System mit Kamera und Radar verfügt über ein Pre-Collision Safety System mit Fußgänger- Erkennung, eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, einen Spurverlassens-Warner sowie einen Fernlichtassistenten. Das 360-Grad-Kamerasystem ist für den Offroad-Einsatz um eine Sichtfunktion auf den Boden erweitert worden.

So fährt der neue Land Cruiser

Der Erstkontakt mit dem neuen Jahrgang ist das Treffen mit einem alten Bekannten. Die wuchtige, hoch aufragende und opulente Form des Toyota-Flaggschiffs weckt bereits im Stand das Vertrauen darauf, sofort damit zu einer Weltumrundung aufbrechen zu können. Dass dies allerdings nicht mehr ganz so einfach ist wie noch vor ein bis zwei Jahrzehnten, macht das Umfeld deutlich, wir testen den Land Cruiser mitten in Namibia. Hier ist zwar das Gelände mit einer überraschenden Vielfalt zwischen Sandwüste, Geröllpiste, kniffligen Passagen in Gebirgsformationen und sumpfigen Feuchtgebieten wie geschaffen für den kernigen Offroader. Doch der für Land Cruiser-Verhältnisse nagelneue, 2016 eingeführte Dieselmotor ist wegen der inzwischen vorgeschriebenen Abgaswerte ein Feinschmecker im Bezug auf die Dieselqualität, die es in vielen Teilen Afrikas so (noch) nicht an den Zapfsäulen gibt.

Die Neugestaltung der Armaturenlandschaft fällt nur auf, wenn man sich den Vorgänger ins Gedächtnis ruft. Denn eigentlich sieht alles so aus, als sei es schon immer so und nicht anders gewesen. Die Bedienbarkeit speziell der einzeln anwählbaren Geländeoptionen wie der Zentralsperre oder den verschiedenen Fahrprogrammen hat gewonnen, wobei Toyota markenüblich auch weiterhin einzelne Schalter irgendwo an merkwürdige Stellen versteckt. So etwa den Knopf für die neuen Kamera-Perspektiven rechts hinter dem Lenkrad. Wuchtig fällt die Tür ins Schloss, mit dem seit Jahrzehnten bekannten typischen Anlassersingsang (daran erkennt man einen Toyota-Geländewagen auf 100 Meter) nimmt der Großdiesel seine Arbeit auf und wird dann augenblicklich zum Leisetreter.

Gemütliches Getriebe

Bei der Runderneuerung stand eine Überarbeitung der Getriebesoftware offenbar nicht auf dem Plan. Behäbig setzt sich der große Wagen in Bewegung, Balu der Bär aus dem „Dschungelbuch“ kommt einem unweigerlich in den Sinn: Probier’s mal mit Gemütlichkeit. Richtig spontan geht definitiv anders, doch damit könnte man leben, wenn nicht die unnötig lange und unnötig häufige Mitarbeit des Drehmomentwandlers am Getriebegeschehen wäre. Obwohl das hohe Motordrehmoment früh und üppig in Habachtstellung bereit steht, verlegt sich die Getriebesteuerung vor allem im Bereich unterhalb 100 km/h unnötigerweise auf eine Schaltlogik, die dem Vierzylinder hohe Drehzahlen abpresst. Schon bei geringen Gaspedalbewegungen wird die Wandlerüberbrückung geöffnet.

Die Fahrleistungen gehen jedoch völlig in Ordnung, Ob es eher zwölf oder eher 13 Sekunden sind, bis die Tachonadel die 100er-Marke passiert, ist völlig zweitrangig. Wer die linke Autobahnspur freiblinken möchte, findet bei europäischen SUV-Produzenten ausreichend Alternativen. Beim Land Cruiser geht es darum, dass man ankommt, nicht wie schnell, daran hat sich über all die Jahrzehnte nichts geändert. Und auch, dass er in Kurven, besonders wechselnden, gerne ein bisschen auf Seefahrer macht – ­ geschenkt.

Ein echter Geländekönner

Die wahren Qualitäten des nach wie vor mit solidem Leiterrahmen versehenen Land Cruiser kommen zum Tragen, wenn der Asphalt endet. Bereits auf mehr oder minder befestigten Pisten macht er mit einem stoischen Fahrverhalten bei völliger Klapperfreiheit klar, wo er wirklich daheim ist und die modernen Power-SUV doch bitte draußen bleiben sollen. Je gröber das Geläuf, desto mehr Freude scheint es dem Großkreuzer zu machen. Mit sehr guter Verschränkung und feinem Federungskomfort macht er Kilometer um Kilometer. Neu am 2018er Jahrgang sind einige Abstimmungen an der Geländetechnik. Die „Crawl Control“ getaufte Geländeautomatik lässt sich nun in verschiedenen Geschwindigkeiten einregeln, stört aber auch weiterhin mit ihrem sehr lauten Arbeitsgeräusch.

Die einstellbaren Geländeprogramme etwa für Fels oder Schlamm lassen sich nur mit eingelegter Geländeuntersetzung anwählen, was nicht wirklich einleuchtet – speziell im Tiefsand, aber auch auf Schnee ist man mit der Straßenübersetzung besser bedient. Was ebenfalls auffällt: Die zuschaltbare Hinterachs-Differentialsperre ist zumindest aus der deutschen Preisliste verschwunden, an ihre Stelle tritt ein weniger effizient wirkende Automatik-Sperre.

Fazit:

Der charakterstarke Land Cruiser hat in der überarbeiteten Version nichts von seiner Faszination verloren. Als zuverlässiger Begleiter für schwere Aufgaben bleibt er ein Maßstab, in der dynamisierten Straßen-SUV-Liga will er gar nicht mitspielen. Dass man ihm weiterhin nur 3.000 Kilo Anhängelast erlaubt, ist jedoch schade. Die gemütliche und gelegentlich unlogisch agierende Automatik ist ihm geblieben, wer auf spontanere Reaktionen setzt, sollte zum Schaltgetriebe greifen. Das gibt es allerdings nur in den beiden unteren Ausstattungsvarianten.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/toyota-landcruiser-2018-erster-test-664169.html

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